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Kolosser 3,8

Kolosser 3,8

Andachten

Nun aber leget auch ihr alles ab: Zorn, Grimm, Bosheit, Lästerung, schandbare Worte aus eurem Munde!
Wieviel liegt in dem Wort: alles. Was für Gnadenabsichten hat der große Erbarmer mit seinen Kindern! Er will sie in sein Bild verwandeln und alles von ihnen abtun, was dieses Bild entstellt. Dabei sollen sie aber nicht den Mut verlieren und nicht verdrossen werden, wenn sie merken, wie immer wieder neue Versuchungen und Anfechtungen kommen. Ablegen kann ich eigentlich nur etwas, was nicht mehr zu mir gehört. Solange ich noch in der alten Haut stecke, kann ich unmöglich ablegen. Ist das nicht so? Wie kann ich die Leidenschaften ablegen, von denen hier die Rede ist, solange noch kein Boden gewonnen ist, auf den ich mich stellen kann, um gegen diese Feinde zu Felde zu ziehen. Dieser Boden ist die Gnade und das vollbrachte Werk Christi, in dem ich durch den Glauben stehe und immer wieder Stellung nehmen muss und soll.

Welch ein furchtbares Feuer der Leidenschaft brennt in unseren Herzen! Gehen wir auf den tieferen Grund dieser Ausdrücke leidenschaftlicher Erregungen, die uns hier genannt werden, dann hängen dieselben vielfach zusammen mit den Lüsten, die in den Gliedern streiten und besonders auch mit dem ungebrochenen Eigenwillen. Wie furchtbar sind die Erscheinungen, wenn ein Mensch von der Hölle entzündet seinem Zorn freien Lauf lässt, wie zeigt sich dann der Zorn im ganzen Wesen, in den Gebärden, im Grimm, welch eine Bosheit regt sich in dem Herzen gegen ein wirkliches oder vermeintliches Unrecht, das ihm angetan worden ist, wie strömen sündliche Worte aus seinem Mund, die den vermeintlichen oder wirklichen Feind wie eine Flut überschütten! Ach, es gibt arme Menschen, die fast nie aus der Erregung herauskommen, die bei der geringsten Veranlassung in Zorn geraten und dann ihrer selbst nicht mehr mächtig sind. Und das ist der Mensch, der so eifersüchtig auf seine Ehre ist und der das Haupt so hoch trägt und der meint, niemanden nötig zu haben, der so stolz auf die Errungenschaften seines Geistes oder Gewinnes ist, dass der große Gott im Himmel eigentlich überflüssig ist. Und doch hat die Weisheit von oben schon im Alten Bund bezeugt: „Wer seines Mutes Herr ist, der ist größer, als der Städte gewinnt.“

Gibt es denn ein Mittel, auch über diese Dinge Herr zu werden? Ja, gottlob! Denn sonst stände ich hier nicht. So legt auch ihr alles ab, Zorn, Grimm usw. Nicht, als würden Gottes Kinder nicht angefochten, nicht, als könnten sie nicht manchmal durch schmerzliche Erfahrungen gedemütigt werden, das ist wahr, und besonders wahr, wenn wir nicht in der Waffenrüstung sind. aber sie brauchen auch diesen Dingen nicht mehr zu dienen. „Ich sprach zur Lust, zum Zorn, zum Geiz, dafür hing mein Herr Christ am Kreuz.“ Und sie haben einen treuen und barmherzigen Lehrmeister, das ist ihr Heiland, der hat ihnen gesagt: „Lernet von mir, denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig, so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen!“ Und wenn sie sich selbst oder andere verwundet haben, so hat er auch Balsam, um zu heilen. O, dass auch dieses Wort der Ermahnung uns eine Verheißung und Anweisung werde auf seine allmächtige Gnade, die auch in dieser Beziehung in unserer Schwachheit mächtig sein und uns in sein teures Bild gestalten will! Paulus war gewiss ein leidenschaftlicher Charakter von Haus aus und doch, welch eine tiefe Demut und Sanftmut nehmen wir an ihm wahr! Das hat die Gnade an ihm vermocht! Auch wir haben zu dieser Gnade Zugang. (Heinrich Neviandt)


Nun aber legt Alles ab von euch, den Zorn, Grimm, Bosheit.
Unsre Epistel verbietet nicht nur, dass wir Böses mit Bösem vergelten, sondern sie geht noch tiefer und will auch allen Zorn aus dem Herzen verjagen, der sich da festsehen will, wenn uns der Bruder Unrecht getan hat. Zorn, Grimm, Bosheit, das sind Dinge, die dürfen und sollen im Christenherzen keine Wohnung haben. Sie sind Kinder der Bosheit und machen es unmöglich, dass man sich wieder versöhnt. Wo der Friede das zerrissene Liebesband wieder festknüpfen will, da kommt der Zorn und Grimm und zerschneidet es wieder, und die Feindschaft wird nur größer. Zorn und Grimm tun dem Bruder weh, ein zorniger Blick, ein grimmiges Begegnen - der Nächste fühlt es wohl. Zorn und Grimm haben ihre Lust daran, Gedanken der Bosheit gegen den Bruder auszudenken. Wenn dann der Bruder kommt und will die Hand zum Frieden reichen, dann rufen Zorn und Grimm mit mächtiger Stimme: Ich will nicht und die Bosheit reizt sie auf. Da sinkt der Friede ins Grab. Aber Zorn und Grimm tun uns selbst am wehsten. Wenn unser Herrgott uns Trübsal und bitter Leid sendet, das tut weh. Wer aber in Jesu Namen die Schmerzen duldet, der findet in allen Stürmen liebliche Stille und tröstenden Frieden. Ganz anders aber tut es weh, wenn Zorn und Grimm das Herz durchtost. O, wie das brennt! Schon der Gedanke an den Bruder, der unsern Zorn aufreizt, beißt an unsrer Seele, und sie kann nicht stille werden. Die himmlische Ruhe ziehet davon. So schafft Zorn und Grimm nur Herzeleid. Wir würden aber dem Mitmenschen weniger wehe tun, wenn wir mehr Zorn und Grimm gegen uns selbst beweisen wollten. Das wäre ein heiliger Zorn und ein gesegneter Grimm, wenn wir gegen unsre eigne Bosheit im tiefsten Herzen uns empören wollten. Dann gehen wir hin zu dem Herrn Jesu, der alle Sünde von uns nimmt und uns ein stilles Herz schenkt. Da wird der Zorn und Grimm gegen den Bruder ein Ende finden.

Lasst uns beten: Allmächtiger und barmherziger Gott, strafe uns nicht in Deinem Zorn und züchtige uns nicht in Deinem Grimm. Denn sonst gehen wir in unsrer Sündenschuld gar verloren. Treibe aus unsrer Seele alle Bosheit und allen Zorn und jeden Grimm gegen den Bruder, auch wenn er uns noch so sehr das Herz verwundet hat. Lass uns erkennen, wie wir den Andern und uns selbst nur unglücklich machen, wenn wir einen zornigen Sinn behalten. Gib uns den heiligen Zorn gegen unsre eigne Bosheit, dass wir heute diesen Tag und alle Tage unsres Lebens ernstlich danach verlangen, Vergebung und selige Ruhe zu finden unter dem lieben Kreuze Deines teuren Sohnes Jesu Christi. Amen. (Wilhelm Hunzinger)

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