1. Thessalonichter 5,17
Andachten
„Betet ohne Unterlass.“
Unsre Abhängigkeit von Gott ist derart, dass wir nicht allein Alles für Ihn tun, sondern auch ihn um die Mittel bitten sollen, Ihm zu gefallen. Dieser glückliche Zwang, in allen unsern Nöten zu Ihm unsere Zuflucht zu nehmen, soll uns nun und nimmer unbequem sein, sondern im Gegenteil unsern ganzen Trost ausmachen. Welches Glück, dass du voll Vertrauen zu Ihm reden, ihm dein ganzes Herz öffnen und durch das Gebet in einem herzlichen Verkehr mit ihm sein darfst. Er lädt dich ein, Ihn zu bitten. „Urteilet“, sagt der heilige Cyprian, „Er uns nicht die Güter verleihen wird, um die Ihn zu bitten Er uns lockt“. Bete also im Glauben und verliere nicht die Frucht deiner Gebete durch eine hin und her schwankende Ungewissheit (durch Zweifel), die wie Jakobus (1,6) sagt, „uns unbeständig macht“. Glücklich deine Seele, wenn sie sich tröstet im Gebet mit der Gegenwart ihres Bräutigams. „Wenn einer unter euch“, sagt der heilige Jakobus 5,13, „in Traurigkeit ist, so soll er beten“, um sich zu trösten. Aber wie unglücklich sind wir, wir finden nur Langweile in dieser himmlischen Beschäftigung! Unsere lauen Gebete sind die Quelle unserer übrigen Untreue.
Matth. 7,17: „Bittet, so wird euch gegeben, suchet, so werdet ihr finden, klopfet an, so wird euch aufgetan.“ Wenn wir, um Reichtum zu erlangen, nur zu bitten brauchten, wie eifrig, wie beharrlich, wie ausdauernd würden wir bitten! Wenn wir, um einen Schatz zu finden, nur zu suchen brauchten, ganze Ländereien würden wir aufwühlen! Wenn wir, um in den Rat der Könige und in die höchsten Ämter einzutreten, nur anzuklopfen brauchten, wie energisch würde man uns wohl klopfen hören! Ja, was tun wir nicht, um ein falsches Glück zu finden! Was für Zurücksetzungen und Widerwärtigkeiten ertragen wir nicht für ein Phantom weltlichen Ruhmes! Wie mühen wir uns ab um elender Vergnügungen willen, von denen uns nichts zurückbleibt als Gewissensqual! Der Schatz der Gnade ist das einzige wahre Gut, und das einzige, das wir einer Bitte nicht für wert halten, das einzige, das abzuwarten uns verdrießt. Aber wir müssen eben ohne Unterlass anklopfen. Denn Jesus Christus wird sich nicht untreu in Seinem Worte, – nur wir in unserem Verhalten. (François Fénelon)
Betet ohne Unterlass.
Beter stehen offen vor Gott. Er kann Steuermann sein in ihrem Lebensschifflein, ihr Ratgeber in allen Lagen. Im täglichen Leben macht sich die Hand Gottes und der Einfluss von oben um so fühlbarer, je treuer sie verharren im Gebet. Auch finden solche Seelen gute Weide, der Herr tränkt und sättigt sie, Er lässt ihnen Leben und Überfluss zuteil werden. Wer ernstlich betet, wird bisweilen nicht nur von seiner Krankheit, sondern auch von deren geistigen Ursachen frei. Die Kräfte der Herrlichkeitswelt werden flüssig im Gebet. Da vermag denn der arme, schwache Mensch Dinge zu tun und auszurichten, die weit über seine natürlichen Kräfte und weit über seinen Verstand gehen. Beter sind Überwinder. Das Geheimnis des Erfolges und des Sieges liegt im Gebet ohne Unterlass. Die Himmel stehen solchen Menschen offen, der dreieinige, allmächtige Gott ist mit und ist in ihnen. Unser Fleisch und Blut samt unseren Schwachheiten und Unvollkommenheiten können uns nicht zum Fall gereichen, wenn wir ohne Unterlass beten. Unendlich viel Übel wird hierdurch abgewandt. Wo wir sonst gar nicht hindurchzukommen vermöchten, werden wir wunderbar unbeschadet und unverletzt bleiben. Das Gebet ohne Unterlass ist das Universalschutzmittel gegen alle feindlichen Kräfte und Mächte. Gott will und kann uns bewahren, wenn wir verharren im Gebet. Wahre Weisheit hat gefunden, wer solches erkannt und erlangt hat. Himmlische Heere lagern sich um allzeit betende Seelen; darum werden sie bewahrt, auch wenn sie da wohnen, wo der Satan seinen Stuhl hat. (Markus Hauser)
Betet ohne Unterlass!
