Diese Seite ist nicht editierbar. Sie können den Quelltext sehen, jedoch nicht verändern. Kontaktieren Sie den Administrator, wenn Sie glauben, dass hier ein Fehler vorliegt. ====== Titus 2,11====== =====Andachten===== **Es ist erschienen die heilsame Gnade Gottes allen Menschen, und züchtigt uns, dass wir sollen verleugnen das ungöttliche Wesen und die weltlichen Lüste, und züchtig, gerecht und gottselig leben in dieser Welt.**\\ In dem Kind zu Bethlehem ist uns die Gnade Gottes persönlich, leibhaftig erschienen. In diesem Kind sehen wir hinein in das Herz Gottes; in diesem Kind haben wir die Gnade Gottes als gewissen Besitz; in ihm haben wir Vergebung, Leben und Seligkeit. Aus dieses Kindes Augen leuchten Sonnenstrahlen des Trostes hinein in die dunkle Welt; dieses Kindes Hände halten die Fülle des Segens für Alle. O darum sei gesegnet du Himmelskind, in dir ist uns erschienen die Gnade Gottes! Ohne dich möchte ich nicht leben auf Erden! Denn was wäre diese Erde ohne Bethlehem, was wäre unser Leben, wenn nicht alle Jahre wieder Weihnachten käme! Aber nun ist erschienen die Gnade Gottes. Darum, erlöste Menschheit, rühme und preise und danke ewiglich. Denn es ist erschienen die Gnade Gottes allen Menschen. Auch dir. Bist du je erwärmt unter den Strahlen dieser Sonne? Ist dir in den zwanzig oder vierzig Christtagen, die du gefeiert, auch nur einmal schon ein recht voller Schein von dieser Weihnachtsgnade Gottes ins Herz gefallen? Oder bist du der heilsamen Gabe Gottes bisher fern geblieben, als wärst du dafür zu gerecht, oder zu verloren? O dann höre es doch heute, zu deiner Seligkeit: Es ist erschienen die heilsame Gnade Gottes allen Menschen. Und züchtigt uns, dass wir verleugnen das ungöttliche Wesen und die weltlichen Lüste. Dir ist erschienen die Gnade Gottes, du bist also nun nicht mehr ein Kind der Welt, sondern Gottes Kind. Darum lebe auch nicht mehr wie die Welt! Verleugne vielmehr das ungöttliche Wesen und die weltlichen Lüfte! Meide, fliehe sie, sie sind zu schlecht für dich. Gesegnet dies Weihnachtsfest, wenn du also heute irgend einer weltlichen Lust entsagen wolltest, wenn du fortan züchtig, gerecht und gottselig leben wolltest in dieser Welt. Lass das deinen Weihnachtsdank sein für Gottes große Gabe und Gnade. Großer Gott, wir beten an deine unendliche Liebe. Hilf uns, dass wir des Heils recht wahrnehmen, das du uns in deinem lieben Sohn schenkst. Heilige uns dir selbst zum Opfer dafür. Lass uns stets in deiner Liebe ruhen. Lass deine Gnade uns züchtigen, die Sünde zu hassen, die Welt zu verleugnen mit ihrer Lust, dir zu leben und zu sterben. Amen. (Adolf Clemen) ---- **„Denn es ist erschienen die allen Menschen heilsame Gnade Gottes.“**\\ Allen Menschen heilsam - d.h. ohne diese Gnade wird kein Mensch von seinem natürlichen Schaden geheilt, ohne diese Gnade geht jeder Mensch an sich selbst zugrunde. Man braucht nicht an grobe Laster zu denken - aber es steckt doch in einem jeden von uns schon viel erbliche Belastung von bösen Anlagen. Darum durfte die Gnade nicht verborgen bleiben, sondern musste erscheinen. Sonst ist manches von der Herrlichkeit und Schönheit Gottes verborgen, aber diese eine der Menschheit zugekehrte Seite hätte gar nicht wirken können, wenn sie vor aller Welt verborgen geblieben wäre. Nun ist es zu Weihnachten so deutlich geworden, was Gott vorhat, dass er seine Gnade als ein menschliches Kind unter uns hat geboren werden lassen, dass seine Gnade persönlich in unser Leben hineinkam, damit alle, die daran glauben, persönliche Hilfe erleben sollten. Heilsam, Gnade, erschienen - drei Gedanken zu einer Weihnachtsbetrachtung für dich! Denke jeden in seinen Wirkungen für dich selbst durch und bete darüber, dann wird's eine stille, gesegnete Feststunde für dich werden, und die alte Weihnachtsbescherung wird dir neuen Glanz und neue Freude bringen. //Wir danken dir, lieber Vater im Himmel, dass du dich unseres Elends so tiefgründig erbarmt hast und so viel Heilkraft in deine Gnade gelegt hast, die da Jesus heißt. Lass uns wieder aus seiner Fülle nehmen Gnade um Gnade. Amen.// (Samuel Keller) ---- **„(Die heilsame Gnade Gottes) züchtigt uns“**\\ Merkwürdig: Gnade und Züchtigen in einem Atem genannt. Gnade vergibt, Gnade heilt, Gnade richtet auf, Gnade rettet - alles mögliche lässt sich mit ihr vereinen und von ihr aussagen; aber wie sollen wir das verstehen, dass sie züchtigt? Wer so fragt, hat wohl die Gnade noch nie erlebt. Solch eine volle, rettende Gnade, die alle alten Sünden verzeiht, als hätte man sie nie gehabt, noch getan, dass man sich ihr gegenüber vorkommt wie in einer mächtigen Liebeswelle, bringt die Eiskruste des Misstrauens gegen Gott zum Schmelzen und schafft ein neues Leben. Sie zieht uns in einen Liebesumgang mit Gott hinein, wo wir einfach außerstande sind, die alten Schlechtigkeiten gutzuheißen und listig zu verstecken. Sie entwaffnet uns und beschämt uns, sie überbietet alles, was wir uns hatten träumen lassen, und zwingt uns neue Entscheidungen und Entschlüsse ab. Wir können hinter solcher Hingabe Gottes in Christo nicht zurückbleiben. Er vertraut uns und glaubt an unsere Änderung: können wir solch einen großartigen Gott enttäuschen? Wir müssen mit der Erneuerung unseres Lebens Ernst machen, wie Gott Ernst machte mit der Tilgung der alten Schuld. Die Gnade wird unser weiser, starker Erzieher, dem wir gehorchen müssen. //Wir danken dir, Herr Jesus, dass du unsere persönliche Gnade geworden bist, dass du uns von innen heraus erneuerst und zu dir ziehst. Jetzt lass unser Mund und Leben dein Lob verkünden! Du bist es wert. Amen.