Psalm 45,11
Andachten
Höre, Tochter!
Dies Wörtlein: Höre! geht auf den ganzen 45. Psalm. Höre, Tochter! was du für einen schönen Bräutigam hast, den schönsten unter den Menschenkindern, den holdseligsten, den glückseligsten Helden Gottes; wie du nicht allein Christi königliche Braut bist, sondern auch Seine Tochter, aus Seiner Seite genommen. Höre, welch einen königlichen Schmuck dir dein Bräutigam anleget; Er ist selbst dein Schmuck mit Seiner Gerechtigkeit, Unschuld und Heiligkeit. Höre, wie Er dich ehrt, indem Er dich zu Seiner Rechten stellet, liebt, schützt, errettet, erfreut und hernach herrlich macht. Dies Hören aber ist und bedeutet dreierlei: 1. Das geistliche Gehör des neuen Menschen, den Gehorsam des Glaubens. Es ist das Herzens-Gespräch des Himmels - Bräutigams, davon Hohel. 2, 8. 10 geschrieben: Das ist die Stimme meines Bräutigams, siehe, Er kommt und hüpfet auf den Bergen und ruft: Stehe auf Meine Freundin! und komme her. 2. Ist es ein äußerliches Hören des Worts, doch also, dass man auch die innerliche Kraft empfindet, und einen sonderlichen Verstand der Erleuchtung daraus bekommt; danach sehnet sich die gläubige Seele. 3. Höret die Braut ihren König, wenn Er sie ruft nicht allein zur Lehre und Unterweisung, sondern auch zum Gehör des Kreuzes. Ach höre, Tochter! wolltest du auch mit deinem schönen Bräutigam etwas leiden, wenn Er in das Elend verjagt würde? mit Ihm sterben, wenn Er erwürget würde? Ihm folgen durch Tod und Leben? (Johann Arnd)
Höre, Tochter, schaue darauf und neige deine Ohren; vergiss deines Volkes und deines Vaters Haus: so wird der König Lust an deiner Schöne haben; denn er ist dein Herr und du sollst ihn anbeten.
Lieber Mensch, willst du, dass deine Seele eine Braut des Herrn Jesu, des Königs aller Könige sei; soll er dich zieren: so lass nur deinem eigenen Willen nicht Raum, übergib dich ganz und gar dem Hüter der Seelen. Wer ist denn der? Der Heilige Geist. Er wird dich aus einer Gnade in die andere leiten. Er wird dich zuvörderst auf die Erkenntnis deines Elends und deiner Sünden führen; er wird Geduld und Liebe in dir hervorbringen und dir den ganzen Schmuck, den du nötig hast, geben und ihn dir anziehen. Was im Buch Esther von dem Schmuck der Königin steht, das findet sich auch an einer Seele, die Jesu zu seiner Braut erwählet. Der hl. Geist wendet auch Myrrhen an, unangenehme Empfindungen; aber auch Balsam, nämlich Trost beim Schrecken über die Sünde zur Erquickung des Herzens. Danach bereitet er uns zu mit Spezereien, d. i. er lässt die süßen und seligen Gnadenkräfte in unsere Seelen fließen, dass wir dadurch dem himmlischen Bräutigam je mehr und mehr zubereitet werden. (A. Steinmetz.)
Höre, Tochter, schaue darauf, und neige deine Ohren, vergiss deines Volks und deines Vaters Hauses.
Lehre mich, o Jesu, erkennen das Geheimnis Deiner Braut, Dich nicht zu sehen und doch zu lieben, an Dich zu glauben ohne Dich zu sehen. 1 Petri 1, 8. Eine Tochter wird die gottverlobte Seele genannt - Tochter, nicht ein starker Sohn. Meine Mannes Stärke, die Stärke meines eigenen Willens, der dem Allmächtigen trotzen will, ist die Ursache meines Elendes; Gott zerbreche mir diese Stärke, wie der große, starke Wind die Berge und die Felsen zerbrach. 1 Kön. 19, 11. Eine stille sanfte Tochter müsse meine Seele vor Dir sein, Jesu mein König. O lass mich hören das Geheimnis Deiner Liebe und meines Lebens.
Ich höre dich, o Wort, das mich erwecket;
Ich merke dich, o Kraft, die mich berührt.
Sprich zu mir. Du Mund, der der Tauben Ohr auftut und die Toten erweckt; sprich von dem Ursprung meiner Seele, und ihrem verlorenen Paradiese, von meinem Hunger und Durst, von meiner Missetat und von der großen Barmherzigkeit Gottes, welche in Christo geoffenbart ist zu diesen letzten Zeiten. Herr! ich höre - und weil ich höre, ahne ich, ich wittre ein ewiges Königreich, ein Paradies, das in Deinen Wundmalen geöffnet ist und eine Liebe in sich schließt, die kein Auge gesehen und kein Ohr gehört hat - ich merke Etwas von Freiheit und Leben, weil ich im Worte höre von Vergebung aller Sünden. Ja darauf muss man schauen, dazu die Ohren neigen. Hören gibt Ahnen und Ahnen gibt Verlangen und Verlangen gibt Erkennen und Verstehen.
Wie groß ist Abraham, der Gläubigen Vater, welcher Vaterland, Freundschaft und Vaters Haus, drei Dinge, die nahe am Herzen sind, verlassen musste. Und er verließ sie (1 Mose 12.) denn er hörte, ahnte, schaute auf Dich, o Jesu, gegen dessen Gewinn kein Gewinn zu achten ist. Petrus verließ seine Netze (Luk. 5), Matthäus den Zoll (Matth. 9, 9), Paulus das Judentum und seinen Ruhm (Phil. 3). Das taten sie, o Jesu, in Deiner Kraft, die dem ruft, was nicht ist, dass es sei. So bitte ich, lass eben diese Deine Kraft in meiner Schwachheit mächtig sein, dass ich meines Volkes und meines Vaters Hauses vergesse. Mein Volk ist wie ich bin und ich bin wie mein Volk wir haben vergessen den Felsen unsrer Stärke (Jesaj. 17, 10.), den Felsen, daraus wir gehauen sind. Jesaj. 51, 1. Mein Haus ist wie Labans, aus dem Rahel Götzen stahl. 1 Mose 31, 19. Das lass mich vergessen. Konnten Deine Jünger Mosen und Elias vergessen und sahen nur Dich allein (Matth. 17, 8,) wie sollte ich nicht vielmehr meines Volkes und meines Vaters Hauses vergessen! Wie reich bin ich, wenn ich Alles vergesse, um Dich nicht zu vergessen, Du Schönster unter den Menschenkindern! Denn durch Dich habe ich Beide - den Vater und den Sohn (2 Ep. Joh. 9), Brüder und Schwestern hundertfältig und das ewige Leben. Matth. 19, 29. Wer Dich hat, bekommt mit Dir Alles. Röm. 8, 32.
Herr Jesu! o so bitt ich, lass mich hören und hier im dunklen Spiegel, dort von Angesicht zu Angesicht Deine Herrlichkeit schauen, die groß ist! (Theodor Schmalenbach)