Christus trug Luk. 18,2 u.ff. ein Gleichnis von einer Witwe vor, die den Richter oder Vorsteher ihrer Stadt oft überlief, bis er ihr endlich half, und lehrte dadurch, wie Lukas sagt, dass man allezeit beten und nicht lass werden solle. Allezeit beten heißt also oft und zu einer jeden Zeit beten, und auch über Einer Sache, die Gott gefällig ist, im Bitten fortfahren. Den Thessalonichern aber schrieb Paulus: betet ohne Unterlass, das ist: unterlasst das Gebet nie, wenn ihr Muße und Kraft dazu habt, und hört nicht auf, fleißig zu beten, so lange ihr lebt. Beten ist eine Übung der geistlichen Kraft, und geschieht unter dem Zunahen zu Gott, und dieses führt eine Abkehr der Seele von allem irdischen Geräusch mit sich. Wenn man also noch nicht an die Gewährung der Bitten denken will, die man vor Gott bringt, so sollte man doch diese geistliche Übung nicht unterlassen. Beten ist aber auch ein Gespräch mit Gott. Welche Kreatur sollte aber sich’s nicht zur unverdienten und großen Gnade und Ehre rechnen, wenn sie mit dem höchsten Gott reden darf, und zwar vertraulich, herzlich, wie ein Kind mit dem Vater? Wer sollte also nicht das Gebot mit Freuden hören: betet ohne Unterlass, das ist, gebet eure Unterredungen mit Gott nicht auf, so lang ihr lebt. Beten heißt vornehmlich Bitten, und zwar für sich und für Andere. Nun sagt Christus: bittet, so wird euch gegeben usw., Matth. 7,7., und ein andersmal Joh. 16,23.: so ihr den Vater etwas bitten werdet in Meinem Namen, so wird Er’s euch geben. Solcher Verheißungen gibt es noch viele in der Heiligen Schrift. Wer sollte nun nicht gerne im Beten anhalten und fortfahren, da das Bitten das Mittel ist, alle guten und vollkommenen Gaben zu erlangen, und die Dürftigkeit bei uns und Anderen, so lange wir leben, nicht aufhöret. Beten heißt aber auch den HErrn loben und Ihm danken, welches David ein köstliches Ding nennt, und das eine Vorübung auf den Himmel, und eine ewige Pflicht aller vernünftigen Geschöpfe gegen Gott ist. Es ist also das Gebot: betet ohne Unterlass, auch in Ansehung dieser Pflicht, billig und notwendig. Unser Vater im Himmel weiß zwar, was wir bedürfen, ehe wir bitten. Diese Wahrheit, welche Viele im Unverstand als eine Einwendung wider die Pflicht des Betens missbrauchen, trägt der HErr Jesus selber Matth. 6,8. vor, macht aber daraus nur diesen Schluss, dass man bei dem Beten nicht, wie die Heiden, plappern und sich auf die Menge der Worte verlassen solle; übrigens heißt Er uns ungeachtet jener Wahrheit dennoch beten, und schreibt uns das Vaterunser als die allerbeste Gebetsformel vor. Gott weiß Alles und will alles Gute. Unter dem Guten aber, das Er will, ist auch das Beten. Er will durch unser Beten geehrt werden, Er will bei der unumschränkten Freiheit, und bei der Wahl unter vielem Guten, die Er in Seiner Regierung offen hat, oft etwas Gewisses, das gut ist, darum tun, weil ihn ein gläubiger Christ darum bittet. Er will auch seine Kinder damit ehren und erfreuen, dass Er sie durch Seinen Geist zum Bitten erweckt, damit sie dasjenige, was Er hernach tut und gibt, als eine Gewährung ihrer Bitten und als ein Gnadenzeichen ansehen können. Betet also ohne Unterlass, ihr Christen, und wenn ihr euch selbst für ungeschickte Beter halten müsst, so bittet zuvörderst um den Geist der Gnaden und des Gebets. (Magnus Friedrich Roos)
Betet ohne Unterlass.