// (Samuel Keller) ---- Du lieber Vater im Himmel! Wir danken Dir von Herzensgrund, dass Du uns Deinen Sohn geschenkt hast. Wir waren in Nacht und Finsternis; nun ist Er unser Licht und unser Tag. Du gütiger und barmherziger Heiland hast nicht unsere Armut und Schuld angesehen, sondern allein Deine Barmherzigkeit. Du sahst uns im Blute liegen und sprachst, wir sollen leben. Nun leben wir durch Deine Liebe; nun sind wir wieder Deine Kinder! Du warst von dem Halleluja aller Engel umtönt und bist zu uns gekommen, um den Angstschrei unseres Gewissens und den Notschrei nach Hilfe zu hören. O HErr JEsu, Du gnadenreicher, Heiland, wie sollen wir Dich genugsam dafür preisen! (Adolf Stöcker) ---- **Die heilsame Gnade züchtigt uns, dass wir warten auf die selige Hoffnung und Erscheinung der Herrlichkeit des großen Gottes und unsers Heilandes Jesu Christi. ** \\ Auf was wartest du, mein lieber Mensch? Vielleicht auf gute Tage in dieser Welt, die noch kommen sollen; vielleicht auf ein Ehrenamt, das dir noch zu Teil werden soll; vielleicht auf einen Reichtum, der dir noch zufallen soll? Wie aber, wenn dein Warten vergeblich wäre? Alsdann wärest du äußerst missvergnügt. Und wie, wenn dein Warten und Hoffen erfüllt würde? Alsdann wärest du auch missvergnügt; denn Salomo, der Alles bekam, was ein Mensch auf Erden begehren kann, sagt, es sei doch Alles Eitelkeit und Mühseligkeit gewesen, und unter der Sonne bleibe einem Menschen nichts übrig, oder er finde kein bleibendes Gut, Pred. 2,1.; ja, es habe ihn verdrossen zu leben, denn Alles, was unter der Sonne sei, habe ihm übel gefallen, weil es so gar eitel und Mühe sei, V. 17. Auf dieses Missvergnügen läuft alles Begehren und Warten derjenigen hinaus, welche unter der Sonne ihr höchstes Gut suchen; wie auch die Lebensläufe vieler Menschen, die sehr glücklich zu werden schienen, einen Jeden belehren können. Auf was sollst du also warten, mein lieber Christ, wenn das Wort Salomos Spr. 10,28. an dir erfüllt werden soll: **das Warten der Gerechten wird Freude werden**? Du sollst warten **auf die selige Hoffnung**, du sollst nämlich warten, dass die Hoffnung, welche an sich schon selig macht, und welche auf eine vollkommene Seligkeit gerichtet ist, an dir ganz erfüllt werde. Du sollst warten **auf die Erscheinung der Herrlichkeit des großen Gottes und Heilandes Jesu Christi**, welche dich unaussprechlich erquicken, und zu einer herrlichen und völlig vergnügten Kreatur machen kann. Auf dieses sollst du warten. Ist aber das Erwartete auch gewiss? Es ist an sich selbst gewiss, denn der wahrhaftige Gott, der nicht lügen kann, hat es verheißen. Es soll aber auch in Absicht auf dich selbst gewiss sein, damit du nicht vergeblich wartest, und bei deinem Warten zu Schanden werdest. **Darum, mein Lieber, weil du darauf warten sollest, so tue Fleiß, dass du vor dem HErrn unbefleckt und im Frieden erfunden werdest**, 2 Petr. 3,14. Zu diesem Ende soll dich **die allen Menschen** in Christo **erschienene heilsame Gnade züchtigen**, das ist anleiten und anweisen, dass du **verleugnest das ungöttliche Wesen und die weltlichen Lüste, und züchtig, gerecht und gottselig lebst in dieser Welt.** Diese Welt ist aber eine böse Welt. So überwinde sie denn durch den Glauben. Wie aber, wenn ich bei einem solchen Leben in dieser Welt überall zurückstehen und Schaden und Schmach leiden muss? Alsdann tröste dich mit jener **Hoffnung** und **Erscheinung**. Wenn jene Hoffnung erfüllt werden, und jene Erscheinung geschehen wird, so wirst du viel reicher, vornehmer, herrlicher und vergnügter werden, als du in dieser Welt bei einer königlichen Würde geworden wärest. Dieses Warten währt aber solange? Was sagt aber die Schrift Hab. 2,3.4.? **Die Weissagung wird noch erfüllt werden zu seiner Zeit, und wird endlich frei an den Tag kommen, und nicht außen bleiben. Ob sie aber verzeucht, so harre ihr, sie wird gewiss kommen, und nicht verziehen. Siehe, wer halsstarrig ist, wird keine Ruhe in seiner Seele haben; denn der Gerechte lebt seines Glaubens.** (Magnus Friedrich Roos) ---- **Denn es ist erschienen die heilsame Gnade Gottes allen Menschen, und züchtiget uns, dass wir sollen verleugnen das ungöttliche Wesen und die weltlichen Lüste, und züchtig, gerecht und gottselig leben in dieser Welt, und warten auf die selige Hoffnung und Erscheinung der Herrlichkeit des großen Gottes und unseres Heilandes Jesu Christi.