Römer 8,35
Andachten
Wer wird mich scheiden von der Liebe Christi? Trübsal? oder Angst? oder Hunger? oder Blöße? oder Gefahr? oder Verfolgung? oder Schwert? usw.
Wer kann diese Worte dem Apostel in Wahrheit nachsprechen? Wer ist so voll Liebe zu Christus, dass ihn, ich will nicht sagen, Feuer und Schwert, große Angst und Verfolgung, sondern nur eine kleine Versuchung oder Prüfung, wo er etwas verleugnen, ein kleine Unrecht, ein hartes Wort oder einen Schaden dulden soll; wer ist so stark in der Liebe, dass er es um Christi willen tragen und in der Liebe zum Heiland, in der Liebe zu Freunden und Feinden bleiben kann; dass ihn in seinem Herzen nichts scheidet von der Liebe Christi? Machen wir also diese schönen Worte nicht zu Lügen in unserem Munde, wenn wir die Kraft nicht im Herzen haben, und im Wandel beweisen. Mancher möchte wohl in seinem Sinne große Leiden und Prüfungen aus Liebe zu Christo erdulden, ehe er die kleinen tragen gelernt hat, die ihn täglich drücken. Es scheint auch schwerer zu sein, sich in täglichen Geduldübungen nicht von der Liebe zu scheiden, als durch große Verfolgungen und schwere Leiden sich von Christo nicht abwendig machen zu lassen. Beides muss vom Heilande erbeten und erharret werden. Die von Gott im Herzen durch den heiligen Geist ausgegossene Liebe kann Alles überwinden, lässt sich durch nichts von ihrer Quelle scheiden, so wenig als die Hitze vom Feuer oder Licht und Wärme von der Sonne. Aber die eingebildete Liebe, die nur in Worten oder in der Idee besteht, kann nichts überwinden, und kann - freilich auch nicht von Christo geschieden werden, weil sie nicht bei und in Christo, sondern nur Wahn und Einbildung ist - sie kann nicht sterben, weil sie nicht lebt - aber eben darum auch nichts tragen. (Johannes Evangelista Gossner)
Wer will uns scheiden von der Liebe Gottes? Trübsal oder Angst oder Verfolgung oder Hunger oder Blöße der Fährlichkeit oder Schwert? Wie geschrieben steht: um deinetwillen werden wir getötet den ganzen Tag; wir sind geachtet wie Schlachtschafe. Aber in dem allen überwinden wir weit um deswillen, der uns geliebt hat.
Der Liebe Gottes gewiss sein, das ist wahre Seligkeit. Der Menschen Liebe tut wohl; aber was ist aller Menschen Liebe gegen die Liebe des ewigen Gottes! Heimsuchung wird keinem erspart, auch nicht den Gläubigen, auch nicht dem Kinde Gottes. Doch ist ein Unterschied zwischen Heimsuchung und Heimsuchung. Wer der Gnade Gottes und seiner Versöhnung nicht gewiss ist, dem mag es, wenn ihm Leid widerfährt, zu Mute sein, als habe sich alles wider ihn verschworen und als ruhe ein Zorn auf ihm. Dem Gläubigen dagegen ist auch das Leid eine Heimsuchung der Liebe Gottes, die ihn nur völlig und fertig machen will zum dereinstigen Genuss der ewigen Freude. Mögen die Wolken noch so schwer und dunkel niederhängen, der Glaube greift hinter die Wolken und fasst die Hand der ewigen Liebe; er weiß, dass Gott es dennoch gut mit ihm meint, und dass lauter Ja gemeint ist, wenn auch lauter Nein erscheint.
Herr unser Gott! Im Vertrauen auf deine Liebe und Treue beginnen wir den neuen Tag. Wir danken dir herzlich für alle Wohltaten, die du uns bisher erwiesen, und bitten dich um deinen ferneren Beistand und Segen. Lass alles Gute, das aus deiner Hand uns zukommt, uns froh und dankbar genießen, und in der Trübsal stärke uns im kindlichen Glauben an deine unwandelbare Liebe in Christo Jesu, damit wir nicht verzagen, sondern weit überwinden durch deine Gnade. (Heinrich Spengler)