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1. Johannes 4,16

1. Johannes 4,16

Andachten

Gott ist die Liebe.
Gott ist die Liebe. Wer in Ihm bleibt, wird mehr und mehr von Seiner Liebe erfüllt. Er wurzelt in der Liebe Gottes und kann Gott lieben über alles und seinen Nächsten lieben wie sich selbst. Je länger jemand ununterbrochen mit Gott gewandelt hat, desto gottähnlicher ist er geworden. Der Umgang mit Gott erhöht und verklärt in Sein Bild und Wesen. Da mehrt sich der Friede. Jesus ist unser Friede. Wer nun stets mit Ihm wandelt, genießt Ihn stets. Sein Friede kann deshalb nicht ab-, wohl aber zunehmen. Frieden haben heißt eins sein mit Gott, erfüllt sein von seinem Gott, geborgen sein in Ihm. - Es mehrt sich auch die Kraft. „Mein Gott ist meine Stärke“ rühmt jeder, der mit Gott wandelt. Er kann nicht unterliegen, weil er mit Gott ist, vielmehr weil Gott mit ihm ist. Ohne den Herrn vermag er nichts, aber im Bunde mit dem Allmächtigen alles. - Und es mehrt sich auch das Bewusstsein der Nähe, der Gegenwart Gottes. In dieser Stellung bedarf man keiner Beweise für Seine Allgegenwart, der Herr beweist es selbst. Wandle nur mit deinem Gott, wandle stets mit Ihm, so wirst du unerhörte Erfahrungen machen, dass du nur danken und loben kannst. Nicht nur in Sturmesnot, auch wenn sie „unter Lilien weiden“, ist es der Kinder Gottes größte Freude, sagen zu dürfen: Ich bin in des Herrn Hand; Er offenbart sich mir auf allerlei Weise. Und wie sich ein reines Herz nach dem Schauen Gottes sehnt, so sehnt sich Gott noch viel mehr danach, endlich Seinen Liebling in der ewigen Heimat zu begrüßen. (Markus Hauser)


Wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm.
Wir bleiben in Gott, wenn wir in der Liebe bleiben, mit der uns Gott geliebt hat. Hier ist der Lebensborn, die immer frisch sprudelnde Quelle, hier ist das Geheimnis der Kraft aller Überwinder. Blickt auf den Gekreuzigten, und es wird euch klar, dass die Liebe Gottes die alles umgestaltende Lebensmacht ist. Der Vater war in Ihm, Er blieb im Vater, und jedermann verspürte eine gewaltige Kraft. Was die Apostel und die ersten Christen gelitten und gewirkt, durchgekämpft und ausgerichtet haben, das taten sie alles vermöge der Macht der Liebe, mit der sie sich von Gott in Christo geliebt wussten. Es wäre eine sehr bedenkliche Sache, wenn von dem einen oder andern von uns gesagt werden müsste: Es ist kein Leben in ihm! Lasset uns in der Liebe bleiben, so wird Gottes Leben in uns bleiben. Gereizt, mürrisch, unzufrieden sind wir in unserer Arbeit, wenn uns diese Lebensmacht abgeht. Dann aber ist unser Dienst befleckt. Solange die Liebe Gottes als ein normales Leben in uns ist, wird sich niemand mit Recht über uns beklagen können. Die Elenden haben Gewinn davon, wenn diese Lebensmacht unser Herz bewegt. Alles geht leichter, wo unser Dienst in der Liebe geschieht. Ja, wir können wohltun, denn uns durchströmt das göttliche Leben der ewigen Liebe. Bleiben wir nicht in Gott, so bleibt diese Lebensmacht nicht in uns. Dann zerfallen wir mit unseren Freunden, zerfallen mit dem Werke, an dem wir stehen. Das ist ein höchst trauriger Zustand! Wirf dich darum nieder vor dem, der Herz und Nieren prüft, wenn du leer bist an Liebe, lass dich unter Jesu Kreuz wieder erfüllen mit ihr. Dann wirst du wieder aufleben und mit Freudigkeit deinem Herrn dienen. (Markus Hauser)


