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Römer 8,23

Römer 8,23

Andachten

“Wir sehnen uns auch bei uns selbst nach der Kindschaft und warten auf unseres Leibes Erlösung.“
Im Glauben sind wir Gottes Kinder - aber Kinder, die in der Fremde sich nach Hause sehnen. Eine Glaubenssache kann ganz fest und gewiss sein, und doch kann man ein Seufzen nicht unterdrücken, dass sie jetzt bloß Glauben und noch nicht handgreifliche Wirklichkeit geworden sei. Es wird doch etwas anderes sein, wenn wir leibhaftig erlöst und neu geworden, in des Vaters Hause sein werden, wo die vielen Wohnungen sind! Auch unser armseliger, hinfälliger Leib mahnt uns oft genug: Wann kommt denn für mich die volle Erlösung? Wann sind alle Schmerzen und Schwächen endgültig abgetan? Wann tritt meine Freiheit und Schönheit strahlend hervor? - Daher ist die Sehnsucht nach dem neuen Zustand, nach der Neuordnung aller Dinge berechtigt und verständlich. Aber sie darf nicht bloß in einem wehmütigen Gefühl bestehen, sondern soll uns jetzt treiben nach der einen Seite, an dem Kommen des Reiches Gottes zu arbeiten. Denn es gibt keinen Frühling für einen allein, sondern nur für alle. Je tiefere Sehnsucht, desto stärkere Liebe zum Herrn und zu den Brüdern in aller Welt.

Herr, solches Sehnen hast du uns in die Brust gepflanzt. Dann soll es auch von dir kommen, dass wir stärker die Flügel unserer Sehnsucht regen und dir die Wege bereiten zu uns und zu allen Menschen. Dazu hilf uns, Herr Jesu! Amen. (Samuel Keller)


Auch wir seufzen in uns selbst und warten auf die Kindschaft.
Auch Gottes Kinder seufzen noch?! Warum? Der Apostel sagt uns, dass sie warten auf die Kindschaft. Kinder sollen auf die Kindschaft warten? Das wundert uns sehr. Aber er lehrt uns, dass eben die Kindschaft keine völlige ist vor der Auferstehung des Leibes. Die Auferstehung gehört wesentlich zur Kindschaft. Ohne dieselbe sind Kinder Gottes noch nicht vollkommen. Ja, sie sind noch kein Ganzes. Ihre Seele hat eine Umwandlung erfahren. Ihr Geist ist mit dem Geiste Gottes getränkt worden, aber ihr Leib steht noch unter dem Fluche des Todes. Die Erlösung des Leibes gehört zur Kindschaft. Das ist von sehr großer Wichtigkeit. Also bis zur ersten Auferstehung seufzt die Schöpfung und seufzen die Kinder. Niemand kann es ändern; wenn jemand so etwas vorgibt, betrügt er seine Freunde. Gerade die Heiligen seufzen am meisten, weil sie der Herrlichkeit gewiss sind. Merken wir uns das! Erst im Reiche des Friedens werden die Menschen wieder normal sein. Das ist guter Unterricht für Gläubige. Dort können Berufene normal leben und normal wirken. Darauf freuen sich alle, die den Herrn erkennen. Betend wollen wir seufzen nach der Vollkommenheit. Gott wird Sein angefangenes Werk zu Seiner Ehre zum schönen Ziele führen. Wohl dir, wenn du das verstehst! Wie herrlich wird der verklärte Leib sein! Bist du schon ein Gotteskind? Wohnt das Zeugnis des Heiligen Geistes in deinem Herzen? Lebt in dir die frohe Hoffnung der völligen und endlichen Erlösung? Übergib dich ganz deinem Gott! (Markus Hauser)


