Matthäus 21,3
Andachten
Der Herr bedarf ihrer.
Es ist ein seltsames Wort: „Der Herr bedarf ihrer;“ Herr über alles sein, wie Jesus, und doch der Kreatur bedürfen - wie reimt sich beides zusammen? Im Stande der Erniedrigung spricht Jesus also. Es ist uns sein Wort ein Zeugnis der tiefen Armut, die er um unsertwillen auf sich genommen hat, auf dass wir durch dieselbe reich würden (2. Kor. 8, 9). Wohl ist er reich und selig und herrlich in sich und durch sich selbst, und kein Mensch noch Engel kann daran etwas mehren oder mindern. Alles, was da lebt und ist, lebt und webt durch ihn. Und doch bleibt dies Wort in seiner Kraft und Bedeutung: der Herr bedarf ihrer, nicht um seinet- sondern um deinetwillen ein Zeugnis seiner Erbarmung gegen seine Kreaturen. Er bedarf unser nicht um zu nehmen, sondern um zu geben. Er bedarf unser, um den Reichtum seiner Barmherzigkeit an uns zu offenbaren, wie die Sonne der Luft bedarf, um dieselbe zu erleuchten und zu durchwärmen, wie der Regen des Ackers bedarf, um ihn zu feuchten, wie der Reiche des Armen bedarf, um ihm wohlzutun. Er bedarf deines Herzens zu seiner Wohnung. Willst du sie ihm weigern ? Und wiederum bedarf er unser, wie etwa ein König seinen Diener damit ehrt, dass er des Königs Gaben austeile, oder wie ein weiser Vater seines Kindes bedarf, welches er zu dem und jenem anstellt, damit das Kind daran lerne, was ihm nützlich und gut ist. So bedarf auch der Herr deines Herzens, dass du es den Elenden in Erbarmen aufschließest; er bedarf deiner Augen, dass sie ihre Not schauen; er bedarf deines Mundes, dass er den Brüdern Rat und Trost spende; er bedarf deiner Hände, dass du die Hungrigen speisest und die Durstigen tränkest; er bedarf deiner Füße, dass du ihnen beispringst. Er ist der Herr über dich und das Deine. Du bist ja doch nur Haushalter und sollst die Pfunde, welche er dir anvertraut hat, nicht selbstsüchtig, ungenützt im Schweißtuch liegen lassen, es wird dich sonst der Herr zur Rechenschaft darüber ziehen. Gib ihm, was im Grunde doch ihm gehört; der Herr bedarf desselben, denn in seinen dürftigen Gliedern leidet er Not. Er spricht ausdrücklich, um zu solchem Dienste uns zu reizen (Matth. 21, 40): Wahrlich, ich sage euch: Was ihr getan habt Einem unter diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan. (unbekannt)