Hebräer 12,1
Andachten
Lasst uns ablegen die Sünde, die uns immer anklebt und träge macht, und lasst uns aufsehen auf Jesum, den Anfänger und Vollender des Glaubens!
Der Heiland kommt einer jeden Seele einzeln ans Herz heran, und das ist danach ein großer Festtag für sie, das ist der rechte Jahrestag, den eine Seele begehen möchte. Abraham, unser Vater, ward froh, dass er Seinen Tag sehen sollte'; und er sah ihn und freute sich. Wenn einer Seele der Tag erschienen ist, da kann man sagen: „Erschienen ist der herrliche Tag! Also heilig ist der Tag, des sich ein jedes freuen mag!“ Der geht über alle hohen Kirchenfeste der Christenheit; das ist das Fest der Seele: „Heute muss ich zu dem Hause einkehren, heute ist dem Hause Heil widerfahren.“ Manoah hatte so was versäumt. „Ach HErr,“ sagte er, „lass den Mann Gottes wieder kommen!“ und er kam wieder. (Richter 13,8.) Da war Freude. Einen solchen seligen Tag, Morgen und Abend wünsche ich allen denen, die heute noch nicht mit Wahrheit sagen können, dass der Umgang mit dem Schmerzensmann, mit ihrem Schöpfer, der auch ihr Heiland ist, bei ihnen alles ist, was sie machen können, bis Leib und Seele scheiden. Wer das noch als was Zukünftiges vor sich hat, dem kann unsereins, dem's so gut worden ist, Ihn zu finden, nichts Seligeres wünschen, als eine baldige Nachkunft! (Nikolaus Ludwig Graf von Zinzendorf.)
Darum auch wir, dieweil wir solchen Haufen Zeugen um uns haben, lasst uns ablegen die Sünde, so uns immer anklebt und träge macht, und lasst uns laufen durch Geduld in den Kampf, der uns verordnet ist, und aufsehen auf Jesum, den Anfänger und Vollender des Glaubens, welcher, da er wohl hätte mögen Freude haben, erduldete er das Kreuz und achtete der Schande nicht und ist gesessen zur Rechten auf dem Stuhl Gottes. Gedenkt an den, der ein solches Widersprechen von den Sündern wider sich erduldet hat, dass ihr nicht in eurem Mut matt werdet und ablasst. Denn ihr habt noch nicht bis aufs Blut widerstanden über dem Kämpfen wider die Sünde.
Hebr. 12, 1-4.
Elend bist und bleibst du, wo du immer sein, und wohin du dich immer wenden magst, wenn du dich nicht zu Gott wendest und bekehrst. Warum wirst du gleich so gestört, wenn dir etwas nicht nach deinem Wunsch und Willen von statten geht? Wo ist der Mensch, der alles hat, wie er es will, so dass ihm kein Wunsch mehr übrig bleibt? Ich nicht und du nicht und kein Mensch auf Erden. Kein Mensch in der Welt ist ohne Trübsal, so dass ihm nicht manchmal die Welt zu enge würde, er sei König oder Papst. Doch ja, ich will dir sagen, wer am besten daran ist. Gewiss nur der, welcher gelernt hat, um Gottes Willen etwas zu leiden. Es gibt viele schwache und kleine Seelen, die da sagen: Siehe, wie glücklich lebt jener! Wie reich, wie groß, wie mächtig, wie erhaben ist er! Lass du diese sein, was sie sind, und schaue du nur auf die Güter des Himmels; dann wirst du einsehen, dass alle diese zeitlichen Güter keine wahren Güter, sondern sehr unsicher und viel mehr Plagen als Wohltaten sind, weil doch kein Mensch, der sie besitzt, von Sorge und Furcht frei bleiben kann.
Das ist nicht das wahre Glück des Menschen, Überfluss an zeitlichen Gütern haben. Es ist genug für ihn, wenn er sein notdürftiges Auskommen hat.