**\\ Dadurch erst wird die erschienene Gnade eine heilsame, dass wir uns von ihr züchtigen lassen zum Verleugnen und zum Warten. Beides ist unserer alten Natur gründlich zuwider. Der alte, böse Schaden ist ja der, dass wir dem eigenen fleischlichen Willen nach zu leben trachten, und dieser böse Wille führt zum ungöttlichen Wesen und zu weltlichen Lüften, und damit ist sofort ertötet die selige Hoffnung der zukünftigen Herrlichkeit. Wohl lässt sich's Mancher gefallen, dass die heilsame Gnade dazu erschienen sei, um Sünden zu vergeben, und getröstet sich dann, das Weitere werde schon von selbst kommen. Jesus hat's wohl gewusst, wenn er solchen After-Glauben unter das Wort stellte: es werden nicht Alle, die zu mir Herr, Herr sagen, in das Himmelreich kommen. So lange die sündige Natur nicht durch Züchtigung gebrochen, und aus dem Alten ein Neues geworden, ist all' das Ja, ja sagen vor Gott ein Gräuel. Züchtig, gerecht, gottselig, das sind die drei unerlässlichen Forderungen. Dieselben stehen, als Epistel des heiligen Christtages, an der Krippe Christi. Maria, die Jungfrau, mit dem Kinde, das nicht vom Geblüte, noch Willen des Fleisches, geboren ist, das soll uns züchtigen alle Unreinigkeit, und böses Gelüsten zu ertöten in uns. Jesus, in die Welt gekommen, aus dem Schoß der ewigen Liebe, ein Sünderheiland zu werden, das soll uns treiben der Gerechtigkeit nachzujagen, die vor Gott gilt. „Den Menschen ein Wohlgefallen“, dies Singen der himmlischen Heerscharen, ist der Anfang aller Gottseligkeit. So kommt man zum Verleugnen des ungöttlichen Wesens, zur Weltüberwindung. Damit aber hebt auch sofort das Warten auf die selige Hoffnung und Erscheinung der Herrlichkeit an. Sind nur erst die Füße los vom lehmigen Boden, dann wachsen auch die Flügel, und so geht's aufwärts! (Nikolaus Fries) ---- **Es ist erschienen die heilsame Gnade Gottes.**\\ Das geliebte Weihnachtskind liegt in der Krippe. Siehe es an, dann siehst du die heilsame Gnade Gottes. Aus den Augen des treuen Heilandes strahlt dir die göttliche Gnade zu; in den Händen trägt das wunderbare Kind die Gnade seines himmlischen Vaters und will sie uns schenken. Die Gnade neigt sich in Jesu hernieder auf Erden und sieht auf uns, und wir habens nicht verdient, dass er an uns nur einen einzigen Blick wendet. In seiner Gnade hat sich Gott zu Adam herabgelassen mit Liebe und mit Ernst; in seiner Gnade hat er an Mose und allen Heiligen gehandelt; gnadenvoll hat er sein Volk geführt - aber zu Weihnacht ist seine Gnade übergroß geworden und hat sich persönlich in die Welt des Elends gelegt. Auch dich soll Gottes Gnade in der Krippe grüßen. Seele, vergiss es ja nicht! Und diese Gnade Gottes ist eine heilsame Gnade, eine Gnade, die uns zum Heile bringt, die uns von allem Jammer heilen kann und will. Wie ein mächtiger Feind zieht das Unheil durch unser Leben hindurch. Das Unheil steht vor der Seele der Völker und meint es ernst und hat einen bösen Blick; es steht vor der Seele der Völker und will sie in Stücke zerreißen und schlägt ihr blutige Wunden. Das Unheil stellt sich mit großem Zorn auch vor deine Seele, du lieber Christenmensch, und will sie ins Verderben bringen. Hat der Feind es schon fertig gebracht? Ist die Seele zerschlagen und zermartert? Ist sie eine arme Jammergestalt? Das tut weh, und es mag dann wie ein Seufzer des tiefen Leides unter dem Weihnachtsbaum hervorklingen: „Heile mich, o Heil der Seelen, wo ich krank und traurig bin.“ Da aber kommt uns das Wort nahe: Es ist erschienen die heilsame Gnade Gottes. Der sich zu Weihnacht in die Krippe gelegt, der kann heilen und das Heil bringen. Er ist ja der Heiland. Er hat einen feinen Blick und ein feines Ohr für unsern Jammer. Er sieht so tief hinein in unsern Jammer und legt seine heilende Hand darauf. Er hat ja selbst blutige Wunden dulden müssen, damit er unsre blutigen Sündenwunden wieder heilen könne. Ihm hat die Schlange den Fersenstich versetzt, weil sie uns das Gewissen zerstochen hat. Und wir fallen anbetend vor dem Heiland nieder und danken ihm für sein großes Weihnachtsgeschenk, für seine heilsame Gnade. Lasst uns beten: Herr Jesu, wir sind nicht wert, dass Du zu uns herniedergekommen bist; wir sind's nicht wert, dass Du den schmerzensreichen Erdenweg gegangen bist. Wir danken Dir von ganzem Herzen, dass Du die Gnade Deines lieben Vaters zu uns getragen hast. Wenn Deine Gnade nicht unser Trost wäre, so müssten wir gar verzagen. Aber Du trägst so gnadenvoll das Heil in unser Herz und Leben hinein. Herr, barmherziger Heiland, unter dem freundlichen Lichte Deines Weihnachtsfestes müssen wir es Dir sagen, dass unser Herz so blutig ist und uns so weh tut aber komme, komm Du selbst und heile es mit Deinem stillen Weihnachtsfrieden, damit wir es erfahren, diesen Morgen und jeden Tag unsres kommenden Lebens: Heute ist diesem Hause Heil widerfahren. Dann können wir fröhlich unsre Straße ziehen, und Weihnachtsleben bleibt bei uns immerdar. Amen. (Wilhelm Hunzinger) ---- **Es ist erschienen die heilsame Gnade Gottes allen Menschen.