Und warten auf unseres Leibes Erlösung.
Fröhliche Gotteskinder machen leicht den Fehler, dass sie im Eifer ihrer Bibelforschung übersehen, dass gewisse Verheißungen nicht für die Gegenwart, sondern für die Zukunft gegeben sind. Und doch, wie wichtig ist das! Wir können sehr irren, wenn wir heute das haben wollen, was erst im vollendeten Reiche Gottes eingelöst wird. Gar viele sind fast am Herrn irre geworden, weil sich diese und jene Verheißungen an ihnen nicht erfüllt haben, obwohl sie glaubten. Diese Schmerzen - ja Täuschungen können wir uns durch eine richtige Schrifterkenntnis ersparen. Die ersten Jünger haben ja auch ganz. ähnliche Fehler begangen, und ihre Erfahrungen waren sehr schwer. Durch bittere Täuschungen hindurch mussten sie zur Erkenntnis der Wahrheit. Gestehen wir es offen, wir möchten aus dem Seufzerzustand heraus. Wir möchten gerne gesund, frisch, fröhlich leben und dann ohne jede Krankheit nur so hinüberschlummern in die Ewigkeit. Krankheit und Tod will uns gar nicht einleuchten, wir gehen gerne heim ohne großes Aufsehen. Schauen wir nun ins Leben hinein, so ergibt es sich, dass wenigstens ebenso viele Weltkinder ohne Beschwerden sterben, als Kinder Gottes. Wir haben ganz Fernstehende kennengelernt, die still und ohne Schmerzen hinübergeschlummert sind. Diese Tatsache gibt zu denken. - Auf der anderen Seite mussten liebe Kinder Gottes unter ganz entseuchen Schmerzen aus dieser Welt scheiden. Wer hier eine Regel machen will, gerät früher oder später unter Satans Macht. Der Herr handelt nach Seinem Erbarmen und nach Seiner Weisheit, die wir oft nicht zu durchschauen vermögen. (Markus Hauser)


Jesu heiliges Gemüt wurde am Grabe des Lazarus tief bewegt und erschüttert, vom Anblick der Macht des Todes, und wie wurde er erst in Gethsemane erschüttert, als er für uns mit dem Tode rang! Es wäre ein Zeichen von Oberflächlichkeit, wenn wir nicht ähnlich bewegt würden in dieser und jener Stunde. Hast du noch nicht gesehen, wie ein blühendes, fröhliches Kind, das eines ganzen Hauses Freude war, in wenigen Tagen vom Tode weggerafft wurde? Und hast du in solchem Fall nichts gefühlt von der Unnatur des Todes, den Paulus den „letzten Feind“ nennt? Hast du dir im Geiste noch nie vorgestellt, dass während du gemütlich im Kreise der Deinen weilst, Millionen deiner Mitmenschen in Todesnöten liegen, umgeben von weinenden Angehörigen, und dass Geschlecht um Geschlecht in das Grab sinkt? je tiefer wir in das Menschenleben hinein schauen, je mehr wir mit der heiligen Schrift vertraut werden und aus derselben des Menschen Bestimmung kennen lernen, desto mehr bekommen wir ein Ohr für all das Todesweh, unter dem die Menschheit seufzt, und in dieses Seufzen ist auch die uns umgebende Kreatur durch unsere Sünde hinein gezogen worden. Darum wartet die Kreatur mit ängstlichem Harren auf die Offenbarung der Kinder Gottes; erst mit unserer Freiheit bricht ihre Freiheit an. Und was ist die Offenbarung der Kinder Gottes? Es ist unseres Leibes Erlösung. Diese Erlösung geschieht nicht durch den Tod, sondern durch die Auferstehung. Der Tod ist Auflösung; die Auferstehung ist Erlösung. Nach dieser Erlösung sehnen sich Alle, die des Geistes Erstlinge haben. Der heilige Geist arbeitet in uns auf Vollendung hin, und erhält in uns ein Sehnen, das nicht ganz gestillt werden kann vor der Vollendung unserer ganzen Persönlichkeit. Diese wird eintreten, wenn auch unser Leib verklärt sein wird, und wir nach Leib, Seele und Geist Christi Bild an uns tragen werden. Dann erst sind wir mündige Kinder Gottes, unter welchen keine Kreatur mehr zu feufzen hat, weil wir über sie herrschen werden, wie im Anfang, ohne Sünde.

O Herr! Lass die Offenbarung Deiner Kinder bald anbrechen. Schau an das ängstliche Harren der Kreatur und Deiner Kinder Sehnen und stille es. Amen. (Elias Schrenk)


