Johannes 1,42
Andachten
Da ihn Jesus sah, sprach er: Du bist Simon, Jonas Sohn; du sollst Kephas heißen (das wird verdolmetscht: ein Fels)
Jesus nimmt hier seinen Mann aufs Korn, wie man sagt. Der Herr schaut in Nieren und Herzen; er bedarf nicht, dass Jemand Zeugnis gebe von einem Menschen, denn er weiß wohl, was im Menschen ist. Unter dem groben Rock jenes Fischers Simon sah Jesus, wie der Steinschneider unter der Kieselrinde, einen Diamant. Anfangs hieß jener Fischer Simon; später - prophezeit ihm Jesus - solle er Kephas, Felsenmann, heißen. Jesus tauft die Leute um, indem er ihnen neue Namen und neue Herzen gibt. Er sah gleich jenem Fischer an: Aus dem lässt sich etwas machen; der muss mir ein Menschenfischer werden. Wenn aber Jesus uns ansieht, so deckt er uns auch auf, wie es um uns steht. Jesus ist das Licht der Welt, und jeder Blick Jesu, wenn er in ein verfinstertes, verweltlichtes Herz fällt, ist ein durchbohrender Lichtblick. Man stelle sich jeden Tag einige Augenblicke unter Jesu Augen, so wird er uns gar Vieles sagen und aufdecken. Das war nun die Sache Simons, sich so mustern zu lassen. Wer das nicht leiden kann, der wird nie den Herrn finden. Andreas hatte das Seine getan; er hatte vor seinem Bruder Zeugnis abgelegt und ihn dicht vor Jesum hingestellt. Mehr kann ein Mensch für einen Menschen nicht tun. Dann kommt nun die Frage: Kann ich, Jesu gegenüber, ein Gewissensexamen aushalten? Wer sich nichts sagen lässt, dem ist auch nicht zu helfen. Jesus, wenn wir ihm stille halten, sagt uns gleich, wes Geistes Kinder wir sind. Er nennt jenen Simon zuerst bei seinem natürlichen Namen; hat der Herr uns aber unsern natürlichen Zustand aufgedeckt, so bekommen wir im weiteren Umgang mit dem Herrn auch eine Umwandlungskraft, dass das Alte vergehe und Alles neu werde. Simon wird bald Kephas sein, der alte Mensch eine neue Kreatur; und damit wir zu demselben Wunder gelangen, ist hier die Bedingung: Wie Viele ihn aufnahmen, Denen gab er Macht, Gottes Kinder zu werden durch den Glauben an seinen Namen. (Friedrich Lobstein)
Und (Philippus) führte ihn (Simon Petrus) zu Jesu.
Wer selbst gefunden ist und gefunden hat, hat einen Trieb, andere Jesu zuzuführen. An solchem Triebe erkennt man das Leben des Glaubens. Wer selig gemacht ist, will selig machen. Andreas ward für seinen Bruder ein Führer zu Jesu durch sein Zeugnis von dem Herrn und dadurch, dass er ihn in Gemeinschaft mit dem Herrn brachte. Willst du jemand aus der Finsternis des Unglaubens retten, tue deinen Mund auf und bekenne, was du erkannt, aber vergiss nicht zu sprechen: Komm und sieh! Ermuntere ihn, dahin zu gehen, wo Jesus zur Herberge; treibe ihn an, die Bibel zu lesen, Gottes Wort zu hören, wo es lauter und frisch verkündigt wird. Der Apostel warnt nicht ohne Grund vor dem Verlassen der Versammlung. Man verlässt auch die Stätte, wo Christus sich sonderlich an den Herzen offenbart. Es ist eine eitle Rede, wenn sie sagen, das Christentum bestehe nicht im Kirchengehen. Ob es nicht darin besteht, so entsteht es doch sonderlich daher, dass man dort sich findet, wo der Herr ein Gedächtnis seines Namens gestiftet hat. (unbekannt)