**\\ Was der Prophet spricht von den zukünftigen Tagen: „Dein Licht kommt über dir geht auf der HErr, und Seine Herrlichkeit erscheint über dir“ siehe, das ist unsere Zeit, nicht mehr die Zeit der Nacht, sondern des Tages, nicht des Geheimnisses, sondern der Offenbarung. Was zuvor ein Gedanke Gottes, ein Ratschluss Seines Herzens war, das ist als eine Gottestat kund geworden. Es ist erschienen die heilsame Gnade Gottes, erschienen in dem Kinde, das heute geboren ward. Kennst du dieses Kind, wahrhaftigen Gott vom Vater in Ewigkeit geboren und auch wahrhaftigen Menschen von der Jungfrau Maria geboren, die Verheißung der Propheten, die Hoffnung der Väter, die Freude der Hirten und den Lobgesang der himmlischen Heerscharen? Kennst du Ihn, so siehst du die heilsame Gnade, und glaubst du an Ihn, so hast du die Gnade. Die herzliche Barmherzigkeit Gottes hat uns besucht, das Ebenbild des unsichtbaren Gottes wird sichtbar auf Erden und tritt durch die menschliche Geburt in die Reihe leibhaftiger Menschen ein, um diese zu er lösen und Sein Gnadenreich auf Erden aufzurichten. Das ist ein Wunder über alle Wunder, unfassbar der Vernunft, aber durch die Tat gerechtfertigt und erwiesen. Zwar haben es nur wenige Augen gesehen und wenige Ohren gehört, aber ihr Zeugnis lebt unter uns, und wo das Evangelium verkündigt wird, da erscheint der HErr vor den Augen unseres Geistes, und Seine Herrlichkeit geht auf über uns. Es ist erschienen die heilsame Gnade, und wir können sie mit unsern Augen sehen, wenn wir Dich anblicken, o JEsu, wie Du Dich lässt in Windeln wickeln und in eine Krippe legen, den doch der ganze Weltkreis nicht umschließen kann. Ach, wenn wir tausend Zungen hätten, wir könnten Dich nicht genugsam loben und preisen, denn Deine große Gunst und Gnade übersteigt alles Begreifen. Lass Dir auch unser schwaches Lob wohlgefallen und hilf uns, dass wir mit Wort und Werk und alle unserm Wesen Dich preisen und Deinen Ruhm verkündigen. Amen. (Hermann Haccius) ---- **Es ist erschienen die heilsame Gnade Gottes allen Menschen.**\\ Gott ist ein Mensch geworden, der Unsichtbare hat sich sichtbar gezeigt. Aber nicht die Gerechtigkeit, sondern die Gnade, nicht das Gericht, sondern die Vergebung, nicht die Verdammnis, sondern das Heil ist uns erschienen. O was kann seliger, freudenvoller, friedensreicher und anbetungswürdiger sein, als diese Botschaft! Nun kann uns unsere Sünde nicht mehr vor Gott verklagen, unsere Schuld uns nicht mehr drücken und der Tod uns nicht mehr schrecken, denn die Gnade ist da, die uns gerecht und selig machen will, erscheint, lebt und wandelt unter uns, und wir haben sie, wenn wir JEsum Christum haben, denn Er kündigt uns nicht nur die Gnade an, Er predigt nicht nur davon, sondern Er selbst ist das Heil. Er hat an Seinem eigenen Leibe unsere Sünden getragen und mit Seinem eigenen Blute den Sold unserer Sünden bezahlt. Er hat durch Seinen Tod unsern Tod zunichte gemacht und durch Seine Auferstehung Unschuld und unvergängliches Leben an das Licht gebracht und ist also allen, die an Ihn glauben, eine Ursache zur ewigen Seligkeit geworden. Haben wir Ihn, sind wir eins mit Ihm, leben und sterben wir Ihm, so ist nun nichts Verdammliches mehr an uns, und wie Er der liebe Sohn ist, an welchem der Vater Wohlgefallen hat, so sind auch wir wieder angenehm gemacht in dem Geliebten. O du fröhliche, o du selige, gnadenbringende Weihnachtszeit! Welt war verloren, Christ ist geboren; freue dich, freue dich, Christenheit! HErr JEsu, rühre und bewege unsere Herzen, dass wir uns Deiner mit großer Freude freuen mögen. Weil Du unser Fleisch und Blut an Dich genommen und uns mit Deiner Leutseligkeit zu Deinem Eigentum gewinnen willst ungeachtet unserer großen und vielen Sünden, so nehmen wir diese Gnade auf den Knien an und sprechen: Mache uns rein von unseren Sünden und erfülle unsere Seele mit den Kräften Deiner Liebe und Wahrheit und mache uns Deines Lobes voll! Amen. (Hermann Haccius) ---- **Es ist erschienen die heilsame Gnade Gottes allen Menschen.**\\ Gleichwie JEsus allen Menschen angehört, weil Er ein Fleisch und Blut mit ihnen ist, so gehört auch die heilsame Gnade, die in Ihm erschienen ist, allen Menschen an, und Petrus und Paulus haben keine andere Gnade, als der ärmste Sünder, der um Gnade fleht. Kind und Greis, Mann und Weib, Herr und Knecht, Sünder und Gerechte, - es ist für alle dieselbe Gnade, die ihnen erschienen ist, und ist keiner davon ausgeschlossen. O schließe doch auch keiner sich selber aus, dadurch dass er die Augen zutut vor dem gottseligen Geheimnis, das in diesen Tagen kündlich groß geworden ist, und welches mit der Verkündigung des Wortes immer von neuem erscheint. Denn der HErr hat Sich mit Seiner Gnade an das Wort gebunden, darin zu erscheinen und zu allen zu kommen, die es hören und glauben. Und wessen Herz je erwärmt ist von den Strahlen der Gnadensonne, wer in der Kraft der erschienenen Gnade je mit kindlichem Glauben gesprochen hat: „Ich bin erlöst, erworben und gewonnen von allen Sünden, vom Tode und von der Gewalt des Teufels, dass ich Sein eigen sei,“ der lasse heute diese Erfahrung neu werden und erwecke seinen Glauben, dass er die erschienene Gnade umso kräftiger und gewisser erfasse und hinweggehe von dem Angesichte des HErrn mit der Erfahrung, dass er Ihn gesehen hat und seine Seele genesen ist. HErr, wie groß ist Dein Erbarmen, dass Du alle Deine Herrlichkeit verlassen und in unsere Niedrigkeit gekommen bist! Keinen hast Du ausgeschlossen, und so groß auch unsere Sünde ist, wir dürfen doch kommen und uns Deiner freuen. Nun wissen wir ja gewiss, wo die Gnade zu finden ist, nun haben wir sie, wenn wir Dich haben, und nichts scheidet uns von Dir. Habe Dank für Deine große Liebe und hilf uns, dass wir mit allen den Deinen Dich nimmer vergessen und Dich lieber haben als alle Kreaturen, bis wir einst ganz bei Dir sind und Dich lieben und Dir dienen können in Ewigkeit! Amen. (Hermann Haccius) ---- **Es ist erschienen die heilsame Gnade Gottes allen Menschen und züchtigt uns, dass wir sollen verleugnen das ungöttliche Wesen und die weltlichen Lüste.