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Hebräer 12,6

Hebräer 12,6

Andachten

Gott stäupet einen jeglichen Sohn, den Er aufnimmt.
Der Apostel führt hier Worte des Königs Salomo an, welche Sprüche. 3,11.12. stehen. Mein Kind, mein Sohn, sagt der Geist des Herrn durch Salomo und den Apostel zu einem Jeglichen unter ihnen. Dieses Kind oder dieser Sohn wird gewarnt, die Züchtigung des HErrn nicht zu verwerfen, oder gering zu achten, wie man etwas Ungereimtes oder Unbilliges verwirft oder gering achtet. Wenn nämlich die Menschen gehört haben, dass Gott Liebe sei, und Vater heiße, und Seine Güte ewig währe, und wenn sie überdies von ihrer eigenen Frömmigkeit eine allzu gute Meinung haben: so kann es gar leicht geschehen, dass sie die Züchtigung des HErrn, die ihnen widerfährt, als etwas, das mit der Liebe und Gerechtigkeit streite, verwerfen, oder dass sie dieselbe als etwas, das unnötig oder unbillig sei, gering achten. Vor diesem Trotz, welcher die Ehre Gottes geradezu antastet, werden wir von Salomo und dem Apostel gewarnt. Sie versichern uns, dass der HErr denjenigen liebe, den Er züchtige, und denjenigen in Seine gnädige Vorsorge aufnehme, den Er stäupe. Sie lassen’s also so gar nicht gelten, dass die Züchtigung der Liebe entgegen stehe, dass sie dieselbe vielmehr als ein Zeichen der Liebe vorstellen. Wer dieses nicht glauben kann, halte eine Zeit lang mit seinen Gedanken und Reden inne, bis ihm das Licht besser aufgeht, und ihm insonderheit der Nutzen der Züchtigungen, worauf die heil. Schrift sehr oft weist, vors Gesicht kommt.

Es gibt aber auch noch eine andere Unart des menschlichen Herzens, welche sich unter den Züchtigungen des HErrn offenbart. Wenn dem Menschen seine Sünden dabei aufgedeckt werden, und er sich vieler Vergehen schuldig achten muss, so sieht er die Züchtigungen nur nach dem Gesetz, und nicht auch nach dem Evangelium an. Er denkt: was mir widerfährt, habe ich mit meinen Sünden verdient; und denkt hierin recht. Der Unglaube aber geht weiter, und sagt: nun bricht der Zorn Gottes über mich aus, nun wird mir’s aufs Härteste gehen, nun wird Gott nicht nachlassen, bis Er mich ganz vertilgt und verderbt hat. Diesem Unglauben wollen Salomo und die Apostel steuern, indem sie zu dem gezüchtigten Menschen sagen: sei nicht ungeduldig, verzage nicht. sie versichern dabei, der Grund der Züchtigung sei kein verdammender Zorn, sondern Liebe, und es sei dabei nicht aufs Vertilgen und Verderben, sondern auf die Aufnahme in das Leben, auf die Heiligung, und auf einen Nutzen, den man bei dem Genuss des Friedens Gottes spüren soll, angesehen, s. Hebr. 12,9.10.11. Ja sie bezeugen, das Verhältnis, das zwischen Gott und dem gezüchtigten Menschen ist, sei nicht dasjenige, das zwischen einem Richter und einem Übeltäter, der verdammt und den Peinigern übergeben wird, sondern dasjenige, das zwischen einem Vater und seinem Sohn ist. folglich dürfe man zwar unter den Schmerzen, welche die Züchtigung verursacht, klagen, weinen, bitten: hingegen sei der Unglaube, welcher verzagen, fliehen, und das Äußerste befürchten will, ganz unschicklich. Gott lehre uns durch Seinen Geist Seine Züchtigungen recht beurteilen, und mit einem demütigen Glauben annehmen, so wird die Frucht derselben bei uns herrlich sein. (Magnus Friedrich Roos)


