2. Petrus 1,16

Andachten

Denn wir haben nicht den klugen Fabeln gefolgt, da wir euch kund getan haben die Kraft und Zukunft unsers HErrn JEsu Christi, sondern wir haben Seine Herrlichkeit selbst gesehen.
Es ist für den sinnlichen Menschen schwer, das Sichtbare für das Ungewisse und das Unsichtbare für das Gewisse zu halten, und wir sind sehr geneigt, mehr auf die nahe Welt, als auf das ferne Himmelreich zu sehen. Und doch, wenn wir die Kraft und Zukunft Christi in lebendigem Glauben festhielten, wie viel reicher würde unsere Liebe, wie viel freudiger unsere Hoffnung und wie viel gewisser und gehobener unser Wandel sein! Nun wissen wir zwar wohl, dass die klugen Fabeln menschlicher Vernunft das Herz arm und leer lassen, dass sie keinen Trost und Kraft in der Anfechtung geben; aber damit sind wir doch noch nicht auf den Grund gestellt, der unbeweglich steht, wenn Erd‘ und Himmel gleich vergeht. Es liegt uns die Gefahr nahe, dass wir die klugen Fabeln, das ist, menschliche Träume von der unsichtbaren Welt mit dem Worte Gottes vermengen, und so ungläubig unsere Zeit auch ist, so hat sie doch große Neigung, den Menschen zu glauben, welche besondere Offenbarungen vorgeben. Der gläubige Christ soll sich mit ihnen nicht vermischen und weder den Fabeln anderer folgen, noch seine eigenen Gedanken in die Schrift hineindeuten, sondern sich genügen lassen an dem, was Gottes Wort klar und deutlich offenbart. Wir haben Seine Herrlichkeit selbst gesehen, schreibt der Apostel; das ist gewisser Grund; dabei lasst uns bleiben.

Gelobt seist Du, Gott und Vater unsers HErrn JEsu Christi, dass Du uns Dein teures Wort gegeben hast als das Licht auf unsern Wegen. Öffne uns die Augen, dass wir sehen die Wunder in Deinem Gesetz, und wirke in uns durch Deinen Heiligen Geist, dass Dein Wort uns nütze werde zur Lehre, zur Strafe, zur Besserung und zur Züchtigung in der Gerechtigkeit, damit wir geschickt werden zu allen guten Werken. Halte ferne von uns alle falsche Lehre, wehre und steure allen Irrgeistern und Schwarmgeistern und lass uns fest und getrost bei Deinem Worte bleiben; denn Himmel und Erde werden vergehen, aber Dein Wort bleibt in Ewigkeit. Amen. (Hermann Haccius)


Wir haben Seine Herrlichkeit selbst gesehen, da Er empfing von Gott dem Vater Ehre und Preis durch eine Stimme, die zu Ihm geschah von der großen Herrlichkeit dermaßen: „Dies ist Mein lieber Sohn, an dem Ich Wohlgefallen habe.“
Obwohl der HErr der Herrlichkeit Gottes voll war, wandelte Er doch auf Erden in äußerlicher Niedrigkeit und in der Knechtsgestalt, und das fleischliche Auge sah an Ihm keine Gestalt noch Schöne. Es gehörten Glaubensaugen dazu, Seine Herrlichkeit zu sehen, und wenn den Jüngern auch solche Augen geschenkt waren, so waren doch auch sie noch in Gefahr, den Glauben zu verlieren, wo sie ihn am meisten nötig hatten, als sie den HErrn in Seiner tiefsten Erniedrigung sahen; darum gab ihnen Gott die Herrlichkeit Christi auch mit Leibesaugen zu sehen und ehrte und pries den Sohn vor ihnen durch eine Stimme: Dies ist Mein lieber Sohn, an dem Ich Wohlgefallen habe. Diese Herrlichkeit haben sie selbst gesehen, und diese Stimme haben sie gehört, und darum beruht ihr Zeugnis von der Kraft und Zukunft Christi nicht auf klugen Fabeln, sondern auf dem Zeugnis, welches der Vater im Himmel dem Sohn auf Erden gab. Auf die Kraft und Zukunft Christi allein ist aber auch unsere Hoffnung gestellt, und wir müssen glauben, was wir nicht sehen. Denn wenn wir mit den Augen der fleischlichen Vernunft umher schauen, so finden wir allenthalben mehr Verwerfung als Annahme, mehr Empörung als Gehorsam, mehr Unterliegen als Siegen. Und wenn wir auch in allen Zeiten ein kleines Häuflein gewahren, das sich zu JEsu bekennt und Seine Kirche darstellt, so sind das doch nicht viel Edle, Gewaltige und Weise, sondern das Verachtete, Geringe und Törichte hat Sich Gott erwählt. Darum bleibt alle unsere Hoffnung auf den Glauben gestellt. Aber dieser Glaube ruht auf dem unumstößlichen Zeugnis derer, die gesehen und gehört haben, was sie zeugen.

HErr JEsu Christe, wir bitten Dich, Du wollest uns Deine Gnade verleihen, dass wir Dein heiliges Evangelium teuer achten, es freudig bekennen und mit aller Treue bis an unser Ende bewahren. Was die heiligen Menschen Gottes selbst gesehen und was sie geredet und geschrieben haben aus innerlichem Triebe des Heiligen Geistes, das sei auch uns die gewisse unzweifelhafte Wahrheit, dass wir Deine Herrlichkeit erkennen und im Glauben schauen, bis wir einst Dich sehen werden von Angesicht zu Angesicht. Amen. (Hermann Haccius)

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