2. Johannes 1,9
Andachten
Wer übertritt und bleibt nicht in der Lehre Christi, der hat keinen Gott. So jemand zu euch kommt und bringt diese Lehre nicht, den nehmt nicht ins Haus auf und grüßt ihn auch nicht.
Über den Ausdruck: „nehmt ihn nicht ins Haus auf und grüßt ihn auch nicht“ möchte man sich verwundern und fragen: hat der Liebesprediger Johannes seiner so vergessen, dass er jetzt den Religionshass pflanzt? O nein! bei ansteckenden Seuchen kann man einander alles gute gönnen, aber es ist doch nicht ratsam, einen häufigen Umgang anzustellen. Wo deshalb gute Ordnung getroffen und von Ärzten und anderen, so sich der Regierung anzunehmen haben, Schranken gesetzt werden, so wird man sie nicht mit Grund des menschengehässigen Wesens beschuldigen können. Heutiges Tags ist freilich der Lehre halber eine große Gleichgültigkeit und es ist manchem mehr darum zu tun, bei der Welt das Lob eines gemäßigten und verträglichen Mannes zu haben, als der Wahrheit Gehilfe zu sein und sich darüber zu leiden. Mancher wird in Zeit und Ewigkeit erfahren, wie ekelhaft er über diesem lauen Wesen dem Herrn Jesu wird und wie viel besser so ein heißer Eifer gewesen wäre, wie Johannes hiermit angibt. Die Verführer können einem das Übertreten oder Abweichen von der genauen Wahrheit so süß und leicht eingeben; aber man verliert Gott darüber: man hat keinen Gott mehr. (Karl Heinrich Rieger)