Offenbarung 7,14
Andachten
Sie haben ihre Kleider gewaschen und weiß gemacht mit dem Blute des Lammes.
Wer sind die vor Gottes Thron? Es sind Menschenkinder, welche unter äußerst schwierigen Verhältnissen, im Tiegel großer Trübsale seufzend, dennoch ihre Kleider in dem Blute Christi weiß gewaschen haben. Die Kleider sind die Umhüllung, das Sichtbare am Menschen, die äußere Erscheinung. Hier haben wir also an das zu denken, was sofort offenbar wird, was jedermann sehen kann, wenn wir in die Ewigkeit eintreten. O, ein ernster, feierlicher Augenblick! Wer verharrt hat in seinen Sünden, wer gebunden und unrein blieb, der steht da vor den heiligen Engeln Gottes befleckt, entstellt und finster! - Wer aber frei und rein geworden ist im Blut des Heilandes, der wird freudig bewegt, denn er erscheint selig, in lichter Gestalt. An ihm wird keine Sünde gesehen, das teure Blut Christi hat die Reinigung und die große Umwandlung bewirkt. Die finsteren Geister unter dem Himmel treten zurück, der Teufel findet an ihnen das Seine nicht; der Schlamm, der Schmutz, das Gemeine, Verderbte ist abgetan. In die Gemeinschaft der Erlösten und der heiligen Engel tritt der Gewaschene ein, vor den Thron Gottes und des Heilands wird er gestellt. Das ist eine freudige und ernste Tatsache zugleich. Wie, wenn wir die Sünde in uns leben lassen? Der Herr hat Augen wie Feuerflammen. Auf Jerusalems goldenen Gassen wird keiner wandeln, der in der Sünde blieb. Drum stelle dich unter die reinigende und bewahrende Kraft des Blutes Jesu! Hier ist der Sieg für immer erkämpft; das schöne Ziel ist erreicht! Hochgelobt sei Gott und „das Lamm, das der Welt Sünde trägt“. (Markus Hauser)
Diese kommen aus der großen Trübsal, und haben ihre Kleider gewaschen und helle gemacht in dem Blut des Lammes.
Johannes sah eine große Schar, die Niemand zählen konnte, aus jeder Nation, und Stämmen, und Völkern, und Sprachen vor dem Throne Gottes und vor dem Lämmlein stehend. Alle und Jede hatten Palmen als Freudenzeichen in ihren Händen, und schrien mit großer Stimme: das Heil (das uns widerfahren ist), sei unserem Gott, der auf dem Thron sitzt (zugeschrieben) und dem Lämmlein. Diese seligen Seelen, von denen die meisten vor Christo aus der sichtbaren Welt abgeschieden waren, waren auch mit weißen Kleidern angetan. Einer von den vierundzwanzig Ältesten sagte unter Anderem von ihnen: diese kommen aus der großen Trübsal, und haben ihre Kleider gewaschen und helle oder weiß gemacht in dem Blut des Lammes. Die große Trübsal ist keine besondere Verfolgung oder Landplage, denn aus einer solchen könnte keine unzählbare Schar kommen, sondern überhaupt die Not, welche alle Pilgrime auf der Erde drückt. Gleichwie wir zu sagen pflegen, dass die Erde ein Jammertal oder Tränental sei, also nennt hier der Älteste im Himmel, welcher wohl wusste, was eine lautere Freude sei, das Leben auf der Erde eine große Trübsal. Weil zu der großen Schar, indem er mit dem Johannes redete, immer neue Ankömmlinge kamen, so sagte er, sie kommen aus der großen Trübsal, obschon die meisten schon lange gekommen waren. Er sagte aber auch: sie haben ihre Kleider gewaschen und weiß gemacht im Blut des Lammes. Dieses ist höchst nötig, wenn man in dem himmlischen Tempel Gott dienen, und vor Seinem Thron und dem Lämmlein stehen soll. Auf Erden sind die Kleider dasjenige, das an einem Menschen vornehmlich in die Augen fällt, weil bei einer Person, die bekleidet ist, ein sehr kleiner Teil des bloßen Leibes sichtbar ist. Man befleißigt sich deswegen, wenn man vor einem großen Herrn erscheinen soll, feine und reine Kleider anzuziehen: die Ehrerbietung gegen den großen Herrn erfordert solches; weswegen es auch Joseph beobachtet hat, 1 Mos. 41,14. Vor Gottes Augen aber ist die ganze Seele bloß und entdeckt, Hebr. 4,13. Was also vor den Menschen ein Kleid heißt, ist vor Gott die Seele selbst. Sie soll ganz durch das Blut Jesu gewaschen, das ist von der Sünde gereinigt werde, und wenn dieses geschieht, so wird sie weiß, wie das Licht weiß ist, Matth. 17,2. Sie wird also Gott ähnlich, der ein Licht, und mit Licht bekleidet ist. Die weißen Kleider, die man erst im Himmel bekommt, und die nicht zum Wesen der Seele gehören, sind eine Zugabe zu ihrer innerlichen Herrlichkeit, und erhöhen dieselbe noch mehr.