O! welche törichte und ungläubige Herzen, die so tief im Irdischen versunken sind, dass sie für nichts mehr Sinn haben, als für das Sinnliche! Aber die Elenden! Wie bitter werden sie am Ende noch fühlen müssen, dass all das eitel und nichtig ist, was sie so leidenschaftlich liebten. Die Heiligen Gottes hingegen und alle wahren Freunde Christi sehen nicht auf das, was dem Fleische gefällt, noch was diese kurze Zeit blühet und dann welket; nein, ihre ganze Hoffnung und ihr Augenmerk war auf ewige Güter gerichtet. Aufwärts strebte all ihr Verlangen, zu den bleibenden und unsichtbaren Schätzen, damit sie nicht durch die Liebe des Sichtbaren zu dem Niedrigen herabgezogen würden. Lass dir nur die Zuversicht nicht entfallen, dass auch du noch im Leben des Geistes wachsen könnest. Noch ist Zeit und Stunde da. Warum willst du deinen Entschluss immer auf morgen verschieben? Auf! auf! erhebe dich und fange in diesem Augenblicke an und sprich: Jetzt ist die Zeit zu wirken, jetzt ist die Zeit zu streiten, jetzt ist die gelegenste Zeit zur Besserung. Wenn du dich übel befindest und zu leiden hast, das ist eben die rechte Zeit für dich, wo du am Geiste zunehmen kannst. Du musst durch Feuer und Wasser gehen, wenn du in das Land der Erquickung kommen willst. Wenn du dir nicht selbst Gewalt antust, so wirst du auch nicht ein einziges Laster besiegen. wie groß ist die menschliche Gebrechlichkeit! Wie geneigt sind wir, immer wieder zu sündigen! Heute bekennst du deine Sünde; morgen begehst du wieder, was du heute als Sünde bekannt hast. Jetzt fasst du den festen Entschluss, dich zu hüten; und es vergeht keine Stunde, so handelst du wieder, als wenn du nie an einen Entschluss gedacht hättest. Was ist also billiger und uns angemessener, als dass wir uns demütigen und nie große Gedanken von uns selbst in uns aufkommen lassen, weil wir gar so gebrechlich und wankelmütig sind? Ach! wie schnell wird durch Nachlässigkeit wieder verdorben, was man mit vieler Mühe durch Gnade endlich kaum zu Stande gebracht hat. Was wird es denn am Ende mit uns werden, da wir schon so bald in unserm Eifer erkalten? Wehe uns, wenn wir schon die Hände in den Schoß legen, als wenn bereits Friede und Sicherheit wäre, da noch keine Spur wahrer Heiligkeit in unserm Wandel wahrzunehmen ist. Es wäre daher nichts nötiger, als dass wir wiederum wie gute Schüler aufs neue anfingen und uns zu einem heiligen Wandel anleiten ließen, ob etwa Hoffnung wäre, dass wir uns künftig besserten und im Leben des Geistes weiter kämen. (Thomas von Kempen)
Lasst uns laufen durch Geduld in dem Kampfe, der uns verordnet ist.
Jac. 1, 3.4. Wisst, dass euer Glaube, so er rechtschaffen ist, Geduld wirkt; die Geduld aber soll fest bleiben.
Das ist das Siegel und Gepräge der Jüngerschaft Jesu Christi: heilige Geduld. Unter den Kindern Gottes, unter den Erlösten ist Keiner, dem nicht dieser eine Zug aufgedrückt wäre; unter denen, die in die ewige Stadt eingehen, keiner, dem nicht der Herr das Zeugnis gäbe: Ich weiß deine Werke, und deine Arbeit, und deine Geduld.“ Da, wo Johannes das neue Jerusalem beschreibt, wo er von den seligen Toten redet, die in dem Herrn sterben, da spricht er: „Hier ist Geduld der Heiligen.“ Kein Christ ohne diese eine Frucht! Ist sie nun an dir zu finden? O trachte danach. Vielleicht steht dir aus deiner Vergangenheit ein stilles Dulderantlitz vor Augen, an dem du siehst, wie köstlich diese Frucht des Glaubens ist. Wer sind doch die, denen Christus sich offenbaren, bei denen er einkehren und Wohnung machen will? Es sind die stillen, die geduldigen Herzen. O Herr, schaffe in uns stille, geduldige Herzen. Es gibt ja kein Ausharren, kein Tragen und Dulden, das nicht an deiner Geduld ihr Vorbild hätte, dazu du uns nicht die Kraft gäbest. Du bist ja sanftmütig und von Herzen demütig. Du bist barmherzig und ein Erbarmer. Die Geduld, die du in alles glaubender und tragender Liebe mit uns gehabt, die mache uns geduldig auch untereinander. Dein ewiges Erbarmen, das sei in uns die Kraft und Seele aller Geduld. Über uns schwebt die dunkle Wolke, in der der Blitz schläft, der jeden Augenblick kann vernichtend auf uns niederfahren; aber die Hand deiner Gnade und Geduld hält ihn noch zurück: der Glaube, so er rechtschaffen ist, wirke in uns Geduld! (Adolf Clemen)
Lasst uns ablegen die Sünde, so uns immer anklebt und träge macht, und lasst uns laufen durch Geduld in dem Kampf, der uns verordnet ist, und aufsehen auf Jesum, den Anfänger und Vollender des Glaubens.
