1. Petrus 4,10
Andachten
Und dient einander, ein jeglicher mit der Gabe, die er empfangen hat, als die guten Haushalter der mancherlei Gnade Gottes.
Ein jeder ist zum Dienen berufen, die Herren nicht minder als die Knechte, die Männer nicht minder als die Weiber, die Ältesten nicht minder als die Jungen. Die Liebe macht einen zu des andern Diener, erkennt in jedem Eigentum eine auch zum Dienst des Nächsten empfangene Gnadengabe. Alles was du hast an zeitlichen und ewigen Gütern, ist eitel Gottes-Gabe, die du ihm wiederbringen sollst als Opfer, und in deinen Brüdern streckt er die Hand nach dir aus, dass du sie ihm füllest.
Denn alle, die in Einigkeit und Fried' Im Glauben steh'n, an Christi Gnadengaben, Die er erwarb, als er am Kreuz verschied, Zu ihrem Trost Gemeinschaft können haben; Doch jeder soll als wahres Kirchenglied mit seiner Gab' Die andern Glieder laben.
Ein jeder lebendige Stein des geistlichen Hauses gehört dem Ganzen an und hilft zur Erbauung, also auch ein jedes Glied des Leibes mit je seinem Geschäfte. Nicht alle Gaben sind jedem gegeben, sondern Gott hat sie weislich verteilet, wie die unterschiedenen Geschäfte der Glieder am Leibe, und hat uns so mit dem Liebesbande unter einander verknüpft, dass ein Glied des andern bedürfe, eins dem andern diene mit seiner Gabe. Eine Hand wäscht die andere, denn es hat immer einer mehr Gaben als der andere. Gott teilet seine Gaben ungleich aus. Moses hat fünf Pfund, Aaron zwei, Jethro aber nur eins. Ein jeder brauche seine Gabe zur Ehre Gottes, so besteht er vor Gott und Menschen. Was dir nicht gegeben und befohlen ist, des nimm dich auch nicht an. Stehe nicht nach dem, was dir zu schwer ist und denke nicht über dein Vermögen, sondern was Gott dir befohlen hat, des nimm dich stets an; denn es frommet dir nicht, dass du gaffst nach dem, das dir verborgen ist. Und was deines Amts nicht ist, da lass deinen Vorwitz; denn dir ist vor mehr befohlen, weder du kannst ausrichten.“ (Sir. 3, 22 ff.)
Dienet einander als die guten Haushalter der mancherlei Gnade Gottes. Zu Haushaltern hat uns Gott bestellt in dieser Welt; dass wir als gute Haushalter uns beweisen, die empfangenen Gaben als verantwortliche Gnaden verwalten, nicht nach der Menschen Lüsten, sondern nach dem Willen Gottes, dazu ermahnt uns der Apostel. Auch wir werden Rechenschaft geben dem, der bereit ist zu richten die Lebendigen und die Toten: da werden die Bücher aufgetan werden, worin einerseits die Ausgabe, das Anlage-Kapital der vielgestaltigen Gnade Gottes, andrerseits die Einnahme, der Zinsgewinn von den Händen der Haushalter, verzeichnet steht. Ach! es ist genug, dass wir seit unsrer Taufe, da Gott den Haushalter-Kontrakt mit uns geschlossen, in Faulheit und Untreue so lange Zeit unseres Herrn Güter umgebracht haben; was nach hinterstelliger Zeit im Fleisch ist, lasst uns leben nach der Losung:
Nur treu, nur treu! Wo käm' sonst von den Gaben, Die wir als Knechte hier empfangen haben Der Wucher her, wonach so scharfe Frag' Geschehen wird an jenem großen Tag? Nur treu, nur treu! (Wilhelm Friedrich Besser)
Die Gaben des Herrn sind sehr verschieden, nicht nur der Art, sondern auch dem Maße nach. Aber diese verschiedenen Gaben werden nach dem Willen und der Ordnung Gottes durch eine tief begründete feste Einheit zusammengehalten: durch die ihres Ursprungs und die Einheit ihrer Bestimmung. Denn alle gute und vollkommene Gabe kommt von oben, vom Vater des Lichts, der in Mannigfaltigkeit seiner Segnungen nur einige Strahlen aus der Fülle seiner Herrlichkeit und Größe uns offenbart; und für alle gibt es nur ein Ziel: sie sollen von jedem zum eigenen und zu des Nächsten Heil treulich benutzt werden. Das gleiche wunderbare Gesetz, nach dem in dem weiten Gebiet der Schöpfung immer ein Teil vom andern abhängt und ihm dient, gilt in verstärktem Nachdruck auch in der geistlichen Schöpfung, dem Leibe Christi oder der Gemeinde der Gläubigen hienieden. Es ist ein trauriges Zeichen der Erstarrung des geistlichen Lebens, wenn die selige Pflicht gegenseitiger Hilfeleistung mit der vom Herrn empfangenen Gabe in der Gemeinde Christi versäumt wird.
Mancher versteckt sich gern hinter einer falschen Bescheidenheit, um sich solchem Dienst am Nächsten zu entziehen - aber im Grunde ist es Selbstsucht. Jeder hat irgend eine Gabe empfangen, die er nicht nur zu seinem eigenen Heil anwenden, mit der er auch andern dienen soll. Weil die Gabe nicht unser Eigentum ist, sondern ein anvertrautes Pfund, sind wir dafür Rechenschaft schuldig. Es kommt dabei nicht auf die Größe der Gabe an, sondern auf unsere Treue in ihrer Verwendung. Wir müssen wirken, solange es Tag ist; denn alles deutet darauf hin, dass die Nacht nicht mehr fern ist, wo niemand wirken kann. (Hermann Heinrich Grafe)