Matthäus 22,37
Andachten
Du sollst lieben den HErrn, deinen Gott, von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüt.
Gott will von jedem Menschen geliebt werden. Er will, dass jeder Mensch ihm sein Herz schenke. Die Heilige Schrift ist voll von Befehlen und Ermahnungen dazu. Es ist auch so vernünftig und natürlich, dass niemand widerspricht.
Ist Gott uns ein Vater, liebt Er uns, wie ein Vater, so sollen wir Seine Kinder sein, Ihn lieben, wie gute Kinder einen guten Vater lieben. „Lasst uns Ihn lieben, denn Er hat uns zuerst geliebt,“ sagt Johannes. Natürlich ist Kinder den Vater und die Mutter lieben. Unnatürlich ist es, wenn es anders ist. Wie kommt es nun aber doch, dass das Herz an tausend andere Dinge sich lieber hängt, alles Mögliche eher liebt, als seinen Gott? Wie kommt es, dass so vielen Menschen der Gedanke an Gott, die Beschäftigung mit ihm eher lästig als erfreulich ist? Wie kommt es, dass so viele Menschen Gott lieber fliehen, als Sein Angesicht suchen? Ach, ihr Herz sagt ihnen eben, dass sie Ihn beleidigt haben, dass Er ihnen zürnt, und anstatt sich durch Buße mit ihm auszusöhnen, fliehen sie Seine Nähe, die ihnen lästig ist. Bitte daher um Vergebung, glaube an die Vergebung, komme reumütig zu deinem Vater, und du wirst Seine Liebe anstatt Seines Zornes erfahren. Wer Gott lieben will, muss zuerst Gottes Liebe er: fahren. Ein Kind liebt die Mutter, weil es der Mutter Liebe erfährt und genießt. Einen Fremden liebt das Kind nicht. So lange du Gott nicht herzlich lieben kannst, ist dir Gott eben ein Fremder. Je mehr wir aber Gottes Liebe gegen uns erfahren, sie in Seinem Wort erforschen und erkennen, umso mehr wird unsere Liebe zu Ihm gewandt! Amen. (Carl Wagner-Groben.)
Du sollst lieben Gott, deinen Herrn, von ganzem Herzen, von ganzer Seele, und von ganzem Gemüt. Das ist das vornehmste und größte Gebot.
Der Kern des göttlichen Wesens ist die Liebe. Sie ist das Herz Gottes. Glaubst du es, dass Gott ein Herz hat? Glaubst du es, dass er es auch für dich hat? Ja da ist ein Herz, wo die Liebe das ganze Wesen erfüllt, wo sie als der Grundton durch die ganze Harmonie hindurchklingt, wo sie hinreicht bis in die Ewigkeit. Alles, was je lieben gelernt und geliebt hat, das hat es von ihm gelernt. Dieser Gott hat auch das Gesetz gegeben; es ist aus dieser Liebe hervorgequollen, darum muss es auch ein heiliges Ganzes, ein Ausdruck des Wesens Gottes sein. Die Liebe muss auch das Wesen des Gesetzes sein. So ist es auch. Die Liebe sucht nicht das Ihre. Das ist eben die rechte Liebe, die den Anderen und das Heil des Anderen sucht. Und diese Liebe wird dir noch heller offenbar, wenn du daran denkst, dass du das Gesetz nicht erfüllt hast, und nicht erfüllen kannst. In der tiefsten Trauer, wenn es dich niederschlägt mit seinen Drohungen, wenn es dir die Frage auspresst: „Ich elender Mensch, wer wird mich erlösen von dem Leibe dieses Todes?“ dann tut es dir gerade den süßesten Liebesdienst, dann weist es dich hinauf auf Jesum Christum, deinen Heiland und Erretter. Wer noch nicht gewusst hätte, dass es Gott aus Liebe gegeben hat, der erführe es da.
Barmherziger Gott, du hast ein Herz, ein ganzes Herz zu uns. O so schenke uns doch auch ein Herz. Mache ein Ende der elenden Teilung zwischen dir und der Welt. Mache unser Herz ganz. Wir sind selbst so elend in der Zerrissenheit, in dem Schwanken. Wir haben doch nicht eher Ruhe, als bis wir dich lieben mit ganzer voller Liebe. O segne uns heute durch dein teures Wort. Es hat so viele kranke und zerbrochene Leiber gesund und ganz gemacht: mache heute die geteilten Herzen damit gesund und ganz. Amen. (Friedrich Ahlfeld)
Du sollst lieben Gott, deinen Herrn, von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüte. Dies ist das vornehmste und größte Gebot. Das andere aber ist dem gleich: Du sollst deinen Nächsten lieben als dich selbst.
