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Philipper 4,4

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Andachten

Freut euch im Herrn allewege, und abermals sage ich: Freut euch!
Freut euch, denn heute ist der Tag des Herrn, da Leib und Seele sich freuen dürfen in dem lebendigen Gott. Der Herr behüte unsern Eingang und Ausgang, dass wir nicht durch unsre Schuld uns den Segen dieses Tages verkümmern und zerstören. Freut euch im Herrn allewege - es gilt aber an diesem Sonntage in besonderem Sinn, denn der Herr ist nahe. Wohl ist er nie fern von den Seinen, sondern mitten unter ihnen, aber sein Nahesein tritt uns doch lebendiger vor die Seele und erquickt uns mehr in der festlichen Zeit, da wir seine gnadenreiche Menschwerdung feiern. Wo aber der Herr nahe ist, da ist Freude allewege. Christus macht nicht die Menschen traurig. Das Christentum ist nicht der Freude Feind. Vielmehr, der Heiland hat erst die Freude wiedergebracht vom Himmel auf die Erde. Denn er tilgt die Sünde und was ist Sünde anders als Traurigkeit! er schenkt uns Vergebung, Leben und Seligkeit, und verwandelt unsre Klage in einen Lobgesang. Er gibt uns Freude allewege. Die Freude im Herrn vergeht nicht. Die Freude, dass ich einen Heiland habe, die Freude, dass ich in ihm Gnade bei Gott gefunden; die Freude, dass Gott wieder mein Vater ist, und ich sein Kind - die Freude bleibt auch in Not und Tod. Diese Freude ist nun wieder da und will bei uns einkehren. O sage nicht: Ich kann mich nicht freuen, für mich ist jetzt Trauerzeit. Höre doch: Der Herr ist nahe! In ihm ist schon Alles überwunden; in ihm ist schon dein Sieg, deine Erlösung vorhanden. Halte es nur im rechten Glauben, dass in ihm die Erlösung von allem Übel nahe ist, dass mit ihm uns der Vater Alles schenken will, und Alles zum Besten wendet, so wirst du die selige Kunst lernen, dich in dem Herrn zu freuen allewege. Herr, unser Gott, du hast deinen eingebornen Sohn für uns Alle dahingegeben. O tue uns die Augen auf, die Größe dieser deiner Gabe, die Größe dieser deiner Liebe zu ermessen, damit diese Freude, die selige Freude im Herrn unser ganzes Herz und Leben erfülle und hindurchklinge durch alles Leid und alle Anfechtung der Welt, und wir in dieser Freude dir willig die Opfer unsres Dankes bringen, mit Herzen, Mund und Händen. Amen. (Adolf Clemen)


Es gibt Christen, die meinen, sauer dreinsehen gehört zu ihrer Uniform, und wenn man dem alten Menschen seine verdrossene Stimmung noch für eine gute Tugend erklärt, dann lässt er seine Flügel hängen und glaubt, besonders fromm dabei zu sein! Dagegen erinnert der Apostel daran, dass die Freude am Herrn Jesus zum eisernen Bestand des gesunden Christentums gehört, und kommandiert seine Leute, dergleichen auch freien Lauf zu lassen. Mögt ihr noch so viel äußeren Anlass zur Verstimmung haben - ihr habt mehr Anlass zur Freude im Herrn Jesu! Stäubt eure Seelen ab und gebt euch solcher Freude hin. Nicht nur werdet ihr selbst durch solche Freude frei von krankhafter geistlicher Blutstockung. Ihr macht dem Herrn damit eine Ehrung in eurem Leben bereit und ihr kränkt durch solche Freude den Satan aufs empfindlichste. Die Welt aber wird sehr erstaunt aufmerken, wenn ihr so fröhliche Leute seid. Sie muss sich sagen: „Von nichts ist nichts! Freuen sich diese verachteten, verfolgten Leute, die gar keinen irdischen Anlass zur Freude haben, dann müssen sie wahrlich einen inneren Schatz haben und ein heimliches Glück, das wir nicht begreifen.“ Das predigt manchmal besser als viele gesalbte Redereien.

Mein Freudenmeister, tritt in meine stille Stube und rühre meine Seele an, dass sie anfange, leise und froh zu klingen. Dann geh mit mir in die Arbeit und den Kummer draußen und lass mein Lied anschwellen zu deiner Ehre. Amen. (Samuel Keller)


Diese Freude ist eine Frucht und Folge des Glaubens, wie Paulus (Gal. 5, 22) sagt: Die Frucht des Geistes ist Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Gütigkeit, Glaube, Sanftmut, Keuschheit, Denn es ist nicht möglich, dass sich ein Herz sollte in Gott freuen, das nicht zuvor an Ihn glaubt. Wo nicht Glaube ist, da ist eitel Furcht, Flucht, Scheu und Traurigkeit, wenn nur Gottes gedacht und genannt wird; ja Hass und Feindschaft ist wider Gott in solchem Herzen. Das macht die Ursache: das Herz findet sich schuldig in seinem Gewissen, und hat nicht die Zuversicht, dass ihm Gott gnädig und günstig sei, dieweil es weiß, dass Gott der Sünde Feind .ist und sie graulich straft. - Dieweil nun die 2 im Herzen sind, Gewissen der Sünde, und Erkenntnis Gottes Strafe, muss es immer betrübet, verzagt und erschrocken sein, hat alle Augenblicke Sorge, Gott stehe hinter ihm mit der Keule, wie Salomon sagt, Sprüche. 28,1: Der Gottlose fleucht und Niemand jaget ihn.

