2. Timotheus 2,12
Andachten
Das ist je gewisslich wahr: dulden wir, so werden wir mit herrschen.
Paulus schrieb in diesem Kapitel an den Timotheus V. 3.: leide dich als ein guter Streiter Jesu Christi. Von sich selber aber sagt er V. 9.: ich leide mich über dem Evangelio bis an die Bande, und V. 10.: ich dulde Alles um der Auserwählten willen usw. Hernach hielt er sich und dem Timotheus diese Wahrheit zum Trost vor: das ist je gewisslich wahr, dulden wir, so werden wir (königlich) mit herrschen. die Zeit, die man in der Welt zubringen muss, ist zum Dulden gegeben. Man sei gerechtfertigt, und durch Gnade zum Erben Gottes erklärt, und ein Tempel Gottes und ein Glied am Leib Christi: so ist man doch zum Dulden berufen. Paulus hält es den Korinthern zu ihrer Beschämung vor, dass sie schon ohne die Apostel herrschen, das ist oben schwimmen, Andere meistern, sich um nichts bekümmern, und alles Ungemach von sich wegstoßen wollen, setzt aber hinzu: wollte Gott, ihr herrschtet in der Wahrheit, und hättet schon wirklich alle Duldung rechtmäßig überstanden, damit auch wir mit euch herrschen möchten. Allein er legt ihnen hernach die großen und mannigfaltigen Leiden ausführlich und nachdrücklich vor die Augen, welche die Apostel noch dulden müssen. Auch die Salome dachte zu bald an das Herrschen, da sie den HErrn Jesum bat, von ihren Söhnen einen zu Seiner Rechten, und den andern zu Seiner Linken in Seinem Reich zu setzen: allein der weise Heiland wies sie und ihre Söhne auf Seinen Leidenskelch und auf Seine Schmerzenstaufe, und mahnte sie also an das Dulden, welches vor dem Herrschen hergehe. Paulus sagt nicht: indem wir dulden, so herrschen wir schon als Könige, sondern er stellt das Dulden als gegenwärtig, und das Herrschen als zukünftig vor. Das Dulden sollen wir jetzt durch die Kraft der Gnade Gottes ausüben, das Herrschen aber hoffen, und dieses wird auch von denjenigen ausgeübt werden, die gewürdigt werden, Bürger im neuen Jerusalem zu sein; denn von diesen wird Offenb. Joh. 22,3.5. gesagt, dass sie Gott und dem Lamm als Seine Knechte dienen, aber auch königlich regieren werden von Ewigkeit zu Ewigkeit. Wer duldet, ergibt sich zum Tragen, Nachgeben, Schweigen, Zurückstehen, und wird von der Welt, die sich, so lange Gott es ihr zulässt, durch List und Gewalt zu helfen weiß, und dabei Ungerechtigkeit ausübt, für einen Toren gehalten: aber eben diese duldenden Christen werden als Könige im neuen Jerusalem auftreten, indem die Welt als das Auskehricht draußen im Feuersee liegen wird. Überhaupt wird die Verfassung in der zukünftigen Welt ganz anders sein, als die Verfassung in der gegenwärtigen. Wer sich selbst erhöht hatte, wird erniedrigt sein, und wer sich selbst erniedrigt hatte, wird erhöht sein. Darnach wollen wir uns richten, im Dulden nicht müde werden, und die Vorzüge des Christentums oder den Adel der Kindschaft Gottes jetzt nicht nach einem fleischlichen Sinn gebrauchen, oder in die Verfassung dieser Welt einzuführen begehren, wie schon Viele zu ihrem Schaden versucht haben. Ein Jeglicher sei gesinnt, wie Jesus Christus auch war. Lasst uns aber herzhaft glauben, was gewisslich wahr ist, dass nämlich diejenigen, die hier dulden, mit Christo herrschen werden. Das Dulden will uns oft zu schwer werden, und zu lange währen; darum ist bei der Geduld auch Langmütigkeit nötig. (Magnus Friedrich Roos)
Verleugnen wir, so wird Er uns auch verleugnen.
