Offenbarung 2,9
Andachten
Ich weiß deine Werke und deine Trübsal und deine Armut (du bist aber reich) und die Lästerung von denen, die da sagen, sie sind Juden und sinds nicht, sondern sind des Satans Schule.
Der Bischof von Smyrna sollte einen Gang durch diese Welt haben, gerade wie sein HErr: und Meister ihn auch gehabt hatte; Trübsal, Armut, Lästerung, Verfolgung, und endlich ein gewaltsamer, martervoller Tod sollten sein Los auf dieser Welt sein; er musste das Bittere des Kreuzreiches auf eine ausgezeichnete Art und Weise schmecken, und es scheint auch, er sei unter der Gestalt des Kreuzes, unter der Trübsal ausgeboren, geläutert, bewährt und vollbereitet worden zu der Aufnahme in das ewige Königreich Jesu Christi, wo ihm die Krone der Gerechtigkeit zuerkannt wurde, welche der HErr Allen verheißen hat, welche seine Erscheinung lieb haben. Wir dürfen uns unter dem Bischof keinen Mann denken, der mit einer guten Besoldung versehen, seines Bischofsamts nach Bequemlichkeit wartete und sich etwa. gute Tage machte, oder dessen Leben wenigstens in Ruhe dahinfloss, so dass man, wenn er über die Straße ging, mit Fingern auf ihn gedeutet und gedacht hätte: das ist der fromme, gelehrte, gottselige Mann, der berühmte Bischof der Christen, wobei dann jedermann eine innere Hochachtung vor dem heiligen Mann gehegt hätte; o nein! der Bischof ging dahin unter der Gestalt des Kreuzes, es ging ihm wie seinem HErrn, der geweissagt hatte: „der Knecht ist nicht größer denn sein HErr; haben sie den Hausvater Beelzebub geheißen, wie vielmehr werden sie seine Hausgenossen auch also heißen!“ Oder wie der Apostel Paulus von sich und seinen Streitgenossen sagt: „Ich halte dafür, Gott habe uns Apostel als die Allergeringsten dargestellt, als dem Tode übergeben. Denn wir sind ein Schauspiel geworden der Welt, den Engeln und den Menschen. Wir sind Narren um Christi willen, wir sind verachtet, wir sind schwach, wir leiden Hunger und Durst, und haben keine gewisse Stätte, und arbeiten und wirken mit unsern eigenen Händen; man schilt uns, so segnen wir, man verfolgt uns, so dulden wir es, man lästert uns, so flehen wir. Wir sind stets ein Fluch der Welt und ein Fegopfer aller Leute.“ So war das Los beschaffen, das auch den Bischof zu Smyrna traf. (Ludwig Hofacker)