Titus
Andachten
Das ist je gewiss wahr. Solches will ich, dass du fest lehrst.
Die Lehre von der Rechtfertigung des Sünders allein durch den Glauben hat viel Widerspruch erfahren, als ob sie den Weg zum Himmelreiche zu leicht mache und den Sündern ein bequemes Ruhekissen für ihre Sünden schaffe. Aber die solches sagen, wissen nicht, wie schwer es ist, ein erschrockenes Herz und ein geängstetes Gewissen zu trösten und zum Frieden zu bringen, ja dass ohne diese Lehre gar kein Trost möglich, das Evangelium abgetan und Christus vergeblich gestorben ist. Denn wer sich noch selber rechtfertigen und den Himmel verdienen will, der kennt weder die Verdammlichkeit der Sünde, noch die Größe der göttlichen Gnade, und wer sich auf diesen Grund nicht gründet, bei dem bleibt alles beim alten, und Gottes Geist kann ihm das Herz nicht erneuern. Darum setzt auch der Apostel ein Amen dazu und will, dass es fest gelehrt werde, denn es ist die Grundlage unseres ganzen Christentums, und wer darum diese Lehre anzweifelt oder anders deutet, wer etwas davon oder dazu tut, der bleibt nicht in der Wahrheit, denn sie ist gewiss wahr, nicht weil sie des Apostels Meinung ist, weil er für seine Person von ihrer Wahrheit fest überzeugt ist, sondern er hat die Überzeugung, weil sie die Wahrheit ist. Es ist auch nicht ein bloßes Lehrstück unseres Glaubens, das man nur zu wissen brauche, sondern es muss erlebt und erfahren werden; sonst bleibt der Sünder, was er ist, ein verlorener und verdammter Mensch. Und wie es fest gelehrt werden soll, so muss es auch fest geglaubt werden, denn das Lehren zeigt nur die Gnade, aber der Glaube nimmt sie hin, und nicht dass wir sie wissen, sondern dass wir sie haben, macht uns selig.
Behüte uns, Du lieber HErr, vor allem Zweifel und Kleinmut, als hätten wir Deine Gnade nicht, und wenn uns der böse Geist an fechten will, so lass uns festhalten an Deinem Wort, das fest und unbeweglich steht. Dieses Wort haben wir, und daran wollen wir uns halten, und ob wir es fühlen oder nicht, so wollen wir es doch glauben, denn es ist ja Dein Wort, das nie gebrochen werden kann. Erhalte uns nur Dein Wort und uns in Deinem Worte, so kann uns nichts den Himmel rauben, den Du allen denen zugesagt hast, die Dein Wort halten. Amen. (Hermann Haccius)
Solches will ich, dass du fest lehrst, auf dass die, so an Gott gläubig sind worden, in einem Stande guter Werke gefunden werden. Solches ist gut und nütze den Menschen.
So gewiss die guten Werke uns nicht gerecht und selig machen können, ebenso gewiss sind sie doch die notwendigen Früchte des seligmachenden Glaubens, und zwar tut der Glaube nicht einzelne gute Werke, sondern er lässt sich in einem Stande guter Werke finden. Denn wie aus dem natürlichen Herzen nur arge Gedanken kommen, so kommen aus dem neuen Herzen nur gute Gedanken, und durch die guten Werke kommt die Erneuerung zu Tage. Weil aber der natürliche Mensch zwar durch die Taufe in den Tod gegeben ist, aber doch noch das Leben hat, so hört er auch nicht auf, mit seinen Lüsten zu reizen und zu locken, und wenn er nicht durch tägliche Reue und Buße gekreuzigt und begraben wird, so gewinnt er bald wieder die Oberhand, und mit dem Stande guter Werke ist es vorbei. Darum kann auch der Glaube nicht anders, als ihm mit aller Macht widerstehen, und wie er täglich durch das Ergreifen der Gnade sich in der Rechtfertigung erhält, so ist er auch täglich in der Kraft der empfangenen Gnade darauf bedacht, nicht etwa hie und da ein einzelnes gutes Werk, sondern nichts als gute Werke zu tun und in denselben immer zuzunehmen. Wie aber nichts gut ist, was nicht aus dem Glauben kommt, so wird auch jedes Werk gut, was im Glauben geschieht, mag es an und für sich noch so gering und unscheinbar sein. Aber es ist nicht leicht, in diesem Stande zu bleiben, und es geht nicht ohne vieles Straucheln und Fallen. Darum bedürfen wir viel Geduld und Fleiß dazu, und vor allem was wir nie vergessen dürfen Gottes Gnade.
Wir danken Dir, lieber HErr, dass Du uns, die wir tot waren in unsern Sünden, wiedergeboren hast zu einem neuen Leben, so dass wir nun nicht mehr der Sünde Knechte sind, sondern in der Kraft Deiner Gnade wider sie streiten, sie überwinden und mit den neugeschenkten Kräften Dir dienen und in einem Stande guter Werke leben und wandeln können. Und wie Du das gute Werk in uns angefangen hast, so bitten wir Dich, Du wollest es auch vollführen bis auf den Tag JEsu Christi, dass wir nicht wieder träge und lässig werden, sondern allezeit fleißig seien zu guten Werken, die in der Liebe geschehen. Lass uns dazu Deinen Beistand immer ernstlich und treulich suchen und es nie vergessen, dass wir ohne Dich nichts tun können. Amen. (Hermann Haccius)