Jeremia 45,5
Andachten
Du begehrst dir große Dinge. Begehre es nicht.
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(s.a. Röm. 12, 16. Trachtet nicht nach hohen Dingen, sondern haltet euch herunter zu den Niedrigen.)
Trachtet nach Dem, was droben ist; aber trachtet nicht nach falschen Höhen, nicht nach den Höhen, auf denen einst das götzendienerische Israel Opfer brachte. Nicht nach den falschen Höhen des geistlichen Hochmuts und der Selbstüberschätzung; der Sicherheit, die zum tiefen Fall führt; der Ungenügsamkeit, die nicht zufrieden ist mit Dem, was Gott gegeben. Wie viel Unfrieden und Unheil fließt doch aus dem Trachten nach hohen Dingen! Willst du bewahrt bleiben, halte dich herunter zu den Niedrigen. Wie du christlich leben und selig sterben magst, das ist die einfache Aufgabe, die Allen gelegt ist - meine nicht, du müsstest noch nach Höherem trachten. Wie du in deinem Beruf, an deinem Platz die nächsten Pflichten mit täglider Selbstverleugnung und Geduld erfülft, das ist ein Ziel, so hoch, dass du nicht darüber hinaus nach besondern Leistungen zu suchen brauchst. O sei nur im Kleinen, im Alltäglichen treu - mehr fordert Gott von dir nicht, mehr brauchst du auch selbst von dir nicht zu fordern. Gehöre nicht zu den Toren, die unzufrieden mit dem Platz, den ihnen Gott angewiesen, höher hinaus wollen, und missmutig und unruhig von Einem zum Andern treiben, und darum nichts recht und ganz ausrichten. Gehöre nicht zu den Toren, die über Träumen und Hirngespinnsten das tägliche Brot verlieren und den Frieden der Seele. Lass dich nicht mit fortreißen von dem Strome Derer, die in der Sucht zu glänzen, in dem Fagen nach Genuss und Gesellschaft, nach Prunk und Kleiderputz ihr Bestes opfern, den Frieden und das Glück ihres Hauses, die Herzen Derer, die ihnen die Nächsten sind. Erachtet nicht nach hohen Dingen, und damit ihr's nicht tut, zum Himmel die Herzen, im Glauben, in der Hoffnung, in der Geduld! Zum Himmel die Herzen! Der heutige Tag, der Sonntag ruft's uns besonders vernehmlich zu. Zum Simmel die Herzen im Gebet. Großer, emiger Gott, der du in der Höhe und im Heiligtume wohneft und bei denen, die zerschlagenen und demütigen Geistes sind, vor dir beuge sich unsre Seele und werde stille unser Herz, damit wir bewahrt bleiben vor allen falschen Höhen. Amen. (Adolf Clemen)