Dann liebe ich Gott von ganzem Herzen, wenn ich wie Abraham bereit bin, ihm mein Teuerstes zum Opfer zu bringen, meinen liebsten Herzenswunsch; wenn ich mit tausend Freuden oder doch unter tausend Tränen zu sprechen vermag: Wenn ich dich nur habe, frage ich nichts nach Himmel und Erde. Dann liebe ich Gott von ganzer Seele, wenn ich, wie Johannes der Täufer, mein ganzes Leben in seinen Dienst stelle, und auch wenn ich darin gar keinen Lohn sehe, sondern nur Mühe und Not, doch darin ausharre bis ans Ende. Dann liebe ich Gott von ganzem Gemüte, wenn ich wie David zu beten vermag: „Meine Seele dürstet nach Gott, nach dem lebendigen Gott. Wann werde ich dahin kommen, dass ich Gottes Angesicht schaue?“ Wenn ich nicht bloß nach Gottes Gaben, sondern vor allem nach ihm selber verlange, wenn ich mich mit ihm reich fühle auch in der größten Armut, und ohne ihn mich arm fühle auch in dem reichsten Glück. Habe ich nun die Liebe Gottes? - Und wie steht es bei mir mit dem andern Gebot: du sollst deinen Nächsten lieben, als dich selbst? Das heißt nicht bloß: du sollst Weib und Kind liebhaben. Das heißt nicht bloß: du sollst freundlich und gütig sein, solange der Andre es auch ist. Sondern: liebt eure Feinde; segnet, die euch fluchen; tut wohl denen, die euch hassen. Haben wir nun solche Liebe? Dies Gebot straft und richtet uns. Wir können nicht bestehen vor Gott. Wes sollen wir uns getrösten? Unsre Gerechtigkeit ist dahin. Wes sollen wir uns getrösten? Deiner Gnade allein, o mein Herr und mein Gott. Decke mit deiner Gnade zu, was ich gefehlt. Erlöse mich mit deiner Gnade von meiner Selbstsucht. Entzünde durch deine Liebe mein kaltes, hartes Herz. Amen. (Adolf Clemen)
Du sollst lieben Gott deinen Herrn von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüte. Dies ist das vornehmste und größte Gebot.
Keins deiner Lieben auf Erden, und seien sie dir noch so teuer, mögen sie deinem Herzen noch so nahe stehen, ist würdig den Ehrenplatz in deinem Herzen einzunehmen. Im Vergleich mit Gott, der sie dir gegeben hat, müssen sie auf einer ganz niederen Stufe stehen. Du schmiegst dich jetzt zärtlich und vertrauensvoll an die Brust deines Gatten, aber wenn er im Tode erbleicht, und ach, wie bald wird das geschehen! - wie übel bist du dann daran, wenn du nicht einen ewigen Tröster hast, an dessen Brust du dich lehnen kannst! Die lieben, strahlenden Äuglein, die dir am Himmel deines Familienlebens wie Freudensterne leuchten - ach, wenn sie die Götter sind, denen du Opfer und Anbetung bringst, wie unglücklich wirst du, wenn ihr Glanz erlischt und das, was der Mutter Freude war, der Verwesung zum Raub wird. Glücklich aber, wer eine ewige Freude, einen unsterblichen Trost hat; und es gibt keinen, wie den Gott Israels. Es gäbe weniger betrübte Herzen, wenn die Herzen vollständiger des Herrn wären. Es gäbe weniger Auflehnung gegen den Herrn, wenn wir die Freuden, solange wir sie haben, im rechten Sinn genössen und nicht zu sehr unsre Hoffnungen darauf bauten. Alles unter dem Mond vergeht. Alles an der Küste dieses Lebens hat wie das Meer seine Ebbe und Flut. Alles unter der Sonne wird einmal dunkel. Du wirst niemals in der Zeit finden, was nur die Ewigkeit geben kann: eine unveränderliche und nie versiegende Freudenquelle. (Charles Haddon Spurgeon)