Offenbarung 2,23
Andachten
Es sollen alle Gemeinen erkennen, dass ich's bin, der Herzen und Nieren erforscht.
Es kommt die Menschen schwer an, zu glauben, dass sie Alle den größten Mangel an Ruhm vor Gott leiden, dass sie sich gar keines einzigen Dinges rühmen können vor Gott, der Herzen und Nieren prüft, der tiefer schaut als das Menschenauge, der die geheimen Triebfedern der Handlungen sieht, die gewöhnlich mehr oder weniger unrein und also ungerecht sind. Deswegen ist in Gottes Augen die gepriesenste Gerechtigkeit der Menschen eine hässliche Ungerechtigkeit, ein beflecktes Tuch, umso mehr, da ein schöner Schild ausgehängt ist, und ein so schlechter Wirt inwendig wohnet, da die Ware von außen so schön zugerichtet und innerlich so verdorben ist. Wer sich selbst erkennt durch Gottes Licht, weil er mit David betet: Unterweise mich, dass ich erkenne deine Zeugnisse, was du von meiner und deiner Gerechtigkeit zeugst, der vertraut nicht auf seine Gerechtigkeit, sondern bittet um die Gerechtmachung durch Christum, dass ihm die Sünde vergeben, und die Seele von aller Befleckung des Fleisches und des Geistes geheilt und gereinigt werde. (Johannes Evangelista Gossner.)
„Alle Gemeinen sollen erkennen, dass Ich bin, der die Nieren und Herzen erforscht, und werde geben einem jeglichen unter euch nach euren Werken.“
Ich muss oft denken, wenn die Bibel von den Nieren redet, dass unsere heutigen Menschenkenner und Psychologen noch nicht recht wissen, was die Nieren sind; sie haben für sie nur eine leibliche Bestimmung. Aber in der Bibel werden die Nieren genannt, um die verschiedenen Seelen-Stimmungen und Zustände auszudrücken. Die Nieren sind, wie das Herz, Wohnstätten von Empfindungen, Gefühlen, Gesinnungen, von Lauterkeiten oder Unlauterkeiten des Ichs, der Persönlichkeit des Menschen. Der Ausdruck: „Der Herr, der die Nieren prüft“ kommt oft vor; Ps. 16, 17 heißt es: „Auch züchtigen mich meine Nieren des Nachts“; Ps. 26, 2: „Läutere meine Nieren“, Sprüche 23, 16: „Meine Nieren sind froh, wenn Deine Lippen reden, was recht ist“. Es gibt also böse und gute Nieren, wie ein böses und gutes Herz. Nun, wir können nicht in die Nieren hinein sehen und erkennen, wie sie beschaffen sind, aber der HErr. Das Innerste des Menschen, das eigentliche Ich mit seinen eigensten Empfindungen und Neigungen kann nur der erforschen, der alles weiß. „Der wird auch einem Jeglichen geben nach seinen Werken“. Unter „Werken“ ist hier gemeint der ganze Stand des Menschen, das Gesamtergebnis seines Tuns und Lebens, wie bei „Ich weiß Deine Werke“ in den sieben Sendschreiben. Nach dem geistigen Gesamtbefinden des Menschen wird gesehen. Ach, wenn nur unser Christentum einmal das zur Folge hätte, dass der Gesamtmensch etwas Rechtes und Göttliches wäre! Ob Glauben, Vertrauen, Liebe zu Gott, ob Anerkennung dessen, was Er tut, da ist, oder nicht, nach dem wird gefragt. So helfe uns denn der HErr zum Rechten. (Christoph Blumhardt)