Wenn man lange sagt, die Liebe sei die köstlichste und vollkommenste Tugend, so ist es noch nichts gegen das, wenn Er sagt: Gott ist selbst die Liebe, dass wenn jemand wollte Gott malen und treffen, so möchte er ein solch Bild treffen, das eitel Liebe wäre, als sei die göttliche Natur nichts, denn ein Feuerofen und Brunst solcher Liebe, die Himmel und Erde füllt; und wiederum, wenn man könnte die Liebe malen und bilden, müsste man ein solch Bild machen, das nicht werklich, noch menschlich, ja nicht engellisch, noch himmlisch, sondern Gott selber wäre! (Martin Luther)


Gott ist die Liebe, und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott, und Gott in ihm.
Gott ist Liebe, und: unser Gott ist ein verzehrend Feuer: Hebr. 12,29. Beides ist wahr, weil beides in der Bibel steht. Gott ist Liebe gegen alle Geschöpfe, welche entweder ohne Sünde sind oder als Sünder durch Christum Seinen Sohn Ihm gehörig begegnen, sich von der Sünde reinigen lassen, und Seine Liebe annehmen und preisen. Er ist aber ein verzehrend Feuer gegen Alle, die Ihm widerstreben, die Sünde beibehalten wollen, und Seine Liebe verschmähen. Hohel. 8,6. wird von der Liebe gesagt, dass sie stark sei wie der Tod, und dass ihr Eifer fest sei wie die Hölle, ihre Glut sei feurig, und eine Flamme des HErrn. Diese Stärke, dieser Eifer und diese Glut ist für die Geliebten, die sich lieben lassen, erquicklich, für die widerstrebenden Hasser aber verzehrend. Johannes sagt: wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott, welcher die Liebe ist, und Gott in ihm, und 1 Joh. 4,7.8.: ihr Lieben, lasst uns unter einander lieb haben; denn die Liebe ist von Gott, und wer lieb hat, der ist von Gott geboren, und kennt Gott, wer nicht lieb hat, der kennt Gott nicht, denn Gott ist Liebe. Es soll also nach der Lehre Johannis ein Jeder, der mit Gott vereinigt sein will, und aus Gott geboren sein, und Ihn kennen soll, in einer Ähnlichkeit mit Gott stehen; wie sich denn freilich nie zwei Dinge, die einander zuwider sind, mit einander vereinigen lassen, und ein jedes Kind mit seinem Vater eine Ähnlichkeit hat, und wer einen Anderen kennen soll, etwas von demjenigen, das der Andere ist oder hat, in sich haben und in sich empfinden muss. Nun ist Gott Liebe. Darum sollen wir in der Liebe leben und bleiben, damit wir in Gott bleiben, und ER in uns. Sind wir aus Gott geboren, so hat Er uns gewisslich durch die Wiedergeburt die Liebe als Sein Bild eingeprägt, und wenn wir die Liebe, die von Gott ist, und 1 Kor. 13. nach ihren verschiedenen Erweisungen, ihrer ewigen Dauer und ihrem hohen Wert beschrieben wird, in uns empfinden, so kennen wir Gott, und wissen einigermaßen, was der Name Liebe bedeute, den Johannes Ihm beilegt. Wenn Paulus von der Rechtfertigung und Begnadigung des Sünders handelt, so weist er uns auf nichts als den Glauben. Er lehrt aber auch, dass, wenn wir gerechtfertigt werden, die Liebe Gottes in unsern Herzen durch den uns gegebenen Heiligen Geist ausgegossen werde, Röm. 5,5. Nun kann es nicht anders sein, als dass diese ausgegossene Liebe Gottes eine Verwandlung in uns wirke, und eine Liebe, deren Ursprung Gott selber ist, in uns anrichte: da dann ein Jeder, so lange er in dieser Liebe bleibt, seinen Gnadenstand behält, und die Gemeinschaft mit Gott behauptet. Wenn Gott in uns ist, so ist die Liebe in uns: und wenn wir in Gott sind, so sind wir in der Liebe. Die Gemeinschaft mit Gott kann also ohne die Liebe nicht gedacht werden. Die erste Liebe verlassen, ist also eine gefährliche Sache, und ganz aus der Liebe verrückt werden, und in Grimm, Neid, Bitterkeit, falschen und tötenden Eifer und Unbarmherzigkeit hinein geraten, ist ein gewisses Zeichen, dass man vom Licht in die Finsternis, vom Leben in den Tod zurückgefallen, und von der Gemeinschaft mit Gott ganz abgekommen sei. Lasst uns also in der Liebe bleiben, damit Gott in uns bleibe, und wir in Gott. (Magnus Friedrich Roos)


