Lukas 2,13
Andachten
Und alsbald war da bei dem Engel die Menge der himmlischen Heerscharen, die lobten Gott und sprachen: „Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen.“
Diesen Chor zu singen wäre der Menschen Pflicht gewesen, denn den Menschen war der Heiland geboren. Die Menschen aber schwiegen, denn die zugegen waren, waren überwältigt von der großen Gnade Gottes. Sie konnten noch kein Wort des Dankes finden. Da singen die Engel aus alter Liebe und Treue den Dank und Lobgesang, da beschließen sie die teure Weihnachtsfeier. Nun aber haben wir Zeit genug gehabt, uns in die Gnade des Herrn zu versenken und uns in ihr Heil hineinzudenken. So lasst uns mit einstimmen in jenen Engelsgesang. Er soll weiter gesungen werden alle Weihnachtsfeste, aber auch unter aller Mühe und Arbeit, so oft wir dessen gedenken, der uns von unserer Arbeit zu trösten gekommen ist. Ehre sei Gott mit Herz und Mund für seine Gabe. Sein Wille geschehe auf Erden wie im Himmel. Ein Himmel soll die Erde werden. Gottes Ehre sei unsere Lust, wie sie die Lust seiner Engel und Seligen ist. Dann wird allen Menschen ein Wohlgefallen sein an der Erneuerung, in der aller Streit ruht auf der Erde, in der aller blutiger Kampf und Ungestüm aufhört, in der der Held und Friedefürst uns zu Kindern des Friedens macht, in der die Gnade den Sieg davon getragen hat über die Sünde.
Herr mein Gott, nimm uns auch mit auf das Feld nach Bethlehem, umleuchte uns mit deiner Klarheit und sprich zu uns: „Fürchte dich nicht; siehe ich verkündige dir große Freude.“ Lass uns über alle die äußere Freude, die jetzt auf Erden die dunklen Tage erhellt, diese große Festfreude nicht vergessen: „Euch ist der Heiland geboren.“ Lass aber auch bei allen Sorgen und Mühen dieser Zeit das heilige: „Fürchtet euch nicht“ nicht verklingen, sondern gib uns so kindliche und gläubige Herzen, wie sie deine erste Christengemeinde, die Hirten auf dem Felde, hatten. Sende deine Engel wieder zu uns Tag für Tag, dass unser Haus und Herz zur Offenbarungsstätte deiner Liebe werde. Ja, mache deine Gemeinde zu einem Engelschore, dass sie im Munde wie im Leben den teuren Gesang nie verstummen lasse, der damals angestimmt ist: „Ehre sei Gott in der Höhe, und Friede auf Erden, und den Menschen ein Wohlgefallen.“ Amen. (Fr. Ahlfeld)
Und alsbald war da bei dem Engel die Menge der himmlischen Heerschaaren, die lobten Gott und sprachen: Ehre sei Gott in der Höhe!
Gott hat freilich Ehre von der Schöpfung und von der Erhaltung der Welt: aber dass er den Schaden, den die Sünde angerichtet, wieder gut gemacht hat, dass er die Rebellen, wie wir sind, die Menschen nicht aufgerieben hat, sondern hat sie mit Jammer angesehen, so dass er seines Eingebornen nicht verschont hat, sondern hat ihn in diese arme, arge Welt hereingegeben, und hat ihn da gegeben in ein Menschenleben, in ein Knechtsleben, ja in den Missetäterstod hinein, um die arme Menschheit, die Rebellen zu begnadigen, um sich ihnen als ihr Vater wieder darstellen zu können: dies Wunder ist noch viel größer als das der Schöpfung der Welt. Denn in der Schöpfung hat er hauptsächlich seine Allmacht, Weisheit und Liebe, hier aber hat er sein Erbarmen, sein ewiges Erbarmen kund getan; in dieser Geschichte hat sich allen Himmelsbewohnern ein neuer unbekannter Abgrund seiner Vollkommenheiten geöffnet, damit dass sein Erbarmen, sein zärtliches, sein höchstes Erbarmen offenbar geworden und gegen ein fluchwürdiges Geschlecht herausgebrochen ist. Das wusste man vorher nicht, dass ein solches Erbarmen in Gott gegen seine Kreatur sei, bis es durch die Sünde hervorgelockt und in Christo offenbar geworden war. Wunder über alle Wunder!
Dies Alles nun sahen die Engel. Sie hatten wohl vorher auch mit Jammer auf diese arme, von der Sünde und ihren Folgen verunstaltete Erde, auf diese Werkstätte des Teufels und des Verderbens herabgesehen; ihre Seelen waren wohl vorher auch bewegt worden durch das Elend der sterblichen Menschen: nun auf einmal sehen sie den Rat der Ewigkeit, den Rat der ewigen Liebe und Barmherzigkeit in Christo verwirklicht, auf eine so besondere, auf eine so ausgezeichnete, auf eine so anbetungswürdige Art verwirklicht, dass sie zum Staunen und Anbeten gerissen werden. Darum brechen sie in ihrem Gesang gleich zu Anfang in ein herrliches Lob Gottes aus und sagen: „Ehre sei Gott in der Höhe, ja in den höchsten Höhen!“ Man fühlt es, man hört es, sie wollen Gott die Ehre geben, so gut sie es können; es ist ihnen gar zu eindrücklich, gar zu groß, dass Gott Mensch werden und im Fleische die Wiederherstellung der gefallenen Kreatur hinausführen will. Darum erheben sie sich mit ihren Gedanken, so hoch sie können, und rufen: Ehre sei Gott in den höchsten Höhen! Alles, was in uns und an uns ist, der ganze Himmel, die Seraphim und Cherubim sollen ihm darüber die Ehre geben. Wollen wir nicht auch in diesen Lobgesang einstimmen? (Ludwig Hofacker)
Und alsobald war da bei dem Engel die Menge der himmlischen Heerscharen, die lobten Gott und sprachen: Ehre sei Gott in der Höhe, und Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen!
