2. Thessalonicher 1,3
Andachten
„denn euer Glaube wächst sehr“
Wenn wir doch auch eine solche Zensur bekämen! Von manchem andern Stück durfte es deutlich sein, dass wir nicht stehen geblieben sind: manche Versuchung, die uns vor einem Menschenalter verhängnisvoll werden konnte, verfängt nicht mehr bei uns, und manches Unrecht, das wir einst gedankenlos getan, würde uns heute unmöglich sein. Das danken wir der Erziehung und der Treue Jesu, der uns nicht in den Anfängen stecken ließ. Aber Wachstum des Glaubens? Vielleicht geschieht das nur in der ersten Zeit nach der Bekehrung, dass der Glaube sich so ausbreitet, um alle Lebensgebiete zu erfassen, und nachher spürt man bei einer gewissen erreichten Reife sein Wachstum nicht mehr. Wachstum spürt man überhaupt selbst nicht; das müssen andere bezeugen. Gesund muss der Glaube sein, sonst könnte er uns keine Gaben aus der unsichtbaren Welt vermitteln; und gesunde Gliedmaßen spürt man nicht, sondern nur die kranken. An einem Stück kannst du sehen, ob dein Glaube echt und stark genug ist: hilft er dir Liebe genug aus Jesu Fülle holen, mit der du deinen Nächsten lieben, tragen, segnen und beglücken kannst? Auf diesen praktischen Erweis des Glaubens kommt alles an.
//Herr, ich glaube; hilf meinem unfertigen, unreifen Glauben stärker und fester werden, dass du ihm etwas zutrauen kannst im Tragen und Aushalten. Ich will die Augen schließen und glauben blind! Herr, segne mir solches! Amen. //(Samuel Keller)
Wir sollen Gott danken allezeit um euch, liebe Brüder, wie es billig ist.
Es ist des Christen Pflicht, Gott zu loben. Ihr, die ihr immer traurig seid, glaubt nicht, dass ihr eure Schuldigkeit tut; glaubt nicht, dass ihr eure Pflicht gegen Gott erfüllt, wenn ihr ihm keine Loblieder singt. Durch die Bande seiner Liebe seid ihr verbunden, solange ihr lebt, seinen Namen zu preisen. Es ist recht und es ziemt sich, dass ihr das tut. Es ist nicht nur zu eurer Freude, sondern der Christ muss unbedingt durch sein Leben den Herrn preisen. Das lehrt uns der Spruch: „Wir sollen Gott danken allezeit…. wie es billig ist.“ Lasst also eure Harfen nicht an den Weiden hängen, ihr trauernden Kinder des Herrn! Es ist eure Pflicht, in die Saiten zu greifen und sie laut erschallen zu lassen. Es ist eine Sünde, Gott nicht zu loben. Er segnet euch, damit ihr ihn preist, und wenn ihr ihn nicht lobet, so bringet ihr die Frucht nicht, die er, der göttliche Ackermann, doch von euch erwarten kann. So geht denn hin, ihr Kinder Gottes, lobt und preist! So oft ein neuer Morgen dämmert, stimmt eure Danklieder an, so oft die Sonne zur Rüste geht, erhebt euren Gesang. Von allen Enden der Erde sollen Lobgesänge erschallen zu Ehren dem Gerechten (Jes. 24, 16). Dann wird Gott selbst vom Himmel herabschauen und gnädig euer Lob annehmen, das zwar nicht so gewaltig ertönt wie die Lieder der Cherubim und Seraphim, aber doch im Kleinen ein Widerhall ist des Gesangs der himmlischen Heerscharen. (Charles Haddon Spurgeon)
Wir sollen Gott danken allezeit um euch, liebe Brüder, wie es billig ist. Denn euer Glaube wächst sehr, und die Liebe eines jeglichen unter euch allen nimmt zu gegen einander.
Wie der Tod nicht das Ende unseres Daseins ist, sondern nur der Übergang aus dem zeitlichen in das ewige Leben, so liegt auch die Aufgabe und der Zweck unsers zeitlichen Lebens nicht in dieser Welt, sondern in der Ewigkeit. Wie wir von hier scheiden werden, so werden wir in der Ewigkeit sein, und darum gilt es sich bereiten und über aller zeitlichen Sorge und in aller Mühe und Arbeit unsers irdischen Berufs immer das Eine im Auge zu haben, was not ist, damit der HErr an jenem Tage bei uns finden mag, was Er allein suchen wird. Wir sehen auch, wie dem Apostel diese eine Hauptsache immer am Herzen liegt; wenn er seine Gemeinde ermahnt, so steht immer dieses Eine voran, dass sie Glauben halten; wenn er für sie bei dem HErrn bittet, so bittet er vor allen um Stärkung und Mehrung des Glaubens, und wenn er für sie dankt, so ist es wieder nichts anderes, als dass der Glaube wächst und zunimmt. Und das kann ja auch nicht anders sein, denn der Tag des Gerichtes ist auch der Tag der Offenbarung unsers HErrn JEsu Christi, und wie wäre es möglich, dass ein Ungläubiger teil hätte an Seiner Herrlichkeit, der doch sein Herz gegen Ihn verschlossen hat? Darum ist es die notwendigste Bedingung unserer Hoffnung für die Ewigkeit, dass wir in JEsu Christo allein, in Seiner Liebe, in Seinem Sterben und Auferstehen das Heil suchen, das heißt, dass wir glauben an Ihn, und je mehr wir darin beharren, je reifer unsere Erkenntnis und Erfahrung wird von der Liebe Gottes, die in Christo JEsu ist, desto mehr wird auch der Glaube wachsen. Je mehr aber die Liebe JEsu unser Herz überwunden und erneuert hat, desto mehr muss sich das zeigen an unserer eigenen Liebe, beides zu dem HErrn und zu den Brüdern.
Liebreicher barmherziger Heiland, Du hast beides in Deiner Hand, die unaussprechliche Gnade in Deiner Rechten und in Deiner Linken den schrecklichen Zorn. Gib uns Gnade, dass wir dem zukünftigen Zorne entrinnen, und schrecke uns mit demselben, so oft wir uns von der Welt verstricken lassen. Über das alles aber lass uns Deine Liebe offenbar werden, dass wir uns nicht fürchten vor Deiner Zukunft. Lass uns leben durch Dich, bis Du uns in dem ewigen Leben zu schmecken geben wirst, welch' ein großes und herrliches Ding es ist, in Dir das Leben zu haben. Amen. (Hermann Haccius)