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Psalm 39,8

Psalm 39,8

Andachten

Nun, Herr, wes soll ich mich trösten? Ich hoffe auf dich.

„Wie ohnmächtig ist der Mensch! Es ist nicht not, dass das ganze Universum sich waffne, um ihn zu vernichten, ein Hauch, ein Tropfen Wassers genügt, um ihn zu töten! Aber wenn auch das Universum ihn vernichtet, so ist der Mensch doch größer. Denn er weiß, dass er stirbt, aber das Universum weiß nicht, dass es ihn vernichtet.“ So sagt Pascal in seiner großartigen Weise. Es ist schön, was er sagt. Aber ich höre doch die Leser fragen: ist das Alles? Besteht darin die ganze Herrlichkeit und der ganze Vorzug des Menschen, dass er weiß, dass er stirbt? Mag ein Philosoph sich damit trösten: „Ich bin größer denn alle Kreatur, denn ich weiß, dass ich sterbe; ich sterbe mit Bewusstsein“,

Wahrlich, uns scheint das ein trauriges, höchst unerbauliches Privilegium, so lange wir nichts Anderes wissen, als dass der Tod das Ende des Lebens ist. Eben diese Wissenschaft kann uns nur Angst machen und alle Lebenslust und Lebensfreudigkeit hinwegnehmen. Auch der Psalmist wusste, dass er sterben müsse; ja, er bittet Gott, ihn das recht bedenken zu lehren. (V. 5.) Er malt es aus, wie wir hörten, dass der Mensch nur ein über die Erde ziehender Schatten sei, seine Tage nur eine Hand breit, dabei sein Leben voll zerreibender Unruhe, ganz und gar nichts, nichtig durch und durch. (V. 6 und 7.) Aber über dem Allen ist ihm nur so viel trauriger zu Sinnen geworden und von allem Trost verlassen wehklagt er: „Herr, wes soll ich mich trösten?“ Wir fühlen es durch: Er hat Umschau gehalten in aller Kreatur, um irgend einen Punkt zu finden, wo sein angstvolles, unruhiges Herz Anker werfen könne. Wie das Täublein Noah hin und herflatternd die Stelle suchte, wo ihr Fuß ruhen könne, - diese Stelle aber nicht fand und sich darum wieder zu der rettenden Arche kehrte, von welcher es ausgeflogen war, - so schwingt sich die geängstete, hin- und hergefegte Seele des heiligen Sängers hinauf zu Gott, dem Ursprung ihres Seins, und sucht in Ihm stille Ruhe und festes Fundament. „Ich hoffe auf dich! ich hoffe auf dich, o mein Gott und Herr.“

In Gott sich hineinretten aus dem Geist der Zeit heraus, das heißt in den Geist der Ewigkeit, der Unvergänglichkeit und des Lebens sich hineinretten. Jeder kann es erfahren, dass ihm, so viel näher er sich zu Gott herandrängt, so viel lauterer und kindlicher er mit ihm verkehrt, so viel gewisser wird ihm das Jenseits, so viel leuchtender strahlen ihm die Sterne der Ewigkeit, so viel gewisser wird es ihm, dass es nicht aus mit ihm sein kann, ob auch Leib und Seele verschmachten möchte.

Das war auch der Hoffnungsstand der alttestamentlichen Gläubigen. Obgleich sie in der Theorie und im Bekenntnis sehr wenig Klarheit über das Leben nach dem Tod hatten, in diesem: „Ich hoffe auf dich!“ ging ihnen die Sonne auf. Sie hatten das Grundgefühl, dass der Gott, dem sie dienten und vor dem sie in Einfalt wandelten, der Gott, der sich nach dem Namen sterblicher Menschen den Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs nannte, - der Gott, der im ganzen Leben, in allem Lieb und Leid, Kampf und Streit ihres Herzens Trost und Licht war, dass der auch mitten im Tod sie nicht könne sterben und verderben lassen. So ließen sie sich fallen in das Dunkel, da ihr Gott wohnte, nicht zweifelnd, dass auch Finsternis Licht sein müsse vor ihm.

Wir Kinder des neuen Bundes haben's leichter zu glauben. Der leibhaftige Gottmensch, der vor uns steht, ist die persongewordene Antwort des heiligen Gottes auf alle bangen Fragen unseres zitternden Herzens im Todesland. Wer je an seinen Herzen geatmet hat, der hat auch etwas von den Kräften der zukünftigen Welt erfahren, von den himmlischen Lichtgewalten, die ihn durchleuchteten und durchschauerten und ihm Freudigkeit geben laut zu rufen: „Ich werde nicht sterben, sondern leben!“ Man erfährt's in seiner Schule und Nähe, dass hier unten schon im stillen Herzensgrund die Erneuerung in das heilige Gottesbild langsam angebahnt wird und das finstere Bild der Sünde mehr und mehr verbleichen muss. Man ahnt es, ja man weiß es fester und fester, dass ein großer Tag wird kommen, wo das Alte vergehen und alles neu werden wird, leiblich und geistig, innerlich und äußerlich. Aber nicht aus der einmal gewonnenen Erkenntnis und Erfahrung Christi haben wir diese Gewissheit, sondern nur dann, wenn wir, wie der Psalmist, uns fort und fort aus dem Element der Sünde und des Todes dieser Welt hineinretten in die Arme unseres Wiederbringers: „Herr, wes soll ich mich trösten? Ich hoffe auf dich!“ (O. Funcke)