Das ist das beste Festkleid, in welchem wir heute vor Gottes Angesicht erscheinen können, wenn unser Herz von Dank und Preis über Seine Gnade und Erbarmung überströmt. Loben und danken, das ist der Engel Geschäfte und heute wollen wir es aufs Neue von ihnen lernen. „Ehre sei Gott in der Höhe.“ So haben sie in der Heiligen Nacht gesungen, als ihr heller, durchdringender Geistesblick von dem göttlichen Liebeswunder auf Erden sich emporwandte zu der Klarheit der himmlischen Wohnungen. Ja, da oben in den höchsten Höhen wird dem Herrn alle Zeit Ehre gegeben; die tausendmal Tausend, die Ihn umstehen, die Engelfürsten und die Cherubim, die ihr Angesicht bedecken, wenn sie Seine Klarheit anschauen sie lassen in alle Ewigkeiten und durch alle Himmel das Loblied ertönen: „Heilig, heilig, heilig ist Gott, der Herr Zebaoth, und alle Lande sind Seiner Ehre voll.“ Sie preisen Ihn über Seinen wunderbaren Werken; sie bringen Ihm Ehre, wenn sie in die Abgründe Seines göttlichen Liebeswesens hinabschauen. Ihn preisen alle Seine Werke: „Die Himmel erzählen die Ehre Gottes und die Feste verkündigt Seiner Hände Werk; ein Tag sagt es dem andern und eine Nacht tut es kund der andern“ (Ps. 19, 1 f.); Ihn preisen die Vögel des Himmels, und die Fische im Meer, die Blumen des Feldes, und der Wurm, der auf der Erde kriecht: und unser Mund sollte stumm bleiben? Wir, die wir Sein Bild an uns tragen und Seinen Lebens-Odem in uns spüren, wir sollten nicht allezeit mit einstimmen in den Preis Seiner Liebe: „Ehre sei Gott in der Höhe!“ „Und Friede auf Erden!“ Darum heißt Er der „Friedefürst“ (Jes. 9, 6), weil Er gekommen ist, Frieden zu bringen auf Erden. Und ist denn hier Frieden vorhanden? Nicht unter der Menge, die auf dem breiten Lasterwege dahinzieht, und von Seiner Liebe Nichts weiß; da herrscht die Selbstsucht und Sünde, und gebiert immer aufs Neue Neid und Missgunst, Hader und Zwietracht, und das Heer der Begierden und Leidenschaften; da ist Streit von außen, und Zwiespalt im eigenen Herzen, denn „die Gottlosen haben keinen Frieden.“ -
Aber Alle, die an Deiner Krippe in anbetender Liebe ihre Knie beugten, die hat auch der Hauch Deines Friedens angeweht; sie haben den heiligen Kampf zwischen Fleisch und Geist siegreich durchgestritten, und dann ist es Friede geworden in ihrem Inwendigen. Ist auch noch nicht aller Kampf zu Ende, und sind Sünde und Not auch immer aufs Neue geschäftig, den Frieden der Seele zu bedrohen, so steht Er ihnen doch zur Seite, der sie aus allen Wirren und Drangsalen wieder hinausführt, und die geängstete Seele wieder stille macht in Ihm selber. O, das ist ein seliger Stand, wer den Frieden hat, der da höher ist, denn alle Vernunft; den Frieden im Hause, den Frieden im Herzen, und kann zu allem bitteren und schweren Leid, das der Herr sendet, Ja und Amen sagen, und fröhlich und getrost bleiben in der Bitte: „Dein Wille geschehe!“ O diesen Frieden bringe Du uns Allen, Du Friedensfürst, und mache unseren Willen Eins mit Deinem heiligen Liebeswillen, dass auch von uns und von Allen, die auf diesem weiten Erdenrund wohnen, das Wort des Engels gelten möge: „Und den Menschen ein Wohlgefallen!“ Und dann können wir ja erst des rechten Friedens froh und gewiss werden, wenn wir, die wir arme und verlorene Sünder waren, in Deinem Sohne Gnade gefunden haben vor Deinem Angesicht, dass Du an uns fortan ein Wohlgefallen haben kannst. Dann erst können wir Dir mit vollem, kindlichen Vertrauen unsere Gebete darbringen, denn Dein Geist gibt dann Zeugnis unserem Geiste, dass wir Deine Kinder sind, und lehrt uns rufen: „Abba, lieber Vater!“ (Röm. 8, 15 ff.) (Julius Müllensiefen)