Psalm 97,1
Andachten
Luther sagt von diesem Psalm: „Dieser Psalm ist eine Weissagung vom Reiche Christi; und ist immer die Meinung, dass Er solch Reich anrichtet und erhält durchs Evangelium, damit donnert und blitzet Er, und verbrennet seine Feinde, und zerschmelzet Berge usw., d.i. er demütigt alle Heiligkeit, Weisheit, Gewalt und was groß ist, dass sie allein durch Ihn müssen heilig, weise, groß und mächtig werden, und sonst nicht. Mit diesen Feinden und Bergen gehen unter auch der Juden Reich und Gottesdienst und alles, was nicht Christus ist. Denn Er soll’s allein sein, und alles Andere nichts.“ Die Ankunft des Herrn als Richters der Erde in furchtbarer Majestät wird hier wie Psalm 18 beschrieben; alle Völker sehen seine Ehre, den Götzendienern das Gericht zur Beschämung, aber Zion gereicht es zur herzlichen Freude. Alles Böse wird aufgehoben, der Fürst dieser Welt gerichtet und der Sieg Christi über die ungläubige Welt gefeiert. – Freue dich denn über dies Freudenreich deines Königs, meine Seele, und vergiss nie, was du in seinem Reiche von Ihm, deinem Haupt und Heiland, zu erwarten hast! Kein weltlicher Fürst kann seinen Untertanen versprechen, dass er ihre Seelen bewahren wolle; er kann nicht einmal ihren Leib und ihr Hab und Gut, geschweige ihre Seelen, über welche er keine Gewalt hat, schützen. Christus aber verspricht es, und was Er zusagt, hält Er gewiss. Und darum bleibt es wahr, womit der Psalm schließt: „Den Gerechten wird das Licht gesät und Freude den frommen Herzen.“ Christus hat für sie so viel Trost, Segen, Friede, Freude und Seligkeit bereitet, als alle Ackersleute der Welt vermögen Samen auszustreuen. Aber wie der Same Zeit haben will zum Wachsen und nicht eher aufgeht, bis seine Zeit kommt, so geht es auch mit der Freude und verheißenen Herrlichkeit der Reichsgenossen Jesu Christi; sie ist denselben schon bereitet, aber meist noch verborgen, bricht aber endlich desto reichlicher hervor zu ihrem ewigen Vergnügen. Kein Acker kann alsdann so voller Ähren stehen, als eine solche Seele Segen zu genießen hat. Der Himmel selbst kann mit so vielen Sternen nicht besäet sein, als sich an einem solchen Reichsgenossen Christi wird Herrlichkeit sehen lassen. Des tröste dich, meine Seele, und preise dafür ewig deines Jesu Freundlichkeit! Amen. (Friedrich Arndt)
“Der Herr ist König, des freue sich das Erdreich.“
Ursachen zur Beunruhigung sind keine vorhanden, so lange dieser köstliche Ausspruch wahr bleibt. Auf Erden stillt die Macht des Herrn die Bosheit der Gottlosen ebenso schnell wie die Wut des Meeres; seine Liebe erquickt die Seele des Elenden ebenso gern, wie sein Regen die dürren Lande. Majestätisch leuchten die Flammenblitze nieder mitten durch die schrecklichen Gewitterwolken, und die Herrlichkeit des Herrn verkündet sich in ihrer Größe durch den Fall mächtiger Reiche und durch den Sturz erhabener Throne. In all unsern Kämpfen und Trübsalen erkennen wir die Hand des göttlichen Königs.
„Allwaltend schaust Du vom Thron
Auf Deine Menschen nieder;
Schaust liebend Du, der Liebe Sohn,
Auf die erlösten Brüder.“
In der Hölle anerkennen die gefallenen Geister mit düsterem Mute seine unzweifelhafte Oberherrschaft. Wenn sie umhergehen dürfen, so ist's ihnen nur gestattet mit schweren Fesseln an den Füßen; dem Behemoth ist ein Gebiss angelegt und ein Hamen durchbohrt die Kinnladen des Leviatan. Des Todes Geschosse sind verschlossen unter des Herrn Riegel, und göttliche Gewalt ist der Wächter über des Grabes Gefängnisse. Die schreckliche Rache des Richters aller Welt macht, dass die Feinde heulen und mit den Zähnen klappen, gleichwie Hunde, die des Jägers Peitsche fürchten. „In Deine starke Hand hat Gott Das Zepter übergeben; Du herrschst über Höll' und Tod Und über Grab und Leben.“ Im Himmel zweifelt niemand an der Machtvollkommenheit des Königs der Ewigkeit, sondern alle fallen nieder auf ihr Angesicht, und bringen Ihm ihre Huldigung dar. Engel sind seine Hofleute, die Auserwählten seine Günstlinge, und sie sehnen und freuen sich alle, Ihm zu dienen Tag und Nacht. Möchten wir bald eingehen in die Stadt des großen Königs! (Charles Haddon Spurgeon)
Der Herr ist König; des freue sich das Erdreich, und seien fröhlich die Inseln, so viel ihrer sind.
