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Römer 6,13

Römer 6,13

Andachten

Begebet nicht der Sünde eure Glieder zu Waffen der Ungerechtigkeit; sondern begebet euch selbst Gott, als die aus den Toten lebendig sind, und eure Glieder Gott zu Waffen der Gerechtigkeit.“ („Ergebet nicht…; sondern ergebet euch selbst. . .“)

Unsre Glieder sollen wir nicht der Sünde begeben, sondern Gott. Sünde und Gott werden also einander gegenübergestellt; denn die Sünde ist wider Gott und Gottes Ordnung. Der Sünde liegt daher Ungerechtigkeit zugrunde. Bei ihr achtet der Mensch nur auf sich selber und bezeigt sich völlig rücksichtslos gegen Gott und Menschen. Er tut, was ihm beliebt und behagt - mögen auch Gott und die Mitwelt dazu sagen, was sie wollen! Darum heißt's (1. Joh. 3, 4): „Wer Sünde tut, der tut auch Unrecht; und die Sünde ist das Unrecht.“ Wie aber die Ungerechtigkeit wider Gott ist, so ist die Gerechtigkeit alles, was mit Gott und Seinen Ordnungen im Einklang steht.

Die Sünde aber wird mit den Gliedern des Menschen vollbracht. Mund, Augen, Ohren, Hände, Füße usw. vollbringen sie. Diese Glieder dienen also der Ungerechtigkeit zu Werkzeugen; und auf diese Weise sind der Ungerechtigkeit von Gott selbst - der die Glieder geschaffen hat - die Waffen in die Hände gegeben. Sie vermöchte nichts, wenn der Mensch keine Glieder hätte, keine leibliche und geistige Ausstattung. Darum beraubt auch Gott manche Menschen der einen und der andern Waffe, wenn er sie blind oder stumm oder taub oder lahm macht oder sonst am Fleisch leiden lässt, damit sie aufhören zu sündigen, wie Petrus sagt 1. (1. Petr. 4,1). Ebenso beruht hierauf die Gleichnisrede des HErrn: „Wenn dich deine Hand oder dein Fuß oder dein Auge ärgert, so nimm's von dir“ - damit du nicht durch deine eigenen Glieder, die du wider Gott brauchst, ein Kind der Verdammnis werdest! Die Rede will sagen: „Nimm den Gliedern die Gewalt über dich, so dass es ist, als ob du sie abgehauen hättest, gar nicht mehr besäßest“ (Mat. 5,29 p.).

Von gläubigen Christen nun heißt es: „Ihr seid teuer erkauft; darum preiset Gott an eurem Leibe und in eurem Geist, welche sind Gottes“ (1. Kor. 6,20). So sollen denn alle Glieder im Dienste Gottes stehen.

Wie aber: wenn dennoch die Glieder und was der Mensch ist und hat, noch zur Sünde missbraucht werden, wenn der Mensch sich doch nicht dem Dienste Gottes zur Gerechtigkeit hingibt? Ach, wie not tut die Ermahnung des Paulus! Ist es doch einst bald wieder Sitte geworden in der Christenheit, nach wie vor ungescheut die Glieder der Sünde zu begeben! Und bis auf den heutigen Tag kostet es viele, auch bessere Christen nicht viel, mit den Gliedern des Leibes und mit ihrer sonstigen Begabung Dinge zu vollbringen, die durchaus wider Gott sind; es ist, als ob sie noch mit ihren Gliedern als Waffen der Ungerechtigkeit wider Gott zu Felde lägen! Soll es denn möglich sein, sich oft bis in den Tod hinein mit seinem ganzen Wesen mehr oder weniger rebellisch gegen Gott zu verhalten: mit der Hand etwa, die Gott gegeben hat, Gott gleichsam ins Angesicht zu schlagen - und doch auf Christus hoffen zu wollen? „Was hattet ihr zu der Zeit für Frucht?“, sagt Paulus im Weiteren, „deren ihr euch jetzt schämet; denn das Ende derselben ist der Tod“.

