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Offenbarung 10,1

Offenbarung 10,1

Andachten

Schon im fünften Kapitel kam ein starker Engel vor, der seine Stimme erschallen ließ, dass sie im Himmel, auf Erden und unter der Erde gehört wurde. Hier kommt ein anderer starker Engel auf die Erde herunter; er hatte den Menschen auf der Erde etwas zu sagen, und zwar allen Menschen, denn den rechten Fuß setzt er aufs Meer, den linken auf die Erde, zum Zeichen, dass seine Botschaft ganz Europa und Asien angeht. Sein Leib war mit einer dunkeln Wolke umhüllt: das deutet auf finstere Tage, die hereinbrechen werden zur Prüfung für die Bekenner Jesu, auf dunkle Zeiten, da das Licht des Evangelii abnimmt in der Christenheit. Seine Füße gleich Feuerpfeilern zeigen seine Macht an und verbreiten eine plötzliche Helle. Die Kinder Gottes sollen also noch helle Hoffnungsblicke erfahren, die ihren Glauben stärken; aber es geht schnell vorüber. Es erscheint noch in der Zeit des zweiten Wehes oder der sechsten Posaune oder im dritten Wehe ergehen werde. – Auch jetzt ist eine Zeit der Finsternis auf Erden: allgemeiner Unglaube, Unkirchlichkeit, Abfall von Gottes geoffenbartem Worte und Gottlosigkeit; aber in der Zeit des Antichrists wird erst vollends die Finsternis hereinbrechen. Dann geht eine Scheidung vor unter den Christen: diejenigen, welche zum Schlangensamen gehören, nehmen das Malzeichen an, mit dem sie vom Antichrist gezeichnet werden, die wahren Christen aber, welche zum Weibessamen gehören, werden nur näher zum Herrn getrieben. Wer es nicht von Herzen mit dem Heiland hält, wird wie die Spreu vom Winde verweht. Da wird es sich herausstellen, welches die Kernchristen waren, und welches nur Spreuchristen. Die Spreuer haben die gleiche Gestalt wie das Korn, aber sie sind nur die Form und der leere Schein des Korns, es ist kein Kern mehr darin. Herr, hilf, dass ich kein Mund-, sondern ein Grundchrist, kein Spreu-, sondern ein Kernchrist werde und bleibe. Amen. (Friedrich Arndt)


Und ich sah einen andern starken Engel vom Himmel herabkommen; der war mit einer Wolke bekleidet, und ein Regenbogen auf seinem Haupt, und sein Antlitz wie die Sonne, und seine Füße wie die Feuerpfeiler; und er hatte in seiner Hand ein Büchlein aufgetan; und er setzte seinen rechten Fuß auf das Meer, und den linken auf die Erde; und er schrie mit großer Stimme, wie ein Löwe brüllt; und da er schrie, redeten sieben Donner ihre Stimmen. Und da die sieben Donner ihre Stimmen geredet hatten, wollte ich sie schreiben. Da hörte ich eine Stimme vom Himmel sagen zu mir: Versiegele, was die sieben Donner geredet haben; dieselbigen schreibe nicht. Und der Engel, den ich sah stehen auf dem Meer und auf der Erde, hob seine Hand auf gen Himmel, und schwur bei dem Lebendigen von Ewigkeit zu Ewigkeit, der den Himmel geschaffen hat, und was darinnen ist, und die Erde, und was darinnen ist, und das Meer, und was darinnen ist, dass hinfort keine Zeit mehr sein soll; sondern in den Tagen der Stimme des siebenten Engels, wenn er posaunen wird, so soll vollendet werden das Geheimnis Gottes, wie Er hat verkündigt Seinen Knechten und Propheten. Und ich hörte eine Stimme vom Himmel abermals mit mir reden, und sagen: Gehe hin, nimm das offene Büchlein von der Hand des Engels, der auf dem Meer und auf der Erde steht. Und ich ging hin zum Engel, und sprach zu ihm: Gib mir das Büchlein. Und er sprach zu mir: Nimm hin, und verschlinge es: und es wird dich im Bauch grimmen, aber in deinem Munde wird es süß sein wie Honig. Und ich nahm das Büchlein von der Hand des Engels, und verschlang es: und es war süß in meinem Munde, wie Honig; und da ich es gegessen hatte, grimmte mich's im Bauch. Und er sprach zu mir: Du musst abermals weissagen den Völkern, und Heiden, und Sprachen, und vielen Königen.
Wir wissen, wenn die Seligkeit anhebt, dann hört die Zeit auf. Wir lesen in unserem Texte, welch ein gewaltiger Abschnitt es sein wird, wenn auf einmal es keine Zeit mehr gibt, sondern nur eine Ewigkeit. Wohl dem, der dann eine Ewigkeit und nicht nur eine Zeit hat.

Johannes muss ein Buch verschlingen, und sieht, als er es verschlingt, ist es zuerst sehr süß, aber nachher sehr bitter, denn so geht es ja stets mit der Heiligen Schrift. Wenn wir sie so obenhin lesen, scheint ihr Inhalt lauter Süßigkeit zu sein, und denen, die nur das oberflächliche Christentum kennen, scheint Alles leicht und einfach, aber wenn wir es uns einverleiben, d. h. wenn wir ihr Wort gründlich nehmen, dann sehen wir erst, wie große Forderungen die Heilige Schrift stellt, wie viel Kreuz und Leid das Christentum mit sich führt, und wie schwer es ist, Alles zu halten. Doch kann die Heilige Schrift erst wirken, wenn wir sie uns einverleibt haben, wenn das Wort GOttes eine Speise ist, die wir nicht nur so in den Mund nehmen, sondern die wir wirklich verdauen und zu unserem Fleisch und Blut machen. Freilich wird dir der Schmerz und die Pein nicht erspart werden, aber das ist auch GOttes Absicht. Das Wort GOttes soll dich belästigen, es soll dir in deinem Bauche grimmen, es soll dir Unannehmlichkeiten bereiten. Wenn du also darüber klagst, dass das Wort GOttes dir so bitter ist, dass es dir so schwere Anfechtungen bereitet, deine Sünden aufdeckt, dann erinnere dich daran, das Alles hat der HErr gewollt.

Du aber mache es wie Johannes; dem war es vorher gesagt, dass das Wort GOttes in seinem Munde süß, aber im Leibe grimmend sein würde, aber er hat es getrost genommen. Auch dir sagt GOtt, die Heilige Schrift soll dir bitter sein, aber die Bitterkeit soll dir heilsam sein. Scheue dich nicht, das Bittere zu nehmen, und bedenke, dass die Arznei oft bitter ist, wenn sie die süße Genesung bringen soll. Was bitter ist, kann süß machen! Amen. (Johannes Paulsen)

Predigten

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