**\\ Wer ohne Christum ist, der ist auch ohne Gott in der Welt, denn es gibt keinen andern Gott, als den Vater unsers HErrn JEsu Christi, und niemand kennt den Vater, denn nur der Sohn und, wem es der Sohn will offenbaren. Ungöttlich nennt deshalb der Apostel das Wesen des natürlichen Menschen, und wenn er dann weiter die weltlichen Lüste damit zusammenstellt, so sehen wir, wohin das ungöttliche Wesen führt und worin es sich offenbart. Etwas muss das Herz haben, woran es sich hängt und worin es sein Genüge sucht, und ist es nicht Gott, so ist es die Welt. Es sind die Güter, die Genüsse und die Ehren der Welt, in denen das Herz seine Lust sucht, sei es in einem oder in allen, sei es in grober oder in feiner Weise. Wo aber die Gnade einkehrt, da muss das Alte vergehen und alles neu werden, und die Gnade ist es selbst, die eine solche Veränderung wirkt. Der Apostel nennt das ein Züchtigen, denn die Gnade ist ein mächtiger Trieb und eine innerliche Nötigung, der wir umso weniger widerstehen können, je voller und reicher die heilsame Gnade von uns erkannt und erfahren wird. So lasst uns denn verleugnen das ungöttliche Wesen und die weltlichen Lüste, das heißt: sie nicht kennen und nicht kennen wollen, wie man einen lästigen, widerwärtigen Menschen nicht kennt; das heißt: entsagen und absagen, wie man einen verächtlichen Gast von sich weiset; das heißt: meiden und fliehen, wie man das Feuer meidet, wie man ein reißendes Tier flieht und ein tödliches Gift nicht trinkt. O gesegnete Weihnachten, wenn wir dazu tüchtig und immer tüchtiger gemacht sind! HErr JEsu, Du anbetungswürdiger Heiland, wie könnten wir Dich kennen und doch die Welt noch lieb haben! Lass die gnadenreiche Weihnachtszeit an uns nicht vergeblich sein, dass Deine Gnade auch uns züchtige und treibe, zu verleugnen alles ungöttliche Wesen und die weltlichen Lüste und Dir, nur Dir, zu leben. Wir wollen es ja auch, wenn nur das schwache Fleisch uns nicht stets so hinderlich wäre. Darum musst Du uns helfen, das Fleisch zu überwinden und in Zucht, Gerechtigkeit und Gottseligkeit vor Dir zu leben alle Tage. Das hilf uns, lieber HErr, nach Deiner großen Barmherzigkeit! Amen. (Hermann Haccius) ---- **Es ist erschienen die heilsame Gnade Gottes allen Menschen und züchtigt uns, dass wir.... züchtig, gerecht und gottselig leben in dieser Welt.**\\ So lange die weltlichen Lüste den Menschen beherrschen, ist an keine Zucht zu denken, denn es ist keine Macht da, die sie regiert, und der Prophet Jesaias vergleicht ein solches Herz einem ungestümen Meere, das nicht stille wird, sondern Kot und Unflat auswirft. Sobald aber die heilsame Gnade eine Macht in uns geworden ist, gewinnt das Leben eine andere Gestalt. Aller Eigenwille, aller Eigendünkel, alle Eigenliebe wird gebrochen, das eitle Dichten des Herzens und die Reizungen der Lust werden unter die Zucht des Geistes gestellt, und auch dem, was erlaubt ist im Erwerben, Besitzen und Genießen, wird das rechte Maß angelegt. Wohl uns, wenn wir uns gezüchtigt fühlen, dass wir unsern Mangel erkennen! Denn die Gnade erfüllt uns mit Zuversicht der göttlichen Hilfe und macht uns willig und mutig, in der Heiligung fortzufahren und darin nicht müde zu werden. Dazu kommt als zweite Frucht der Zucht der Gnade, dass wir unserm Nächsten gerecht werden in allem, was wir ihm schuldig sind, Barmherzigkeit den Armen, Mitleiden den Leidenden, Mitfreude den Glücklichen, Geduld den Schwachen, Verzeihen den Beleidigern und jedem die Liebe erweisen, die alles verträgt und glaubt und hofft und duldet. Und endlich wirkt die Gnade ein gottseliges Leben, dass wir alles Glück, alle Freude, allen Frieden in dem HErrn finden und haben, dass unser Gewissen in Ihm gebunden, unser Wille in Seine Furcht gefasst, unser Herz von Seiner Liebe entzündet und unser ganzer Wandel in Seinen Dienst gestellt ist. Wer darin sich finden lässt, der hat die Gnade nicht vergeblich empfangen. Lieber HErr JEsu, es ist unseres Herzens aufrichtiges und sehnliches Verlangen, dass wir Dir zu Ehren und allem Gefallen leben und wandeln möchten unser Lebelang. Wir wollen auch nicht mutlos werden, wenn uns das noch immer nicht gelingt, denn wir kennen ja Dein Herz, das Mitleid hat mit unserer Schwachheit, und Deine Bereitwilligkeit, denen zu helfen, die versucht werden. Bleibe nur bei uns mit Deiner Gnade und, wenn wir heute aufs neue Dir Treue geloben, so verleihe uns Hilfe und Stärke, dass wir es auch halten und alle Tage besser halten. Amen. (Hermann Haccius) ---- **Es ist erschienen die heilsame Gnade Gottes allen Menschen und züchtigt uns, dass wir ... warten auf die selige Hoffnung und Erscheinung der Herrlichkeit des großen Gottes und unsers Heilandes JEsu Christi.