Das Vater Unser ist ein für alle Mal das beste Gebet, denn du weißt, wer's gemacht hat. Aber kein Mensch auf Gottes Erdboden kann's so nachbeten, wie der's gemeint hat; wir krüppeln es nur von ferne, einer noch immer armseliger, als der andere. Das schadet aber nicht, wenn wir's nur gut meinen, der liebe Gott muss so immer das Beste tun, und er weiß, wie's sein soll. Siehe, wenn ich beten will, so denke ich erst an meinen seligen Vater, wie der so gut war, und mir so gerne geben mochte. Und dann stell' ich mir die ganze Welt als meines Vaters Haus vor, und alle Menschen als meine Brüder; Gott sitzt im Himmel auf einem goldenen Stuhl und hat seine rechte Hand übers Meer und bis ans Ende der Welt ausgestreckt, und seine Linke voll Heil und Gutes, und die Bergspitzen umher rauchen, und dann fang' ich an: Vater unser, der du bist im Himmel. Geheiligt werde dein Name! Das versteh' ich nun schon nicht. Die Juden sollen besondere Heimlichkeiten von dem Namen Gottes gewusst haben. Das lasse ich aber gut sein, und wünsche nur, dass das Andenken an Gott und eine jede Spur, daraus wir ihn erkennen können, mir und allen Menschen über Alles groß und heilig sein möge.
Zu uns komme dein Reich! Hierbei denke ich an mich selbst, wie's in mir hin und her treibt, und bald dies, bald das regiert, dass das Alles Herzquälen ist, und ich dabei auf keinen grünen Zweig komme. Und dann denke ich, wie gut es für mich wäre, wenn doch Gott aller Fehde ein Ende machen, und mich selbst regieren wollte. Dein Wille geschehe, wie im Himmel, also auch auf Erden! Hierbei stelle ich mir den Himmel mit den heiligen Engeln vor, die mit Freuden seinen Willen tun, und keine Qual rührt sie an, und sie wissen sich vor Liebe und Seligkeit nicht zu retten, und frohloden Tag und Nacht, und dann denk ich: Wenn es doch also auch auf Erden wäre! (Matth. Claudius.)
Betet ohne Unterlass.
Unser Herr sagt uns, wir sollen allezeit beten und nicht lass werden. Das heißt, wir sollen immer den Gebetsgeist haben, immer bereit sein zu beten, wie die Ritter des Mittelalters zwar nicht immer mit eingelegter Lanze auf dem Schlachtross saßen, aber doch immer ihre Rüstung bei der Hand hatten und immer bereit waren, für die Sache, der sie dienten, Wunden oder den Tod davon zu tragen. Jene rauen Krieger schliefen oft in der Rüstung; so sollten wir auch im Schlaf den Geist des Gebets haben, damit wir beim Erwachen mit Gott reden können. Wenn unsere Seele einmal die Richtung auf ihr himmlisches Ziel erhalten hat, sollte sie immer ganz von selbst zu Gott aufsteigen. Als man in England stündlich den Angriff der spanischen Armada erwartete, waren überall an der Küste Holzstöße bereit. Sie brannten nicht immer; aber das Holz war trocken und die Lunte lag daneben, so dass jeden Augenblick die Flamme zum Himmel aufschlagen konnte. So soll es mit unsrem Herzen sein. Wir sollen jeden Augenblick imstande sein, zu Gott zu rufen und zu seufzen. Dazu brauchen wir nicht den Schreibpult oder den Ladentisch zu verlassen und auf die Knie zu fallen. Der Geist wird, auch während wir bei der Arbeit sind, unsere stummen, kurzen Bitten zum Gnadenthron tragen. (Charles Haddon Spurgeon)