Jakobus 5,9
Andachten
Seufzt nicht wider einander, liebe Brüder, auf dass ihr nicht verdammt werdet. Siehe, der Richter ist vor der Tür!
Aus Mangel eines gestärkten Herzens kann man zu Seufzern kommen, womit man die Geduld des Herrn, die man doch für seine und anderer Seligkeit achtet, abkürzen möchte. Und davor warnet der Apostel mit dem nachdrücklichen Wort: auf dass ihr nicht verdammt werdet. Außer dem Verdammtwerden, welches die ewige Pein nach sich zieht, heißt auch sonst ein jeder harte Stand, den man sich im Gerichte Gottes zuziehen kann, ein Verdammungsurteil, wo man mit etwas eben nicht so Recht findet, wie man sich eingebildet hat, sondern seine Ungeduld, seine Nachsucht zurücknehmen muss. Wie können oft nur wenige Wochen und Jahre uns die Augen in etwas so gar anders öffnen! wie sind wir so froh, wenn wir an uns gehalten haben! wie bereuen wir es, wenn wir uns auch nur in Gedanken oder mit einem Wort übereilt haben! Wie weit anders aber kann etwas im Licht jenes Tages offenbar werden! Wie gut also, so inne halten, dass wir durch das Licht desselben in keinem Stück beschämt werden! Der von Gott verordnete Richter der Lebendigen und der Toten, unser Herr Jesus Christus, ist nahe genug; wir dürfen ihn nicht mit einem ungeduldigen Seufzer herbeiziehen, auch nicht meinen, als ob Er nicht zu unterscheiden wüsste, ob man Ihn mit Seufzen herausfordere oder aber für sich und andere mehr um das Bedecken der Missetaten besorgt sei. (Karl Heinrich Rieger)