Hebräer 9,11
Andachten
Christus aber ist gekommen, dass Er sei ein Hoherpriester der zukünftigen Güter.
Wenn Christus in der Schrift der Hohepriester genannt wird, so ist das nicht ein Gleichnis, hergenommen von den Ordnungen des Alten Testamentes, sondern Er ist das in der Tat, was der alttestamentliche Hohepriester nur im verheißenden Vorbilde war, denn Er ist der Mittler, der uns die Güter der zukünftigen Welt wirklich verschafft. In Ihm besitzen wir alles, was wir, obwohl noch in der Zeit wandelnd, doch als einen ewigen Besitz haben und genießen: Vergebung der Sünden, Leben und Seligkeit. Wir können aber diese Güter nicht haben, wenn wir Ihn selber nicht haben, denn wenn Er auch durch Sein einmaliges Opfer am Kreuze eine ewige Erlösung erfunden hat, so ist Er es doch, der diese Güter fortwährend vermittelt und darreicht, und dessen hohepriesterlicher Fürbitte wir allezeit bedürfen. Die Frage: habe ich Vergebung der Sünde? bin ich erlöst? bin ich versöhnt mit Gott? diese größte und wichtigste Lebensfrage findet ihre Antwort in der andern Frage: bin ich ein Christ? bin ich ein Glied an Christi Leibe? ein Gläubiger des HErrn? ein Eigentum des wahren Hohenpriesters? Denn Er allein, Er ganz allein ist der Mittler dieser Güter. Das wird uns gepredigt, damit wir es glauben, und wer in diesem Glauben die heilige Passionszeit durchlebt, der wird in dem leidenden JEsu nicht bloß den Unschuldigen und Reinen sehen, der mit majestätischer Würde durch allen Hass Seiner Feinde hindurchgeht, nicht bloß den unerschrockenen Zeugen, der bereit ist, die Wahrheit mit Seinem Tode zu besiegeln, sondern er wird Ihn sehen, angetan mit der hohepriesterlichen Würde, wie Er, beladen mit der Sünde der Welt, Sich Selbst zum Opfer gibt und uns die zukünftigen Güter erwirbt, und er wird Ihn auf diesem Wege begleiten, Sein Werk im Glauben schauen und die Früchte dieses Werkes in dankbarer Liebe ergreifen, - das ist rechte Passionsfeier.
HErr JEsu, Du treuer Hoherpriester, der Du die Sünden der Welt getragen und gebüßt hast, wir danken Dir, so viel wir vermögen, für Dein bitteres Leiden und Sterben. Verleihe uns, dass wir mit wahrem Glauben Dich ansehen und die reinigende Kraft Deines Blutes erfahren, und also mit reinem Gewissen Dir dienen mögen. Amen. (Hermann Haccius)
Christus aber ist gekommen, dass Er sei ein Hoherpriester der zukünftigen Güter durch eine größere und vollkommenere Hütte, die nicht mit der Hand gemacht ist, das ist, die nicht also gebaut ist.
Wohl bedeutete das Allerheiligste, dahinein der Hohepriester gehen musste, die Sünden des Volkes zu versöhnen, den Ort, da Gott Seinen Namen offenbarte, aber es bedeutete ihn auch nur, denn es war mit der Hand gemacht und also gebaut. Es sagte dem Volke, dass es ein Allerheiligstes gibt, wo die Versöhnung zu finden ist, es sagte ihm, dass es nicht durch sich selber, nicht durch seine eigenen Werke, sondern nur durch ein Opfer zu Gott kommen könne, aber es sagte ihm auch, dass das rechte Opfer noch nicht gebracht und der rechte Hohepriester noch nicht erschienen sei. Christus aber ist eingegangen in eine größere und vollkommenere Hütte, die nicht mit Händen gemacht ist, in das Allerheiligste, das im Himmel ist.