Gott ist die Liebe.
„Was ist Gott? Wie ist Er? In welcher Beziehung stehen wir mit Ihm?“ - so haben seit Anfang der Welt die Menschen gefragt und alles Fragen und Forschen ist hier auf seiner Höhe; nichts ist des Menschen würdiger als dies, dass er Gott zu erkennen sucht. Aber bis ans Ende der Welt werden die Menschen am Fragen, Forschen und Disputieren bleiben, falls sie nicht in Jesu Christo die Antwort gefunden haben. Die Heiden dachten sich Gott meistens als einen mächtigen und griesgrämigen Tyrannen, der von allen Leidenschaften bewegt werde, und dessen Zorn, Hass und Neid man durch alle erdenklichen Opfer dämpfen müsse. Sie sahen in dem tausendfachen Jammer der Menschheit nur Zeichen des Zornes Gottes; denn sie verstanden nicht, was Sünde und nicht, was Tod sei, noch weniger konnten sie fassen, dass die irdischen Trübsale Erziehungsmittel für die himmlische Welt seien. Diesen heidnischen Ideen aus alter und neuer Zeit sind aber die Vorstellungen Unzähliger, die sich Christen nennen, nur zu nahe verwandt. -

Andere denken sich, dass Gott allerdings die Welt geschaffen und mit allen Kräften und Mitteln zur Selbsterhaltung ausgerüstet habe; nun aber das Uhrwerk einmal im Gang ist, hat er sich auf sich selbst zurückgezogen und gleichsam „aufs Altenteil“ gesetzt. Kein Gebet dringt zu Ihm hinauf; Er kümmert sich nicht um Lust und Leid der Menschenkinder; nicht der persönliche Gott, sondern natürliche Gesetze und Kräfte wirken und regieren in allen Dingen. -

Von da ist der Schritt nicht weit, dass man nun geradezu sagt: „Das All ist Gott“; die Lebenskraft, die durch Alles hindurchfließt, durch den Wurm im Staub und durch das Herz des Menschen, durch den Grashalm und durch den leuchtenden Stern, - diese Lebenskraft ist das göttliche Element, und von solcher Gottheit lässt sich dann gar ein feines poetisches Bild machen. Aber bei keiner dieser Vorstellungen von Gott kann das Menschenherz wahren Trost, Frieden, Kraft und Stille finden.

Was ist Gott? Das Evangelium gibt die Antwort: „Gott ist die Liebe“. In diesen Worten geht für uns Menschen die Sonne auf. „Er ist die Liebe“, damit ist für uns Alles gegeben. Es würde auch richtig sein zu sagen: Er ist ein Licht, er ist die ewige Jugend, er ist die Wahrheit, er ist die Quelle aller Freude, - das wäre Alles durchaus richtig, aber damit wäre von seiner Gesinnung und Stellung gegen uns unreine und doch so gottes-bedürftige Menschenkinder nichts gesagt. Indem wir aber hören, dass er die Liebe ist, sehen wir Ihn als den Vater mit überwallendem Herzen, den das Elend seiner Kinder in den Tiefen seiner Seele jammert, der sie mit Huld und Gnade überschüttet und durch ein Meer von Barmherzigkeit den Abgrund ihres Elends und ihrer Sünde ausfüllt.