Wir werden also durch die Rede des himmlischen Ältesten belehrt, dass wir, wenn wir in den himmlischen Tempel als den eigentlichen Sammelplatz abgeschiedener gerechten Seelen versammelt werden wollen, die Erfüllung des Sprüchleins: das Blut Jesu Christi, des Sohnes Gottes, macht uns rein von aller Sünde, ganz erfahren müssen; deswegen ermahnt Paulus diejenigen, die durch das Blut Jesu gerecht worden sind, dass sie sich ferner reinigen, und mit der Heiligung fortfahren sollen in der Furcht Gottes, 2 Kor. 7,1. Er heißt uns Hebr. 12,14. der Heiligung nicht nachschleichen, sondern nachjagen. Und hierbei dürfen wir an sein Beispiel denken. (Magnus Friedrich Roos)
Diese sind es, die gekommen sind aus großer Trübsal und haben ihre Kleider gewaschen und haben ihre Kleider helle gemacht im Blute des Lammes. Darum sind sie vor dem Stuhle Gottes und dienen ihm Tag und Nacht in seinem Tempel. Und der auf dem Stuhle sitzt, wird über ihnen wohnen. Sie wird nicht mehr hungern noch dürsten; es wird auch nicht auf sie fallen die Sonne oder irgendeine Hitze. Denn das Lamm mitten im Stuhl wird sie weiden und leiten zu den lebendigen Wasserbrunnen; und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen.
Also hat Johannes im Geiste geschaut die ewige Gottesstadt, das himmlische Jerusalem mit den tausend mal tausend Seligen aus allerlei Geschlechtern und Völkern und Zungen. Durch des Lammes Blut sind sie Gott er kauft und in Kraft dieses Blutes sind sie gekommen aus viel Trübsal bis zu dem Stuhle des Lammes. Von ihm getröstet und erquickt bringen sie ihm Lob und Preis, Anbetung und Ehre von Ewigkeit zu Ewigkeit. Eia! wären wir doch nur auch schon da, in dieser Stadt des lebendigen Gottes, in dem himmlischen Jerusalem mit den zwölf Toren von Perlen, mit den Mauern von allerlei Edelgestein, mit den Gassen von lauterem Golde als durchscheinendes Glas, da der Herr selber der Tempel ist, da keine Sonne mehr scheint und kein Mond, da des Herrn Herrlichkeit alles erleuchtet und das Lamm die Leuchte der Auserwählten und Seligen ist; da die Lehrer werden leuchten wie des Himmels Glanz, und die, so viele weisen zur Gerechtigkeit, wie die Sterne, immer und ewig; da Gott abwischen wird alle Tränen und kein Tod mehr sein wird, noch Leid, noch Geschrei, noch Schmerzen. Du, unser lieber Herr und Heiland, hast uns den Zugang dahin möglich gemacht. Selig in Hoffnung frohlocken wir darüber: Gelobt sei Gott und der Vater unsers Herrn Jesu Christi, der uns nach seiner großen Barmherzigkeit wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten, zu einem unvergänglichen, unbefleckten und unverwelklichen Erbe, das uns im Himmel behalten wird. Du hältst uns auch bei unsrer Hand und hilfst uns überwinden, um uns zu geben, mit dir auf deinem Stuhle zu sitzen. Zuvor aber ist ein Sterben mit dir und ein Auferstehen mit dir nötig. Denn gleichwie du vom Berge der Verklärung hinuntergingst in das Thal, da dein Gethsemane und dein Golgatha lag, gleichwie du unterwegs redetest zu deinen Jüngern von deinem Leiden und Auferstehen und Eingehen durchs Kreuz zur Herrlichkeit, also muss es ja auch bei uns sein, also müssen auch wir das Kreuz auf uns nehmen und dir nachwandeln durchs Tränental, unseren alten Menschen in den Tod geben und auferstehen ein neuer Mensch. So führe uns diesen schmalen Weg. Gib uns den Mut, mit zu sterben, dass wir, als die wir uns nicht selber mehr leben, mögen mit Recht sagen von uns: Christus ist mein Leben, Sterben ist mein Gewinn; du aber zuletzt auch uns als solche, die ihre Kleider helle gewaschen haben im Blute des Lammes, einführen könnest zu der Menge der viel Tausend Engel und zu der Gemeinde der Erstgebornen, die im Himmel angeschrieben sind. Amen. (Carl Gottlieb Just)