Offenbarung 3,2
Andachten
Sei wacker und stärke das Andere, das sterben will.
Der Christ, der in demütiger Liebe dem Herrn sein Leben hingeben will, der lässt sich auch gern die Bitte unsrer Epistel ans Herz legen: Seid nicht träge in dem, das ihr tun sollt; er trachtet danach, dass er wacker sei. Wer wacker ist, der wacht für den Herrn Jesum und ist nicht schläfrig und träge. Wie leicht kommt der geistliche Schlaf über uns! Und gerade dann wird man müde und schläfrig, wenn man zu lange für die Dinge dieser Welt gewacht hat, wenn man zu wacker gewesen ist im Dienste der Sünde. Uns leuchtet das Geld entgegen, uns lacht die Lust so freundlich zu, uns winkt so reizend die Ehre unter den Menschen, o, wie kann man wachen, um etwas an Geld und Gut zu erreichen, wie kann man wachen, um Stunden der Lust recht herzlich zu genießen, wie kann man wachen, um irdische Ehre zu erarbeiten ach, und so leicht wird dann der höchste Besitz und die liebste Lust und die größte Ehre vergessen, die bei Jesu allein zu finden. Man wacht sich müde, die Seele wird träge, der Heiland kommt, und unsre Augen sind voll Schlafs, schwer wie Blei sinken die Augenlieder herab. Darum ruft der treue Wächter Israels: Wach auf, du Stadt Jerusalem! Wach auf, du müdes Herz, sei nicht träge! Sei wacker und stärke das Andere, das sterben will. Der Jünger Jesu soll wachen, denn es gilt, manches Leben zu retten. Christenarbeit hat es mit Lebensrettung zu tun. Vor allem handelt es sich darum, dass man das eigene Leben rettet. Freilich, das kann unser Wachen allein nicht fertig bringen, das hat der Herr Jesus Christus getan, als er seine Seele für unser Leben eingesetzt hat. Aber unsre Arbeit ist es doch, dass wir mit Furcht und Zittern unsre Seligkeit schaffen und uns dem Erlöser hingeben; nur dann retten wir unser Leben. Darum: Rette dein Leben! Und dann weiter: Rette die Seele deines Bruders, wenn er sterben will; führe ihn zum Leben. Wenn du einen Menschen weißt, der sich von Jesu verlaufen hat und ins Verderben eilt, und du gehst hin, fasst ihn bei der Hand und führest ihn zurück zu seinem verlorenen Paradiese - das ist ein selig Werk; tue das, stärke das Andere, das sterben will!
Lasst uns beten: Treuer, barmherziger Heiland, Du hast uns durch das Dunkel dieser Nacht so sicher hindurch getragen und lässt uns wieder das Licht dieses Tages schauen. Dafür danken wir Dir herzlich und empfehlen uns mit Seele und Leib heute in Deine Hände. Behüte uns vor Sünd und Missetat. Bewahre Du uns, dass wir nicht einschlafen, wenn Dein Werk getrieben sein will. Wecke uns auf, wenn wir im bösen Dienste uns müde gewacht haben und die Augen schläfrig werden für Deinen Dienst. Gib uns ein wackeres Herz und frische Lust, dass wir unsre Seligkeit schaffen und unser Leben retten; hilf uns auch, dass wir stärken, was sterben will, und sorgen, dass mehr und mehr Menschenherzen für den Glanz Deiner ewigen Herrlichkeit gewonnen werden mögen. Amen. (Wilhelm Hunzinger)