Und 5. Buch Mose 28, 65: Gott wird dir ein verzagt Herz geben. Dass man diesen Herzen viel wollte sagen von Freuden in Gott, das ist eben, als wenn ich das Wasser bereden wollte, es sollte brennen; es geht ihnen gar nicht ein, denn sie fühlen, wie sie die Hand Gottes drückt in ihrem Gewissen. Darum spricht auch der Prophet (Ps. 32, 11): Freut euch in dem Herrn, ihr Gerechten, und rühmet Alle, ihr Frommen. Es müssen Gerechte und Richtige sein, die sich in dem Herrn freuen sollen. Darum ist dieses Wort nicht den Sündern geschrieben, sondern den Heiligen. Den Sündern muss man zuvor sagen, wie sie der Sünde los werden und einen gnädigen Gott überkommen, so folgt die Freude von ihr selbst, wenn sie des bösen Gewissens los sind. Wie wird man aber des bösen Gewissens los und überkommt einen gnädigen Gott? Antwort: Wer ein gut Gewissen haben und einen gnädigen Gott finden will, der muss das nicht mit Werken anfangen, wie die Verführer tun, und martern die Herzen noch mehr, und machen den Hass Gottes noch größer; sondern er muss an sich verzagen in allen Werken, und Gott in Christo ergreifen, das Evangelium fassen und demselbigen glauben, was es zusaget. (Martin Luther)


In der Tat eine sehr angenehme Pflicht, zu deren wirklicher Ausübung gar mancherlei erfordert wird, die von den Gläubigen in sehr unterschiedlichem Maß geübt wird. Es gibt allerdings unter ihnen solche, welche als auf ebener Bahn. geführt werden, deren äußere und innere Stellung, deren Temperament und körperliche Beschaffenheit, sowie die Gnade, die in ihnen lebt, samt ihren Verhältnissen zusammenwirken, um sie in einer gleichförmigen Heiterkeit fortwandeln zu lassen. Sie sind ebenso entfernt von besonderen Leiden, als auch von ausgezeichneten Freudenbewegungen, und halten sich auf einer gewünschten Mittelstraße. Wie selten aber sind solche Seelen, welche, wie Jakobus sagt, also in das Gesetz der Freiheit durchschauen, dass sie in demselben beharren, bei denen ein festes und einträchtiges Wesen begründet ist! Da ist's freilich nur Gott, der uns im Christentum befestigt. Es ist aber doch nichts Unmögliches, sondern kann wohl von der Gnade verliehen werden, dass sie wirklich Paulo auf eine bleibende Weise nach: sagen können: Ich bin gutes Mutes in Schwachheit, in Schmach, Nöten, Ängsten und Verfolgungen, denn wenn ich schwach bin, so bin ich stark. Es bedarf nur des Gebots: Schöpft, so wird Jes. 12 erfüllt: Jauchze und rühme, du Einwohnerin zu Zion, denn der HErr ist groß bei dir! „Weicht, ihr Trauergeister, Denn mein Freudenmeister, JEsus tritt herein. Duld ich hier schon Spott und Hohn, Dennoch bleibst Du auch im Leide, JEsu, meine Freude!“ Amen. (Gottfried Daniel Krummacher)


Freut euch in dem HErrn allewege, und abermals sage ich: freut euch.
Wer Andere zur Freude ermuntern will, muss selbst auch ein fröhliches Gemüt haben, und dieses hatte Paulus, da er den Brief an die Philipper schrieb. Er betete als abwesend mit Freuden für sie, und stand ihretwegen in einer guten Zuversicht, Kap. 1,4.5.6. Er war zu Rom als ein Gefangener: allein auch diesen schmählichen und beschwerlichen Zustand sah er mit einem heiteren Gemüt an, und rühmte, dass er zur Förderung des Evangelii geraten sei, V. 12.13.14. Es gab Leute, welche Christum aus Zank und nicht lauterlich (vermutlich mit einiger Vermengung mit dem Judentum) verkündigten, und dadurch seine Banden eine Trübsal zuwenden, und die Christen bereden wollten, Paulus habe Christum nicht gepredigt: allein der heitere Paulus schrieb: was ist ihm aber denn? Dass nur Christus verkündigt werde allerlei Weise, es geschehe aus böser Absicht, oder rechter Weise, so freue ich mich doch darin, und will mich auch freuen usw., V. 15/18. Er dachte, indem er diesen Brief schrieb, an das Sterben, aber mit Heiterkeit, V. 20/25. Kap. 2,17.18. Er hatte bei seiner Armut eine Beisteuer von den Philippern bekommen, darüber war er in einem sehr lauteren Sinn sehr froh, und dünkte sich jetzt reich zu sein. Ich habe Alles, sagte er, und habe überflüssig, K. 4,0.18. Er hatte aber auch schon in Ansehung der Nahrung demütigende Umstände, ja Hunger und Mangel erfahren: allein auch darüber führte er keine wehmütige Klage, sondern sagte: ich habe gelernt, dieses und das Gegenteil zu ertragen, ich bin dazu eingeweiht, dass ich mich in alle Dinge und in alle Menschen schicken kann. Ich vermag Alles durch den, der mich mächtig macht, Christus, V. 11.12.13. Dieser heitere Paulus nun durfte und konnte an die Philipper unter Anderem schreiben: freut euch in dem HErrn allewege, und abermals sage ich, damit ihr’s das erste Mal nicht flüchtig überhört: freut euch. Die Philipper hatten zwar auch ihre Widersacher und Leiden, K. 1.28.29.30. Wenn sie aber dieselben so ansehen konnten, wie Paulus die seinigen; so konnten sie sich doch freuen. Überdies verlangte Paulus nicht, dass sie sich über ihre äußerlichen Umstände freuen sollten, sondern schrieb: sie sollen sich in dem HErrn freuen. Freuen sollten sie sich also, dass sie Jesum zum HErrn haben, der ihretwegen Sich selbst geäußert und erniedrigt habe, und hernach verklärt und über Alles erhöht worden sei, K. 2. Sie sollten sich freuen, dass sie, wie Paulus, in Ihm eine vollkommene Gerechtigkeit haben, und, weil Er nahe sei (K. 4.5.), bald das Kleinod der Herrlichkeit erlangen werden, K. 3., und Gott alles Gute ferner in ihnen wirken, und Sein Werk in ihnen bis zur Vollendung fortführen werde, K. 2,13. 1,6. Die Freude, wozu Paulus die Philipper ermunterte, konnte bei der Furcht und dem Zittern stattfinden, dessen er K. ,12. gedenkt, denn auch die Tränen, die Paulus unter dem Schreiben bei dem Anblick der Feinde des Kreuzes Christi vergoss, (K. ,18.), störten seine Freude nicht, welche er empfand, wenn er auf den HErrn sah. Wenn die Welt fröhlich sein will, so hat sie Geld, Wein, Musiken, Buhlschaften und Anderes dazu nötig, bleibt aber dabei innerlich leer, und verschuldet sich noch mehr. Die Freude im HErrn erfordert aber nichts Weiteres, als dass ein Christ seinen HErrn kenne, und in Ihm erfunden werde. Sie ist nur bei den Vollkommenen (Phil. 3,15.) allewege. (Magnus Friedrich Roos)