Ich muss glauben, dass in meinem Kampf alles haarklein hineingeordnet sei, und muss nicht auf einen Andern sehen, der es anscheinend leichter hat. Denn es stehen nicht alle Kreuzstöcke und Kreuzsteine außen am Hause; ein Mancher hat sie von Innen. Du hast nur auf Jesum zu sehen und von ihm kannst du die reellste Auskunft bekommen. (J. G. Kolb.)
Lasst uns laufen durch Geduld in dem Kampf, der uns verordnet ist, und aufsehen auf Jesum, den Anfänger und Vollender des Glaubens; welcher, da er wohl hätte mögen Freude haben, erduldete er das Kreuz, und achtete der Schande nicht.
O mein Christ, wenn du dich müde und mutlos fühlst, weil dir der Weg rau dünkt, so blicke auf die Fußstapfen des Herrn und sieh, wie Er gelitten hat. Du wirst geprüft, du bist betrübt und suchst Trost. Den besten Trost gibt dir die Tatsache, dass Jesus Christus deiner Natur teilhaftig geworden ist; dass er alles gelitten hat, was du jetzt leidest; dass auf deinem Pfad Sein heiliger Fuß dir vorangewandelt ist; dass Er den Kelch, den du jetzt trinkst, bis auf die Neige geleert hat; dass Er den Strom durchschwommen hat, durch den du hindurch musst, und dass alle Wogen, die dich bedecken, auch über Sein Haupt hingerollt sind. Komm! Willst du nicht leiden, was dein Herr gelitten hat? Schämst du dich des Leidens? Soll der Jünger über seinen Meister sein und der Apostel über seinen Herrn? Er stirbt am Kreuz und du willst das Kreuz nicht tragen? Er wird mit Dornen gekrönt und du strebst nach einem Lorbeerkranz? Ihm sind Hände und Füße durchbohrt und sein Nachfolger will keinen Schmerz ertragen? Blicke auf ihn, der das Kreuz erduldete und achtete der Schande nicht, und sei bereit, zu dulden und zu leiden wie er. Sein Beispiel wird dich führen, sein Mitleid wird dich trösten. (Charles Haddon Spurgeon)
Lasst uns ablegen die Sünde, so uns immer anklebt und träge macht.
Wenn wir vom Schlaf aufgestanden sind, wie unsre Epistel verlangt, dann kommt die weitere Forderung: Leg ab die Werke der Finsternis. Die Sünde gilt es abzulegen, die Sünde, die uns immer anklebt und träge macht. Leg ab! Wer ein Lichteskind ist, der geht nicht mit Nachtgestalten und Nachtwerken um. Freilich die schwarzen Gesellen aus der Finsternis umtoben uns immerdar. Wo aber mit dem Adventslicht der Tag des Heils herangekommen ist, da müssen diese schwarzen Gesellen verjagt werden, dass sie das Wiederkommen vergessen. Wer einmal aufgestanden ist und hat wirklich in Jesu Kraft zum neuen Leben bekommen, der muss sein Leben wie einen Adventsdank dem Herrn Jesu Christo schenken. Allerdings ist dann das Leben ein dauernder Kampf mit der Sünde, die uns immer anklebt. Der Heiland will uns zu einem Kirchlein haben, da seine Glocken ertönen und seine Orgel braust und auf seinem Altar der Weihrauch des Gebets emporsteigt. Da kommen die Werke der Finsternis und reißen das Dach und die Mauern des Kirchleins nieder und zerschlagen die Glocken und zerstören die Orgel und stürzen den Altar um. Das Herz ist elend und verdorben. Gegen diese Werke der Finsternis steht der Christ in seines Heilandes Kraft und spricht: „Weich, weich du Fürst der Finsternissen! ich bleibe mit dir unvermengt.“
Lasst uns beten: Herr, barmherziger Heiland! wir müssen uns schämen, dass wir so träge sind, und die Sünde so oft an uns klebt. Nun kommen wir zu Dir mit der Bitte: Vergib uns unsre Schuld und hilf uns, dass wir immer mehr ablegen lernen, was Dir nicht gefällt, und was sich für ein Adventsleben nicht ziemt. Herr, gib nicht, dass die Werke der Finsternis unser Seelenglück zerstören! Sende Deinen guten Geist, dass er uns heute bewache und beschirme, wenn sich auf unsern Wegen die Sünde wieder und wieder an uns hängen will. Mach uns frei, ledig und los. Amen. (Wilhelm Hunzinger)