Wir, die wir haben des Geistes Erstling, sehnen uns bei uns selbst nach der Kindschaft, und warten auf unsers Leibes Erlösung.
Paulus hatte Röm. 8. von den Gläubigen gesagt, der Geist Gottes, der Geist dessen, der Jesum von den Toten auferweckt hat, wohne in ihnen, und treibe sie, und zeuge mit ihrem Geist, dass sie Gottes Kinder seien. Dieses ist schon etwas sehr Kostbares und Großes: aber doch ist’s nur der Erstling des Geistes. Gleichwie auf die erste Garbe, die man schneidet, die völlige Ernte folgt, also folgt auf diejenige Mitteilung des Heiligen Geistes, deren die Gläubigen in ihrem irdischen Zustand fähig sind, die völlige Mitteilung desselben, deren ihre menschliche Natur fähig ist, welche sie so erfüllen und sättigen wird, dass sie alsdann ruhen werden, und nach keinem weitern Wachstum streben können. Diejenigen aber, die nun des Geistes Erstling haben, sehnen sich mit einem unaussprechlichen Seufzen, welches dieser Geist selber wirkt, V. 26., bei sich selbst in dem tiefsten Grund ihrer Seelen, und so, dass sie sich dessen bewusst sind, folglich auf eine edlere Art als andere Kreaturen, nach etwas, das besser ist als ihr gegenwärtiger Zustand. Und was ist dann dasselbe? Es ist die Kindschaft. Wie aber? möchte man sagen, sind sie denn nicht schon Kinder? Sagt nicht solches Paulus V. 14.16. und 17. und anderswo deutlich genug? Ist nicht der Erstling des Geistes, den sie haben, schon das Siegel, oder Beweis dieser Kindschaft? Ja wohl. Gleichwie aber die Gläubigen unter dem Alten Testament Kinder Gottes waren, und doch hernach erst die Kindschaft empfingen, als das Neue Testament anbrach, s. Gal. 4,1-6., also sind jetzt die Gläubigen und geistlich gesinnten Christen Kinder Gottes, und warten doch mit Seufzen auf die Kindschaft. Das Seufzen zeigt an, dass sie unter einem Druck des Leidens stehen: die Kindschaft aber, auf welche sie warten, ist nach V. 17. die Empfahung des Erbes, wobei man ein Erbe Gottes und Miterbe Christi ist, ingleichem die Erhöhung zur Herrlichkeit in der Gemeinschaft mit Christo. V. 18. wird sie die Herrlichkeit genannt, die an den Kindern Gottes soll offenbart werden, V. 19. aber die Offenbarung der Kinder Gottes, und V. 21. die herrliche Freiheit der Kinder Gottes. Der Zustand der Seele nach dem Tod, ob er schon sehr herrlich sein kann, kann dieses Alles noch nicht völlig enthalten, sondern die Erlösung des Leibes von der irdischen Schwachheit, welche 1 Kor. 15,42. u.ff. ausführlich, und Phil. 3,21. kurz beschrieben wird, ist dazu nötig. Durch die Auferstehung und Verklärung der Leiber werden also die Gerechten fähig werden, ihr Kindsrecht völlig zu genießen. Alsdann wird das Gericht gehalten werden, bei welchem der HErr Jesus sagen wird: kommet her ihr Gesegneten Meines Vaters, ererbt das Reich, das euch bereitet ist von Anbeginn der Welt. Alsdann wird auch in einem völligen Verstand geschehen, was Johannes 1 Joh. 3,2. sagt, wir werden nämlich dem HErrn Jesu ähnlich werden, weil wir Ihn sehen werden, wie Er ist. Indessen prüfe sich ein Jeder, ob er des Geistes Erstling habe, weil nur derjenige, der ihn hat, wegen desselben die herrliche Kindschaft hoffen darf. Ein Jeglicher aber, der solche Hoffnung hat in Jesu Christo, der reinige sich, gleichwie Er auch rein ist, 1 Joh. 3,3. (Magnus Friedrich Roos)


