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Lukas 2,19

Lukas 2,19

Andachten

Maria aber behielt all diese Worte und bewegte sie in ihrem Herzen.

Wir stehen meist so arm und öde da in unserm innern Leben. Ist es deshalb, weil es bei uns an den göttlichen Heimsuchungen fehlte, die Maria erfuhr? Aber wie viele Gottes- und Menschenstimmen haben wir schon gehört von Kindheit an, wie viele Eindrücke von Gottes Liebe und Ernst haben wir schon empfangen bis hierher! Da ist kein Menschenleben, wie klein und arm auch immer, das nicht eine Welt von Gottesoffenbarungen in sich schlösse. Wie viele Stunden, bald auf den Höhen des Glücks, bald in den Tiefen der Angst, wo seine Hand an dir gearbeitet hat! Warum hat das Alles nun so wenig Frucht an dir gebracht? Du gehörst wohl zu Denen, die sich dagegen verschlossen. Aber du-kennst die stillen Stunden nicht, wo du innerlich allein bist mit deinem Gott und dir selbst, du gönnst dir die Zeit nicht, um in der Stille das Empfangene dir anzueignen. Du hast wie Martha so viel Arbeit und Mühe, dass du nicht dazu kommst, still zu Jesu Füßen zu sitzen. Und doch liegt das Geheimnis der Kraft der echten Gotteskinder grade in den stillen Stunden, in dem stillen Bewegen und Behalten dessen, was Gott ihnen offenbarte. Darum so bewahre in deinem Herzen, was Gott an dir tut; dann gewinnst du die Kraft, auch zu tun und zu leiden, was Gott von dir fordert; dann wird dein Wandel es zeigen, dass Gottes Gnade nicht vergeblich an dir gewesen ist. Dann hast du einen innern Schatz gesammelt, aus dem du schöpfen magst, wenn's auch bei dir gebricht und aller äußerer Trost versiegt. Selig sind, die Gottes Wort hören und bewahren. (Adolf Clemen)


“Maria aber behielt alle diese Worte, und bewegte sie in ihrem Herzen.“

Drei Kräfte ihres Wesens wurden hier in Anspruch genommen: ihr Gedächtnis: sie behielt alle diese Worte; ihre Liebe: sie behielt sie in ihrem Herzen; ihr Verstand: sie bewegte sie; so dass Gedächtnis, Liebe und Verständnis bei diesem gottgeliebten Weibe ganz mit dem, was sie gehört hatte, beschäftigt waren. Geliebte, bedenket recht, was ihr alles von unserm Herrn Jesu gehört habt, und was er für euch getan hat; machet eure Herzen zu einem goldenen Mannakrüglein, um darin zu bewahren das Andenken an das himmlische Brot, womit ihr in vorigen Tagen seid gespeist worden. Sammelt in eurem Gedächtnis Alles, was ihr von Christo je empfunden, gehört oder geglaubt habt, und dann haltet Ihn mit eurer tiefinnigsten Liebe fest für ewige Zeiten. Liebet die Person eures Herrn und Heilandes! Bringet herbei das Nardenglas eures Herzens, und wäre es auch zerbrochen, und lasst die köstliche Salbe eurer Liebe in Strömen über Seine durchgrabenen Füße triefen. Strenget eure Verstandeskräfte an, wenn ihr über den Herrn Jesum nachdenkt. Erwäget in eurem Herzen, was ihr leset; bleibt nicht an der Oberfläche haften; vertieft euch in den Inhalt. Gleichet nicht der Schwalbe, die mit ihren Flügelspitzen den Bach bloß berührt, sondern dem Fisch, der in die tiefste Flut hinabtaucht. Bleibt an eurem Herrn: lasst Ihn nicht bloß bei euch einkehren wie einen Pilger, der nur über Nacht bleibt, sondern nötigt Ihn und sprechet: „Bleibe bei uns, Herr, denn es will Abend werden und der Tag hat sich geneigt.“ Haltet Ihn und lasst Ihn nicht fürder ziehen. Das Wort „bewegen“ will sagen erwägen. Machet bereit die Wage des Urteils. Aber ach, wo sind die Gewichte, die den Herrn Jesum wägen können? „Siebe, die Inseln sind Ihm wie ein Stäublein“ wer kann ihn heben? „Er wiegt die Berge mit einem Gewicht“ mit welchem Gewicht können wir Ihn wägen? Es sei also, wenn euer Verständnis ihn nicht erfassen kann, so erfasst Ihn mit eurer Liebe; und wenn euer Geist den Herrn Jesus nicht mit der Hand des Verstandes umfassen kann, so schließt Ihn in die Arme eurer Liebe.