Aber wer versteht dies, dass Gott die Liebe ist? Wen beseligt das? Ach, heutzutage schreit auch der große Haufe: „Versteht sich, dass Gott die Liebe ist, was sollte Er anders sein? Er ist unser lieber Vater und wir alle seine lieben Kinder“. Die aber mit einem solchen „versteht sich“ Gott den „Vater der Menschen“ nennen, die verstehen von Ihm nicht mehr als die alten Griechen, die auch ihren Zeus „Vater der Menschen“ nannten und doch an keine Liebe Gottes glaubten. An die Vaterliebe können nur Die glauben, die in den Wegen schmerzlicher Tränen und beschämenden Selbstgerichtes erkannt haben, dass diese Liebe - Gnade ist. Nur Der kann sich mit freudigem Stolz ein freies Kind Gottes nennen, der sich vorher als das verlorene Kind erkannt hat, das jeder Liebe und des Kindesnamens unwert ist. Selig, wer in Jesu Christo begriffen hat, welche Klüfte und Abgründe von Gott uns trennten, der nur wird in Ihm auch erkennen, wodurch diese Trennung aufgehoben ist, und ewig wird er preisen die Liebe, die Barmherzigkeit, die Menschenfreundlichkeit, welche eitel Gnade sind.

Sollt ich meinem Gott nicht singen?
Sollt ich ihm nicht fröhlich sein?
Denn ich seh' in allen Dingen,
Wie so gut Er's mit mir mein'.
Ist's doch nichts als lauter Lieben,
Das sein treues Herze regt,
Das ohn' Ende hebt und trägt,
Die in seinem Dienst sich üben.
Alles Ding währt seine Zeit,
Gottes Lieb' in Ewigkeit. (Otto Funcke)


Gott ist die Liebe.
Der Apostel Paulus hat Recht zu sagen, dass Niemand weiß was in Gott ist, ohne der Geist Gottes (1. Kor. 2,11). Was dieser weiß, das ist wahr und zuverlässig, wie das innerste geheimste Wissen des Menschen um sich selbst, und dass dieser Geist der Wahrheit in uns ist, das ist die große Tat der göttlichen Mitteilung, wodurch die innerste Wahrheit des göttlichen Wesens auch in unsere Seele hineingepflanzt ist. Nur so ist uns in unserm Innern und in der genauesten Verbindung mit unserm innersten Bewusstsein von uns selbst offenbar geworden, was auf keine andere Weise je hätte können in eines Menschen geistiges Ohr oder Auge dringen und von irgendeinem vernommen und gefasst werden, so fasslich und vernehmlich es auch jetzt seit dieser Mitteilung Jedem erscheint. Darum wird wohl kaum Jemand unter uns fragen, was denn nun dieses sei in unserer Gotteserkenntnis, dem, weil es durch den Geist Gottes in uns gekommen ist, eine solche unumstößliche Gewissheit beiwohnt, und kaum könnte Jemand, wenn er etwa zum Überfluss fragte, eine andere Antwort erwarten, als die Eine, Gott ist die Liebe. Nirgend hat der Geist gesagt, Gott ist die Gerechtigkeit, oder er ist die Allmacht, oder er ist die Weisheit; aber Gott ist die Liebe, das sagt er durch den Mund des Apostels, dessen Reden der getreueste Nachhall sind von den Reden des Erlösers; das sagt er noch immer durch uns Alle, indem er in uns ruft Abba, der Vater, denn wo ein Vater ist, da ist auch Liebe.