Andere verstehen unter dieser größeren und vollkommeneren Hütte den Leib Christi. Wie nämlich der Hohepriester des Alten Testamentes erst durch das Heilige hindurch gehen musste, um in das Allerheiligste zu gelangen, so sei Christus durch das menschliche Leibesleben von der Geburt bis zum Tode, von der Krippe bis zum Grabe hindurchgegangen, und es werde das mit Recht ein Heiliges genannt, denn in Ihm wohnte die Fülle der Gottheit leibhaftig. In dieser Hütte habe Er dem Vater gedient mit heiligem Wandel und Sich in einem beständigen Opfer finden lassen, indem Er nicht Seinen Willen tat, sondern den Willen des, der Ihn gesandt hatte, und dieses tägliche Opfer sei gleichsam die Vorbereitung gewesen zu dem einen großen Versöhnungsopfer, mit welchem Er durch den Vorhang Seines Fleisches hindurch in das Aller heiligste vor Gott getreten sei. Mögen nun die einen oder die andern recht haben, so viel ist gewiss: Christus hat das Opfer auf Erden vollbracht und ist mit diesem Opfer in den Himmel eingegangen, um dort auf Grund Seines Opfers der Fürsprecher für die Sünder zu sein.
HErr JEsu Christe, wir danken Dir, dass Du Dich selbst für uns zum Opfer dargebracht hast und hast uns dadurch gereinigt von allen unsern Sünden. Heilige uns täglich durch Dein Blut, damit wir Gott und dem Vater im heiligen Schmucke dienen können, bis wir dereinst durch Deine Erscheinung in das ewige Erbe eingeführt werden. Amen. (Hermann Haccius)
Christus aber ist gekommen, dass er sei ein Hoherpriester der zukünftigen Güter.
Ein Hoherpriester ist der Herr Jesus Christus; aber viel höher und viel großartiger, als alle menschlichen Hohenpriester. Der Hohepriester des Alten Testamentes war der Vertreter des einen Volkes der Juden. Wenn er vor Gott trat, so trat mit ihm das ganze Volk Israel vor Gott. In unserm Herrn Jesu Christo aber sollen alle Völker der weiten Welt ihren Hohenpriester haben. In ihm steht die ganze Christenheit der Erde vor Gott. Wo er hintritt, da gibt's von der ganzen Welt her aus allen Völkern und Sprachen und Zungen nur Ein Volk, das mit ihm ist. Und wenn von dem Hohenpriester der Segen auf das eine auserwählte Volk hinüberfloss, so strömt der gewaltige Segen und Frieden unsres barmherzigen Hohenpriesters durch die weiten Länder der Erde. Wo nur ein Volk wohnt, das möchte der Herr Christus so gerne sein eigen nennen. Wo nur Herzen schlagen, die möchte der treue Heiland so gern an sein Herz drücken. Auch dich möchte er so gern unter den Seinen sehen.
Die ganze Erde soll das Heilige Land sein, da der Herr sein auserwähltes Volk, sein Volk des Eigentums sammelt. So hoch steht der Hohepriester Jesus Christus über dem Hohenpriester des alten Bundes. Und noch mehr: Der Hohepriester des Alten Testamentes hatte seinen Dienst in der Stiftshütte und im Tempel zu Jerusalem. Da war das Allerheiligste, wo die Bundeslade verwahrt ward. Dort wohnte Gott bei seinem Volke. Aber die Stiftshütte ist dahin, und der Tempel Gottes ist zusammengebrochen, und das Allerheiligste ist verderbet. Die Kinder Israel haben ihren Hohenpriester verloren. Aber wir haben einen Hohenpriester, der hat seinen Dienst an einer größeren und vollkommeneren Hütte, die nicht mit der Hand gemacht ist. Er ist durch sein Blut in das Allerheiligste des Himmels selbst eingegangen und hat dort das Herz des Vaters gefunden und hat es versöhnt. So kann nun Gott unter seiner Christenheit wohnen, und sein Gnadenstuhl ist für uns Alle aufgerichtet. Einen solchen Hohenpriester haben wir. Vergiss es nicht! Auch dir hat er das Herz Gottes versöhnt.
Lasst uns beten: Wir danken Dir, Du barmherziger Hoherpriester, Herr Jesu Christe, dass Du Dir Dein Volk aus der weiten Welt sammelst, und uns Alle so gerne selig machen willst. Schenke Du uns Deinen Segen, dass wir uns zu Dir bekehren und ganz und voll Dein eigen werden. Du bist in das Heiligtum des Himmels eingegangen und hast eine ewige Erlösung erfunden. - lieber Herr und Heiland! Lass uns an dieser ewigen Erlösung unsre Seele erquicken. Gib doch, dass wir allen Fleiß anwenden, damit wir einmal eingehen dürfen in die Seligkeit, die Du uns bereitet hast. Rüste Du uns aus mit Kraft aus der Höhe, dass wir auch heute danach trachten, mehr und mehr Dein eigen zu werden. Amen. (Wilhelm Hunzinger)