2. Petrus 2,17
Andachten
„Das sind Brunnen ohne Wasser und Wolken vom Wirbelwind umgetrieben“
Dabei scheint es, als ob diese Art von Scheinchristen sehr tätig sind; sie bewegen sich sehr viel und kommen doch nicht vorwärts. Sie sind in einem Dutzend Vereine tätig und melden sich am häufigsten zum Wort; besonders bei Neugründungen sind sie stets die eifrigsten, bis der Karren ohne sie läuft oder ohne sie stecken bleibt. Sie leisten dabei in Wirklichkeit nichts und kommen auch innerlich nicht vorwärts. Sie bewegen sich nur um sich selbst, wie die Tür den ganzen Tag sich bewegt und doch nicht vom Platz kommt. Niemand hält Gottes Reich so auf, innerlich wie äußerlich, als diese Sorte, und dabei halten sie sich für die wichtigsten Persönlichkeiten, ohne die es gar nicht geht, etwas Neues zu unternehmen. Bezeichnend ist für diese Menschen, dass ihre heranwachsenden Kinder sie bald durchschauen und von ihrem Christentum nichts wissen wollen. Ebenso haben sie gewöhnlich keinen einzigen wahren Freund, der in Liebe an ihnen hängt. Gefährlicher werden sie, wenn große Begabungen ihnen blendenden Einfluss verleihen oder eine bestimmte Irrlehre sie begeistert. Das wirkliche Urteil über sie kommt mit der Zeit auf Erden schon heraus, und dann haben sie nur die Wahl, sich tief zu beugen oder sich vollends zu verstocken.
Davor behüte uns, lieber Vater im Himmel. Wir wollen nicht vor den Leuten viel gelten, sondern lieber nur bei dir! Herr, bringe du unser Inneres und Äußeres in Harmonie mit dir und miteinander. Amen. (Samuel Keller)
Das sind Brunnen ohne Wasser - die recht entronnen waren, und nun im Irrtume wandeln; denn so sie entflohen sind dem Unflat der Welt durch die Erkenntnis des Herrn und Heilandes Jesu Christi, werden aber wieder in dieselbige verflochten, und überwunden, ist mit ihnen das Letzte ärger worden als das Erste.
Die tiefsten Brunnen können erschöpft, und ohne Wasser werden, und der Frömmste kann gottlos werden. Wer entronnen ist, kann wieder gefangen und überwunden, in das alte Wesen wieder verflochten werden. Das tut Petrus dar durch Beispiele und Erfahrungen aus seine Zeit. Möchten wir nicht auch solche Beispiele und Erfahrungen haben! Liefere wenigstens du nicht dergleichen, lieber Leser! Sei nur nicht sicher, und rühme dich nicht. Vertraue nicht auf dich selbst, vertraue allein auf den, der alle Dinge trägt mit dem Worte seiner Kraft. Er kann, er wird dich halten, wenn du in ihm bleibest. Es gibt der Brunnen leider nur zu viele, die den Schein, die Gestalt der Brunnen haben, aber keinen Tropfen Wasser des Lebens geben. Worte genug, aber kein Wesen, keine Salbung, keinen Geist. Hüte dich vor solchen Brunnen. Warum willst du verweilen dabei, du musst verschmachten, wenn du dir die Quelle des lebendigen Wassers nicht selbst suchest bei dem, der da sagte: Wer an mich glaubt, von deß Leibe werden Ströme des lebendigen Wassers fließen, Johannes 7,38. Wo diese Lebensströme nicht fließen, da suche deinen Durst nicht zu löschen, wenn du anders darnach dürstest, und die Quelle aus Erfahrung kennest. Wo nicht, so bist du selbst ein Brunnen ohne Wasser und wirst wieder in den Unflat fallen, wieder in das wüste Wesen der Welt verflochten, ärger werden als du warest. Willst du aber mit Ernst selig werden und selig bleiben, so kannst du; die Quelle ist nahe, ist offen für alle, die da dürsten, kommen und trinken. Ist Jesus in dir, so ist der unversiegbare Strom des Lebens in dir, dem es nie an Wasser fehlt. Darum bleibe in ihm, und lass ihn in dir sein, so wirst du kein Brunnen ohne Wasser werden; dein Brünnlein wird immer reichlich Wasser geben, dass du und die Deinigen täglich ihren Durst löschen können. (Johannes Evangelista Gossner)