Was hat einst die Gemeinde des alten Bundes fröhlich von ihrem Gott gerühmt: Der Herr ist König, das dürfen wir, die wir im Lichte der Erfüllung wandeln, vollends von Jesu Christo rühmen. Und das steht uns so unumstößlich fest und wir bedürfen des kein Zeugnis, seit er zur Herrlichkeit seines himmlischen Vaters eingegangen ist und sich zur. Rechten Gottes gesetzt hat. Unseres Glaubens Auge sieht Jesum in königlicher Majestät und alle Throne und alle Kronen der Erde wären viel zu wenig und zu gering, um diesen unseren König gebührend zu ehren und zu schmücken. Unseres armen Herzens höchste Freude aber ist's, dass unser Herr König ist. Denn er ist ein König sondergleichen, von unerschöpflichem Reichtum, von unaussprechlicher Huld, von unvergänglichem Bestand. Damit aber will er seinem Volke dienen und jeder einzelnen Seele in seinem Volke, dir und mir ohne Unterschied. Was kann uns also mangeln, wenn der Herr König ist? Aber wir wollen Mitgenossen unserer Freude haben; dass er König ist, des freue sich das Erdreich und seien fröhlich die Inseln, so viel ihrer sind, denn über das Erdreich vom Aufgang bis zum Niedergang und über die Inseln, wie sie weit und breit in den Meeren verstreut sind, erstreckt sich Jesu Herrschaftsgebiet, alle Kniee sollen sich ja ihm beugen und alle Zungen sollen bekennen, dass er Herr sei. Wo aber die Grenzpfähle seines Reiches aufgesteckt werden, da weicht die Nacht und Dämmerung der Traurigkeit der Welt; unter welcher das Herz des natürlichen Menschen gefangen liegt, und die Freude des mit Gott versöhnten Herzens und befriedeten Gewissens hält ihren Einzug und feiert ihre Siege. Vor das Auge unseres Geistes tritt die Arbeit der Mission, deren sich der Herr bedient, um das Erdreich unter sein Zepter und sein sanftes Joch zu beugen und die fernen Inseln im Meer seiner Freude voll zu machen. Gott sei gelobt, dass jenen Erstlingen aus dem Morgenlande, die froh wurden, als sie seinen Stern sahen, eine ungezählte Schar Bekenner aus den Heiden folgt, welche in seinem Lichte fröhlich sind. Er ist der „Freuden-Meister“. Seiner freue auch du dich, meine Seele! (unbekannt)
—-„Der HErr ist König, des freue sich das Erdreich, und seien fröhlich die Inseln, so viel ihrer ist.“
„Unter den Inseln“ sind besonders diejenigen im mittelländischen Meere gemeint. Dort ist eine damals schon bekannte Inselwelt. Man muss also nicht so viel Besonderes drin sehen, wenn sie genannt sind; es soll eben angedeutet werden, dass wenn sich das Erdreich freuen darf, so gehören diese kleinen Erdteilchen, die wie getrennt von den großen Erdteilen sind, die Inseln, auch dazu. Das ganze Erdreich soll noch fröhlich werden. Das soll noch werden, ist aber noch nicht so. Die Menschen sind noch so bös, und wie sie einander schinden und plagen, das ist gar nicht auszusprechen. Es wäre nicht so übel in der Welt, wenn die Menschen nicht so bös wären. Aber es ist schrecklich, wie man einander plagt, Groß und Klein. Die Großen führen Kriege im Großen und massakrieren Tausende, die Kleinen führen Krieg im Kleinen und teilen Schläge aus nach rechts und links. Ja, da sehnt man sich, dass der HErr wieder regiere. Gegenwärtig hat jedes Tierlein eine bessere Existenz, als der Mensch. Aber zuletzt wird doch der HErr durchbrechen und siegen; und die, die sich an den HErrn halten, können sich jetzt schon freuen und fröhlich sein auf Hoffnung eines Besseren, das kommen wird. Zu diesen gehören wir auch. (Christoph Blumhardt)