Johannes 19,18

Andachten

Allda kreuzigten sie Ihn, und mit Ihm zween Andere zu beiden Seiten, Jesum aber mitten inne.
Auch dieses gehörte zu der Schmach, die man Jesu antat, dass man Ihn zu dem gewöhnlichen öffentlichen Richtplatz hinausführte, und allda kreuzigte. Es hieß dieser Platz Golgatha oder Calvaria, weil er ein runder Hügel war, und die Gestalt einer menschlichen Hirnschale hatte. Er lag außer dem Lager oder außer der Stadt Jerusalem, und daraus zieht Paulus Hebr. 13,13. den Schluss, dass auch wir zu Jesu hinausgehen sollen außer dem Lager, und Seine Schmach tragen. Jesus wurde nämlich als ein Verbannter und Unreiner, oder als Einer, der nicht wert wäre, mit dem Volk Israel, mit der Stadt Jerusalem und mit dem Tempel in einer Gemeinschaft zu stehen, den Heiden übergeben, und an einen unreinen Ort zur Stadt Jerusalem hinausgeführt; die Christen aber sollten zur Zeit Pauli, da die Juden noch mächtig und trotzig waren, und Jerusalem und der Tempel noch stand, freiwillig aus Jerusalem, das ist aus dem Judentum ausgehen, sich zu dem gekreuzigten Heiland bekennen, in Ihm, und nicht in dem irdischen Jerusalem und Tempel ihr Heil suchen, und sich bei ihrem Glauben an Jesum und bei ihrem brüderlichen Umgang mit den Gläubigen aus den Heiden, gern auch für unreine und verbannte Leute halten lassen, folglich die Schmach Jesu tragen. Sie sollten mit ihrem Herzen nicht an Jerusalem und dem Land Kanaan hangen, weil sie doch hier keine bleibende Stätte haben, sondern die zukünftige suchen, Hebr. 13,14.

Man kreuzigte mit Jesu zween Andere zu beiden Seiten. Diese zween Andere waren Missetäter, und zwar Schächer oder Mörder, die bei dem Straßenraub Mordtaten begangen hatten. Einer unter denselben sagte selber zu seinem Kameraden: wir empfangen, was unsere Taten wert sind. Hiermit wurden denn die Weissagungen Jes. 53,12. erfüllt: Er ist den Übeltätern (den Malefikanten) gleich gerechnet worden. Der HErr Jesus erinnerte sich dieser Weissagung selber, ehe sie erfüllt wurde, Luk. 22,37., und wusste also, dass Er wie ein Malefikant behandelt, und in der Malefikanten-Gesellschaft sterben werde. Tiefer hätte sich Jesus in der menschlichen Gesellschaft nicht erniedrigen können. Der ärmste Bettler und der ekelhafteste Kranke dünkt sich noch besser zu sein, als ein Malefikant. Jenem gönnt man noch die Verlängerung seines Lebens: diesen aber sieht man als einen Menschen an, der aus der Gemeinschaft der Lebenden ausgestoßen werden soll. Wer will nun sagen, dass der HErr Jesus sich eines Menschen schäme, oder Jemand wegen seines schlechten Standes äußere, oder einen gräulichen Sünder, der sich zu Ihm wenden will, zurückstoßen werde. Ist Er doch ohne Murren einmal in der Gesellschaft der Malefikanten gewesen, und hat einen derselben noch vor Seinem Ende begnadigt und damit getröstet, dass er selbigen Tages noch mit Ihm im Paradies sein werde. Auch dieser Umstand, dass Er zwischen zween Malefikanten gekreuzigt wurde, hatte etwas zu bedeuten. Er mochte auf die rechte oder linke Seite sehen, so sah Er einen von ihnen. Auch konnte Er ihre, und sie konnten Seine Worte in dieser Stellung leicht vernehmen. Er streckte Seine Arme am Kreuz aus, wo sie angenagelt waren, und war von der Erde erhöht. Wenn Er uns so durchs Evangelium vor die Augen gemalt wird, so werden wir angemahnt, dass Er die ganze Welt gleichsam mit den Armen Seiner Liebe umfassen, und diejenigen, die sich selig machen lassen, zu Sich, und zugleich von der Erde himmelwärts ziehen wolle.Joh. 1,14. (Magnus Friedrich Roos)


Alda kreuzigten, sie ihn, und mit ihm zwei Andere zu beiden Seiten, Jesum aber mitten inne.
Der Kreuzesberg ist hier auf Erden das Allerheiligste Gottes, das unauflöslichste Geheimnis, die Vereinigung der göttlichen Gerechtigkeit mit der göttlichen Liebe; hier auf Golgatha löst es sich. An dem gekreuzigten Leib des Gottmenschen erfüllt sich das Wort Jesajä: Die Strafe liegt auf ihm, auf dass wir Frieden hätten, und durch seine Wunden sind wir geheilt. Die Kreuzigungsstrafe war die schmerzhafteste und zugleich die beschimpfendste. Nach römischen Gesetzen wurden nur die allerärgsten Bösewichter zu dieser Strafe verurteilt, und nach dem göttlichen Gesetz haftete noch ein ganz besonderer Fluch auf dieser Todesstrafe, wie es 5 Buch Mos. 21,23 heißt: Ein Gehenkter ist verflucht bei Gott. Der Verfluchte, der auf Golgatha angenagelt hängt, ist aber jeder gefallene Sünder, an dem das Gesetz Gottes seine heiligen Forderungen einzieht. Das göttliche Gesetz kann nicht gebrochen noch gemildert werden, aber in Christo hat es die Schuld, die auf dem ganzen Menschengeschlecht lag, eingetrieben. Christus hat uns erlöst von dem Fluch des Gesetzes, da er ward ein Fluch für uns. Wie er auf Golgatha zwischen Himmel und Erde schwebt und sich zu Tod verblutet, so ist er dort bis ans Ende unser Mittler geworden, um Himmel und Erde wieder zusammenzubringen. Die beiden Schächer, zwischen welchen er gekreuzigt wurde, sind gleichsam die beiden Teile der Menschheit, der bis ans Ende unbußfertige und der an den Gekreuzigten gläubig gewordene. Beiden streckt der sterbende Erlöser seine durchbohrten Hände entgegen; er will, dass Allen geholfen werde, aber nicht Alle lassen sich helfen. Das Blut Jesu Christi macht rein von aller Sünde, aber man muss sich im Lichte betrachten, und Viele haben die Finsternis lieber als das Licht, und das ist Schuld dann an ihrer Verdammnis. Paulus wollte nichts Anderes wissen als Jesum Christum den Gekreuzigten, und ein einziger Blick auf Golgatha, fasst er nicht auch Alles zusammen, was in unserm ganzen Leben und in unserer ganzen Ewigkeit allein der Betrachtung wert ist? (Friedrich Lobstein)

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