Offenbarung 2,8
Andachten
Und dem Engel der Gemeinde in Smyrna schreibe: Das sagt der Erste und der Letzte, der tot war und ist lebendig geworden: Ich kenne deine Bedrängnis und deine Armut - du bist aber reich - und die Lästerung von denen, die sagen, sie seien Juden und sind's nicht, sondern sind die Synagoge des Satans. Fürchte dich nicht vor dem, was du leiden wirst! Siehe, der Teufel wird einige von euch ins Gefängnis werfen, damit ihr versucht werdet, und ihr werdet in Bedrängnis sein zehn Tage. Sei getreu bis an den Tod, so will ich dir die Krone des Lebens geben. Wer Ohren hat, der höre, was der Geist den Gemeinden sagt! Wer überwindet, dem soll kein Leid geschehen von dem zweiten Tode.
Off. 2, 8-11
Der große Erzhirte, Jesus, kennt seine Schafe alle mit Namen. Er wandelt unter ihnen und trägt sie auf dem Herzen. In jeder Lage weiß er das Rechte zur rechten Zeit zu tun. Wenn er zu ihnen redet, dann geschieht das so, dass jedes genau nach seinem Bedürfnis und dem Stand seines inneren Lebens angesprochen wird. Die Anrede in den Sendschreiben lässt schon auf den Inhalt derselben und auf den Stand der Empfänger schließen.
„So spricht der Erste und der Letzte, der tot war und wieder lebendig geworden ist: Ich kenne deine Trübsal und deine Armut - doch tatsächlich bist du reich.“ Welch ein Trost für die Bedrängten, die die not des Lebens bitter kosten und dabei auch noch die Verfolgungen aushalten mussten. Den Leidenden tritt Jesus als der Erste und der Letzte entgegen. Kein Leiden, keine Drangsal liegt außer dem Bereich seiner Macht, keine Not und kein Tod ist ihm unbekannt. Den Sterbenden begegnet er als der, der tot war und nun lebt. Alle Tiefen menschlicher Leiden hat er durchwatet, alle Folgen menschlicher Sünde getragen, aller Gerechtigkeit Genüge getan. Auch keine Schmähung derer, die sich mit Stolz „Juden“ nennen, in Wahrheit aber „eine Gemeinde des Satans“ geworden sind, ist ihm fremd. Er hat unter diesen Schmähungen gelitten, und weiß nun denen seinen Trost zu geben, die jetzt denselben ausgesetzt sind.
Wie ihm die Leiden und Drangsale der Vergangenheit bekannt sind, so kennt er auch die Nöte der Zukunft. „Siehe, der Teufel wird einige von euch ins Gefängnis werfen, damit ihr versucht werdet, und ihr werdet in Bedrängnis sein zehn Tage.“ Welch ein Trost für die Versuchten und Verfolgten, dass der Herr so genau um ihre Nöte weiß. Sie sind nicht blindem Zufall, besonders aber nicht dem grimmen Satan ziellos und schrankenlos in die Hände gegeben. Die Tage des Leidens sind genau begrenzt und gezählt. Er gibt mit der Versuchung den Ausgang und mit dem Tode das Leben. Er sagt seinen Schafen, die er unter die Wölfe sendet, nicht zu, dass die Wölfe von ihrem Grimm lassen und die Schafe schonen werden, aber die Treuen sollen überwinden, und die Überwinder werden gekrönt. „Sei getrost bis in den Tod, so will ich dir das Leben als Siegerkranz geben.“ Nicht Bewahrung aus dem Tode ist seine Gabe.
Die Gemeinde zu Smyrna empfängt von dem erhöhten Herrn ein hohes Lob. Er erkennt ihre schwere Lage, ihre heißen Kämpfe an und tröstet sie, indem er ihr Furchtlosigkeit einhaucht. „Fürchte dich vor der keinem, das du leiden wirst.“ Merken wir, er gibt ihr nicht die Aussicht, dass das Leiden sie nicht treffen solle, sondern sie soll furchtlos sein in den Leiden und trotz der Leiden. Sie soll Drangsal, Armut, Gefängnis, Not und Tod überwinden, weil der Satan, der solches alles auf sie losstürmen lässt, überwunden ist.
