Offenbarung 2,3
Andachten
Du verträgst und hast Geduld.
Wo viele Arbeit ist, da hat man viele Geduld nötig; darum erteilt nun auch der Heiland dem Bischof zu Ephesus noch dieses Lob: „du hast Geduld.“ Er wollte nicht sogleich ernten, wo er eben erst gesät hatte; er konnte die Schwachen tragen; er war ein rechter Unterhirte, der die Schafe nicht übertrieb, sondern Jesu nachfolgte, dessen Sache es war, Geduld zu haben mit der Schwachheit, die Elenden zu verpflegen, das zerbrochene Rohr zu stützen, das glimmende Docht zur Glaubenskraft anzufachen. Geduld zu tragen, das ist ja die Sache des Heilandes; wie wäre es aber auch so traurig, wenn dies nicht der Fall wäre! Ich will nur Ein Beispiel seiner Geduld anführen: wenn er nach unserer ungeduldigen Art einer Seele, die in seine Schule treten will, auf einmal ihr Verderben und ihre Sünde ins Licht stellen würde, so würde sie keine Freudigkeit und kein Vertrauen zu ihm fassen können, sie würde zur Verzweiflung kommen; aber seine Geduld ist groß; er entdeckt ihr nach und nach ihre Schlechtigkeit; sie wird immer kleiner, wiewohl auch immer reiner; die alte Unart reißt er nicht mit Einem Male aus, lässt ihr noch eine gute Weile ihr Spielwerk, und erst, wenn sie erstarkter ist am inwendigen Menschen, da zeigt er ihr dann, dass die kindische Unart nicht mehr für sie taugt. So macht er es wie die weisesten Erzieher, die nur nach und nach die Zöglinge zu etwas Ganzem bilden, und nicht mit Einem Schlag sie fertig haben wollen. Diese Geduld ist eine Frucht seiner Barmherzigkeit; wer daher über die Schwachheit seines Bruders sogleich herfällt und nichts tragen und dulden kann, der kennt die Barmherzigkeit und Geduld, die doch täglich über uns neu wird, noch nicht; dem ist die eigene Unart seines Herzens noch tief verborgen. O selig der Mann, der, wie der Bischof von Ephesus, ein solches Zeugnis vom HErrn empfängt! (Ludwig Hofacker)
Du arbeitest um meines Namens willen und bist nicht müde worden.
Unermüdeter Eifer für das Reich Gottes war also ein Hauptzug in dem Charakter des Bischofs. Was ist größer und lieblicher, als wenn ein Mensch seinen ganzen Eifer und seine ganze Begierde darauf gerichtet hat, dass er möchte von seinem HErrn als ein rechtschaffener Arbeiter erfunden werden, wenn ein göttlicher, ein lauterer Trieb in ihm ist, nur dem Heiland zur Ehre zu leben; wenn er sagen kann: Alles was ich tue, tue ich um des Namens Jesu Christi willen, zur Verherrlichung des großen Namens des Hochgelobten. Dieses selige Vorrecht aber haben wir Alle, Eltern und Kinder, Junge und Alte, Herren und Knechte, Jünglinge und Jungfrauen. Wer da arbeitet, nicht als vor den Augen der Menschen, sondern vor dem allwissenden Gott, dem wird der Heiland das Lob nicht verweigern: „du hast um meines Namens willen gearbeitet.“ Aber wie Viele unter uns werden es sein, denen er dies große Zeugnis geben kann? Wie viele Verleugnung der Eigenliebe, des Eigensinns, der Verkehrtheit gehört dazu? Wie muss der alte Mensch in den Tod gegeben werden, auf dass der neue lebe?
Übrigens dürfen wir diese Arbeit nicht mit der Vielgeschäftigkeit mancher Menschen verwechseln. Es gibt manche Christen, welche auch arbeiten und nicht müde werden, welche auch wirken für das Reich Gottes; aber im eigenen Namen, in eigener Kraft, nach eigenem Willen, nicht zur Ehre des Heilandes, sondern zur eigenen Ehre. So gibt es manche Eltern, die weder Rosten noch Mühe scheuen, ihren Kindern eine christliche Erziehung zu geben; sie predigen ihnen oft Tage lang vor, dass man fromm sein müsse; sie geben ihnen die besten Lehren und Ermahnungen; die Kinder sollen mit Gewalt Christen werden, und sie selber sind es nicht; die Kinder sollen selig werden, sie selber trachten nicht danach. Dies sind die unberufenen Arbeiter im Weinberge Gottes. (Ludwig Hofacker)