Matthäus 7,22
Andachten
Es werden viele zu mir sagen an jenem Tage: „Herr, Herr! Haben wir nicht in deinem Namen geweissagt? Haben wir nicht in deinem Namen Teufel ausgetrieben? Haben wir nicht in deinem Namen viele Taten getan?“ Dann werde ich ihnen bekennen: „Ich habe euch noch nie erkannt; weicht alle von mir, ihr Übeltäter.“
Jesus offenbart hier die Herrlichkeit seiner Sohnschaft. Vom Vater lässt er sich durch nichts trennen, auch nicht durch das, was ihm auf der Erde das Liebste war. Er hat die Seinen lieb gehabt und kein anderes Eigentum begehrt als Menschen, die sich zu ihm bekennen, ihn ihren Herrn nennen und durch ihr Wirken der Welt zeigen, dass er ihr Heiland ist. Allein um ihretwillen verleugnet er den Willen des Vaters nicht. Weissagen, Geister vertreiben, Wunder wirken, das waren Vorgänge, durch die die Neuheit des Christentums besonders deutlich zum Vorschein kam; denn der Jude rechnete dies nicht zum Beruf eines Frommen. Und das Neue wurde allen dadurch kräftig vorgehalten, dass sie alle ihre großen Taten eifrig und laut mit dem Namen Jesu verbanden. Sein Name gab ihrem Wirken die Kraft; darum fiel auch der Ruhm nicht ihnen zu, sondern Jesu Größe und Jesu Macht wurde durch sie ans Licht gebracht. Dennoch erklärt ihnen Jesus: Ich habe euch nie gekannt, ihr seid mir völlig fremd und nie bestand zwischen mir und euch eine Verbindung. Sie rufen ihn an: Herr, Herr! Und er verleugnet sie; sie wirken für ihn und er verwirft sie; sein Name steht über dem Großen, das sie tun, und er nennt sie Übeltäter. Warum? Jesus liegt es daran, dass der Wille des Vaters getan werde. Kann man eine christliche Wirksamkeit üben und gegen Gott ungehorsam handeln? Das geschieht leicht. Jene kleinen Gebote, die von dem reden, was immer geschehen muss, sind leicht verachtet. Wenn man weissagen kann, muss man dann noch wahrhaftig sein? Wenn man Macht über die Geister hat, braucht man dann das zu tun, was der Samariter tat? Ist nicht Christlichkeit mehr als Ehrlichkeit, Liebe mehr als Gerechtigkeit? Für Jesus gibt es aber keinen Ersatz für den Gehorsam gegen Gottes Gebot, auch keinen christlichen Ersatz.
Du, Herr Christus, bist immer gnädig, wenn Du strafst, immer herrlich, wenn Du zürnst. Indem Du die verleugnest, die dich ehren und Gottes Willen verachten, bekennst Du Dich zu denen, die den Willen Seines Vaters tun. Gib uns allen, dass wir Dir so dienen, dass wir nicht von Dir verworfen werden. Amen. (Adolf Schlatter)
Es werden Viele zu mir sagen an jenem Lage: Herr, Herr, haben wir nicht in deinem Namen geweissagt? Haben wir nicht in deinem Namen Teufel ausgetrieben? Haben wir nicht in deinem Namen viele Taten getan?
Hier möchten wir denken: „Diese sind doch allzumal Erben des Himmelreichs. Er hat ihnen ja so große Kräfte verliehen. Sie haben Taten getan, welche nur der Glaube tun kann.“ Irret euch nicht. Ja, sie haben Glauben gehabt an Christum; aber nur den Glauben, dass sein Name gewaltig ist gegen alle Macht der Hölle, und kräftig zu allerlei Zeichen. Sie haben Christum gebraucht, nur um Taten durch ihn zu tun. Aber in sich selbst hinein haben sie ihn nicht arbeiten lassen. Da hat er die große Tat, dass sie durch Buße zum wahrhaftigen Glauben erneuert werden, nicht vollbringen können. Sie haben in seinem Namen geweissagt, und haben vergessen, sich selbst, wenn sie sich nicht bekehrten, das Gericht zu weissagen. Sie haben in seinem Namen Teufel ausgetrieben; aber in sich selbst haben sie sie wohnen lassen. Sie haben in seinem Namen viele Taten getan; aber die allernächsten und nötigsten haben sie versäumt. Sie haben auf fremdem Acker gegraben; aber den eignen haben sie wüst liegen lassen.
Heiliger Gott, vor dir kann Nichts bestehen, was nicht aus dir geboren ist. Vor dir Nichts gilt, als dein eigen Bild. Aller Schein und Heuchelei muss vor dir zu Schanden werden. Du wirst jeglichen Trug zerreißen, wie Sonne und Sturm den Nebel zerreißen. Wir wissen, wie viel halbes Wesen und wie viel Schein noch in uns ist. Wir wissen, wie oft wir uns noch durch Menschenweisheit verstricken lassen. Hilf, dass wir auch im Wandel ganze Menschen Gottes werden. und nicht länger mehr mit dem Fleische und der Welt Verträge schließen. O gib Gnade, dass es in uns klar werde, dieweil die Gnadenzeit noch steht, und du die Herzen nicht erst über sich selbst aufklären müssest in dem letzten Wetter des Gerichts, wenn keine Gnade mehr vorhanden ist. Amen. (Friedrich Ahlfeld)