Apostelgeschichte 4,32

Apostelgeschichte 4,32

Andachten

Die Menge der Gläubigen war Ein Herz und Eine Seele.
Wie angelegen dem Herrn Jesu das große Ziel war, es mit den Seinigen zum gründlichen Einswerden zu bringen, davon gibt uns die heilige Geschichte vielfache Beweise. Schon des anfänglichen Entgegenkommens zu diesem Ziele wird Apostg. 2, 46 u. 47. gedacht; hier aber wird es aufs Neue als eine Frucht ihres unter der ersten Kirchennot getanen gemeinschaftlichen Gebets angeführt. Der Grund aller ihrer dauerhaften Einigkeit und Gemeinschaft war das Bleiben an der Lehre Jesu oder an dem mit Freuden angenommenen Wort. Die Gläubigen alle zusammen machten also mit einander den Leib aus, der aus verschiedenen Gliedern bestand, da eins für das andere in zärtlicher, herzlicher Liebe und Herzenseinfalt sorgte, und keins sich entzog, dem andern zu dienen. Das lass mir eine Gemeine, einen heiligen Leib sein! (C. Rieger und Hahn.)


Die Menge aber der Gläubigen war Ein Herz und eine Seele; auch Keiner sagte von seinen Gütern, dass sie seine wären, sondern es war ihnen Alles gemein.
Die Glieder der ersten Gemeinde leuchteten wie helle Lichter in die tiefe Nacht des allgemeinen Verderbens; aber keine ihrer Tugenden glänzte so hell und herrlich, als ihre Liebe. „Der Menge der Gläubigen war Ein Herz und Eine Seele.“ Das war den Heiden ein nie geschautes Wunder. „Seht,“ riefen sie, wie die Christen einander so lieb haben, wenn sie sahen, wie Alle einander zu dienen bemüht waren, wie Jeder des eigenen Leides vergaß, um des Andern Not zu lindern, wie der Höchste auch den Ärmsten und Geringsten seinen Bruder nannte, und wie die Selbstsucht, die Feindin alles menschlichen Glückes, aus diesem innig verbundenen Bruderkreise auf immer verbannt zu sein schien. Und damit wir nicht glauben sollen, dass diese Liebe bloß in einem schwärmerischen, dunklen Gefühl einer allgemeinen Brüderlichkeit bestanden hätte, so wird uns auch erzählt, wie sie sich erwies in der Spendung, in der Hingabe der eigenen Mittel für die allgemeine Notdurft. „Keiner sagte von seinen Gütern, dass sie seine wären, sondern es war ihnen Alles gemein.“ Aber will es uns nicht bedenklich lauten, wenn wir hier eine Weise des Lebens verherrlicht sehen, die späterhin einem nur zu verderblichen Freiheitsschwindel zum Anlass diente, sein zerstörendes, alle Ordnungen Gottes vernichtendes Werk auf den Vorgang der apostolischen Gemeinde zu begründen? Aber sie irren, die da vorgeben, dass in der apostolischen Zeit eine unbedingte Gemeinschaft und Gleichheit der Güter wäre geboten und vorhanden gewesen; die Beispiele, wo Einzelne ihr gesamtes Gut den Bedürfnissen der Gemeinde zum Opfer, brachten, werden uns als hervorragende Fälle mit Namen angegeben (Apostelgesch. 4, 36 f.). Dass aber auch hier die Entäußerung eine vollkommen freiwillige gewesen sei, dafür zeugt uns das Wort Petri an Ananias, der den teilweisen Erlös aus seinem Acker unter dem Vorwande dargebracht hatte, es sei der Betrag für sein gesamtes Gut: „Hättest du ihn doch wohl mögen behalten, da du ihn hattest, und da er verkauft war, war er auch in deiner Gewalt.“ (Apgsch. 5, 4.) - Wenn wir in unserer Beschreibung von der apostolischen Gemeinde lesen: „Es war ihnen Alles gemein“, so findet dieser Ausdruck seine beste Erklärung in den unmittelbar vorhergehenden Worten: „Keiner sagte von seinen Gütern, dass sie seine wären.“ Und in diesen Worten ist gar treffend der Haushalter-Sinn abgebildet, wie der Christ ihn zu allen Zeiten und in allen Verhältnissen seinem irdischen Gute gegenüber erweisen soll: „Was hast du aber,“ spricht der Apostel Paulus, „dass du nicht empfangen hast, so du es aber empfangen hast, was rühmst du dich denn, als der es nicht empfangen hätte?“ (1 Kor. 4, 7.) Wie unendlich viel Gutes könnte auf Erden mehr geschehen, als jetzt geschieht, wenn jeder für das Gut, was Gott ihm beschert hat, es sei viel oder wenig, sich auch vor Gott verantwortlich wüsste, und einen wichtigen Teil seiner Lebensaufgabe darin erkennte, zur Förderung des gemeinsamen Wohles nach besten Kräften an seinem Teile beizutragen! Dieser Sinn für Gemeinwohl hat die Völker groß und stark gemacht; so lange dieser Sinn auch nur in der Mehrheit lebte, war ein Volk unüberwindlich, und konnte aus den furchtbarsten Bedrängnissen stets zu neuer Kraft hervorgehen; solcher Sinn hat auch in unserem Volke gelebt, als Gott der Herr es um seiner früheren Sünde willen mit dem fremden Dränger wie mit einer eisernen Zuchtrute gezüchtigt hatte. Mit diesem Sinne sind seine frommen Fürsten in den Tagen ihrer Not den Kindern ihres Volkes vorangegangen, diesen Sinn hat zu allen Zeiten der Herr an den Völkern wie an den Einzelnen gesegnet; dieser Sinn schlingt ein gemeinsames Band um Alle, die den Herrn kennen und lieb haben und in ihm sich Eins wissen für Zeit und Ewigkeit. (Julius Müllensiefen)

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