Wo nun der Geist aus Gott nicht redet, da ist auch diese Überzeugung nicht. Der Gott Israel, welcher die Missetat der Väter heimsuchen wollte an den Nachkommen bis ins dritte und vierte Glied, wurde nicht als Vater erkannt. Und unter den Heiden, wo wäre an eine väterliche Liebe des höchsten Wesens zu denken gewesen bei der vielfältigen Zerspaltung desselben, da schon einträchtige Väter nicht mehrere sein können in einem Hauswesen, viel weniger diese sogenannten Gottheiten, von denen immer eine gegen die anderen stand. Ja auch was die Weisesten, für welche jene Zerspaltung eine Torheit war, zu erreichen wussten, war immer nur, dass das höchste Wesen neidlos sei und keine Missgunst kenne, aber wie weit noch von da zu diesem Vertrauen auf eine väterliche Liebe! - Und gewiss ist dieses das am meisten Zuverlässige und wahrhaft Unumstößliche in unserer Gotteserkenntnis. Denn wie könnten wir in der Freiheit der Kinder Gottes bestehen, wenn wir aus Furcht wieder Knechte sein müssten, wie ehedem? Würden wir aber wankend in der Überzeugung, dass Gott die Liebe ist, so müsste sogleich die Furcht vor einer Allmacht, über deren Gesinnung es keine Sicherheit gäbe, die leer gewordene Stelle des Herzens einnehmen. Dann schleicht auch statt der Anbetung Gottes im Geist und in der Wahrheit, eben weil sich die beseligende Wahrheit verdunkelt, wieder ein gesetzlicher Dienst des Buchstaben ein, der allemal ein Kind der Furcht ist. Gibt es aber, etwas Wankenderes und Unsichereres, als den Dienst des Buchstaben und des Gesetzes? Hier eine Regel und da eine Regel, hier ein Verbot und dort ein Verbot; hier wollen sich menschliche Zusätze überbieten, und dort zerstören klügelnde Auslegungen um die Wette, gleichviel ob es ein Buchstabe der Vorschrift ist oder ein Buchstabe der Lehre. Und wie die Welt hiervon immer voll war in den mannigfaltigsten Gestalten, und die menschliche Schwachheit sich immer wieder dazu neigt: wie bald würde das Christentum, das Reich der Gnade und der Freiheit, sich wieder zurückverwandelt haben in jene alten Formen, wenn es nicht auf dieser unumstößlichen Gewissheit ruhte! Und unzertrennlich ist dieses beides voneinander, Niemand nennt Gott Vater als nur durch den heiligen Geist, denn Niemand kennt den Vater als nur der Sohn und wem es der Sohn will offenbaren, und wiederum wo der Geist Gottes ist, da ruft er auch Vater. Was auch selbst in dem Schoß der Christenheit sich sonst wandeln möge in unserer Gotteserkenntnis, wie es menschlicher Beobachtung und menschlichem Nachdenken auch über die Offenbarungen und Wirkungen des Geistes nicht anders ziemt als wandelbar zu sein: diese Überzeugung, dass Gott die Liebe ist, bleibt ausgenommen von allem Wandel; sie ist nicht von Menschen her, sonst freilich entginge sie dem nicht, sondern sie ist das ursprüngliche und wesentliche Wort des Geistes in unserer Seele; und als das auf uns übertragene Wissen des Geistes Gottes um das, was in Gott ist, se ewig und unwandelbar wie der Geist Gottes selbst, wird sie auch die innerste und zuverlässigste Wahrheit unseres Daseins und in der Tat das, worin wir leben, weben und sind. (Friedrich Schleiermacher)


