Römer 12,20
Andachten
So nun deinen Feind hungert, so speise ihn, dürstet ihn, so tränke ihn. Wenn du das tust, so wirst du feurige Kohlen auf sein Haupt sammeln.
Nicht Böses mit Bösem vergelten, Frieden halten und auch bei fortgesetzter Beleidigung sich nicht zur Rache reizen lassen, diese drei Stufen der christlichen Friedensliebe geben allerdings schon ein helles Licht; aber sie sind doch alle der Art, dass möglicherweise der Feind gar nicht merkt, was ihm geschieht, denn es gehören Augen dazu, das zu bemerken, wie sie der Feind in der Regel nicht hat. Darum soll, was innerlich in dem Herzen lebt, auch äußerlich hervortreten, und die Tat muss beweisen, dass nichts mehr zwischen uns und dem Feinde ist, dass das Herz rechtschaffen ist. Wer sich nicht überwinden kann, dem Feinde persönlich zu nahen, und ihn zum Gegenstande seiner Liebeswerke zu machen, wer, wenn er auch weit davon entfernt ist, Böses mit Bösem zu vergelten, oder auf Rache zu sinnen, doch seines Unmuts nicht Meister wird und nicht wenigstens mit allem Eifer darauf bedacht ist, die giftige Wurzel auszureißen, der sage nicht, dass er die Worte seines HErrn verstanden habe und Seinem Willen gehorsam geworden sei. Und wenn der Apostel hier vom Speisen und Tränken des hungernden und durstenden Feindes redet, so versteht es sich von selbst, dass es ihm nicht um das äußerliche Werk zu tun ist, das man auch ohne Liebe verrichten kann, sondern gerade um die Liebe, die sich in dem Werke erweist. Es kann ja sein, dass der Feind solcher Dienste gar nicht bedarf, und ein Wort, ein Blick, ein Gruß aus freundlichem Herzen sagt oft mehr als viele Werke.
Wie oft bitten wir Dich, o HErr, dass Du uns wollest alle unsere Sünde vergeben, und wie oft getrösten wir uns Deiner Güte und Barmherzigkeit, die nicht mit uns handeln will nach unsern Sünden; und wir sollten nun nicht an andern üben, was wir täglich von Dir erbitten und von Dir erfahren? Vertreibe aus unsern Herzen alle argen Gedanken und gib uns auch gegen unsere Feinde eine wahre aufrichtige Liebe, die nicht bloß nichts Böses für Böses tut und den Zorn- und Rachegeist nicht leidet, sondern die auch mit Freuden bereit ist, für Böses Gutes zu tun und den Hass durch Liebe zu überwinden. Amen. (Hermann Haccius)