**\\ Wo der Mensch sich ernst und aufrichtig unter die Zucht der Gnade gestellt hat, wo er ihre mächtig machende Kraft erfahren und ihren Trost und süßen Frieden geschmeckt hat, da wird er auch mit freudiger Zuversicht hineinschauen in den Himmel und in die wunderbare Herrlichkeit der zukünftigen Welt, die sich in der Weihnacht über den Menschen aufgetan und ihnen von ferne gezeigt hat, worauf sie warten sollen. Denn wenn wir freilich auch jetzt schon die Herrlichkeit des HErrn im Glauben sehen, so haben wir sie doch nur als etwas Fernes, Zukünftiges und als einen verlierbaren Besitz, um den wir täglich ringen und kämpfen müssen. Dann aber, wenn die Herrlichkeit des HErrn erscheinen wird, wenn Er sichtbar wiederkommt in Seiner Herrlichkeit, dann soll aller Kampf in Sieg, alles Klagen in Jauchzen, aller Tod in Leben verwandelt werden, und wir werden bei dem HErrn sein allezeit. Wohl ist das eine selige Hoffnung, denn sie lässt in alles Erdendunkel hinein das Morgenrot der Ewigkeit scheinen, und auf diese Hoffnung zu warten, das lässt uns fröhlich wandern, so beschwerlich der Weg auch sein mag. Es ist ja nur noch über ein Kleines, so wird erscheinen, was wir sein werden, denn wir werden Ihn sehen, wie Er ist. Ja, HErr, was wir hier sehen im Glauben, das sollen wir einst schauen von Angesicht zu Angesicht. O der großen, unaussprechlichen Freude, die kein Mensch ausdenken kann! Was wird es sein, wenn wir Dich sehen, wie Du bist! Zu dieser lebendigen Hoffnung hast Du uns wiedergeboren, und sie macht auch den schwersten Weg uns leicht; da wird alle Last in Lust und alle Klage in Jauchzen verwandelt. Erhalte uns in dieser Hoffnung und hilf uns, dass wir sie nie aus den Augen und aus dem Herzen verlieren, so wird es uns gelingen, einen guten Kampf zu kämpfen und Glauben zu halten, dass Du uns beilegen könnest die Krone der Gerechtigkeit. Amen. (Hermann Haccius) ---- **Es ist erschienen die heilsame Gnade Gottes allen Menschen, und züchtigt uns, dass wir sollen verleugnen das ungöttliche Wesen und die weltlichen Lüste, und züchtig, gerecht und gottselig leben in dieser Welt.**\\ Das heilige Weihnachtsfest ist vorüber, die Lichte des Christbaumes sind herabgebrannt, und das tägliche Leben mit seiner Mühe und Plage geht wieder seinen alten Gang. Aber nicht ganz seinen alten Gang soll es gehen. Wir sollen etwas Bleibendes mitnehmen von dem fröhlichen Feste, nämlich die Gewissheit, dass in Christo die Gnade Gottes auch uns erschienen ist. Wollen wir aber diese Gewissheit mithineinnehmen in die Mühe und Plage des Lebens: so müssen wir uns züchtigen lassen von der Gnade Gottes. Die Gnade Gottes, welche in Christo erschienen ist, züchtigt oder erzieht uns. Wunderbares Wort! Wir sollten meinen, dass Gott uns vielmehr erzöge durch seine strafende Hand, nicht aber durch seine Gnade. Aber wenn Gott uns gestraft hätte um unsere Sünde mit harter Hand, wie wir es wohl verdienten, so könnte unser Herz wohl hart und unbewegt bleiben und bitter werden. Nun aber hat er, anstatt uns zu strafen, seine Gnade über uns reich gemacht in der Erscheinung seines geliebten Sohnes. Da muss das härteste Herz weich werden; unsere Sünde und unsere Schuld muss uns schwer auf die Seele fallen. Die Gnade Gottes erzieht uns, dass wir das ungöttliche Wesen und die weltlichen Lüste verleugnen. Wie Petrus den Herrn verleugnete, und sprach: Ich kenne ihn nicht: so sollen wir die weltlichen Lüste und das gottlose Wesen verleugnen, und wo es an uns herantritt, sprechen: Ich kenne das nicht, ich will damit nichts zu tun haben. „Und züchtig, gerecht und gottselig leben in dieser Welt.“ Züchtig, gerecht und gottselig, in diesen drei Worten ist das ganze Ziel der christlichen Heiligung zum kurzen Ausdruck gebracht. Denn züchtig sollen wir sein gegen uns selbst, dass wir nicht bloß uns selbst wohl in Zucht halten, sondern es lernen, einer weisen Mäßigung uns zu befleißigen in allen Dingen, in jedem Begehren und Genießen, Reden und Tun. Gerecht aber sollen wir sein gegen den Nächsten. „Was ihr wollt, dass euch die Leute tun sollen, das tut ihr ihnen“, das ist das Maß der christlichen Gerechtigkeit. Und gottselig endlich im Verhalten zu Gott, dass wir sprechen lernen: „Herr, wenn ich nur dich habe, so frage ich nichts nach Himmel und Erde, und wenn mir gleich Leib und Seele verschmachtet, so bist du doch, Gott, allezeit meines Herzens Trost und mein Teil“ (Ps. 73, 25-26). Wer so von Herzen sprechen kann, der ist selig in Gott. Lasst uns beten: Herr Jesu, Du Freund der Sünder, der Du gekommen bist, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist, wir preisen Deine unendliche Liebe, die Dich zu uns getrieben hat, dass Du unser Fleisch und Blut angenommen hast, um uns aus dem Verderben zu führen. Lass doch Deine Gnade an uns nicht vergeblich sein. Hilf, dass wir durch Deine Barmherzigkeit allem dem absagen, was nicht aus Dir, und was Dir zuwider ist, und würdig wandeln unsers himmlischen Berufs. Du bist ja gekommen als das wahrhaftige Licht, das alle Menschen erleuchtet. O, so durchleuchte uns auch mit Deinem hellen Gnadenschein, und brich in unsern Seelen die Macht der Finsternis. Und weil Du allen Menschen erschienen bist nach dem Reichtum Deiner Gnade, so lass auch auf die Armen und Elenden und auf die, welche Dich noch nicht kennen, etwas herabfließen von dem Segen Deiner gnadenreichen Geburt. Du hast uns alle teuer erkauft, so nimm uns als Dein Eigentum hin, und segne uns, Dein Erbe. Amen. (Alfred Meyer) ---- **Es ist erschienen die heilsame Gnade Gottes allen Menschen und züchtigt uns, dass wir sollen verleugnen das ungöttliche Wesen und die weltlichen Lüste und züchtig, gerecht und gottselig leben in dieser Welt.