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Kolosser 1,9

Kolosser 1,9

Andachten

Derhalben auch wir, von dem Tage an, da wir's gehört haben, hören wir nicht auf, für euch zu beten und zu bitten, dass ihr erfüllet werdet mit Erkenntnis seines Willens, in aller geistlichen Weisheit und Verstand, dass ihr wandelt würdig, dem Herrn zu allem Gefallen, und fruchtbar seid in allen guten Werken
Der Apostel hatte gute Nachricht erhalten über die Gemeinde in Kolossä. Sein treuer Gehilfe Epaphras konnte ihren Glauben und ihre Liebe rühmen. Das veranlasste aber l Paulus nicht zu meinen, es stehe nun alles glänzend bei den Kolossern, man brauche nicht mehr für sie zu beten; sondern im Gegenteil: von dem Tage an, da er so gute Nachricht erhalten hatte, hörten er und Timotheus nicht auf, für sie zu beten. Diese Tatsache ist sehr beherzigenswert für unsere Zeit. Ein eigentümlicher Zug, auch bei aller christlichen Tätigkeit unserer Tage ist: es wird alles veröffentlicht. Hat der Herr irgendwo etwas getan, so schreibt man darüber, rühmt und lobt die Werkzeuge und ihre Taten zuweilen in einer Weise, dass man den Eindruck bekommt, man vergesse gar zu sehr, wie nötig gerade da die Fürbitte sei, wo Gott ein Werk beginnt. Durch lauter Berichten, Großtun und Rühmen geht so vieles teilweise und ganz zugrunde, weil dadurch der Feind ein Recht an die Arbeiter und ihr Werk bekommt. 0 wie wird das vergessen! So manche Arbeit wäre besser gediehen, wenn sie mehr in der Stille und unter dem befruchtenden und bewahrenden Einfluss der Fürbitte geblieben wäre! Wie mancher Bruder hätte nicht Schaden an seiner Seele gelitten, wenn man, statt ihn zu rühmen, für ihn gebetet hätte! Folgen wir daher dem Vorbild des Paulus und lernen wir, die Menschen, an welchen und durch welche der Herr etwas getan hat, in treuer Fürbitte zu tragen, damit sie bewahrt bleiben, wachsen und noch fruchtbarer werden.

Müssen wir nun zugeben, dass es in unseren Tagen auch bei ernsteren Christen vielfach sehr an Licht über den Willen Gottes fehlt, so ist damit erwiesen, dass es am Besitz des Heiligen Geistes fehlt, und darum an Geisteslicht. Erkennen wir aber die Notwendigkeit der Erkenntnis des Willens Gottes, so müssen wir uns angetrieben fühlen, um den Heiligen Geist zu bitten.

Der himmlische Vater gibt seinen Geist denen, die ihn darum bitten (Luk. 11, 13). Soll uns aber der Geist Gottes erleuchten zur Erkenntnis des Willens Gottes, so müssen wir still werden. Viele könnten sich schon klar werden über Gottes Willen, aber sie sind zu unruhig, und vor lauter Unruhe hören sie des Geistes Stimme nicht. Läuft man dann in seiner Unruhe überall herum, um Verständige und Unverständige zu fragen, so wird man erst recht unklar und „weiß nicht mehr, wo einem der Kopf steht“. Werde erst still, dass dein Gott mit dir reden kann; dann wirst du klar. - Was ist bei vielen der tiefste Grund ihrer inneren Unruhe? In Wahrheit sind sie nicht so unklar über den Willen Gottes, wie sie vorgeben; aber sie haben noch ihren Eigenwillen, ihre eigene Lust. Diese Lust ist im Widerstreit in ihrem Herzen mit der Stimme des Geistes Gottes; darum die Unruhe und Unklarheit. Bekenne deine Unaufrichtigkeit, lass deinen Eigenwillen fahren, und du wirst bald klar werden. Das größte Hindernis, den Willen Gottes klar zu erkennen, ist des Menschen eigener Wille und eigene Lust; sein Ungehorsam gegen Gott.

