Johannes 8,11

Johannes 8,11

Andachten

Sie aber sprach: HERR, niemand. Jesus aber sprach: So verdamme ich dich auch nicht; gehe hin und sündige hinfort nicht mehr!
Hieran können wir merken, worauf die Gnade Christi hinaus will: der mit Gott versöhnte Sünder soll durch ein frommes, heiliges Leben hinfort den, der ihn gerettet hat, ehren. Eben dasselbe Wort, das uns die Verzeihung anbietet, ruft uns zugleich zur Buße. Diese Aufforderung deutet vor allem auf die Zukunft, zugleich aber demütigt sie den Sünder im Blick auf sein früheres Leben. (Jean Calvin)


Gedenkt an das Wort des Herren Jesu, das Er gesagt hat: So verdamme ich dich auch nicht. Gehe hin, und sündige hinfort nicht mehr.
Wie viel zärtlicher ist Jesus, als der zärtlichste irdische Freund! Die Apostel hatten in einem Augenblicke der Gereiztheit Feuer vom Himmel auf halsstarrige Sünder herabgerufen. Ihr Herr verwies ihnen den lieblosen Vorschlag. Petrus, der vertraute, aber verleugnende Jünger, erwartete nur strengen und verdienten Tadel seiner Treulosigkeit; aber Er, der wohl wusste, wie jenes Herz von Schmerz und Reue zerknirscht sein würde, sendet ihm erst die liebevollste Botschaft, und darauf den sanftesten Verweis: „Hast du mich lieb?“

Der Hüter im hohen Liede schlug die Braut, entriss ihr den Schleier, und überschüttete sie mit Vorwürfen; aber als sie ihren verlorenen Herrn wiederfand, gab er ihr kein scheltendes Wort! „So langmütig ist Er,“ sagt ein frommer Christ, „so zum Vergeben bereit, dass, als Seinen Propheten die Geduld ausging, und sie sogar anfingen sich gegen das Volk zu verwenden, dass er selbst dann nicht dazu gebracht werden konnte, um Seines großen Namens willen, dieses sein auserwähltes Volk zu verwerfen.“

Die schuldige Sünderin, an welche er dieses tröstende Wort richtete, wurde von ihren Anklägern verachtet. Aber wenn auch Andere sie aus ihrer Gegenwart stießen - „so verdamme Ich dich nicht.“ Wohl dem, der in die Hände dieses getreuen Heilandes fällt, denn groß ist Seine Barmherzigkeit.

Sollen wir hieraus schließen, dass Er die Sünde nicht beachtet? Das sei ferne! Sein Blut, sein Werk, Bethlehem und Golgatha, widerlegen diesen Gedanken! Ehe die Schuld einer einzigen Seele ausgelöscht werden konnte, musste Er von Seinem ewigen Throne herniedersteigen und an dem verfluchten Holze mit dem Tode ringen. dieses Wort Jesu ist ein Wort zärtlicher Aufmunterung für jedes wahrhaft reuige und zerknirschte Herz, blutrote Sünden und rosinfarbene Sünden sind keine Hindernisse für Seine freie, volle, ewige Vergebung. Der Israelit in seinen Qualen auf dem Sande der Wüste stöhnend, brauchte nur aufzusehen auf die eherne Schlange, um zu leben; und noch sagt Er: „Wendet euch zu mir, so werdet ihr selig, aller Welt Enden.“ Neben dem Kreuze stand ein Gedenkstein für alle Zeiten, nur dem Kreuze selbst als Wunder nachstehend. Über dem Haupte des sterbenden Schächers steht die Überschrift für verzweifelnde Schuld und zitternde Reue: „Das ist je gewisslich wahr und ein teures wertes Wort, dass Jesus Christus gekommen ist in die Welt, die Sünder selig zu machen.“ „Er hat noch nie,“ sagt Jemand, „ein schwaches Licht ausgelöscht, das an der Sonne der Gerechtigkeit angezündet war.“ „Was auch unsre Schuld sei,“ sagt Rutherford, „so ist sie doch, - sobald sie in das Meer der Barmherzigkeit Gottes fällt, wie ein Tropfen Blutes, der in dem großen Ozean zerrinnt.“

Leser, du magst der Vornehmste unter den Sündern oder den Abtrünnigen sein. Deine Seele ist vielleicht wie ein zerbrochener Bogen von der rechten Bahn abgewichen. Wie Einer, dem es unmöglich geworden seinen Gläubigern auszuzahlen, sich fürchtet in seine Bücher zu blicken, so magst du dich fürchten in dein Herz zu schauen. Du schwebst an dem Rande der Verzweiflung. Dein Gewissen und die Erinnerung zahlloser Sünden sprechen das niederschlagende Urteil aus: „Ich verdamme dich.“ Jesus aber hat ein freundlicheres Wort einen tröstenderen Ausspruch: verdamme dich nicht: gehe hin, und sündige hinfort nicht mehr!“

Und sie wunderten sich der holdseligen Worte, die aus Seinem Munde gingen. (John Ross MacDuff)

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