**\\ Wie unser Gott am Morgen nach der dunkeln Nacht die natürliche Sonne über alle Menschen, Gute und Böse, aufgehen lässt, so ist die heilsame, die rettende Gnade Gottes in Christo unserm Heilande allen Menschen erschienen und hat der Nacht des heidnischen, unseligen Wesens ein Ende gemacht. „Allen Menschen“, heißt es, denn Gott will, dass allen Menschen geholfen werde. Dir und mir ist Gottes Gnade ganz und voll zugedacht. Dass wir ihr nur stille hielten, wie die Blumen der Sonne stille halten und ihre Strahlen wirken lassen! Wunderbar ist wohl die Erscheinung der Gottesgnade, aber sie wirkt nicht wunderbar, d. h. sie will nicht mit einem Schlage andere Leute aus uns machen, sie züchtigt uns vielmehr: sie unterwirft uns einer Erziehung. Wie unser Gott die ganze Welt erzieht, so will er auch dich und mich in seine Zucht und Schule nehmen, freilich dürfen wir ihm dabei nicht als ungezogene und widerspenstige Kinder aus der Schule laufen. Der Zweck seiner Erziehung aber ist ein zweifacher: das Böse soll ausgerottet und dafür das Gute eingepflanzt werden und zum Leben kommen. Das Böse ist das ungöttliche Wesen und die weltlichen Lüste, die Sünde in ihrer mannigfachsten Art, von der feinsten und heimlichsten bis zur gröbsten und offenbarsten. Sie soll von uns verleugnet werden. So hat es also Gottes Erziehung zu allermeist auf unseren Willen abgesehen. Die Predigt von der Gnade Gottes darf uns nimmer sicher und träge machen. Nein, wo Gottes Gnade im Glauben erkannt und angenommen wird, da ist sie nicht tot und müßig, sondern lebendig und kräftig. Sie tötet den alten Menschen und weckt den neuen auf, sie stößt das ungöttliche Wesen und die weltlichen Lüste hinaus und bringt ins Herz Mäßigkeit, Gerechtigkeit, Gottseligkeit, sie lehrt uns „züchtig, gerecht und gottselig leben in dieser Welt“. Züchtig, das geht auf uns selbst, dass wir den inneren und äußeren Menschen in Zucht und Schranken halten, gerecht, das ordnet unser Verhalten gegen den Nächsten und gottselig, das erinnert uns an die rechte Herzensstellung zu unserem Gott. So sollen und so können wir durch diese erziehende Gottesgnade in dieser Welt, in dieser argen Welt leben. (unbekannt) ---- **Denn es ist erschienen die heilsame Gnade Gottes allen Menschen. Und züchtigt uns, dass wir sollen verleugnen das ungöttliche Wesen, und die weltlichen Lüste, und züchtig, gerecht und gottselig leben in dieser Welt.**\\ Es ist dir offenbart worden: „Gott ist die Liebe,“ Gott ist dein Erlöser, dein Heiland geworden; er hat dich zuerst geliebt, er hat dir das, was verloren war von Adam an, das ewige Leben, zurück erkauft mit seinem Blute; er gab sich selbst dahin für dich; das tat die Liebe deines Gottes; doch bedenke auch, o Christ, dass du an dem, was er für dich erworben hat, erst Teil gewinnst, wenn du ihn wieder liebst; das Lösegeld ist erlegt, nun gilt's, es anzunehmen. „Was nutzt ein Schatz, der ungenossen ruht; was hilft dem Weltgesinnten Christi Blut?“ O bedenke, was kann dir die ganze unendliche Barmherzigkeit deines Gottes helfen, wenn du kein Verständnis hast, aus Gottes Wort sie anzunehmen; wenn du in der Finsternis irrst, und hast sie nicht begriffen; „Darum ist erschienen die heilsame Gnade Gottes allen Menschen.“ Die Gnade Gottes hat uns alles gegeben, das Leben, des Lebens Unterhalt, die Erlösung von der Sünde Tod, aber die heilsame Gnade Gottes ist es, die uns dieser Erlösung will teilhaftig werden lassen. Diese heilsame Gnade züchtigt den alten Menschen durch den Heiligen Geist, welcher ausgegossen wird von Jesu Christo, unserm Herrn, über alle Menschen, auch über die ärmsten, verlassensten Sünder. Durch die Gnade Gottes allein können wir die Liebe Gottes erkennen und erwidern; durch die Gnade allein kommen wir zum wahren Glauben; durch die Gnade allein werden wir gerecht durch das Verdienst unsers Herrn Jesu, und Erben des ewigen Lebens, das uns erkauft ist durch seine Liebe. Darum Seele, wenn du von irdischen Widerwärtigkeiten und Trübsalen geplagt und geängstigt wirst, zage nicht und murre nicht; es sind dies die Gnadenbezeugungen deines Gottes; seine Vatertreue ist es, mit der er dich vom Abgrunde zurückziehen will; es züchtigt dich seine heilsame Gnade, dass du verleugnen sollst das ungöttliche Wesen, und die weltlichen Lüste. Was betrübst du dich, meine Seele, und bist so unruhig in mir? Harre auf Gott; denn ich werde ihm noch danken, dass er meines Angesichts Hilfe und mein Gott ist.