Freuet euch in dem Herrn allewege und abermals sage ich: Freuet euch.
In diesen Tagen kehrt in manches Herz Freude ein und so ist es recht. Die Christenheit ist nicht dazu beisammen, damit wir weinen und uns mit dem quälen, was uns fehlt, sondern damit wir uns freuen. Aber die festlichen Zeiten erinnern uns daran, dass es bei uns nicht so steht, wie die Mahnung des Paulus uns haben möchte. Wir brauchen die Anregung durch die festlichen Tage, damit die Freude einigermaßen in uns erwache, und regen sie durch viele andere Dinge an, nicht nur durch den auf den Herrn gerichteten Blick. Darum geht die Freude, die die Festzeit hervorlockt, auch wieder weg und hat nur kurze Dauer. Nur das, was in Gott seinen Grund hat, bleibt. In dem, was Gott uns zeigt und für uns tut, ist uns der Grund einer Freude gegeben, die immer bei uns bleibt, unabhängig vom Kalender, unabhängig von unserer Lage, unabhängig sogar von dem, was sich in uns selbst als Not und Kampf anhäuft. Solange uns der Blick zum Herrn hinauf gegeben ist, fällt ein Lichtstrahl in unsere Seele hinein, der uns so innig und völlig froh macht, wie keine von der Natur uns gereichte Gabe es uns gewähren kann. Gott kennen, Gottes Eigentum sein, ihm gehören und in seinem Dienst stehen, wie soll ich ein solches Wort auf meine Lippen nehmen, ohne dass daraus ein Jubel wird? Solange ich sagen kann: Abba Vater, ist die Freude in mir daheim. Darum mahnt Paulus zu ihr und heißt sie die Pflicht der Christenheit. Denn wenn sie uns erlischt, sei es durch Schmerz der Reue oder im Getriebe unserer dienstfertigen Arbeitsamkeit, dann hat sich eine Wolke zwischen uns und Gott gelegt und der Mensch reckt und streckt sich in die Höhe, sei es mit klagend gegen den Himmel erhobenen Armen, sei es in der Größe seiner Verpflichtungen und unentbehrlichen Leistungen. Unser christlicher Beruf ist aber nicht der, zu zeigen, was ein Mensch vermag, auch nicht, wie jämmerlich ein Mensch ist, sondern sichtbar zu machen, wie hoch und tief Gottes Gnade ist, und zu dieser Pflicht gehört das frohe Herz.
Heile allen inneren Schaden, heilender, helfender Herr. Wenn uns Deine Hand berührt, dann jubeln wir. Spüre ich sie nicht, so ist mein Auge blind und der Glaube mir entschwunden. Dir wende ich mich zu und sage Dir Dank, dass Du uns, Deiner Kinder Schar, jene Freude gibst, die bei uns bleibt. Amen. (Adolf Schlatter)


Freut euch in dem Herrn allewege, und abermals sage ich: freut euch!
Zur Freude hat Gott von allem Anfang her uns Menschen erschaffen und vor der Sünde wusste Niemand, was Traurigkeit war. Aber auch jetzt noch geht das Suchen und Streben aller Menschen auf Freude aus. - Wie die Menschen Freude suchen, das ist freilich unendlich verschieden. Was den Chinesen erfreut, darüber schüttelt der Neger den Kopf und der Franzose lächelt über Beide. Unter den Palmen am Gangesstrom gilt Manches für Freude, was auf den Rebhügeln des Rheins als eine wahre Strafe erscheinen würde. - So ist's auch bei uns; was den Gelehrten erfreut, ist dem Bauern ein Rätsel, und was der Jugend Lust ist, ist dem Alter Qual. Aber nichtsdestoweniger: Freude sucht Alles, was da lebt, und es ist nichts, worin der Mensch nicht seine Freude suchte, in den lächerlichsten Nichtigkeiten, in den höchsten Idealen, in der edelsten Gemeinschaft, in dem schmutzigsten Koth.

Aber trotz allem Freudesuchen wohin man schaut, tausendfaches Weh! Kummer und Jammer schleichen einher in Bettlergestalt und in Königsgestalt; Herzenszerissenheit und Leibeselendigkeit, bange Sorge, blutende Gewissen, blasser Neid, finsterer Hass, Todesfurcht und Todesgrauen, wo sind sie nicht? Hier in edlen gebildeten Formen, dort in nackter Rohheit, hier mit Purpur, dort mit Lumpen bekleidet, und doch derselbe Jammer, dieselbe Zerrissenheit, derselbe Tod! .

Und nun tönt in diese Welt voll Trauer und Trostlosigkeit, gleichsam vom Himmel herab, die Mahnung des Apostels: „Freut euch allewege“! und, damit man sehe, wie ernst das gemeint sei, fügt der Apostel hinzu: „Und abermals sage ich, freut euch!“ da dies „freut euch!“ ist der Grundton aller seiner Schriften und keineswegs hier nur aus einer besonderen freudig erregten Stimmung entsprungen.

Aber klingt das nicht wie Spott und Ironie? Scheint das nicht im besten Fall nur ein frommer Wunsch zu sein? Aber so viel wenigstens müssen wir dem Apostel zugestehen, dass er gerade das Gegenteil von dem ist, was man in der Welt ein Glückskind, oder einen Günstling des Schicksals nennt. Die Leiden, von denen er zu sagen weiß, sind ohne Zahl, sie würden genügen, um zwei Dutzend Menschen gewöhnlichen Schlages unglücklich zu machen. (Lies 2. Korinther Kap. 11, V. 23-29.) Sein Leib ist mit Narben bedeckt, sein Rücken oft von Geißeln zerfleischt; eben dieses „freut euch allerwege“ schreibt er auch aus Kerker und Ketten heraus und jeden Augenblick muss er gewärtig sein, dass der Henker seine Tür öffnet, um ihn vor die Löwen zu führen. Und der Mann schreibt: „Freut euch allewege!“ der sagen kann: wir sind ein Fegopfer der Welt, wir werden immerdar in den Tod gegeben, wir tragen um das Sterben Christi in unserem Leibe?! Und dieser selbe Freudenmann Paulus ermahnt zu „göttlicher Traurigkeit“, ermahnt mit Zittern sich zu freuen und mit Furcht und Zittern seine Seligkeit zu schaffen, ja täglich zu sterben und die Glieder der Sünde abzutöten. Was muss das für eine Freude sein, welche die Trauer nicht ausschließt, ja die sich mit Zittern und Furcht, mit Tod und Leiden so gut verträgt?

