Psalm 115,3
Andachten
Unser Gott ist im Himmel, Er kann schaffen, was Er will.
Wenn die Heiden ehemals von den Israeliten sagten: wo ist nun ihr Gott? so antworteten diese: unser Gott ist im Himmel, Er kann schaffen, was Er will. Die Heiden waren gewohnt, Götzen anzubeten, und konnten von einem jeden Götzen sagen, wo er sei, nämlich in dieser oder jener Stadt, in diesem oder jenem Tempel. So war der Dagon in seinem Tempel zu Asdod 1 Sam. 5,2., der Baal-Sebub zu Ekron 2 Kön. 1,2. usw. Die Israeliten wussten dieses wohl, sagten aber noch der Anweisung des Heiligen Geistes: Jener Götzen sind Silber und Gold, von Menschenhänden gemacht. Sie haben Mäuler, und reden nichts: sie haben Augen, und sehen nicht. Sie haben Ohren, und hören nicht: sie haben Nasen, und riechen nicht. Sie haben Hände, und greifen nicht: Füße haben sie und gehen nicht: und reden nicht durch ihren Hals. Die solche machen, sind gleich also, und Alle, die auf sie hoffen. Ps. 115,4-8. Wenn nun die Heiden fragten: wo ist der Israeliten Gott? so konnten diese ihnen kein sichtbares Bild zeigen, das auf einem Gestell gestanden, und in einen Tempel eingeschlossen gewesen wäre. Der HErr, der Gott Israels, hatte zwar einen Tempel unter Israel: wenn man aber auch in diesen Tempel ging: so sah man Ihn doch nicht. Auch wussten alle verständigen Israeliten, dass Er in diesen Tempel nicht eingeschlossen sei, s. 1 Kön. 8,27. Das Glaubensbekenntnis der Israeliten war also dieses: unser Gott ist im Himmel. Sie leugneten dadurch die Allgegenwart Gottes nicht, die auch Ps. 139,1 ff. bezeugt wird; denn wie hätten sie an allen Orten, wo sie waren, beten, und sich des göttlichen Schutzes und Seiner Leitung getrösten können, wenn sie nicht geglaubt hätten, dass Gott allenthalben, oder wie Jer. 23,23.24. gesagt wird, nahe sei, und Himmel und Erde erfülle? Sie sagten aber: unser Gott ist im Himmel, um anzuzeigen, dass man ihren Gott so wenig sehen könne, so wenig man in den Himmel hineinschauen könne. Und gleichwie der Himmel das Höchste sei unter Allem, was man sieht: also sei der Gott Israels der Allerhöchste, und über Alles unermesslich erhaben. Gleichwie ferner der Himmel Alles umgebe: also umfasse die Regierung und Vorsehung Gottes die ganze Erde, ja die ganze Welt. Und gleichwie endlich alle Menschen unter Einem Himmel leben: also sollen sie auch nur Einen Gott anbeten, nämlich den Gott Israels, der im Himmel ist, wo Er Sein Haus hat, in welchem alle Seine Kinder versammelt werden sollen.
Die Israeliten sagten ferner von ihrem Gott: Er kann schaffen, was Er will, s. Jer. 10,10-13. Er hat geschaffen, was Er wollte, da Er im Anfang Himmel und Erde gemacht hat. Er schafft aber auch noch, was Er will, indem Er Veränderungen in der Natur macht: auch schafft Er in den Seelen der Menschen, was Er will. Sein Wille ist nie ohne Kraft, und Seine Kraft richtet immer Seinen Willen aus.
Als die Weisen aus dem Morgenland, deren man heute in allen christlichen Kirchen gedenkt, zu Jerusalem fragten: wo ist der neugeborene König der Juden? so sagte man zu ihnen, er sei zu Bethlehem. Man konnte also damals sagen: Siehe, da ist euer Gott, wie Jesaias K. 40,9. geweissagt hatte. Der HErr Jesus fuhr aber hernach auf gen Himmel, und setzte Sich zur Rechten des Vaters auf den allerhöchsten göttlichen Thron. Mein Herz sei also aufwärts gerichtet. Ich soll suchen, was droben ist, da Christus ist, sitzend zur Rechten Gottes, und trachten nach dem, das droben ist, nicht nach dem, das auf Erden ist (Kol. 3,1.2.). (Magnus Friedrich Roos)