1. Petrus 2,25
Andachten
Ihr wart wie die irrenden Schafe, aber ihr seid nun bekehrt zu dem Hirten und Bischof eurer Seelen.
Wenn die Bekehrung recht ausgeführt sein soll, so muss man zu Christo als dem Hirten und Bischof der Seelen bekehrt worden sein, denn wenn dieses nicht geschieht, so bleibt man immer noch ein irrendes und verlorenes Schaf. Der Vater zieht die Menschen zu Seinem Sohn, und der Sohn Gottes sagt: kommet her zu Mir Alle, die ihr mühselig und beladen seid, und der Heilige Geist verkläret Jesum in den Seelen. Von diesem Jesu zeugen alle Propheten, dass durch Seinen Namen Alle, die an Ihn glauben, Vergebung der Sünden empfangen sollen. Gleichwie aber die Menschen sich zu Ihm als einem Erlöser und Versöhner bekehren sollen, durch dessen Namen sie Vergebung der Sünden empfangen: also sollen sie Ihn auch als den Hirten und Bischof der Seelen erkennen, zu dem die irrenden Schafe umkehren sollen. So lange sie als irrende Schafe herumlaufen, tun sie, was sie wollen und sind, wie Paulus röm. 6,20. sagt, frei von der Gerechtigkeit, sobald sie aber bekehrt sind, stehen sie unter Jesu als ihrem Hirten und Bischof oder Aufseher. Und dieses soll ihnen nicht leid sein, denn dieser gute Hirte weidet sie alsdann auf einer grünen Aue, führt sie zum frischen Wasser, erquickt ihre Seelen, und führt sie auf rechter Straße um Seines Namens willen, Ps. 23. Seine Schafe hören Seine Stimme, und Er kennt sie und sie folgen Ihm, und Er gibt ihnen ewiges Leben, und sie werden nimmermehr umkommen und Niemand wird sie aus Seiner Hand reißen, Joh. 10, 27.28. Als der Bischof der Seelen wandelt Er mitten unter den goldenen Leuchtern, Off. 2., das ist unter den christlichen Gemeinen, und ist der treueste, weiseste, gütigste, aber auch tätigste Aufseher sowohl über ganze Gemeinden und ihre Lehrer als auch über alle einzelnen Seelen, da denn seine Bestrafungen und tätigen Züchtigungen eben so wohl aus der lautersten Liebe fließen, als Seine Belehrungen und Tröstungen, Sein Schutz und Seine Hilfe. Zu diesem Hirten und Bischof der Seelen sollen wir bekehrt sein, oder uns von nun an bekehren. Sind wir aber zu Ihm bekehrt, so werden wir gern unter Seinem Hirtenstab und unter Seiner Aufsicht stehen, oder wie er anderswo sagt, gern Sein Joch, welches sanft ist, und Seine Last, welche leicht ist, tragen; denn wie Er Seine Macht über Seine Schafe und über die Seiner Aufsicht anvertrauten Seelen ausübt, also erzeigt Er ihnen auch eine unendliche Treue und Güte. Es soll ihnen nichts mangeln, sie sollen Leben und volles Genüge haben, Ps. 23,1. Joh. 10,11. Übrigens ist die Verbindung gläubiger Seelen mit dem Hirten und Bischof ihrer Seelen viel inniger als die Verbindung der Untertanen mit einem irdischen Regenten. Untertanen bekommen nämlich von ihrem König oder Fürsten mündliche oder schriftliche Befehle, sind aber meistens weit von ihm entfernt, und empfangen auch keine Kraft von ihm, seine Befehle zu halten. Von dem HErrn Jesu haben gläubige Seelen zwar auch ein geschriebenes Wort, worin Er ihnen Seinen Willen geoffenbart hat: sie fassen aber dieses Wort nicht ohne Ihn selbst, und Ihn nicht ohne das Wort. Wer ein Ohr hat zu hören, der höre, was der Geist aus dem Mund Jesu durch Sein Wort den Gemeinden sagt. (Magnus Friedrich Roos)
Ihr wart wie die irrenden Schafe, aber ihr seid nun bekehrt zu dem Hirten und Bischof eurer Seelen.
Dieser große hochwürdigste Bischof hat eine Gemeine, die auch sein Reich genannt wird, und deren Gegensatz die Welt ist. Alle Seelen sind an ihn verwiesen, um Alles, was sie zu ihrem Heil bedürfen, bei ihm zu begehren und freudig zu erwarten. Daher alle die Aufforderungen und Einladungen, sich zu ihm zu wenden, zu ihm zu kommen, auf ihn zu sehen, an ihn zu glauben, ihm zu vertrauen; daher alle Verheißungen, die daran geknüpft sind, weise, gerecht rc. zu werden, so wir anders vertrauen, und den Ruhm der Hoffnung bis ans Ende festhalten.
Diesem Bischof sind alle Seelen anvertraut, und wie der alttestamentliche Bischof die Namen der zwölf Stamme auf seinen Schultern trug, so ist der neutestamentliche mit der Besorgung aller Angelegenheiten seiner Gemeine beauftragt.
Das ist der Wille seines Vaters, der ihn in dieses schwere und hochwichtige Amt eingesetzt und ihn dazu gesalbt hat, dass er nichts verliere von dem, was er ihm gegeben hat. Niemand soll sie ihm aus seiner Hand reißen, und er legt darüber vor seinem Vater Rechenschaft ab, wenn er sagt: Die du mir gegeben hast, habe ich bewahrt, und ihrer ist Keiner verloren. Und da hätte denn gefragt werden mögen: wo ist denn der Zwölfte? so rechtfertigt er sich hierüber gleichfalls, indem er hinzusetzt: Ohne das verlorene Kind, auf dass die Schrift erfüllt wurde. (Gottfried Daniel Krummacher)
Ihr wart wie die irrenden Schafe, aber ihr seid nun bekehrt zu dem Hirten und Bischof eurer Seelen.
Mit diesen Worten will Petrus gewiss nicht sagen: ihr seid nun vollendet. Einen solchen Irrtum will er ihnen nicht beibringen; aber ebenso wenig will er sie über ihre Bekehrung in Ungewissheit lassen, sondern sie aufmuntern und stärken. Die Schrift stellt die Bekehrung als ein Erstes zur Seligkeit, nicht als ein Lektes, als einen Anfang, nicht als ein Ziel der Vollendung dar. Ich weiß, dass ich verirrt war, und dass ich den rechten Weg wiedergefunden habe und auf demselben umgekehrt bin; aber damit ist meine Reise noch nicht vollendet, und ich habe meine Vaterstadt, das Ziel meiner Reise, noch nicht erreicht, sondern ich bin noch immer auf dem Wege dahin. Aber wie kann ich meinen traurigen Irrweg vergessen und die Freude, die ich empfand, als ich den rechten Weg wiederfand und glücklich dahin umkehrte? Die Rechtfertigung des Sünders geht voran; die Heiligung folgt. Diese von Gott gesetzte Ordnung des Heils darf nicht verkannt und verwirrt werden. Rechtfertigung und Heiligung sind mit einander aufs innigste verbunden, und was Gott zusammengefügt hat, darf der Mensch nicht trennen. (Christian Heinrich Zeller)