Du sagst: „Das fasse, wer es fassen kann! Was für einen verwirrten Begriff von Freude muss dieser Paulus haben“! Ja, entweder er oder du, der du so urteilst. Die Freude des Paulus ist freilich eine absonderliche Freude, es ist die Freude in dem Herrn, und nur von dieser Freude sagt er, dass sie allewege sein kann und soll bei einem Jünger Christi. Wir wollen das morgen schärfer ins Auge fassen; heute aber mache du dir erst einmal recht klar, was denn deine Freuden sind, woher es ferner kommt, dass sie nicht Stich halten wollen, und was das im letzten Grund ist, was dich wieder und immer wieder traurig macht? Vielleicht wird dann schon in dir das Flehen geweckt:

Gib, dass sonst nichts in meiner Seel
Wie deine liebe wohne,
Gib, dass ich deine Lieb' erwähl
Zum Schatze mir und Krone!
Stoß Alles aus, nimm Alles hin,
Was dich und mich will trennen.
Und nicht gönnen
Dass all' mein Mut und Sinn
In deiner Liebe brennen. (Otto Funcke)


In dem Herrn sich freuen, heißt nicht jubilieren und frohlocken. Jubeltage, wo jeder Puls ein Dank und jeder Odem ein Gesang sein möchte, gibt's ja auch im Christenleben. Aber das sind „Oasen in der Wüste“ und bei manchem Pilger sehr sparsam.

In dem Herrn sich freuen, ist aber auch nicht so viel als: Sich über die Fortschritte unseres inneren Lebens in der Heiligung freuen. Ach, diese Fortschritte finden oft am wenigsten statt, wenn wir sie zu entdecken meinen, und gerade weil wir das meinen; so kann man auch, Gott Lob, das Umgekehrte oft sagen. In dem Herrn sich freuen ist unvereinbar damit, dass man sich, in und an sich selbst freut, hegt, wärmt, wie so Viele, die sich für große Christen halten, unter frommer Maske tun.

Ach, solche Freude an uns selbst ist wie ein schwerer Bleiklumpen an unseren Füßen; da können wir uns nicht aufschwingen in den Sonnenglanz der göttlichen Gnade.

In dem Herrn sich freuen, heißt endlich auch nicht sich über den Herrn freuen. Es gibt viele liebe, suchende Menschen, die sich schon über den Herrn freuen können, die Ihn und sein Wort schon ehren und lieben, die oft tief bewegt sind von den Eindrücken seines Geistes. Die werden auch gewiss zu der Freude in dem Herrn durchdringen, wenn sie aufrichtig bleiben. Aber jetzt sind sie noch nicht so weit; die innere zentrale Wendung ist noch nicht geschehen.

In dem Herrn kann sich nur freuen, wer auch wirklich mit seinem innersten Leben in dem Herrn ist, wer mit seinem tiefsten Sinnen, Sorgen, Lieben, Suchen, Wollen und Streben in Ihm wurzelt. Wir sind ja freilich in der Welt und sollen auch mit freudigem Herzen darinnen sein. Das wäre kein gesunder Christ, der nicht mit allem Ernst darüber aus wäre, seinen Posten auf Erden in der Familie, im Beruf, im öffentlichen Leben so vollkommen wie möglich auszufüllen; das wäre kein gesunder Christ, der nicht an Leid und Freud seiner Mitmenschen und an Allem, was das reiche, volle Menschenleben um ihn her bewegt, den herzlichsten Anteil nähme. Aber regiert wird des Christen Sinn nicht durch den Geist, der die Welt durchweht, sondern durch den Geist Christi; nicht hier unten, in den Dingen der Welt liegt der Grund seiner Hoffnung und das letzte Ziel seines Strebens, sondern hoch über der Welt, in dem „Erbteil der Heiligen im Licht“, da, wohin die Stürme und Wetter und alles Wellengebrause der Welt nicht hinreichen. Nur weil die Freude des Christen in dem überweltlichen Christus ruht, kann sie „allerwege“ sein, während die Dinge der Welt einem unaufhörlichen Wanken und Schwanken, Welken und Vergehen unterworfen sind. So lange wir nun mit dem innersten Schwerpunkt unseres Sinnens, Liebens, Hoffens, in der Welt, sei es auch in ihrem edelsten Besitz und Genuss, verloren sind, ist auch unsere Freude dem Schwanken und Hinfallen der Weltdinge unterworfen.

Zu der stetigen Freude in Jesu kommen wir nur, wenn wir nicht uns selbst, nicht der Sünde, nicht der Welt, sondern ihm dienen wollen; wenn wir seinen Willen und seine Liebe das sein lassen, was uns in unserem äußeren und inneren Leben bestimmt. Ein Leben in dem himmlischen Weinstock (Joh. 15.) sein, in ihn immer mehr hineinwachsen, aus ihm Alles nehmen, wovon wir wachsen und leben, das ist des Christusjüngers Stand und Wesen. Da ist dann auch Freude, Freude, die durch nichts im Himmel und auf Erden erschüttert werden kann, die Frucht solcher Einheit. Denn so wissen wir, dass wir mit Leib und Seele, in Lieb und Leid, bei Sturm und Sonnenschein, in Tränentagen und in Erquickungszeiten, ja auch dann, wenn wir über unsere Sünden zittern und mitten in des Todes Rachen, dennoch allerwege unter unseres getreuen Heilandes starker schirmender Hand sind, und dass sich uns unter seiner Erziehung Alles, Alles am letzten Ende in Herrlichkeit und Leben, Licht und Frieden wenden muss. Da wissen wir, dass ob wir auch schwach sind und oftmals sinken, doch werden wir nicht untersinken; ob wir auch noch so sehr von Traurigkeit umgarnt sind, doch bleibt im tiefsten Herzensgrund ein Samen der Freude; ob auch Welt und Hölle uns umstürmen und alles eigene Glück zusammenbricht, doch können wir nicht unglücklich werden, denn wir sind in dem Herrn, der unser Leben ist.

