Jakobus 1,18
Andachten
Er hat uns gezeugt nach seinem Willen durch das Wort der Wahrheit, auf dass wir wären Erstlinge seiner Kreaturen.
Auch dann bestände unser Gottesdienst aus dankender Anbetung, wenn der Name „Kreatur Gottes“ das Letzte und Höchste beschriebe, was uns zugeteilt ist. Es gibt aber noch etwas Größeres als Kreatur zu sein. Dieses Größere hat Jakobus wie die anderen Apostel die Kindschaft Gottes genannt. Heißt er uns Kreatur, so sagt er: unser Dasein besteht mit allem, was es umfasst, durch Gottes Macht. Nennt er uns von Gott geborene Kinder, so sagt er: Gott legt in euer inwendiges, persönliches Leben die Verbundenheit mit Ihm. Das Geschöpf steht in der Abhängigkeit vom Schöpfer, auch wenn es ihn nicht kennt; dagegen kennt das Kind den Vater. Das Geschöpf muss den Willen Gottes tun, auch wenn es ihn nicht kennt und nicht will. Dagegen dient das Kind Gott mit seinem eigenen Willen in eigenem Gehorsam. Deshalb werden wir zu Gottes Kindern durch das Wort der Wahrheit gemacht. Auch das Geschöpf entsteht durch das Wort Gottes; es ist aber nicht zu ihm gesprochen und wird nicht ihm gegeben; denn es wird durch das göttliche Wort erst ins Dasein gestellt. Nun gibt es aber ein Wort Gottes, das sich an uns wendet, uns anspricht, uns vernehmlich wird und sich zu unserem Eigentum macht, und dieses Wort schafft Leben, und zwar von Gott gewirktes Leben, weil das Wort Wahrheit ist. Darum schafft es, was es verheißt, gibt, was es verkündet, und bleibt uns nicht fremd, sondern wurzelt in uns und füllt unser Herz. An das, was sich uns als Wahrheit enthüllt, sind wir mit einem unlöslichen band gebunden. So entsteht durch das Wort auf den weiten Ackerfeld der Schöpfung Gottes Kinderschar als eine Erstlingsfrucht, als ein Vorzeichen für das, was die Vollendung des göttlichen Reichs der Schöpfung bereiten wird. Auf diesen erhabenen Ort hebt uns aber nicht der eigene Wille und die eigene Leistung empor. Das ist nicht der Erfolg unserer Bemühung, wie wir auch nicht durch unsere Anstrengung geschaffen sind. Gottes Wille macht, dass es Kinder Gottes gibt; denn Gottes Wille bewirkt, dass das Wort der Wahrheit zu uns kommt und uns mit seiner Kraft beschenkt, die uns das Leben gibt.
Was ich, Vater, als Dein Geschöpf habe, zeigt Deine Herrlichkeit, und was Du mir durch Dein Wort schenkst, verklärt Deinen Namen mit neuem Glanz. Es ist das Geschenk Deines Wortes und Deines Geistes, dass wir dich Vater nennen, und weil Du mir Kindesrecht und Kindespflicht gegeben hast, bitte ich Dich: erhalte mich Tag und Nacht auf Deinen Wegen und in Deinem Gebot. Amen. (Adolf Schlatter)
Gott hat uns gezeugt nach Seinem Willen, durch das Wort der Wahrheit, dass wir wären Erstlinge Seiner Kreaturen.
Jakobus hatte vor diesen Worte im ersten Kapitel seines Briefs von den Anfechtungen, vom gläubigen Gebet, von der Demut als der nötigen Eigenschaft der Reichen, und von der eigenen bösen Lust als der Wurzel aller Versuchungen gehandelt, gleichwie er hernach vor dem Zorn und vor aller Unsauberkeit und Bosheit warnet, und von dem Missbrauch und rechten Gebrauch des göttlichen Wortes, und von der Beschaffenheit des rechten Gottesdienstes ernstliche Lehren und Gebote vorträgt. Zwischen diese Lehren und Gebote hinein, die einen strengen Ernst mit sich führten, gab er dann den Brüdern, an die er schrieb, einen kurzen Wink, der sie auf die Betrachtung ihres hohen geistlichen Adels wies. Und so wurde ihnen diese Betrachtung erquicklich und heilsam, da sie hingegen ihnen schädlich geworden wäre, wenn Jakobus ohne das Salz der Gebote ganze Blätter von ihren geistlichen Vorzügen voll geschrieben hätte. Gott hat uns gezeugt, sagt er, nach Seinem Willen. Kein Verdienst auf unserer Seite, sondern nur der Liebeswille Gottes war die Ursache dieser Zeugung. Das Mittel dazu aber ist das Wort der Wahrheit, das man hören kann, wie Jakobus hernach sagt. Indem man’s aber hört, dringt die Kraft Gottes mit demselben in den Menschen ein, und so zeugt oder wiedergebiert Gott den Menschen, wenn dieser nicht widerstrebt, und ich von dem Wort der Wahrheit genugsam richten, aber auch zum Glauben an den Heiland der Welt bringen lässt. Was sind wir aber, wenn wir so von Gott gezeugt sind? Gottes Kinder sind wir, wie ein Jeder leichtlich erkennen kann: Jakobus aber sagt hier, wir seien ein gewisser Erstling der Kreaturen Gottes. Es gibt sehr viele Kreaturen Gottes, und unter denselben sind viele sehr vortrefflich. Die allervortrefflichste unter allen aber ist die menschliche Natur, welche das ewige und wesentlich Wort, welches Gott ist, in die Einigkeit Seiner Person aufgenommen hat. Nach derselben heißt der Sohn Gottes das (sichtbare) Ebenbild des unsichtbaren Gottes, der Erstgeborne der ganzen Schöpfung, der Anfang und der Erstgeborne unter den Toten, die auferstehen, Kol. 1,15.18., der Erstgeborne unter vielen Brüdern, Röm. 8,9., wie auch der Erstling unter denen, die da schlafen und wieder auferstehen. 1 Kor. 15,20. Bis zu dieser Würde reicht Niemand hin, er heiße Engel oder Mensch, denn die Engel müssen diesen Erstgebornen anbeten, Hebr. 1,6., folglich auch die Menschen und alle übrigen Geschöpfe, Offenb. Joh. 5,8-13. Übrigens sollen doch auch diejenigen, die Gott nach Seinem Willen durch das Wort der Wahrheit gezeugt hat, ein gewisser Erstling der Kreaturen Gottes sein. Niemand sei auf seine menschliche Natur stolz, denn ein Mensch kann bis unter alle Würmer, bis in die untere Hölle hinab erniedrigt, und ewiglich als ein überwundener Feind zum Schemel der Füße Jesu gelegt sein: aber ein wiedergeborener Mensch ist ein Erstling unter den Geschöpfen, und hat einen hohen Rang unter ihnen, ist vorzüglich von Gott geliebt, hochgeachtet und zu einer sehr großen und ewigen Herrlichkeit bestimmt. Man bedenke, was Paulus 1 Kor. 9-13. von sich und den übrigen Aposteln geschrieben hat. Lasst uns also mit Christo sterben, damit wir mit Ihm leben, lasst uns dulden, damit wir mit Ihm herrschen. (Magnus Friedrich Roos)