Zusatz zu Römer 6,13 Die Waffen der Sünde

Von Natur aus sind alle Menschen so, dass sie durch Sünde alles, was ihnen gegeben ist, zu Waffen wider Gott verwandeln, weil sie im Dienst der Ungerechtigkeit, der Selbstsucht stehen. Nicht nur Glieder des Leibes missbraucht der Mensch zur Sünde im Dienst der Ungerechtigkeit, sondern auch seinen Verstand, seine Geschicklichkeit, seine geistige Fähigkeit, alles, was er hat und übt; ja selbst seine höheren Anlagen, Gaben und Kräfte, seinen Geistesadel, weiß er im Dienst der Ungerechtigkeit oder Selbstsucht zur Sünde zu verwenden. Deswegen fürchtet der HErr die“ Weisen und Klugen“, wenn sie sich bewogen fühlen sollten, Ihm anzuhangen (Mat. 11,25). Man weiß auch, dass Leute, die in guten und christlichen Bildungsanstalten erzogen sind, dann, wenn sie nicht einschlagen, viel verschmitztere Bösewichter und viel abgefeimtere Gegner Christi werden können als solche, die wenig gelernt haben und deren Geist minder ausgebildet worden ist. Ja, die höhere Bildung, die das Evangelium überhaupt den Menschen gibt, wird nur gar zu häufig viel mehr in den Dienst der Welt hinein verwertet als in den Dienst Gottes und führt sonst auch oft zum reinsten Unglauben und zur Leugnung aller Offenbarungen. Denn man hat an der sogenannten „ Aufklärung“ - die man doch wieder allein dem Christentum zu verdanken hat - genug. So bilden sich sogar selbst aus der höchsten Gabe, die Gott gegeben hat, Waffen wider Gott. Und so kann z. B. auch die protestantische Welt ihre höhere Aufklärung wider Gott missbrauchen.

Wie mögen wir uns also verwundern, dass der Zorn Gottes auf dem Menschengeschlecht ruht! Wir begreifen auch, wie Paulus in erregtem Eifer sagen konnte (Phil. 3,7-9): „Was mir Gewinn war, das habe ich um Christi willen für Schaden geachtet. Denn ich achte alles für Schaden gegen die überschwängliche Erkenntnis Christi Jesu, meines HErrn, um welches willen im habe alles für Schaden gerechnet und achte es für Kot, auf dass ich Christus gewinne.“ Denn auch ihm war alles, dessen er sich in seiner früheren Frömmigkeit rühmte, zu Waffen wider Christus geworden.

Wer aber zum Glauben an Christus mit dem Herzen gekommen ist, gilt als einer, der, wie unser Spruch sagt, von den Toten lebendig ist. Er ist aus dem Dienst der Ungerechtigkeit, der zum Tode führte, herausgetreten in den Dienst der Gerechtigkeit oder Gottes, der zum Leben führt. Nun sollten sich aber die Glieder offenbar nicht mehr der Sünde begeben - als wären sie immer noch Waffen in der Hand der Ungerechtigkeit -, sondern zum „Opfer, das da lebendig, heilig und Gott wohlgefällig ist“ (Röm. 12,1). (Christoph Blumhardt)


Es begreift aber dieses „unter dem Gesetz sein“ dreierlei in sich.

1. schuldig sein, das ganze Gesetz vollkömmlich zu halten und daraus seine Seligkeit herauszuholen, wo es aber nicht geschehe, verdammt zu werden,

2. unter des Gesetzes Fluch liegen wegen der Sünden, die von Natur an dem Menschen sind und von demselben nicht genug vermieden werden können,

3. von dem Gesetz mit Gewalt und Drohen zu dem Guten wider seinen Willen angetrieben zu werden.