So ruh' ich nun, mein Heil, in deinen Armen,
Du selbst sollst mir mein ew'ger Friede sein.
Ich hülle mich in deine Gnade ein,
Mein Element ist einzig dein Erbarmen;
Und weil du mir mein Ein und Alles bist,
So ist's genug, wenn dich mein Geist genießt. (Otto Funcke)


Freut euch in dem Herrn allewege, und abermals sage ich: freut euch. Eure Lindigkeit lasst kund sein allen Menschen. Der Herr ist nahe.
Der Herr ist nahe, so lautet die Adventspredigt, sowohl hinweisend auf das bevorstehende Weihnachtsfest, als auch im Hinblick auf das tägliche Kommen des Herrn zu den Seinen, als auch endlich weissagend von dem künftigen Kommen des Herrn in Herrlichkeit. Wo aber diese Adventspredigt als ein guter Same auf ein feines, gutes Herzensland fällt, da wird die Mahnung des Apostels sich erfüllen: freut euch in dem Herrn. Freude soll die Adventsfrucht sein, Freude, die ihren Grund hat in dem Nahesein des Herrn, der da ist Jesus Christus gestern, heute und derselbe auch in Ewigkeit, Freude, die darum auch allewege in den Herzen bleiben kann. Der Herr ist nahe, wird verkündigt, wir feiern bald Weihnachten, der Herr ist zu den Menschen gekommen, ist Mensch geworden, um der Welt Sünde zu tragen. Wer das gläubig in sein Herz aufnimmt, der kann sich wahrlich freuen in dem Herrn, der seine Schuld abgetan, ihn mit Gott versöhnt hat und ihm den Frieden der Vergebung schenkt. Der Herr ist nahe, wird gepredigt, er kommt immerdar im Worte und in den Sakramenten zu uns, er will seine Verheißung wahr machen: siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende. Sollen wir uns nun nicht dessen freuen, dass wir den guten Hirten bei uns haben, können wir uns nicht allewege freuen? Wenn wir unserem Berufe nachgehen, so können wir uns freuen, dass wir auf sein Wort unser Netz auswerfen, und dass seine Kraft in uns, den Schwachen, mächtig sein soll. Wenn wir mit unseren Mitchristen verkehren, so mögen wir uns darüber freuen, dass der Herr in unserer Mitte ist, durch andere an uns wirkt und uns an anderen wirken lässt. Wenn wir die Segensgaben Gottes genießen, so freuen wir uns in dem Herrn, wenn sie uns an die Freundlichkeit des gegenwärtigen Heilands erinnern. Wenn wir leiden, so sprechen wir doch mit Freuden: ob ich schon wanderte im finsteren Tal, fürchte ich kein Unglück, denn du bist bei mir. Wenn wir ruhen, so freuen wir uns seines Schutzes, wenn wir zu kämpfen haben wider Teufel, Welt und Fleisch, so gedenken wir voller Freude: es streit't für uns der rechte Mann, wenn wir sterben, so sollen wir uns auch noch freuen und in solcher Freude bekennen: Gott sei Dank, der uns den Sieg gegeben hat durch Jesum Christum unseren Herrn. Wenn nun der Herr uns nahe kommen, wenn sein Wort uns ein Licht wird auf allen unseren Wegen, wenn es gehört, gelesen, im Herzen bewahrt wird, dann wird die Mahnung auch in unserem Leben Frucht bringen: freut euch in dem Herrn allewege. Der Herr ist nahe, diese Adventspredigt kündet uns aber auch noch, dass Jesus Christus bald kommen wird mit großer Kraft und Herrlichkeit, um Gericht zu halten und sein ewiges Herrlichkeitsreich aufzurichten. Und auch dieser Botschaft gegenüber können die wahren Jünger Christi nur der Weisung des Apostels folgen: abermals sage ich: freut euch. Denn dieses Gericht ist ja die für die Ewigkeit gültige Scheidung zwischen Finsternis und Licht, zwischen Gottesreich und Welt, und jenes Herrlichkeitsreich bringt ja die völlige Erlösung von aller Sünde, von allem Übel, von allen Stückwerk, von aller Unvollkommenheit. Der Herr erwartet für sein letztes Kommen solchen freudigen Empfang von Seiten seiner Jünger, wenn er spricht: wenn aber dieses anfängt zu geschehen, so seht auf und hebt eure Häupter auf, darum dass sich eure Erlösung naht. Wir aber, die Jünger, sollen uns prüfen, ob wir dem Ende und dem Erscheinen des Herrn wohl mit solcher Freude entgegensehen können. Wenn wir uns der Wiederkunst Christi wirklich freuen können, so haben wir daran ein Merkmal, dass wir von der Freude in dem Herrn etwas wissen, und dass wir uns hier auf Erden allewege im Herrn freuen dürfen. Ein anderes Kennzeichen aber, dass die rechte Freude, die Freude in dem Herrn, in uns Raum gewonnen hat, gibt der Apostel mit den Worten an: eure Lindigkeit lasst kund sein allen Menschen. Wo die wahre Freude, welche von der Barmherzigkeit Gottes in Christo geweckt ist, das Herz erleuchtet und erwärmt, da wirkt sie gegen die Mitmenschen wieder Barmherzigkeit, die ihnen Freude zu machen sucht. Und wie die Barmherzigkeit gegen Menschen ein Ausfluss von Gottes Barmherzigkeit ist, so auch die Freude, die wir bereiten, dann ein Abglanz von der Freude, die uns in Christo bereitet ist. Eure Lindigkeit lasst kund sein allen Menschen. das Wort wird bei denen, die sich im Herrn freuen, dann so zur Tat, dass wir durch Wort und Werk den Sündern Vergebung verkünden, den Müden und Mutlosen freudigen Mut einflößen, mit den Fröhlichen uns freuen, den Leidenden Hilfe oder Trost bringen, die Kämpfenden ermuntern, den Sterbenden Lebenshoffnung geben, ja selbst da, wo wir strafen und züchtigen, das Gericht des Herrn verkündigen müssen, doch zugleich locken und zu gewinnen suchen mit der Freude, die bereitet wird dem Sünder, der sich von seiner Sünde scheiden lässt. So ist Freude die Frucht der Adventsbotschaft; Freude, die wir mit dem Herrn empfanden, Freude, die wir durch den Herrn anderen bereiten, damit nicht nur einzelne Seelen froh werden, sondern eine gemeinsame Freude die Gemeinde Christi durchglühe und das Wort sich erfülle: Freue dich, du Tochter Zion, und jauchze, du Tochter Jerusalem, siehe, dein König kommt zu dir. (Thomas Girgensohn)