Paulus schrieb hier eben dieses, was der HErr Jesus Matth. 10,33. gesagt hatte: wer Mich verleugnet vor den Menschen, den will Ich auch verleugnen vor Meinem himmlischen Vater. Christus warnte vor diesen Worten vor der Furcht, und sagte, man solle sich nicht vor Menschen fürchten, die den Hausvater Beelzebub geheißen haben, und vielmehr seine Hausgenossen so heißen werden: ja man solle ich nicht vor Leuten fürchten, die den Leib töten. Auf gleiche Weise redete Paulus, ehe er von der Verleugnung Christi redete, von Sterben und Dulden, V. 11.12. Hieraus wird klar, dass eigentlich die Furcht zur Verleugnung Christi treibe. Die Menschen können sich fürchterlich machen. Sie können spotten, schelten und schmähen, sie können mit dem Tod drohen, und, wenn es Gott zulässt, wirklich töten. Wer nun dieses Alles nicht dulden, wer nicht um Christi willen auch sterben will, verleugnet Christum, um dem Zorn der Welt zu entgehen. So verleugnete Petrus Christum in des Hohepriesters Palast, und sagte: er kenne ihn nicht, weil er fürchtete, er möchte sein Leben bei dem Bekenntnis Jesu einbüßen. Unter den Christen gibt es eine falsche scheinbare Kirche, welche Babel, oder die große Hure genannt, und von welcher Offenb. Joh. 17,6. gesagt wird, dass sie von dem Blut der Heiligen trunken worden sei. Auch gibt es ein Tier, da ist eine grimmige und fürchterliche Macht, welche mit den Heiligen schon einen öffentlichen Krieg geführt und sie überwunden hat. Wer das Bild dieses Tiers dereinst nicht wird anbeten wollen, soll getötet werden, und wer sein Malzeichen nicht an sich nimmt, nicht kaufen und verkaufen dürfen. Offenb. Joh. 13,7.15.17. Bei diesen wichtigen Fällen sind wahre Christen auf die Probe gesetzt worden, und werden noch auf die Probe gesetzt werden, ob sie Christum vor den Menschen bekennen oder verleugnen wollen, und nach ihrer Treue oder Untreue, welche sie hierbei beweisen, richtet sich ihr Schicksal in der Ewigkeit. Doch da diese namhaften Gelegenheiten nicht allenthalben und allezeit vorkommen, so bedenke man, dass die Welt oft nicht verlangt, dass man Christum lästere, oder von seiner Religion abfalle, nur soll man keiner von den Frommen oder Heiligen sein, welche die Welt, wie Noah (Hebr. 11,7.), verdammen, und Heuchler, Pietisten, Mucker, Sonderlinge genannt werden. Wer zu tief in die Buße hinein geraten, wer’s mit den Geboten Gottes genau nehmen will, wird von Welt-Freunden, oder vom Teufel selbst durch seine Eingebungen gewarnt. Man hält auf solche Leute nichts, sie werden zurückgesetzt, und machen ihr Glück nirgends. Große Männer lassen sie ihre Ungnade fühlen. Man spottet ihrer ins Angesicht oder hinterwärts. Durch solche Vorstellungen wird oft ein schwacher Mensch in eine Furcht gesetzt, welche ihn bewegt, dem Heiligen Geist, der ihn fromm machen will, zu widerstreben, und mit Worten und Werken zu zeigen, dass er nicht zu jener verhassten Partei gehöre. Man behilft sich eine Zeit lang mit den Gedanken, dass man Christum vor Seinem himmlischen Vater bekennen, folglich heimlich beten, lesen, fromm sein wolle. Christus aber fordert, man solle Ihn vor den Menschen bekennen. Wird am Tag des Gerichts die Welt ihren furchtsamen Anbetern helfen können? Werden alsdann die Vorteile, die man durch die mit der Verleugnung Christi erkaufte Gunst der Welt erlangt hatte, noch trösten können? (Magnus Friedrich Roos)
“Dulden wir, so werden wir mit herrschen.“
Wir dürfen uns nicht einbilden, als ob wir um Christi willen und mit Christo leiden, wenn wir nicht in Christo sind. Lieber Freund, vertrauest du ganz allein auf Jesum? Wenn nicht, so leidest du nicht „mit Christo“, worüber du auf dieser Erde auch magst zu trauern haben; und darum hast du auch keine Hoffnung, im Himmel mit Christo zu herrschen. Auch dürfen wir nicht den Schluss ziehen, dass alle Leiden eines Christen Leiden seien um Christi willen, denn es gehört wesentlich dazu, dass wir von Gott zu solchen Leiden berufen sind. Wenn wir unklug und unvorsichtig sind und in Verlegenheiten kommen, zu welchen uns weder die Vorsehung, noch die Gnade berufen hat, so tun wir eher Sünde, als dass wir mit Christo Gemeinschaft der Leiden haben. Wenn wir uns von unsern Leidenschaften hinreißen lassen und unser Eigenwille herrscht, statt das Ansehen des göttlichen Worts, so führen wir des Herrn Kriege mit den Waffen des Teufels, und wenn wir uns dabei in die Finger schneiden, so darfs uns nicht wundern. Auch in Trübsalen, die um unserer Sünden willen über uns kommen, dürfen wir uns nicht einbilden, dass wir um Christi willen leiden. Als Mirjam über Mose murrte, und der Aussatz an sie fuhr, da litt sie nicht um Gottes willen. Noch mehr, ein Leiden, das Gott wohlgefällig ist, muss zur Ehre Gottes dienen. Wenn ich durch mein Leiden mir einen Namen oder Beifall erwerbe, so habe ich keinen andern Lohn zu gewärtigen, als den der Pharisäer. Es ist auch erforderlich, dass die Liebe zu Jesu und die Liebe zu Seinen Auserwählten stets die Hauptquelle aller unserer Geduld sind. Wir müssen den Geist Gottes offenbaren durch Sanftmut, Freundlichkeit und Vergebung. Wir wollen ernstlich fragen, ob wir wahrhaft mit Christo leiden. Und wenn wir also leiden, was ist dann unsere „Trübsal, die zeitlich und leicht ist,“ im Vergleich damit, dass wir mit Ihm herrschen sollen? O, es ist so selig, mit Christo im Feuerofen zu sein, und eine so große Ehre, neben Ihm am Pranger zu stehen, dass auch ohne allen künftigen Lohn wir uns in solcher Ehre glücklich schätzen müssten; wollen wir da nicht unser Kreuz auf uns nehmen und unsern Weg gehen mit Freuden? (Charles Haddon Spurgeon)