Diese Worte stehen in der Verbindung mit der Beschreibung einer äußerlichen und innerlichen Not, worin David einmal steckte. Er war krank und betete deswegen V. 11.12.: Wende Deine Plage von mir: denn ich bin verschmachtet von der Strafe Deiner Hand. Wenn Du einen züchtigst um der Sünde willen, so wird seine Schöne verzehrt wie von Motten. Auch kränkte es ihn nach V. 2. und 3., dass er musste den Gottlosen vor sich sehen, und dabei verstummet und still sein, der Freuden schweigen, und sein Leid in sich fressen. Endlich befürchtete er auch nach V. 9. wegen seiner Sünde den Narren ein Spott zu werden. Ob er nun gleich immer Macht genug hatte, Andern zu schaden, und in seiner Krankheit wenigstens den Mund zum Befehlen oder Schelten brauchen konnte: so wurde er doch von dem Geist Gottes nach V. 2. und 3. zum Stillesein angewiesen, und ergab sich auch dazu, wie er denn V. 10. sagte: Ich will schweigen und meinen Mund nicht auftun: Du wirst’s wohl machen. Er tat hingegen seinen Mund gegen Gott auf, und sagte: Nun HErr, wes soll ich mich trösten? Ich hoffe auch Dich. Es ist doch schön, wenn man einen König oder Feldherrn (denn eines von beiden war David, da er diesen Psalmen schrieb) bekennen hört: er könne sich keines Dings trösten, hoffe aber auf den HErrn. Die Ursache dieses Bekenntnisses war nicht eben der Mangel irdischer Hilfsmittel, sondern das Gefühl ihrer Unzulänglichkeit und Schwachheit, und zugleich die Furcht, einen ungerechten Gebrauch davon zu machen, überdies aber auch die Erkenntnis Gottes, als des treuesten und mächtigsten Trösters und Nothelfers.
Ich, der ich dieses heute lese, kann und soll eben dieses Bekenntnis vor Gott ablegen: Nun HErr, wes soll ich mich trösten? Ich hoffe auf Dich. Ich habe zwar Menschen um mich, die mir treu und hold sind. ich habe zeitliche Gaben von Gott empfangen, wodurch mein Leben und meine Wallfahrt erhalten und erleichtert werden soll: allein ich kann mich doch dieser Dinge nicht trösten. Brauchen kann ich sie wohl mit Maß und mit Danksagung: aber trösten kann ich mich derselben nicht; denn wenn ich es täte: so wäre ich trostlos, wenn mich Gott (wie es täglich geschehen kann) von diesen Dingen durch den Tod wegrisse. Aber so lange auch der Besitz und Gebrauch derselben noch währt, sollen sie doch nicht mein Trost sein. Meine Seele ist für Gott erschaffen. Er allein kann meines Herzens Trost und mein Teil sein, wie Assaph Ps. 73,26. sagt, weil Er allein unermesslich gut ist und allein Unsterblichkeit hat. Ich wende mich also von allen Geschöpfen weg, und sage zu dem HErrn: ich hoffe auf Dich. Dass ich auf den HErrn hoffen darf, habe ich Sünder meinem Erlöser und Fürsprecher Jesu Christo zu danken: und dass ich auf Ihn hoffen kann, dem Tröster, dem Heiligen Geist, der mich auf die wahren Verheißungen Gottes weist, und mich tüchtig macht, dieselben zu glauben. Ich stehe nicht in dem völligen Genuss der göttlichen Liebe (denn wer wollte bei Leibesleben darin stehen?); ich sehe hier Gottes Angesicht noch nicht: aber doch hoffe ich auf Ihn. Was ich schon von Seiner Liebe empfunden, und von Seiner Treue erfahren habe, ist mir ein Angeld künftiger Empfindungen und Erfahrungen. Ich hoffe auf Ihn, und erwarte, dass Er mich in keinem Stück verlassen und versäumen, sondern Seinen ganzen Liebes-Rat an mir ausführen, und alle Seine Verheißungen an mir erfüllen werde. (Magnus Friedrich Roos)


Herr, wes soll ich mich trösten? Ich hoffe auf dich.

Weg hast du allerwegen, an Mitteln fehlts dir nicht. Vor mir ist es verborgen, wie diese Trübsal zu einem guten Ende kommen soll. Aber du weißt Rat, wo Niemand Rat hat. Du hast Gedanken des Friedens, wo wir nur Leid und Angst sehen. Du bist der Gott, der Wunder tut. Du wirst es wohl machen. Aber wollen wir wie David an diesen Trost uns halten und an dieser Verheißung uns aufrichten, so müssen wir uns unter Gottes Züchtigung beugen als wohlverdiente Strafe unserer Ungerechtigkeit, so müssen wir uns seinem heiligen Gerichte übergeben und zugleich der Gnade Gottes uns in die Arme werfen; wir müssen uns selber völlig entsagen und nichts mehr von uns selber sein wollen, sondern Alles allein in und aus Gott: bis wir mit Seele und Leben in Gottes Händen liegen, und sprechen: Ich bin beides, dein Pilgrim und dein Bürger, wie alle meine Väter. Was für Wege wir auch geführt werden, wir wissen's nun, es sind Gottes Wege, und darum gut. Ob durch grüne Auen, oder dunkle Thale, in Gottes Namen, wie Gott will! Wollen mir seine Wege nicht gefallen, ich bin dein Pilgrim, das ist Trost und Erquickung. Werden seine Wege dunkel und verworren, ich weiß, wo ich daheim bin. Ich bin dein Bürger. In Gottes Stadt, im himmlischen Jerusalem, da ist meine Heimat. (Adolf Clemen)

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at/19/psalm_39_8.txt · Zuletzt geändert: von aj
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