In diesen Stand sind wir alle durch die Sünde gekommen, und hat also das Gesetz samt seinem Fluch und Strafe Macht über den Menschen erlangt. Da heißt es nun von den Gläubigen, die seien nicht mehr unter dem Gesetz. Es hat seine Gewalt über sie verloren - nicht zwar als wenn der Mensch nicht mehr danach leben sollte, denn es bleibt die unveränderliche Regel, sondern dass es nicht mehr dasjenige sein solle, daraus die Menschen selig werden müssen, als welches nunmehr die Gnade des Evangelii ist.

Sollte uns nun geholfen werden, so musste uns Christus helfen, der hat uns denn nun die Freiheit von dem Gesetz erworben, Gal. 4, 4.5; 3, 13.

Dessen nun, was uns der liebste Heiland verdient, werden wir in der Wiedergeburt teilhaftig, Gal. 4, 7; 1. Petr. 1, 3.4; Tit. 3, 5-7.

Wollen wir aber, ob wir denn wahrhaftig auch von dem Gesetz frei seien, die rechte Probe haben, so werden wir's sonderlich an zwei Stücken finden:

1. Wo wir in nichts eigener oder fremder Werke des Gesetzes, sondern alles in der Gnade unsers Heilands Jesu Christi unser Heil suchen,

2. Wo wir mit freiem und freudigen Herzen dasjenige tun, was das Gesetz haben will …

Allein aus dem Glauben folgt die Liebe Gottes und seines Gesetzes, und also so vielmehr wir in dem Glauben zunehmen, so vielmehr werden wir auch dem Gesetz gleicher gesinnt werden, Gal. 5, 13; 1. Petr. 2, 16.

Weil aber auch gute Seelen aus dieser Materie sich eine Anfechtung machen, sie seien noch unter dem Gesetz, weil sie sich zu dem Guten noch so treiben müssen und es nicht aus freiem Herzen gehen wollte, wie sie verlangten, daraus sie in große Angst und Zweifel ihrer Seligkeit geraten, so ist diesen nun auch zu begegnen … Was aber solche gute Herzen anlangt, so ist zwar der Zwang, mit dem sie sich zum Guten nötigen müssen, ein Zeugnis ihrer Schwachheit und dass das Fleisch noch ziemliche Kräfte habe, daher dem Geist, der das Gute verlangt, sich also widersetzt, dass ihm gleichsam mit einer Gewalt widerstanden werden muss. Aber so lang ist's noch nicht ein Zeugnis, dass das Fleisch gar die Oberhand habe und der Mensch nun nicht unter dem Gesetz sei, als das Herz, wenn es, was es tun soll und will, überlegt, bei sich finden, es verlange mit Ernst solches Gute und tue ihm leid, dass es wider Willen so viel Widersetzlichkeit seines Fleisches noch bei sich leiden müsste. Solange dieses sich in Aufrichtigkeit noch weiset, so ist der Geist noch willig und der Mensch nach demselben unter der Gnade, obwohl das Fleisch, das unter das Gesetz gehört, noch schwach ist und ihm oft Gewalt angetan werden muss.

Gebet: Liebster Jesu, getreuster Heiland, gelobet seist du, dass du dich unter das Gesetz gegeben, damit du uns, die wir unter dem Gesetz waren, erlösest, auch uns zu solcher Freiheit berufen und wiedergeboren hast … Lehr uns, unsere Seligkeit nicht in dem Gesetz, sondern in deiner Gnade und Verdienst suchen, damit wir in Vergebung der Sünden auch alles Fluchs befreit werden! Gib uns aber sonderlich deinen heiligen Geist in solchem Maß, dass er in unsre Herzen das Gesetz mit lebendigen Buchstaben schreibe und uns demselben gleichgesinnt mache, damit alles unser Gutes von innen aus fließe und nicht erst von außen erzwungen werden müsse, bis wir dorten, soviel an einer Kreatur geschehen kann, dir, dessen Wille selbst das Gesetz gleich ist, und unser Wille mit dem deinigen vollkommen einer werde. O ewige Gnade, ewige Freiheit, ewige Seligkeit! Amen.(Philipp Jakob Spener)

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nt/45/roemer_6_13.txt · Zuletzt geändert: von aj
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