Wieder andere nehmen sich keine Zeit, über den Willen Gottes klar zu werden und handeln, ehe sie den Willen Gottes erkannt haben. Das ist bedenklich und hat traurige Folgen. Es gibt viele Fälle, in welchen wir auf das Warten angewiesen sind; lernen wir warten, wo es nötig ist und hüten wir uns, uns von anderen treiben zu lassen. Es ist mehr als verdächtig, wenn uns jemand zum Handeln nötigen will, ehe wir Klarheit über den Willen Gottes haben. Fürchten wir uns vor I solchen Menschen; der Herr hat sie nicht gesandt sondern ! der Feind. Gott nötigt niemand, ohne Klarheit über seinen Willen zu handeln. Er gibt uns Zeit, auf seine Winke zu warten. Willst du Gottes Willen im einzelnen Falle erkennen, so musst du in Wahrheit den Willen Gottes tun wollen. Nur dann bekommst du Klarheit, und dann bekommst du sie ganz gewiss. Die Wege, auf welchen er dir seinen Willen kund tun kann, sind verschieden. Sehr oft redet er zu uns durch äußere Verhältnisse, so dass man ohne Mühe klar wird. Wenn z. B. ein Kind Lust hätte, in den Dienst der inneren oder der äußeren Mission zu treten, aber seine Eltern können es durchaus nicht entbehren, so hat es bei seinen Eltern zu bleiben. - Dann tut uns Gott seinen Willen besonders durch sein Wort kund. Werde nur recht daheim im Wort Gottes und es wird dir in vielen Fällen sofort klar sein, was du zu tun hast, während andere im unklaren sind. Man kann zwar auch Gottes Wort willkürlich deuten; kindliche und aufrichtige Seelen werden vor Willkür bewahrt. Haben wir mehr Erfahrung in den Wegen und in der Gemeinschaft des Herrn, so lernen wir die Leitung des Heiligen Geistes kennen. Wir dürfen aber nicht jedermann trauen, der von Geistesleitung redet. Nur demütige, gehorsame, innerlich still gewordene Seelen können durch die Stimme des Heiligen Geistes geleitet werden. Das eigentümliche Merkmal der Geistesleitung ist: entweder macht uns der Geist Gottes innerlich völlig ruhig über eine Same, so dass wir einen Schritt im Frieden Gottes tun können; oder aber beunruhigt er uns. Geschieht das letztere, so ist es eine göttliche Warnung vor einem Schritt. Leitung durch Gottes Wort und Geist sollte bei Christen das Normale sein. Wären wir mehr Geistesmenschen, so wäre Geistesleitung allgemeiner; sie ist das köstliche Vorrecht der Kinder Gottes. Wirkliche Geistesleitung kennt man an ihrer völligen Übereinstimmung mit Gottes geschriebenem Wort.

In manchen Fällen tut Gott uns auch seinen Willen kund durch erleuchtete, erfahrene Christen. Ach, dass wir mehr solche hätten! Es ist ein unbeschreiblicher Segen für jüngere Christen, wenn sie unter der Leitung von Vätern und Müttern in Christo stehen dürfen. Vor wie vielen Fehltritten und Missgriffen werden sie bewahrt! Wir dürfen aber bei solch menschlicher Leitung nicht zu vertrauensselig sein. Wer Führer sein will, muss sich in Wahrheit erst selbst vom Herrn führen lassen. Man kann sich Führerdienst anmaßen, ohne göttlichen Beruf hierfür zu haben. Darum sei vorsichtig! Kannst du aber erleuchtete Menschen zu Rate ziehen, so tue es dankbar. - Ein anderer beliebter Weg, den Willen Gottes zu erfahren, ist das Losziehen. ich selbst konnte mich beim Los nie beruhigen; Geistesleitung geht viel tiefer und ist viel sicherer als Losziehen. Wie verschieden kann man Bibelstellen, die man zieht, auslegen? Und wie manche ziehen zwei und drei Mal, um endlich nach Wunsch zu ziehen. Das ist sündige Spielerei. Es gibt ja ein Losziehen mit Gebet und mit aufrichtigem Herzen, den Willen Gottes zu tun. Ich sage nicht, dass der Herr in solchem Fall seinen Kindern seinen Willen nicht zeigen könne, und nicht schon oft gezeigt habe. Ich möchte daher Brüdern, die in dieser frommen Weise handeln, durchaus keinen Vorwurf machen. ich für mich ziehe es vor, mich vom Geiste Gottes leiten zu lassen und zu warten, bis der Herr mir Klarheit gibt. Die Hauptsache bleibt in allen Fällen, dass wir aufrichtig nach Gottes Willen fragen, um ihn zu tun. (Elias Schrenk)


“dass ihr erfüllet werdet mit Erkenntnis seines Willens in allerlei geistlicher Weisheit und Verstand.“
Es beglückt uns schon, wenn wir auf einem Gebiet, in einer Zweifelsfrage, in einer Schwierigkeit Gottes Willen klar erkannt haben und sich nachher herausstellte, dass da ein Stück wahrhaft geistlicher Weisheit und Verständnis bei uns gewesen ist. Aber dass das in jedem Fall so sein könnte, dass wir von solcher Begabung erfüllt würden - so kühn wie hier der Apostel bittet - wagen wir kaum zu glauben und zu bitten. Dabei kommen wir uns noch so brav, so nüchtern, so besonnen bei dieser falschen Bescheidenheit vor und ahnen nicht, dass dabei ein hartes Urteil über uns tönen könnte: „Ihr kriegt nichts, weil ihr nicht bittet.“ Ist es wirklich Bescheidenheit oder Unglauben, die „den Meister nicht bemühen“ will, oder ist es eine große Ration Eigenwillen, die erst selbstklug alle seine eigenen Wege ausprobiert, ehe er ganz bankrott die Hilfe von oben in Anspruch nimmt? Zur völligen Geistesleitung in allen Fragen, die über den natürlichen Verstand hinausgehen, gehören „eitel gläubige Herzen“, Menschen, die mit dem auf Jesum Hingeworfensein auch wirklich Ernst machen und ganz echte Bereitschaft, dem erhaltenen Winke auch wirklich zu gehorchen. Geisteswinke verpflichten; sie setzen Verantwortlichkeit voraus.