Nicht allein sie, sondern auch wir selbst, die wir haben des Geistes Erstlinge, sehnen uns auch bei uns selbst nach der Kindschaft, und warten auf unseres Leibes Erlösung.
Wiedergeborene und gläubige Christen werden in der Heiligen Schrift Kinder Zions, Kinder des oberen Jerusalems und der Freien, Kinder des Lichts und des Reiches genannt: ihr prächtigster Name aber ist dieser, dass sie Kinder Gottes genannt werden. Die frommen und ehrwürdigen Männer vor der Sündflut, an denen man etwas von dem Ebenbild Gottes wahrnehmen konnte, wurden Söhne Gottes, die frechen Weibsbilder aber Töchter der Menschen genannt, weil das Gute göttlich, und das böse nach dem Sündenfall menschlich ist. Hernach wurde das ganze Volk Israel Gottes erstgeborener Sohn genannt, 2 Mos. 4,22. Moses aber, als er die Israeliten hoch ehren und zur Haltung gewisser Gebote willig machen wollte, sagte 5 Mos. 14,1. im Eingang zu ihnen: ihr seid Kinder des HErrn, eures Gottes. Im Neuen Testament kommt dieser Name oft vor, und wird aus der Geburt aus Gott, und aus dem Glauben an den Sohn Gottes, welcher Seinen Namen und Seine Würde denen, die an Ihn glauben, nach ihrer Fähigkeit mitteilt, hergeleitet. Gläubige Christen werden durch diesen Namen hoch geehrt, und zu Gegenständen der väterlichen Liebe Gottes, wie auch zu Erben Gottes erklärt, und des Geistes Erstling, das ist der Heilige Geist in demjenigen Maße, nach welchem man Ihn auf Erden empfangen kann, ist das Siegel, wodurch sie als solche ausgezeichnet sind, und welches sie selbst versichert, dass sie solche seien, und sich erkühnen dürfen, nach dem Vorgang Johannis 1 Joh. 3,2. zu sagen: wir sind nun Gottes Kinder. So herrlich aber dieses Bekenntnis lautet, so gewiss ist es auch, dass wir dabei sagen müssen: so wir sagen, wir haben keine Sünde, so verführen wir uns selbst, und die Wahrheit ist nicht in uns; dieweil wir in der Hütte des sterbliches Leibes sind, sehnen wir uns, und sind beschwert; wir müssen durch viel Trübsal ins Reich Gottes eingehen; unser Leib ist sterblich um der Sünde willen usw. Wo ist nun eure Herrlichkeit? möchte man sagen. Sie ist freilich nicht sichtbar, und fällt insonderheit der Welt nicht in die Augen; weswegen Johannes 1 Joh. 3,1. schreiben konnte: seht, welch’ eine Liebe hat uns der Vater erzeigt, dass wir Kinder Gottes sollen heißen; darum kennt euch die Welt nicht, denn sie kennt Ihn nicht. Auch Kinder Gottes kennen sie (die Herrlichkeit) zuweilen nicht, und lassen sich ihre göttliche Kindschaft durch das Gefühl ihrer Mängel und Leiden aus dem Gesicht rücken oder verdecken. Was wird aber dereinst geschehen? Sie werden in den völligen Genuss ihres Kindsrechts eingesetzt werden, sie werden offenbar und zur Herrlichkeit erhoben werden, es wird, wie Johannes sagt, erscheinen, was sie sein werden, und alsdann werden sie dem verklärten HErrn Jesu ähnlich sein, denn sie werden Ihn sehen wie Er ist, und bei diesem beständigen Sehen als reine Kristalle von Seiner Herrlichkeit an Einem fort durchleuchtet werden. Dieses Alles ist die Kindschaft, nach welcher sich wahre Christen bei sich selbst sehnen. Durch nichts wird ihre Sehnsucht völlig gestillt werden, als durch diese Kindschaft. Diese ist nicht eitel, wie alles dasjenige, das unter der Sonne ist. Sie warten auch auf ihres Leibes Erlösung aus dem Grabe, denn diese muss geschehen, und wird geschehen, damit sie als Kinder Gottes dem HErrn Jesu, welcher auch aus dem Grabe erweckt worden, und einen verklärte Leib hat, völlig ähnlich werden. (Magnus Friedrich Roos)


