Lukas 2,1
Andachten
Es begab sich aber zu der Zeit, dass ein Gebot ausging vom Kaiser Augustus, dass alle Welt geschätzt würde.
Das Weihnachtsevangelium versetzt uns in Gedanken aus der fröhlichen Gegenwart dieses Festes weit zurück in die Vergangenheit, in die Zeit, da Christus geboren wurde. Das war ein Leben und Treiben, ein Wandern und Reisen auf den Straßen und Wegen des jüdischen Landes. Einzeln und in ganzen Scharen zogen sie in der ungastlichen Jahreszeit daher, zu Ross oder zu Esel oder bescheiden zu Fuß. Und wenn man die Wandernden fragte, was sie denn bewege in dieser rauen Jahreszeit das heimische Dach zu verlassen, so antworteten sie, der große Kaiser Augustus in Rom habe eine große Schatzung oder Volkszählung angeordnet in seinem ganzen, weiten Reich. Darum müsse im ganzen jüdischen Lande jeder sich aufmachen, und nach dem Ort seines Herkommens ziehen, um dort seinen Namen anzugeben. Der mächtige Kaiser Augustus mochte stolz darauf sein, dass er mit einem Wort seines Mundes die Welt so bewegte. Und doch, der die Welt bewegte, war nicht der große Kaiser Augustus, er war nur ein Werkzeug in der Hand des ewigen Gottes, sondern das kleine Kind in der Krippe. Denn das alles musste geschehen, damit Joseph und Maria von ihrem Wohnorte Nazareth in Galiläa nach Bethlehem, der Stadt Davids, kämen, weil sie aus dem Hause und dem Geschlechte Davids waren, und so erfüllt würde, was schon Gott durch den Propheten Micha geweissagt hatte, dass der Heiland zu Bethlehem sollte geboren werden (Micha 5, 1). Und geht nicht noch heute ein wunderbares, festliches und fröhliches Regen aus von dem kleinen Kinde in der Krippe durch die ganze Erde, soweit sein Name genannt wird? Das Kind in der Krippe bewegt die Erde. Und es öffnet den Himmel. Denn nicht nur der Engel kam hernieder, der den Hirten die Botschaft brachte und die Menge der himmlischen Heerscharen: Der Sohn Gottes selbst ist vom Himmel auf die Erde herniedergestiegen. Und tief lässt uns das Geheimnis der heiligen Christnacht hineinschauen in den offenen Himmel und in das Herz des himmlischen Vaters. „Denn also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, auf dass alle die an ihn glauben nicht verloren würden, sondern das ewige Leben haben“ (Joh. 3, 16). „Heut schleußt Gott wieder auf die Tür zum schönen Paradeis; der Cherub steht nicht mehr dafür; ihm sei Lob, Ehr und Preis.“ Das Kind in der Krippe bewegt die Erde, und öffnet den Himmel, und gibt Frieden dem Herzen. „Friede auf Erden“, so sangen die Engel in der stillen Weihnachtsnacht. Seinen Frieden bringt uns das Kind in der Krippe. Frieden mit uns selbst. Das Gewissen kann uns nicht mehr verklagen, denn „unsere Strafe liegt auf ihm, auf dass wir Frieden hätten, und durch seine Wunden sind wir geheilt.“ Frieden mit Gott, denn keine Sünden- und Zorneswolken trennen uns von ihm und seiner Liebe. Frieden auch unter einander, denn wer die große Liebe Gottes erkannt hat, der kann nicht mehr zürnen mit seinem Bruder.
Lasst uns beten: Allmächtiger, ewiger Gott und Vater! wir preisen Deine Güte, dass Du uns dies Freudenfest in Frieden hast begehen lassen. Du hast uns nicht bloß das leibliche Brot gegeben, sondern auch das wahrhaftige Brot vom Himmel, das unsere Seele stillen kann, Deinen lieben Sohn. Hilf doch, dass wir solches Deines Heiles nicht durch Unglauben und Sünde verlustig gehen, sondern durch wahre Buße immer mehr erneuert werden zu seinem Bilde. Verleihe uns einen starken Glauben und kindliches Vertrauen, dass Du, der Du uns Deinen Sohn geschenkt hast, in ihm uns alles schenken wollest. Mit solcher Zuversicht legen wir uns nun zum Schlafe nieder. Lass uns mit heiligen Gedanken einschlafen, und wenn wir erwachen, unsere Gedanken noch auf Dich gerichtet sein. Behüte uns vor allem Schaden, der die Ruhe der Nacht uns stören könnte. Wache Du über uns. (Alfred Meyer)