Freut Euch in den Herrn alle Wege, und abermal sage ich: freut Euch!
Dies Wort verstehen wir nie so gut, als in diesen schönen Tagen der wartenden und hoffenden Vorfreude. Das liebe Fest ist vor der Tür; es naht die Stunde heran, auf die wir uns seit Tagen und Wochen gefreut haben, und für deren Ausschmückung die vorsorgende Liebe in so vielfacher Weise tätig gewesen ist; jetzt, wo die lang gehegte Hoffnung zur Erfüllung, wo das Warten und Glauben zum wirklichen Schauen und Genießen werden soll, hat auch die Freude bald schon ihren höchsten Höhepunkt erreicht, und vielleicht ist sie jetzt noch reiner und schöner, als wenn erst mit der Erfüllung zugleich der Zauber des Wartens und Hoffens ein Ende nimmt. Es ist Jeder glücklich zu preisen, der in diesen Tagen mit den Kindern ein Kind werden, und sich aus Herzensgrund mit ihnen freuen kann. Wer erst den tiefen Ernst des Lebens kennen und kosten gelernt hat, ist für rechte Freude umso dankbarer. Es ist ja um alle wahrhaftige Freude etwas Hohes und Himmlisches. Sie ist wie ein Licht, das von oben her in das Dunkel des Erdenlebens hinableuchtet, und seine Armut, seine Schmerzen, sein tiefes Elend eine Zeit lang hinweg nimmt; sie ist wie ein Aufhören des Fluches, den die Sünde auf den Menschen gelegt hat, und wie eine Erlaubnis für ihn, auf eine kurze Weile in seine erste paradiesische Heimat zurück zu kehren. Aber wenn die Freude in diesem Lichte betrachtet und als ein Vorschmack ewiger Wonnen gekostet werden soll, dann muss sie auch eine Freude sein in dem Herrn, eine Freude an dem Christkinde selber, das einst in dunkler Nacht vom Himmel auf die Erde herniederstieg, um alle Menschen glücklich und selig zu machen, und das von da an mit uns Allen in steter Verbindung geblieben ist, und unser Aller Leben mit Seinem Segen überschüttet hat. Es ist Seine Liebe gewesen, die uns, als wir noch Kinder waren, einem treuen Vater, einer zärtlichen Mutter an das Herz legte, und durch ihre Sorgfalt unser Leben überwachte; und als wir herangewachsen waren und in die weite Welt hinauszogen, da haben wir es inne werden können, dass uns das Christkindlein als der Heiland der Welt überallhin nachfolgte, und uns eine Bahn brach, und die Berge vor uns ebnete; und wenn wir heute zurück denken an Alles, was wir in unserem Leben erfahren und durchgemacht haben, dann müssen wir mit tiefer Herzensbeugung gestehen: Seine Gnadenhand ist immer über uns ausgestreckt gewesen, und Sein Auge hat über uns offen gestanden bei Tag und bei Nacht. Darum soll auch die Zuversicht zu Ihm nicht mehr aus unsrer Seele weichen, und wir wollen es immer besser zu lernen suchen, was das Wort der Schrift von uns begehrt: „Freut Euch in dem Herrn allewege.“ Freilich werden auch Stunden wiederkommen, von denen es heißen wird: „sie gefallen mir nicht;“ Stunden des Schmerzes und der Verlassenheit, wo alle Lichter der Freude und der Hoffnung an dem Baume unseres Lebens ausgelöscht sein werden, und unsere Seele wie in Nacht und Dunkel wird eingehüllt sein. Dann werden wir nicht so empfinden, wie jetzt; da werden alle die inneren Sinne, durch welche die Freude in des Menschen Herz einzieht, wie verschlossen und erstorben sein, und es wird uns unter solchem Wehe unmöglich dünken, die Freude an und in dem Herrn in der Seele festzuhalten. Und doch wissen wir, ist es nicht unmöglich, und viele Kinder Gottes hat es zu allen Zeiten gegeben, die diese hohe Kunst verstanden haben. Denn sie haben gewusst, dass, wenn auch die Schicksale unseres Lebens sich wandeln, sich doch die Liebe dessen nicht wandelt, der unser Leben leitet; und wenn Er uns den Schmerz bereitete, es doch Seine Liebe war, die ihn uns sandte, weil er für uns notwendig und heilsam war. Nun, dieselbe Liebe, die den Schmerz uns auflegte, um das Böse von uns wegzunehmen, wird dann auch zur rechten Zeit, wenn der Schmerz seine Aufgabe erfüllt hat, die größere Freude wieder nachfolgen lassen. Wenn wir an dieser Zuversicht festhalten, dann wird uns auch in dem bittersten Leid die fröhliche Hoffnung nicht verlassen, und auch unter Seufzern und Tränen wird doch im tiefsten Grunde der Seele das Fünklein der Freude hoffend und glaubend fortglimmen, bis der Herr den Geängsteten Sein Angesicht wieder in Gnaden zuwendet, und das Wort Seiner Verheißung erfüllt werden lässt: „Den Abend lang währt das Weinen, und des Morgens die Freude;“ und „die mit Tränen säen, werden mit Freuden ernten.“ (Julius Müllensiefen)


Freut euch in dem HErrn allewege, und abermals sage ich: Freut euch!
Der HErr steht vor der Tür, und wir müssen uns bereiten, Ihn mit den rechten Feierkleidern zu empfangen, damit die Festfreude ganz und voll in unsere Herzen einziehen könne. Und wenn der Apostel uns zur Freude ermuntert, so ist es klar, dass er hier nicht von den Freuden des Lebens redet, als wollte er uns auffordern, diese zu genießen. Die Welt bedarf solcher Ermunterung nicht, sie muss vielmehr zurückgehalten werden, und was ein Christ davon zu achten habe, und wie viel er davon mit gutem Gewissen genießen könne, davon redet der Apostel an anderen Orten. Hier aber ist die Rede von Freuden, welche in der Welt gar nicht zu finden sind, und welche die Welt nicht kennt und nicht mag. Es ist die Freude, von welcher der Engel redet in der Heiligen Nacht, die Freude, die der HErr uns schenkt: dass uns die Freundlichkeit und Leutseligkeit Gottes erschienen ist und hat uns selig gemacht von unsern Sünden, die Freude, dass Er uns alle Tage Seine Liebe erfahren lässt, bis Er uns endlich eingehen lassen wird zur ewigen Freude. Und weil uns diese Freudenbotschaft immer von neuem verkündigt wird, und wir die himmlischen Güter alle Tage haben, so sollen wir uns allewege freuen. Der Apostel legt einen großen Nachdruck darauf, indem er schreibt: „Und abermals sage ich: freut euch.“ Grund genug zur Freude ist vorhanden; denn wie sollten sich die Verlorenen ihrer Rettung, die Gefangenen ihrer Freiheit und die dem Tode Verfallenen des Lebens nicht freuen! Ja diese Freude ist das notwendige Bedürfnis des Christenlebens, denn ohne den Freudengeist wird uns die Traurigkeit des Gewissens nur schwach machen und dem bösen Feinde den Boden bereiten. Darum ruf zu dem HErrn, dass Er uns Seine Freude schenke, und wir Ihm danach von neuem dienen; die Freude in dem HErrn wird unsere Stärke sein.