Herr Jesus, vergib uns unsere freiwillige Armut. Das war eine sündliche Torheit, dass wir deine Fülle nicht in Anspruch nahmen. Leite du uns und erfülle du uns mit deinem Geist! Amen. (Samuel Keller)


Derselben auch wir, von dem Tage an, da wir es gehört haben, hören wir nicht auf für euch zu beten und zu bitten, dass ihr erfüllt werdet mit Erkenntnis seines Willens in allerlei geistlicher Weisheit und Verstand, dass ihr wandelt würdig dem Herrn zu allem Gefallen und fruchtbar seid in allen guten Werken.
Wes das Herz voll ist, davon muss das Leben Zeugnis geben. Die Stimmung des Herzens und die Richtung des Wandels muss aus einem Stück sein. Darum gehört zu einem heiligen Wandel ein Gott geheiligtes Herz. Wo das Herz nicht erneuert ist, ist auch kein neuer Wandel möglich. Es kann wohl ein unbekehrter Mensch, wenn er's geraten findet, unter frommen Leuten sich den Schein der Frömmigkeit zu geben suchen. Aber es ist doch eine Schauspielerarbeit; er spielt eine eingelernte Rolle, und ohne dass er's ahnt, blickt auf einmal sein leibhaftiges Ich hindurch. Ein frommer Wandel erfordert ein frommes Herz, und wiederum ein frommes Herz einen frommen Wandel. Wer in Gottes Willen sein Leben findet, der muss auch nach Gottes Willen wandeln. Er gehört Gott; alles, was er ist und hat, das ist und hat er allein durch Gott, und so ist er einzig und allein auf Gottes Willen hingewiesen.

Oder sollte er etwa noch dem Fleisch und der Welt zu gefallen sein? Was kann das Fleisch ihm bieten? Jeder Gläubige weiß, was es für ein Handel mit dem Fleisch ist. So lange es reizt und lockt, so lange verheißt es Freude die Fülle. Aber ist sein Wille erfüllt, wie anders sieht es dann aus! Da muss der arme betörte Mensch merken, dass er sich selbst ein Schwert ins Herz gestoßen hat. Da tritt das Gewissen als scharfer, unerbittlicher Richter wider ihn auf und klagt ihn an, dass er wider sein besseres Wissen seinen Herrn verleugnet und seinen Gott beleidigt hat. Und er kann sich nicht verteidigen, kann sich nicht entschuldigen, wenn er's auch möchte. Sein Herz bleibt voll Unruhe, bleibt voll Qual, bis er endlich demütig und zerknirscht an seine Brust schlägt und mit dem Zöllnergebet vor Gott tritt: „Gott, sei mir Sünder gnädig“! Soll nun der Mensch, der dies nicht bloß einmal, sondern immer und immer wieder erfahren hat, nicht endlich nüchtern und weise werden? Soll er nicht endlich dahinkommen, sein Glück allein da zu suchen, wo es allein zu finden ist, in einem Wandel Gott zu gefallen?

Oder soll er der Welt zu gefallen sein? Was hat denn die Welt für den Gläubigen? Spott und Hohn, und nichts als Spott und Hohn. Scheidet der Gläubige sich von der Welt und zeigt er in seinem Leben einen entschiedenen christlichen Ernst, so nennt ihn die Welt einen Heuchler oder verlacht ihn als einen Narren. Und will er der Welt sich anbequemen, so fängt sie an, ihn zu verachten. „Was“, heißt es, „der Mensch will ein Christ sein, und lebt doch wie unser einer“! Die Welt weiß es ganz gut, dass des Christen Leben ein heiliges sein muss, und dass ihr Leben ein unheiliges ist. Mit der Welt kann der Christ sich nimmermehr auseinandersetzen; es bleibt ihm nichts übrig, als sich von ihr zu scheiden. Und wenn er auch alle Ehre von der Welt gewinnen könnte, was ist das, wenn er dabei das Wohlgefallen Gottes verliert? Ach, das wäre der schrecklichste Tausch, der sich denken lässt.

Gott zu Gefallen wandeln und fruchtbar sein in allen guten Werken, das ist es, was dem Christen geziemt. An der Frucht zeigt es sich, was an dem Samen ist. Ist nun Gottes Wille in unserm Herzen lebendig, welche Frucht muss dann folgen! Oder es müsste denn unser Herz ein harter und unfruchtbarer Boden sein. Und so ist denn der Mangel an guten Früchten ein Zeugnis wider uns selbst. Darum auf, und werdet fruchtbar in allen guten Werken! (Christian Klaus Kunel)

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nt/51/kolosser_1_9.txt · Zuletzt geändert: von aj
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