Lukas 2,30
Andachten
Denn meine Augen haben deinen Heiland gesehen.
„Simeon war fromm und gottesfürchtig“; aber das machte ihn noch nicht bereit, dem Tod und der Ewigkeit in Frieden und getrost entgegen zu gehen. Und „er wartete auf den Trost Israels“; aber dass er eine suchende und wartende Seele war, das konnte ihm auch noch die völlige Bereitschaft zum Sterben nicht geben. Erst als er Jesum, den Heiland, wirklich in seinen Armen hielt, da war er zum Sterben bereit, denn „meine Augen“, so sprach er, haben den Heiland gesehen.“ Da erkennen wir das Holz, aus welchem der Simeonsstab geschnitzt ist. Es ist das Glaubensholz. Der ist bereit, welcher das Heil in Christo im Glauben ergriffen hat. Wer an Christum glaubt, der hat seine eigentliche Lebensaufgabe erfüllt, welche darin besteht, dass wir göttlichen Lebens teilhaftig werden, um ewig leben zu können. Das Heil in Christo aber besteht in der Begnadigung. Wer durch den Glauben an Jesum Christum der Gnade Gottes gewiss ist, der kann fröhlich leben, und selig sterben. Wie leicht und einfach ist doch der Weg zum Heil! Woher mag es kommen, dass dennoch so wenige ihn betreten? Die Antwort ist leicht. Die Begnadigung kann nur der erlangen, welcher um Gnade bittet. Wer aber um Gnade bittet vor Gott, der muss sich zuvor demütig als einen verlorenen Sünder bekennen. Und dem gehen so viele aus dem Wege. Das ist ihnen zu schwer. Sie kennen ihre Sünden nicht, oder sie entschuldigen und beschönigen sie, und kommen nicht zum Bekenntnis ihrer Sünde. So bleiben sie in ihrer Sünde, und sterben in ihrer Sünde. „Jetzt ist noch die angenehme Zeit, jetzt ist der Tag des Heils.“ Ach, dass wir doch das Heil ergreifen möchten, bis wir mit Simeon sagen können: „Herr, meine Augen haben deinen Heiland gesehen.“
Lasst uns beten: Herr Jesu, hochgelobter Heiland! wir danken Dir am Abend dieses Tages, dass Du uns heute vor allem Übel behütet, und uns viel Gutes getan hast. Auch dieser Tag ist nun dahin, und kommt nicht wieder, und die Plage dieses Tages ist überstanden. Wir aber sind unserm Ende näher an diesem Abend, als wir es am Morgen waren. Du aber bist gestern und heute und derselbige auch in Ewigkeit. Ach, Herr, wir müssen es bekennen, dass wir arme Sünder sind vor Dir, und Deiner Gnade nicht wert. Aber Du bist darum gekommen, dass Du Dich unser erbarmst. Mache uns im Glauben gewiss, dass Du Dich unser angenommen hast, und dass uns nichts von Dir scheiden kann. Lass uns auch im Schlafe mit Dir vereinigt bleiben, und in Deinen Schutz eingeschlossen sein. Erbarme Dich aller Kranken, Bedrängten und Angefochtenen, und verherrliche Dich an ihnen durch Deinen Trost und Deine Hilfe, bis wir zu Dir kommen, und Dich sehen von Angesicht zu Angesicht, wie Du bist. Amen. (Alfred Meyer)