Und welch eine herrliche Verheißung gibt der Herr der Gemeinde: „Dem Sieger soll kein Leid geschehen von dem zweiten Tode.“ Das Sterben des Leibes ist gering zu achten gegen den Tod, der die Seele bedroht, wenn das Gericht über die Sterbenden ergeht. Der zweite Tod ist der eigentliche König der Schrecken. Wer vor dem geborgen ist, der hat in Wahrheit das Leben. Vor diesem furchtbaren Schrecken aber sind die Sieger sicher; kein Leid soll ihnen von ihm geschehen. Darum ist es ein Geringes, dass sie in dieser Zeit den Leiden und Kämpfen ausgesetzt sind. Denn die Trübsal, die zeitlich und leicht ist, wirket ein Schwergewicht der Herrlichkeit denen, die nicht sehen auf das Sichtbare, sondern auf das Unsichtbare. Darum dürfen die Überwinder sich neben der Hoffnung auch der Trübsal rühmen, dieweil sie wissen, dass auch diese zu ihrer Vollendung mitwirkt und zu ihrer Verherrlichung nötig ist. (Fries, Friedrich)
Smyrna ist ein Bild der Gemeinden und einzelner Christen, die äußerlich unglücklich, doch, um ihrer Treue willen überschwänglich glücklich sind; denn sie ist mit allem ihrem Unglücke, mit ihrer Krankheit und Verlegenheit, ihren misslungenen Hoffnungen, ihrem nicht fortgehenden Geschäfte, mit den Einbußen ihrer Güter und den Verlusten ihrer Liebe, ja, mit dem Schmerzgefühl, dass viel, sehr viel ihr mangele, ehe sie zur Vollkommenheit gedrungen, dass sie aus sich selber nichts Gutes habe und in eigener Kraft auch nicht vermögend sei, sich irgend etwas davon zu verschaffen; mit dem Hass und der Schmach der Welt und der Heuchler und den Anklagen des eigenen Herzens dem Herrn bekannt, dem treuen Hohenpriester, der wohl Mitleid haben kann mit unserer Schwachheit; Er spricht zu ihr: „ich weiß deine Armut;“ und das ist schon ein großer Trost! sie wird dabei von Ihm geliebt und gelobt; kein einziges Strafwort kommt im ganzen Sendschreiben vor, Alles haucht von Anfang bis zu Ende nur Liebe. Zu der geistlicharmen, blöden und verzagten Smyrna sagt der Erste und der Letzte: du bist reich! Wenn sich kein Mensch um sie kümmert, Jedermann sie vielmehr ausstößt, Jesus hat das alte Herz für sie. Wollen wir Ihm nicht mehr glauben als uns selbst? Lasst unser Herz uns verdammen, wenn wir uns an Ihn halten, so spricht Er uns immer wieder los. Wird Smyrna auch fort und fort heimgesucht, so geschieht auch das nur aus Liebe, und wenn sie treu bleibt bis in den Tod, wird sie von Ihm mit seiner Krone gekrönt. Seine Krone ist die Lebenskrone. Lockt sie dich nicht, meine Seele? O schrecke dich wenigstens das glühende eiserne Stirnband, das der zweite Tod Macht hat, dir anzulegen. Vor dem fürchte dich denn, nach dem ewigen Leben sehne dich, und aus beiden Ursachen sei treu, meine Seele! Wie es Smyrna ging, so geht es auch dir im treuen Nachbilde von Smyrna. Amen. (Friedrich Arndt)
Das sagt der Erste und der Letzte, der tot war und ist lebendig geworden: Ich weiß deine Werke und deine Trübsal und deine Armut fürchte Dich vor der keinem, das du leiden wirst. Siehe, der Teufel wird etliche ins Gefängnis werfen, dass ihr versucht werdet; und werdet Trübsal haben zehn Tage. Sei getreu bis an den Tod, so will ich dir die Krone des Lebens geben.
Der da tot war und ist lebendig geworden, der stärkt die Seinen zur Treue und zum Ausharren in der Zeit der Trübsal und Anfechtung. Darum, weil Er selbst durch das Todesleiden hindurch gegangen und selbst den schwersten Kampf wider die alte Schlange bestanden hat, so kann Er nun Mitleid haben mit unserer Schwachheit und helfen Denen, die versucht werden. O, Er hat ein zartes Erbarmen, ein treues Aufsehen, eine ausgestreckte Helfer-Hand! „Ich weiß es Alles,“ spricht Er; Deine Werke, Deine Trübsal, Deine Armut, Dein Gefängnis, Deine Versuchung, ich weiß es Alles! denke doch nur ja nicht, dass irgend Etwas vor mir verborgen, oder übersehen und unbeachtet sei; ich trage es Alles auf meinem Herzen: Darum aber auch, fürchte Dich nicht! zehn Tage währt's nur, was sind zehn Tage gegen die Ewigkeit? - Nur getreu; getreu im festen, starken Glauben: Er ist dennoch der Herr, und ist dennoch größer als das Alles! - getreu im Bekenntnis, und wenn auch die Welt voll Teufel wär', lachten und spotteten, und schössen feurige Pfeile, dennoch laut und freudig ihnen ins Angesicht gerufen: In Jesu Namen das Heil! In Jesu Kreuz der Sieg! Getreu im Beten, und ob auch die Seele matt und müde werden wollte, dennoch angehalten mit Seufzen und Flehen: Erbarme Dich, erbarme Dich, Herr, mein Erbarmer über mich! - Getreu bis zu allerletzt, „wenn Sinne und Gedanken, wie ein verlöschend Licht hierhin und dahin schwanken“, auch dann noch mit den umflorten Augen auf Ihn geschaut, und mit den zitternden Händen nach Ihm gegriffen. Es lohnt sich ja! die Krone des Lebens ist es wohl wert! Ach, lasst uns ohn' Unterlass wachen und beten um das Getreusein bis in den Tod, gleich jetzt sprechen: Halt' mich bei Deiner rechten Hand, die so viel Treue an mich gewandt, dass ich getreu bleibe bis an den Tod! Amen! Herr Jesu! Amen! (Nikolaus Fries)