“Sehnen uns auch bei uns selbst nach der Kindschaft.“
Schon in dieser Welt sind die Heiligen Gottes Kinder, aber die Menschen erkennen nicht, dass es so ist; sie ahnen es nur aus den sichtbaren Früchten der Gerechtigkeit. Die Kindschaft ist hienieden noch nicht offenbar, die Kinder sind noch nicht öffentlich anerkannt. Bei den Römern durfte Einer ein Kind an Kindesstatt annehmen und es längere Zeit geheim halten; es gab aber noch eine zweite, und zwar öffentliche Kindesannahme; wenn das Kind vor die gesetzlichen Behörden gebracht wurde, nahm man ihm seine früheren Kleider ab, und der Vater, der es an Kindesstatt annahm, gab ihm Kleidung, wie sie sich für seine neuen Standesverhältnisse schickte. „Meine Lieben, wir sind nun Gottes Kinder, und ist noch nicht erschienen, was wir sein werden.“ Wir sind noch nicht in den Schmuck gekleidet, welcher der königlichen Familie im Himmel zukommt; wir tragen in diesem Fleisch und Blut gerade das Gewand, das wir als Söhne Adams trugen: aber wir wissen, dass, „wenn Er erscheinen wird, welcher ist der Erstgeborene unter vielen Brüdern“, so „werden wir Ihm gleich sein, denn wir werden Ihn sehen, wie Er ist.“ Könnt ihr euch nicht denken, dass ein Kind aus den untersten Kreisen der Gesellschaft, das ein römischer Senator an Kindesstatt angenommen hatte, bei sich selbst denken mochte: „Ich sehne mich nach dem Tage, wo ich öffentlich als sein Kind anerkannt werde. Denn dann werde ich diese gemeinen Kleider ablegen und bekleidet werden, wie es in meinem vornehmen Stande sich ziemt?“ Wir harren, bis dass wir unsere reinen Kleider anziehen dürfen, und offenbar werden sollen als die Kinder Gottes. Wir sind junge Edelleute und haben unsern Degen noch nicht empfangen. Wir sind jugendliche Bräute, und der Hochzeitstag ist noch nicht gekommen, und durch die Liebe, die unser Bräutigam uns erweist, werden wir mit innigem Verlangen nach dem Hochzeitstage erfüllt, der uns mit Ihm vereinigen soll. Gerade unsere Seligkeit erweckt unsere Sehnsucht nach etwas Vollkommnerem; unsere Freude möchte wie ein eingeengter Quell gerne aufwallen als ein isländischer Geysir, sie möchte sich erheben bis zu den Wolken, und es seufzt und sehnt sich unser Geist in uns nach einem weitern, freieren Raum, damit er sich den Menschen offenbaren könne, (Charles Haddon Spurgeon)


„Wir selbst, die wir haben des Geistes Erstlinge.“
Gegenwärtiger Besitz ist uns verheißen. In eben diesem gegenwärtigen Augenblick haben wir des Geistes Erstlinge.

Wir haben die Reue, diesen Edelstein vom reinsten Wasser; den Glauben, diese unschätzbare Perle; die Hoffnung, diesen himmlischen Smaragd; und die Liebe, diesen köstlichen Rubin. Wir sind schon jetzt eine „neue Kreatur in Christo Jesu“ geworden durch die wirksame Gnade Gottes des Heiligen Geistes. Das wird eine Erstlingsfrucht genannt, weil es am ersten zum Vorschein kommt. Gleich wie die Opfergarbe der Erstling war von den Früchten der Ernte, so sind auch das geistliche Leben und alle Gnadengaben, die dieses Leben schmücken, die ersten Wirkungen des Geistes Gottes in unsern Herzen. Die Erstlingsfrüchte waren das Unterpfand der Ernte. Sobald der Israelite die erste Hand voll reifer Ähren gepflückt hatte, schaute er voll freudiger Erwartung hinaus auf die Zeit, wo der Wagen unter der goldenen Last der Garben ächzen würde. Und so, liebe Brüder, wenn uns Gott gibt, was keusch ist, was lieblich, was wohl lautet, als eine Wirkung des Heiligen Geistes, so ist uns das alles eine gute Vorbedeutung für die zukünftige Herrlichkeit. Die Erstlingsfrüchte waren stets dem Herrn heilig, und so ist unsere neue Natur samt ihren Kräften etwas Geheiligtes. Das neue Leben ist nicht in solcher Art unser Eigentum, dass wir seine Vortrefflichkeit unserm eigenen Verdienst zuschreiben dürften; es ist Christi Abbild und Werk, und ist um Seiner Verherrlichung willen vorhanden. Aber die Erstlinge waren nicht die Ernte, und die Werke, die der Heilige Geist jetzt in uns schafft, sind nicht die Vollendung; die Vollkommenheit erwarten wir erst. Wir dürfen nicht rühmen, dass wir es schon ergriffen hätten, und meinen, die Webegarbe sei der ganze Ertrag des Jahres; wir müssen hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit, und uns nach dem Tage der völligen Erlösung sehnen. Liebe Seele, öffne heute Abend deinen Mund weit, so wird ihn Gott füllen. Lass die Güter, die du jetzt im Besitz hast, in dir eine heilige Begierde nach reichlicherer Gnade erregen. Seufze innerlich nach höheren Stufen der Heiligung, so wird sie dir der Herr gewähren, denn Er kann überschwänglich tun über Alles, das wir bitten oder verstehen, nach der Kraft, die da in uns wirket. (Charles Haddon Spurgeon)