Lieber HErr JEsu, Du bist der rechte Freudenmeister, und bei Dir haben wir keinen Mangel an irgendeinem Gute. Wir sitzen im vollen Überflusse mitten in Deinem Reiche, da Fried' und Freude lacht, und könnten reich sein an allen Stücken, und klagen und plagen uns dennoch so oft. Vergib uns das und hilf uns mit Deiner seligen Erscheinung, dass unser Herz der großen Freude voll werde, die kein Mensch ausreden kann. Amen. (Hermann Haccius)


Freut euch in dem Herrn allewege, und abermals sage ich: Freut euch!
Unter denen, welche nicht wissen, was wahres Christentum ist, findet man die weitverbreitete irrige Meinung, dass ein Christ ein trauriger, freudloser Mensch ist. Allerdings der Freude, welche um ein böses Gewissen erkauft werden muss, redet unser Christenglaube nirgends das Wort. Wohl preist auch unser Herr in der Bergpredigt selig, die da Leid tragen (Matth. 5, 4), aber er fügt gleich hinzu: „denn sie sollen getröstet werden“; aus der bitteren Wurzel des Leids erwächst die süße Frucht des Gottestrostes, und dieser Gottestrost ist das Hauptstück in der wahren Christenfreude, zu welcher uns St. Paulus auffordert. Als er dies schrieb, befand er sich im Gefängnis. Die Weltfreude ist wie eine Blume, die bald verwelket; die geistliche Freude besteht und bleibt und blüht immerdar, denn sie hat ihre Wurzel tief in den Herrn gesenkt. Sie besteht auch mitten im Kreuze, wie eine Rose unter den Dornen lieblich blüht. Freut euch in dem Herrn, lautet des Apostels Aufforderung. Erst dann kommt es zu solcher Freude bei uns, wenn wir durch den Glauben in unsern Herrn Christus gewurzelt und gegründet und durch die Liebe mit ihn vereinigt sind. Denn dann erst erkennen wir, was wir an ihm haben. Und je völliger solche Erkenntnis in uns wird, je lebendiger sein Bild in unserer Seele wird, je vertrauter wir mit ihm werden durch Achten auf sein Wort und auf seines Geistes Einsprache, durch unsern Gebetsumgang mit ihm, umso näher rückt er uns, umso mehr finden wir in ihm das Leben und volles Genüge. Da sind die Quellen unserer Freude erschlossen. Es kommt dann auch das allewege des Apostels zu seiner Geltung. Vieles ist vor unsern Augen, was uns die Freude rauben möchte: unsere eigene Sünde, unser Unglaube und Kleinglaube, fremde Sünde, das mannigfache eigene und fremde Leid des Lebens. Aber dies alles soll in uns doch nicht die Oberhand gewinnen, sondern die Freude, weil wir uns in Christo wissen, der über dies alles ein Herr und Sieger ist. Unsere Herzen sind von Natur so blöde und sind eher zur Traurigkeit als zur Christenfreude geneigt, darum wiederholt St. Paulus seine Aufforderung: und abermals sage ich: freuet euch! Folgen wir seiner Aufforderung, sagen wir uns los von allem, was Freude in der Welt genannt wird, öffnen wir der Freude im Herrn unsere Herzen! (unbekannt)


Freut euch in dem Herrn allewege, und abermals sage ich: Freut euch. Eure Lindigkeit lasst kund sein allen Menschen. Der Herr ist nahe.
So beginnt die Epistel des vierten Adventssonntages, wohl die schönste Epistel des ganzen Kirchenjahres, eine Epistel, die wie lauter Evangelium klingt, und wie mit Glockenton das nahe Weihnachtsfest einläutet. „Freut euch in dem Herrn allewege“, so ruft sie uns zu, „und abermals sage ich: Freut euch!“

Aber ist denn das Leben nicht recht trüb und traurig, und wenig Anlass zu herzlicher und steter Freude? Umlagert uns nicht ein Heer von Sorgen an jedem neuen Tage? Und wenn wir wirklich einmal der Gegenwart uns freuen möchten, zeigt sich nicht alsbald am Horizonte eine düstre, finstre Wolke, die uns bange macht, und uns sogar die Freude des glücklichen Augenblicks verkümmert? Wie soll denn ein Mensch in diesem armen Erdenleben immer und allewege fröhlich sein können? Freilich von solcher Freude redet der Apostel nicht, wie die Welt sie liebt, bei der man nur lustig und guter Dinge ist, und Gottes vergisst. Noch weniger redet er von solchen Freuden, die hernach einen bitteren Nachgeschmack haben, und auf welche man nur mit Scham und Reue zurückblicken kann, wenn man sich einmal zum letzten Schlafe niederlegt. Der Apostel redet von anderen Freuden, wenn er spricht: „Freut euch in dem Herrn.“ Wer von Herzen spricht: „Die Sonne, die mir lachet, ist mein Herr Jesus Christ“, der kann immer und allewege fröhlich sein; denn seine Sonne geht nicht unter, auch wenn's einmal finster werden will in uns und um uns her. Seine Gnadennähe macht uns getrost im Leide, geduldig in Trübsal, und füllt das Herz mit fröhlicher Hoffnung. Und er ist uns nahe, obwohl er eingegangen ist zu seiner Herrlichkeit. Er ist uns nahe in seinem Worte, mit welchem er unsere Herzen tröstet und erquickt. Er ist uns nahe im heiligen Abendmahl, in welchem er innig sich mit uns verbindet. „Er ist nahe allen, die ihn anrufen, allen, die ihn mit Ernst anrufen.“ Er ist uns nahe sonderlich in dieser heiligen Zeit. Darum „freut euch in dem Herrn. Der Herr ist nahe!“

