Psalm 34,19
Andachten
Der Herr ist nahe bei denen, die zerbrochenen Herzens sind, und hilft denen, die ein zerschlagenes Gemüt haben.
Was bleibt dem Menschen, wenn sein Herz zerbrochen und sein Geist zerschlagen wurde? Mag die Sonne ihren Lichtstrom auf die Erde schütten, für ihn scheint sie nicht mehr. Wir brauchen, damit die Natur uns diene und erfreue, ein unverletztes Herz. Sein Besitz mag unversehrt sein. Nun kann er ihm aber nichts helfen; was ist ein Besitztum noch, wenn sein Besitzer ein toter Mann ist? Von den Menschen hat er nichts zu hoffen; denn den Menschen ist es versagt, Herzen zu heilen. Ist er hilflos? Nein, sagt der Psalmist; denn der Herr ist ihnen nahe, die innerlich todwund sind. Hat ein schmerzhafter Stoß meine Pläne zerbrochen, meine Hoffnungen zerstört und alle meine Gedanken entwurzelt, so hat er mir doch meinen Gott nicht genommen. Er ist mir eben jetzt, da ein schmerzhafter Bruch mein Innerstes verletzt hat, nahe, nach seiner heiligen Regel, dass er zur Not seine Hilfe und zur Armut seine Gabe fügt und da, wo der Mensch zu Ende ist, mit seinem Werk beginnt. In solcher Lage bewährt sich die selige Botschaft, dass alles zum Guten hilft. Sie umfasst auch das Schwerste, was uns treffen kann, und dies ist nicht der Verlust unserer Habe, auch nicht der Zusammenbruch unseres Leibes, sondern der inwendige Bruch, der Schlag, der unseren Geist verletzt. Nun hilft uns auch er zum Guten, da er uns Gottes Nähe verschafft. Darum dürfen wir dem Apostel glauben, der uns sagt, dass uns jede Versuchung zur Freude werden kann. Auf die gefährliche Höhe steigt die Versuchung dann hinauf, wenn unser Herz zerbricht; denn dann ist uns die Verzweiflung nahe. Aber auch unsere Rat und Hilflosigkeit wird zum Band, das uns mit Gott vereint. Das gibt den Stunden, in denen das Herz krampfhaft zuckt und aus tiefen Wunden blutet, eine feierliche Weihe. Nun bedenke: jetzt ist Gott mir nahe. Denn selig sind die Armen im Geist, weil Gott zu ihrer Armut seinen Reichtum fügt.
Führe mich nicht in Versuchung! Ich bebe, wenn ich daran denke, wie zerbrechlich mein Herz ist und wie tief die Schläge, die den Geist treffen, dringen. Aber auch, wenn Du mich in Versuchung führst, offenbarst Du die Herrlichkeit Deiner Gnade. Wenn ich nichts mehr bin und keine Stütze mehr habe, zeigst Du mir, dass Du meine Stütze bist, und lehrst mich glauben. Amen. (Adolf Schlatter)