„Wir sehnen uns auch bei uns selbst nach der Kindschaft, und warten auf unsers Leibes Erlösung.“
Dieses Sehnen ist allen Heiligen gemeinsam; wir empfinden es alle in größerem oder geringerem Maße. Es ist nicht das Seufzen des Murrens oder der Klage, es ist vielmehr der Ausdruck des Verlangens als des Verzagens. Wenn wir ernst geworden sind, sehnen wir uns nach dem ganzen Erbteil; wir seufzen danach, dass unser ganzes menschliches Wesen in seiner Dreieinheit von Geist, Seele und Leib möchte frei werden von den letzten Spuren des Sündenfalls; wir sehnen uns, abzulegen das Verderben, die Schwäche, die Schande der Sünde, und uns zu kleiden in das Unverwesliche, Unsterbliche, in die Herrlichkeit des geistlichen Leibes, den der Herr Jesus den Seinen verheißen hat. Uns verlangt nach der Offenbarung unsrer Kindschaft, als Kinder Gottes. „Wir sehnen uns“, aber das geschieht „bei uns selbst“. Es ist nicht das Sehnen eines Heuchlers, der die Menschen glauben machen will, er sei ein Heiliger, weil er sich elend fühle. Unser Sehnen ist geheiligt, zu teuer für uns, als dass wir öffentlich davon reden könnten. Wir bewahren unsre Sehnsucht ganz allein für unsern Herrn. Dann spricht der Apostel: „wir warten“, was uns zeigt, dass wir nicht ungeduldig werden sollen, wie Jonas und Elias, da sie sprachen: „Nimm, Herr, meine Seele von mir;“ noch sollen wir das Ende unsres Lebens herbeiwünschen, weil wir der Arbeit müde sind und unsern zeitlichen Leiden entrinnen möchten, bis dass des Herrn Wille geschehe. Wir sehnen uns nach der Verherrlichung, aber wir müssen in Geduld darauf warten, dieweil wir wissen, dass, was der Herr für uns versieht, zu unsrem Besten dient. Warten setzt Bereitschaft voraus; wir sollen an der Tür stehen und warten, bis dass der Freund sie auftut und uns zu sich heimholt. Dies „Sehnen“ ist ein Zeugnis. Einen Menschen kann man nach dem beurteilen, was er erstrebt. Manche Menschen trachten nach Reichtum; sie dienen dem Mammon; etliche seufzen unaufhörlich unter den Trübsalen des Lebens; sie sind ungeduldig; aber der nach Gott seufzt und sich unglücklich fühlt, bis dass er Christo ähnlich geworden ist, der ist ein seliger Mann. Gott stehe uns bei, dass wir uns sehnen nach der Zukunft des Herrn und nach der Auferstehung, die Er uns verheißen hat. (Charles Haddon Spurgeon)


Wir selbst, die wir haben des Geistes Erstlinge, sehnen uns auch bei uns selbst nach der Kindschaft, und warten auf unsers Leibes Erlösung.
Es gibt Erstlinge des Geistes, die den Gläubigen von Zeit zu Zeit zu ihrem Troste und Ermutigung mitgeteilt werden. Es gibt Zeiten, wo gleichsam Himmelsluft die Seele anweht, die alle Nebel verscheucht, die sie in vollen Zügen einatmet, und sich in allen ihren Geisteskräften gehoben und belebt fühlt, wieder jung wird wie ein Adler, dem sein Gefieder wieder gewachsen ist, dass er sich hoch empor schwingt. Es gibt Stunden, wo etwas von dem himmlischen Lobgetön das Herz durchbebt, und es zu einer erhabenen Andacht und Anbetung hinreißt. Dies sind außerordentliche und seltene Dinge, die sich dennoch bei einigen Seelen ereignen, und wie sie durch außerordentlich tiefe Wasser der Anstrengung und Trübsal müssen, wo sie mit Jeremias ausrufen: nun bin ich gar dahin! so werden sie auch auf eine außerordentliche Weise erfreut. Sie sind wohl dermaßen überschüttet worden, dass sie ohnmächtig hinsanken, und der Braut im Hohenliede nachsagten: ich bin krank vor Liebe. Den Bischof Palafox überwältigte der Gedanke: mein Gott ist in der Krippe! so, dass er in eine tiefe und lange Ohnmacht fiel, und die nämliche Wirkung brachte ein Eindruck von der Liebenswürdigkeit des Gekreuzigten bei einem Prediger in Amsterdam hervor, der mit der Austeilung des heiligen Abendmahls beschäftigt, über dem Gedanken: mein Gott am Kreuze! beinahe seinen Geist aufgegeben hatte. (Gottfried Daniel Krummacher)

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nt/45/roemer_8_23.txt · Zuletzt geändert: von aj
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