“ Ja, liebe Seele, du wirst ihm noch danken; nicht so viel für die guten Tage deines Lebens, wo er dir auch seine Gnade geschenkt hat, als für die Tage der Trauer und des tiefen Leids, wo seine heilsame Gnade dein Herz reinigen will, im Bad der Wiedergeburt und Erneuerung des Heiligen Geistes zu einem gerechten und gottseligen Leben in dieser Welt. So gewöhne dich nun daran, in allen Schickungen des Lebens deines Gottes Gnade zu erkennen; in trüben Tagen ist es seine Gnade, die dich erinnert, dass ein Gott da oben lebt. Seine Gnade ist es aber auch, die öfter deine Treue erproben will und dir Prüfungen sendet, um darin auszuharren. Kann auch eine Tugend erkannt werden, die keine Probe bestanden? Gnade ist es, dass dein Gott dich selbst zulegt aus allen Drangsalen hinausführt; und wiederum Gnade ist es, dass er dich die Heilswege wird erkennen lassen, auf welchen er dich geführt hat; und Gottes größte Gnade ist es, die dich lehrt, sein Wort annehmen und seine Liebe bewahren in deinem Herzen. Sei getreu, so will ich dir die Krone des ewigen Lebens geben, spricht dein Herr. mein Gott, so halte mich an deiner Gnade, wie an einem Bande, dass ich nicht los werden kann von ihr; so lehre mich einsehen, dass ich von mir selbst zum ewigen Heile nicht gelangen kann, sondern alles nur aus deiner Gnade; aus welcher wir haben die Erlösung durch Christi Blut, nämlich die Vergebung der Sünden. Lieber, barmherziger Vater, gibt nun, dass ich mich deiner unermesslichen Gnade nie unwürdig zeige; gibt, dass ich meine Freude nur in dir, nur in Erlangung höchster Güter suche. Lass mich von notwendigen, zeitlichen Gütern nur so viel haben, als zur Erlangung der ewigen dienlich sei; lass mich standhaft jede Entbehrung ertragen; unterwirf all mein Denken und Tun der göttlichen Prüfung deiner ewigen Weisheit; lass mich in allen deinen Gaben dich preisen, der alles aus reinster Liebe spendet. Du bist mein Gott; mein Leben ruht in deiner Hand. Ach, werde nicht müde, mit deiner Gnade mich zu rufen und zu ziehen bis ich bereit bin, den Versuchungen der Welt zu entfliehen und dir in Liebe und Gehorsam überall, sollte es auch durch dornige Wege gehen, getreulich nachzufolgen. Führe mich, o heiliger Gott des Lebens, aus Gnaden den Weg zum ewigen Leben! Jesus Christus, mein Heil, du bist der Weg und die Wahrheit, du bist die Gnadentür zum Vater; du bist der Mittler, der Fürsprecher aller Sünder; in dir ruht alle Gnade, aus dir wirkt alle Gnade, zu dir zurück führt alle Gnade. „Lass ganz mich in der Gnade ruh'n, wie du willst Herr, so will ich tun.“ Ich will festhalten an dem Worte deiner unendlichen Liebe: lass dir an meiner Gnade genügen.“ Erwäge nun: lässt du dir daran genügen? findest du Trost in jedem Wechsel des Lebens darin? oder bist du noch leer von dem Gefühl der Gnade deines Gottes, zweifelst du noch an seinem ewigen Erbarmen, an seiner Liebe zu dir? Du kannst getrost sein; wenn du den Mangel fühlst, die Leere in dir; wenn dich hungert und dürftet nach der Gerechtigkeit deines Gottes: dann fürchte nicht, dann sollst du satt werden. Wenn du dich für zu gering, zu elend hältst, um den Herrn aufzunehmen in deinem Herzen, dann kannst du getrost sein; die zerschlagenen und demütigen Herzen finden viel Gnade bei Gott; für die Unwürdigen und Sünder ist die Gnade ja erschienen. Um den Unwerten wert, den Ungerechten gerecht, den verlorenen Sünder zu einem Gotteskinde zu machen: darum eben ist ja die Gnade Gottes in Christo Jesu den Menschen erschienen; sonst würde die Gnade nicht mehr Gnade sein, wenn sie nur den Gerechten heiligen wollte; und es ist Niemand gerecht durch sich und seine Werke, sondern allein durch seines Heilandes Verdienst aus Gnaden. Vertraue nur, lass dir an der Gnade deines Gottes genügen! Eher wirst du keinen Frieden, keine Freudigkeit des Gemütes, keinen Trost für das ruhebedürftige Herz finden, als bis du dich ganz in Gottes freie Gnade versenkst. Gnade ist Alles! auch, wenn du Gott nicht anders finden kannst als durch schweres, mühsames Suchen. Gnade ist es, dass wir das Bedürfnis fühlen, Ihn zu suchen; dass Gott diese tiefe Sehnsucht in unsre Seele gelegt hat, dass uns selbst die schönsten Güter der Erde nicht Genüge tun mögen, ohne Ihn; Gnade ist es, dass sich Gott doch endlich finden lässt, und sich unsern schwachen Augen mit unendlicher Güte enthüllt, dass die suchende Seele seine gekreuzigten Füße umschlingen muss und ausrufen: „Hier ist gut sein!“ - Auf Gnade leben, auf Gnade sterben; in Zeit und Ewigkeit von Gnade erben.“ Himmel und Erde werden eher vergehen, als dass Gott einen Menschen, der ihn um Gnade anfleht, zu Grunde gehen ließe; „darum lasst uns hinzutreten mit Freudigkeit zu dem Gnadenstuhl,“ der von Gott uns vorgestellt in Christo Jesu, auf dass wir Barmherzigkeit' empfangen und Gnade finden, auf die Zeit, wenn uns Hilfe not sein wird;“ - denn wo „die Sünde mächtig geworden ist, da ist die Gnade viel mächtiger geworden; auf dass, gleichwie die Sünde geherrscht hat zu dem Tode, also auch herrsche die Gnade durch die Gerechtigkeit zum ewigen Leben, durch Jesum Christum, unsern Herrn.“ Der Herr wolle uns Alle diesen Grund der Gnade, der ewiglich bleibt, finden lassen! Wenn es dir nun durch die Gnade deines Gottes vergönnt ist, deinen Herrn Jesum Christum, das lebendige Wort und die geoffenbarte Liebe Gottes aufzunehmen in seinem Eigentum, deinem Herzen, so wie er aufgenommen sein will, so rufe auch freudig mit dem Psalmisten: „Lobe den Herrn, meine Seele, und was in mir ist, seinen heiligen Namen! Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat! Ich aber, Herr, hoffe auf dich und spreche: Du bist mein Gott!“ (Angelika von Michalowska) =====Predigten===== {{tag>Clemen_Adolf_Andachten Keller_Samuel_Andachten Stöcker_Adolf_Andachten Roos_Magnus_Andachten Fries_N_Andachten Hunzinger_Wilhelm_Andachten Haccius_Hermann_Andachten Meyer_Alfred_Andachten Michalowska_Angelika_Andachten}}