Psalm 119,71
Andachten
Es ist mir lieb, dass du mich gedemütigt hast, dass ich deine Rechte lerne.
Welch eine große Sache ist es, die Rechte des Herrn zu lernen, seine Rechte als Gott, offenbart im Gesetz, welche alle Menschen in den Staub danieder werfen; seine Rechte als Vater, geoffenbart im Evangelio, wodurch Gottlose gerechtfertigt, Sünder selig gemacht werden. Diese verstehen, bringt Leben und Friede. In lichten Stunden, wo die Seele diese Vorteile merkt, sagt sie deswegen mit David: es ist mir gut, es ist mir lieb, dass du mich gedemütigt, so dass ich am Ende nichts mehr zu antworten wusste. Namentlich rühmt der heilige Prophet die Treue Gottes, welche sich darin offenbart. Du hast mich treulich gedemütigt, sagt er, welches sich auf mancherlei Weise darin offenbart. Es wird nicht zu viel, noch zu wenig. Es dauert nicht länger, als es gut ist, hört aber auch nicht zu früh auf. Der Herr kehrt sich an das Widerstreben nicht, nicht an die Klagen und Beschwerdeführungen, sondern setzt seine heilsamen Absichten durch. Er richtet die Demütigung nach eines jeden Bedürfnis ein, und greift ihn da an, wo es am wehsten tut, aber auch am zweckmäßigsten ist; er unterstützt die Seele, dass sie es ertragen kann; steigt auch zuweilen das Wasser bis an die Lippen, und geht eine Woge über das Haupt, und schreit die Seele: meine Kraft hat mich verlassen. Zur rechten Stunde verwandelt er das Wasser in Wein, nimmt das Gold aus der Glut und gebietet dem Ungestüm des Windes und des Meeres, dass alles ganz stille wird, macht den begrabenen Lazarus wieder lebendig und tröstet die Traurigen, dass ihnen Schmuck für Asche wird. (Gottfried Daniel Krummacher)