Philemon 1,6
Andachten
Der Glaube wird kräftig durch Erkenntnis alles des Guten, das wir in Christo Jesu haben.
Der Glaube ist an sich selbst ein Vertrauen, das man auf die Gnade des HErrn Jesu setzt, und das der verborgene Mensch des Herzens in sich fasst. Was zwischen dem HErrn Jesu und einer gläubigen Seele vorgeht, macht kein Geräusch. Niemand weiß es, als der HErr Jesus und die gläubige Seele selbst. Der Glaube ist an sich selbst ein stilles Aufsehen auf Jesum, eine geheime Zuneigung Seines Verdienstes, eine verborgene Zuversicht auf Gott. Er verlangt, empfängt und genießt Vieles in der Stille, und verehrt Gott durch eine Anbetung, die Niemand sieht. Der Glaube hat aber auch eine andere Seite. Er ist auch kräftig oder wirksam, und diese seine Wirksamkeit bricht in das äußerliche Leben aus. Paulus beschreibt sie Hebr. 11., und erzählt viele und vielerlei Taten, welche der Glaube bei den Gerechten, die zur Zeit des Alten Testaments lebten, unter großen Schwierigkeiten und Leiden hervorgebracht habe. Paulus betete für den Philemon, dass auch sein Glaube wirksam werden möge durch die Erkenntnis alles Guten, das sie beide in Christo Jesu haben, und wies ihm sogleich eine Gelegenheit dazu an, indem er ihm seinen entlaufenen Sklaven Onesimus, welcher sich zu Rom auf den Zuspruch Pauli bekehrt hatte, zu einer gütigen Aufnahme empfahl. Eines jeden Christen Glaube hat viele ähnliche Gelegenheiten, seine Wirksamkeit zu zeigen; wie denn Petrus 2 Petr. 1,5.6.7. viele Tugenden namhaft macht, die man im Glauben darreichen müsse, und V. 8. hinzusetzt: wenn diese Tugenden sich bei euch befinden und im Überfluss da sind, so lassen sie euch nicht müßig noch unfruchtbar sein, was die Erkenntnis unsers HErrn Jesu Christi betrifft. Er bezeugt aber auch V. 9.10.11., wie nötig die wirksame Kraft des Glaubens sei, indem er sagt: wer diese Tugenden nicht bei sich hat, ist blind, sieht nichts von Weitem, und hat die Reinigung von seinen alten Sünden , die er einmal durch den Glauben erlangt hatte, in Vergessenheit gestellt. Darum seid vielmehr, ihr Brüder, beflissen, euren Beruf und Auswahl fest zu machen, denn so ihr diese Dinge tut, werdet ihr niemals straucheln; denn also wird euch reichlich dargereicht werden der Eingang in das ewige Reich unsers HErrn und Heilands Jesu Christi. Kurz zu sagen, der Glaube muss tätig sein, solange die Gnadenzeit währt, sonst erstirbt er, und derjenige, der ihn hatte, geht verloren. Er wird aber kräftig oder tätig durch die Erkenntnis alles des Guten, das man von Christo Jesu empfängt. Und was ist dann dieses Gute? Es ist Gnade und Friede, Gerechtigkeit und Stärke, Licht und Leben, Trost und Hilfe. Es ist die Kindschaft Gottes und die Erbschaft des ewigen Lebens. Zuerst empfängt der Glaube dieses Alles als in einer Summa. Hernach soll der gläubige Christ das Empfangene auseinander lesen, und oft ruhig betrachten, damit er dadurch erweckt, entzündet und gedrungen werde, dem HErrn Jesu, durch den er so viel Gutes empfangen hat, zu leben, zu dienen, und bei allen Gelegenheiten Alles zu Gefallen zu tun. HErr Jesu, lass auch meinen Glauben kräftig werden durch die Erkenntnis alles des Guten, das ich von Deinetwegen habe. (Magnus Friedrich Roos)
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