Welche der HErr lieb hat, die züchtigt Er.
Paulus hatte die Absicht, in der ersten Hälfte des 12. Kap. seines Briefs an die Hebräer die Bewegungsgründe zur christlichen Geduld im Leiden vorzutragen, dem Christen die Mittelstraße zwischen jener unnatürlichen Unempfindlichkeit, welche die heidnische Weltweisheit zur Tugend erhob, und dem gefährlichen Leichtsinn, der vermittelst der Zerstreuungen über das Unangenehme mit unglaublicher Geschwindigkeit hinweghüpfen will, aber auch der ungläubigen Schwermut, die in den Wegen Gottes nichts als Zorn-Gerichte erblickt, zu zeigen. Jeder dieser Abwege ist für das Christentum gefährlich und führt von Gott ab. Alle Züchtigung, wenn sie da ist, dünket uns nicht Freude, sondern Traurigkeit zu sein, sagt der Apostel. Alle Leiden, sie mögen von außen auf den Menschen zustürmen, oder ihr Dasein bloßen Vorstellungen, oder der geheimen Stimme des Gewissens zu danken haben, erregen in der Seele traurige und unangenehme Empfindungen, und darin besteht dann nicht die Stärke des Christentums, dass man diese Empfindungen ersticke. Man soll und darf das Wehetuende empfinden, soll aber nicht bei dem Gegenwärtigen stehen bleiben. Eine weise Hand ist es, die Alles in der Welt ordnet, und diese Hand Gottes, der lauter Liebe ist, teilt einem Jeden sein Leiden zu; aber warum nicht lauter Freuden? deswegen, weil Gott durch Leiden das wahre Wohl der Menschen befördern will, und um ihrer Beschaffenheit willen nicht ohne Leiden befördern kann. Er züchtigt uns zu Nutz, auf dass wir Seine Heiligung erlangen (Hebr. 12,10.). Besserung, Heiligung, ohne welche Niemand den HErrn sehen wird, ist also der Zweck der väterlichen und mannigfaltigen Züchtigungen Gottes in diesem Leben, folglich ist der Grund davon Liebe. – Man darf also nicht davor zurückbeben, nicht davor fliehen, nicht darüber murren. Züchtigungen sind dem Menschen so nötig und heilsam zu seiner Erziehung für die Ewigkeit, als dem Kinde die Rute seines leiblichen Vaters; aber jede Züchtigung hat nicht nur ihren Grund in der Liebe des Vaters, sondern auch in einer eigenen Unart des Kindes; und diese Unarten, diese Fehler an sich unter den Züchtigungen Gottes mit unparteiischer Sorgfalt aufsuchen, sie sich durch den Geist Gottes aufdecken lassen, das ist auf Seiten des Menschen so notwendig, wenn der wohltätige Zweck Gottes erreicht werden soll, als jenes Mittel selbst; sonst würde die traurige Wahrheit an dem Menschen erfüllt: Du schlägst sie, aber sie fühlen’s nicht, Du plagest sie, aber sie besseren sich nicht. Sie haben ein härter Angesicht als ein Fels, und wollen sich nicht bekehren. Jer. 5,3. Es ist ein liebreicher Ratschluss Gottes, dass ein verlorener Sohn endlich auf irgendeine Weise darben soll; der heilsame Zweck Gottes wird aber nicht erreicht, es sei denn, dass derselbe in sich schlage, und sich aufmache und zu seinem Vater gehe usw., Luk. 15,11. ff. Anfechtungen sind auch den Wiedergeborenen nötig, werden aber nur alsdann heilsam, wenn ihr Glaube dadurch wie das Gold geläutert wird. 1 Petr. 1,6.7. So will ich denn auch heute mich der Liebe meines Vaters anbefehlen und ruhig überlassen, von Seiner Hand gerne annehmen, was sie mir zu tun und zu leiden anweisen wird, vor allen Dingen aber mir den großen Gedanken tief einprägen, dass ich mit jedem Tag in der Heiligung zunehmen, und zu der seligen Ewigkeit tüchtiger werden soll. (Magnus Friedrich Roos)

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