„O du seligstes Bemühen,
Gottes Sohn ins Herz zu ziehen!“ (Charles Haddon Spurgeon)


Maria aber behielt alle diese Worte und bewegte sie in ihrem Herzen.
Das wird uns mehrere Male von der Maria berichtet und damit bezeichnet, wie sie sich nach dem Empfang der göttlichen Offenbarungen verhalten habe. Dadurch wurde sie so groß, dass sie das, was von Gott her an sie kam, nicht nur mit ihrem Verstand aufnahm, auch nicht augenblicklich nur mit lebhaftem Gefühl ergriff, sondern mit ihrem Herzen, und es darin hin und her bewegte. Sie pflanzte es mit treuem Gebet ein in den tiefsten Grund ihrer Seele; sie hielt es darin fest und verwertete es; sie wandte es an auf den ganzen Bestand ihres inneren und auch auf alle Verhältnisse des äußeren Lebens. So wurden denn die Worte des Lebens ihr Eigentum, so sammelte sie einen Schatz für Zeit und Ewigkeit und konnte dann nehmen aus diesem Schatz, wie wir an dem Lobgesang (Lukas 1,46) sehen, wodurch sie aller christlichen Musici und Poeten Vorsängerin und Meisterin geworden ist.

Ja, was scheint selbstverständlicher und natürlicher als dieses Behalten und Bewegen der Worte Gottes? Und doch ach, wie ist's ein seltenes Ding! Das stille Lernen zu Jesu Füßen ist uns unruhigen Kindern dieses Geschlechts so gar unbequem. Wir mögen nicht lernen, sondern sogleich etwas sein! O dass wir unsere Maria anschauten, wie sie betend den Worten Gottes nachsinnt! O dass wir die Maria in Betanien anschauten, wie sie stille und sprachlos ihr Auge und Ohr auf Jesum gerichtet hält und sein Licht und sein Leben in ihr Herz einfließen lässt, während die sonst so treffliche Martha ermahnet wird, erst den Herrn in ihr tätig sein zu lassen und dann für den Herrn tätig zu sein.

Ja, dass wir hier Stille lernten! dass wir hier lernen lernten!

Ist es nicht so? Wir sind meist so arm in unserem inneren Leben und wenn die Tage der Not kommen, fehlt uns der innere Schatz. Wo liegt der Grund? Will Gott nicht geben? Freilich gibt Er, aber wir behalten, bewahren und bewegen nicht, was Er gibt! Spürst du nicht, wie viel er dir darreicht, bald im stillen Kämmerlein und aus deiner Bibel heraus, bald im Hause Gottes, bald durch Gemeinschaft mit anderen Christen, bald durch Allerlei, was du im täglichen Leben siehst, hörst und erfährst? Da gilt's dann festzuhalten, innerlich zu verarbeiten und nachher praktisch zu verwerten, was man empfangen hat. Aber gehts nicht meist so, dass das Beste bald wieder entschwunden ist? Warum? Antwort: Dir fehlen die stillen Stunden! Dir fehlt das gesammelte Herz! Für Alles hast du Zeit, für alle Vielleserei, Vieltuerei, für alle mögliche neue Gemeinschaft, nur nicht - o es ist entsetzlich zu sagen! nur nicht für dich selbst! Für alles Mögliche sorgst du, nur nicht für Ansammlung des inneren Schatzes! Da treffen sich dann die Tage des Sturmes unvorbereitet und es geht, wie der Herr (Matth. 7,27) von dem auf Sand gebauten Hause sagt.

Das Geheimnis und die starken Wurzeln der Kraft aller großen Gottesmänner und aller heiligen Frauen lag in dem stillen Bewahren und Bewegen dessen, was Gott ihnen innerlich offenbart hatte. Denn wer da hat, dem wird gegeben.

Wort des Lebens, lautre Quelle,
Die vom Himmel sich ergießt,
Lebenskräfte gibst du Jedem,
Der dir Geist und Herz erschließt;
Der sich, wie die welke Blume,
Die der Sonnenbrand gebleicht,
Dürstend von dem dürren Lande
Zu der Quelle niederneigt. (Otto Funcke)

Predigten

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nt/42/lukas_2_19.txt · Zuletzt geändert: von aj
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