Wir haben erkannt und geglaubt die Liebe, die Gott zu uns hat. Gott ist die Liebe; und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott, und Gott in ihm. Daran ist die Liebe völlig bei uns, auf dass wir eine Freudigkeit haben am Tage des Gerichts; denn gleichwie Er ist, so sind auch wir in dieser Welt.
Weißt du um Stunden, wo es mit Klage und Bitterkeit über deine Lippen kam: Ist Gott wirklich die Liebe? O dann lass dir den einen Namen zurufen, in dem Gottes ganzes Herz sich uns aufgetan hat: Jesus Christus. Die Krippe zu Bethlehem, das Kreuz auf Golgatha, die predigen es auch dem Ärmsten und Verlorensten: Gott ist die Liebe. Und wenn das Leben dir den Glauben an Gottes Liebe genommen hätte, hier lernst du es wieder: Gott ist die Liebe, und wir haben geglaubt und erkannt die Liebe, die Gott zu uns hat! In dieser Liebe Gottes sollen wir bleiben. Aus ihr sollen wir alle Tage aufs Neue Kraft schöpfen zu allem Werk, Trost und Hilfe zu allem Schweren; ihr sollen wir uns befehlen alle Nacht, und mit ihr erwachen an jedem Morgen. Wer aber also in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott, und Gott in ihm. O armes Menschenherz, kannst du sie fassen, die Fülle dieser Seligkeit: Gott in dir und du in Gott? Das ist das ganze Paradies, das ganze Himmelreich: Gott bleibend in uns, und wir in Gott. Das gibt Friede auf Erden, und Freudigkeit einst am Tage des Gerichts.

O du barmherziger Gott, schreib es in die Tiefe unsrer Seele, dass du die Liebe bist. Wenn wir an Menschenliebe irre werden, lass uns nur an deiner Liebe niemals irre werden. Lass deine Liebe die Luft sein, darin wir leben; den Stab, daran wir uns halten auf allen unsern Wegen; unsern Schutz in der Versuchung, unsre Kraft zum Siege über Sünde und Tod. Erhalte uns in deiner Liebe, damit wir bleiben in dir, und du in uns, damit wir dir, unserm Vater, immer ähnlicher werden, gerecht und heilig werden, wie du, und einst auch eine Freudigkeit haben am Tage des Gerichts. Amen. (Adolf Clemen)


Gott ist die Liebe; und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm.
„Gott ist die Liebe!“ Das ist der Lobgesang, den die Seraphim vor seinem Throne anstimmen; das ist der Jubelton, der besonders jetzt in dieser hohen Frühlings- und Sommerpracht durch die ganze Natur hindurchgeht; der Wald und alle grünbelaubten Bäume darinnen, die Blumen unserer Gärten und Felder, die Wiesen in ihrem saphirnen Schmuck, die Lerche, die durch die Lüfte jubelt, und alle Töchter des Gesanges, der helle Himmel in seiner blauen Pracht, die Sonne im strahlenden Glanz und die tausend Edelsteine, in denen sie im perlenden Morgentau sich abspiegelt, das alles ruft uns zu: „Gott ist die Liebe!“

Aus Liebe hat er die ganze Welt geschaffen, aus Liebe hat er dir und mir das Leben gegeben, aus Liebe schenkt er uns täglich alles, was zu des Lebens Nahrung und Notdurft gehört, und aus Liebe erhält er alles, was da ist. Seine Liebe erfahren wir, wenn er uns aus so mancher Not hilft, unsere Nahrungssorgen zu Schanden macht, aus Krankheit errettet, die Todesgefahr vorübergehen lässt, oder aus so manchen Verwicklungen des Lebens uns glücklich hinausführt.

Und doch sind alle diese leiblichen Wohltaten Gottes nicht zu vergleichen mit der einen großen Wohltat, auf die uns Johannes hinweist mit den Worten: Daran ist erschienen die Liebe Gottes gegen uns, dass Gott seinen eingebornen Sohn gesandt hat in die Welt, dass wir durch ihn leben sollen.“ Wenn ein König seinen Kronprinzen weit über das stürmische Meer zu einem menschenfressenden Volke schicken würde, damit er dieses Volkes sich hilfreich annehme, so würde jedermann es als einen besonderen Beweis einer außerordentlichen und aufopfernden Menschenliebe rühmen. Aber was ist ein Kronprinz gegen den Sohn Gottes? Was ist der höchste Mensch gegen den, durch welchen der Vater alles geschaffen hat, der der Abglanz seiner Herrlichkeit ist, in dessen Liebe der Vater seine Seligkeit hat. In ihm liebt der Vater sein zweites Ich, die Offenbarung seines eigenen Wesens, das reine Bild seiner Vollkommenheit. Und doch hat er ihn für uns dahingegeben, nicht nur in die Welt, sondern sogar in den Tod, in den blutigen Martertod. Darin offenbart sich die Liebe Gottes so vollkommen, dass Paulus sagt: „Hat Gott seines eigenen Sohnes nicht verschont, wie sollte er uns mit ihm nicht alles schenken?“ Alles, mehr als die ganze Welt mit allen ihren Schätzen und Herrlichkeiten, mehr als den ganzen Himmel hat er uns geschenkt in seinem Sohne, denn der Sohn ist mehr, als das ganze Schöpfungsall.