Lasst uns beten: Wir danken Dir, Du treuer Heiland von Grund unseres Herzens, dass Du zu uns gekommen bist, und hast uns Frieden und Freude gebracht! Du hast hinweggenommen das, was am schwersten drückt und am meisten quält, nämlich unsere Sünde und die Furcht vor Deinem Zorn, und willst bei uns sein mit Deiner Macht und Gnade auch in unserer irdischen Not. So hilf uns nun, dass wir in dieser Freudenzeit abtun alle Sorge, und uns in Dir freuen, bis wir einst mit allen Seligen Dich loben in ewiger Freude. Amen. (Alfred Meyer)


Freut euch in dem Herrn allezeit, und abermals sage ich: Freut euch.
Himmlischer Vater, Gott aller Liebe! Du hast das Menschenherz zur Freude geschaffen. Zu unserer Freude hast du die Erde so schön bereitet und die Fülle deines Segens in tausendfältigen Gaben über sie ausgegossen. Auch am dornenreichen Pfade lässt du noch ein Blümlein der Freude sprießen, und aus der Tränensaat wachsen die Garben reinerer, höherer Freude empor. Doch kein Tag lässt uns den Reichtum deiner Güte so tief empfinden, wie der Sonntag; denn zur Freude, zur äußeren und inneren Erhebung soll er besonders uns dienen. Den Mühseligen und Beladenen der Erde, den Unzähligen, die sich im Frondienste der irdischen Not müde gearbeitet, verkündigt er eine Stunde der Ruhe, der Erquickung. Die von Natur zusammen gehören, aber durch die Pflicht des Werktags oft voneinander getrennt werden, Mann und Weib, Eltern und Kinder, dieser Tag führt sie wieder zusammen, dass sie erwärmen und stets neu aufleben im Schoße der Liebe. Die gefangen sind die Woche hindurch hinter engen Mauern, die macht der Sonntag frei und öffnet ihnen den Weg in die weite Gotteswelt, und zu dem, der einsam in seinem Stübchen auf dem Krankenbette trauert, naht sich der Freund mit teilnehmendem, tröstendem Wort. Allein noch bessere, noch höhere Freude willst du uns heute gewähren. Durch die sonntägliche Stille hallt der Klang der Glocken, welche die Gemeinde zum Gottesdienste rufen. Sie reden noch von einer höheren, reineren Freude; sie laden uns ein zum hochzeitlichen Mahle des Sohnes, bei welchem wir in brüderlicher Gemeinschaft deine ganze Vaterliebe in Christus Jesus schmecken und empfangen sollen. O, das bleibt doch die allerbeste und reinste Freude, sich zu freuen in dir, himmlischer Vater, anzuschauen deine Gnade und Wahrheit, aufs Neue gewiss zu werden deiner vergebenden, helfenden und heilenden Liebe, auszuruhen von den Sorgen und Ängsten dieser Welt an deinem Vaterherzen. Ja, du vergnügst alleine, völlig, innig, reine, Seele, Geist und Mut; wer dich hat, ist still und satt, wer dir kann im Geist anhangen, darf nicht mehr verlangen. Und auch alle andere Freude, die die du uns bescherst, sie wird erst dann recht rein, recht innig und beglückend, wenn wir sie genießen als eine Freude in dir, im Licht deiner Liebe, mit dankbarem und genügsamem Sinn, gehalten durch das Band des Gewissens, gehalten auch durch das Band der Liebe, der Teilnahme und Rücksicht für Andere. gib uns die rechte Fähigkeit zu solcher Freude; wehre Allem, was dieselbe trüben könnte: dem Geist der Sorge und des Trübsinns, der Versuchung zu Zank und Streit oder übler Nachrede, den heftigen Begierden und Leidenschaften, welche den Tag der Freude so oft in einen Tag der Sünde und der Schuld verwandeln. Gib uns einen dankbaren, frohen und genügsamen Sinn und ein reines Herz, dich überall zu schauen, in deinem Worte, wie in deinen Werken, in der Gemeinschaft der Menschen, wie im stillen Kämmerlein. Gib uns vor Allem auch ein warmes, liebevolles Herz, das seine Freude daran finde, Andern eine Sonntagsfreude zu bereiten, Kranke zu besuchen, Bekümmerte zu trösten. Ja, lass in jedes umnachtete Gemüt, in jede dunkle Kammer einen Strahl heller Sonntagsfreude fallen und diesen Tag dem ganzen Land zu einem rechten Sonntag werden, dessen erhebende Kraft hinauswirkt in die Arbeit der Woche. Amen. (Robert Grubenmann)


Freuet euch in dem Herrn allewege, und abermals sage ich: Freuet euch!
Lasst uns Gott bitten, dass er uns zunehmen lasse in dieser Freude, welche der Apostel uns so dringend empfiehlt! Diese Freude ist ja auch als die einzige wahre Quelle der Sanftmut und Milde hier aufgeführt. Wenn wir übler Laune sind, ungeduldig und rau, wenn sich Schroffheit in Ton und Verhalten bei uns findet, so haben wir den Grund davon meistens darin zu suchen, dass uns der innere Friede mangelt. Durch eine List des Herzens schreibt man den Sünden und dem bösen Verhalten anderer, oder sogar einem vorgeblichen Eifer für die Ehre Gottes Das zu, was nur die Frucht inneren Unbehagens ist. Darum sollen wir trachten, zu wachsen im Glauben und in der Treue, welches die Quellen der geistlichen Freude sind. Da, wo Freude und Zufriedenheit im Herzen wohnen, wird sich sicherlich auch die Sanftmut finden. Was kann man nicht Alles von einem Menschen erhalten, welcher glücklich ist? Will man bei einem Fürsten um eine Gnade bitten, so wählt man dazu, als unserm Vorhaben, uns ihm zu nahen, günstig, einen Tag, wo irgendein glückliches Ereignis sein Herz erfreut; man scheint vorauszusetzen, dass ein glücklicher Mensch kein harter und strenger Mensch sein könne. Nun, lasst uns suchen, durch tägliche Erneuerung unsers Glaubens alle unsere Tage zu solchen Tagen zu machen, wo wir uns aufs Neue unserer Versöhnung mit Gott freuen, zu Tagen, da wir tiefer in jenes Reich eindringen, welches ist „Gerechtigkeit, Friede und Freude im Heiligen Geist.“ Indem wir dadurch je mehr und mehr glücklich und freudig im Herrn uns fühlen, werden sich auch die Früchte dieser Freude, „Barmherzigkeit, Gütigkeit, Demut, Sanftmut und Geduld“ in unserm Innern entwickeln. (Auguste Rochat)

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