O liebe Seele, wenn ja in einer trüben Stunde die Frage in dir aufsteigt: „Ist Gott die Liebe, ist er es auch gegen mich, der ich so viel zu leiden habe?“ so schaue hin an Jesu Kreuz und glaube, dass so gut als für die Welt, so gut ist er auch für dich gestorben zur Versöhnung deiner Sünden, und so schenkt auch dir der Vater alles in dem Sohne. Und nicht bloß vor 1800 Jahren hat er das getan, heute noch soll sein Blut dich rein machen von aller Sünde, heute noch will der Vater durch seinen Geist sich und den Sohn in dir verklären, ja in dich eingehen und Wohnung in dir machen samt dem Sohne, so dass er sich selbst dir mitteilt und du durch die innigste Gemeinschaft mit ihm der göttlichen Natur sollst teilhaftig werden. Mit sich will er dich füllen und alles in allem in dir und für dich sein. Dank' ihm für diese Liebe! (Sixtus Kapff.)


Gott ist die Liebe.
Man muss bei der Dreieinigkeitslehre nicht von der Zahl Eins, sondern von der Zahl Drei ausgehen. Die rechte Eins vor Gott ist die Drei; unsere Eins ist vor ihm nur ein Drittel. Ist nicht auch der menschliche Leib eine Vielheit und dech nur eine Einheit? Man haue dem Leib eines oder zwei seiner Glieder ab, was bleibt, ist es noch der Leib? Gott ist die Liebe, und wo Liebe ist, da ist auch ein Geliebtes. Was aber hätte Gott lieben können, oder welch' ein Objekt wäre seiner würdig gewesen, als ein ihm in allen Stücken gleiches? Das führt uns schon auf den Sohn, des Vaters Glanz bild oder Ebenbild seines Wesens. Wer Christum bloß für einen Menschen hält, wie die Pelagianer, oder für ein Ich weiß nicht was, wie die Arianer, der muss auch den Vater als die Liebe aufgeben. Vater und Sohn haben aber denselben Geist, oder dasselbe Leben. Das Wechselsverhältnis zwischen beiden muss wiederum etwas Lebendiges sein, und nicht nur ein Begriff; und hier haben wir auch die dritte Person der Gottheit, den heil. Geist, der sich eben so wenig von dem Vater und dem Sohn scheiden lässt, als diese beiden sich von einander trennen können. Die Trinität ist als eine immanente, d. h. eine in Gottes Wesen selber wurzelnde, zu fassen; stellt man die drei Personen nur neben einander, und nicht in einander, so hat man allerdings eher drei Götter, als einen *complexen Gott. Christus selber sagt von dem Vater: Du in mir und ich in dir. Das sagt er aber durch den heiligen Geist, der allein die Tiefen der Gottheit erforscht und gleichen Wesens ist mit dem Vater und dem Sohne. Alle Demonstrationen aber weichen vor der seligen Gewissheit: Ich habe den Vater, den Sohn und den heiligen Geist, und ich kann weder den Einen noch den Andern entbehren, darum müssen alle drei Gott sein. Nur so ist Gott die Liebe, auch meine Liebe. (Friedrich Lobstein)

Predigten

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