Philipper 3,13
Andachten
Ich vergesse, was dahinten ist, und strecke mich aus zu dem, was vor mir ist, und jage nach dem vorgesteckten Ziele, nach dem Kleinod, welches vorhält die himmlische Berufung Gottes in Christo.
Ich achte alles für Unrat, auf dass ich Christum gewinne und in ihm erfunden werde rc. Philipper 3,8.9.
Du suchst dir vieles, du strebst nach allerlei. - Eins, Eins fehlt dir doch, ein Kleinod, das alles in sich fasst. Suchst du und findest du dieses nicht, so wirst du am Ende nichts haben, weil du das Eine nicht hast, außer dem Alles nichts ist. Weißt du nicht, wer die Hand an den Pflug legt und zurück sieht, der taugt nicht ins Reich Gottes? Vorwärts! - Vor dir liegt das Kleinod; siehe nicht zurück auf das, was hinten liegt; lass Alles liegen und folge mir, ruft dir Einer von oben, der dir dies Eine vorhält. Achte Alles für Schaden, was Gewinn genannt wird auf Erden. Es ist nur Ein Gewinn. Christum gewonnen, Alles gewonnen; Christum verloren, Alles verloren. Wie Vieles liegt dir noch in deinem Sinn, in deiner Begierde! Wer nach einem vorgesteckten Ziele läuft, hat nur dasselbe Ziel immer im Auge; denn, so wie er dieses aus dem Auge verliert, läuft er Gefahr, sich von dem Ziele eher zu entfernen, als sich ihm zu nähern, oder auf Seitenwege zu geraten, oder lauter vergebliche Schritte zu tun. Unser Beruf ist himmlisch, göttlich: darum sei auch unser Sinn, unser Streben und unser ganzes Wesen und Wirken zum Himmel, zu Gott, zu Christus gerichtet. Weg Welt! weg Sünde! weg Ehre und Lust! weg Alles aus meinem Sinn und Herzen! Christus! Christus! du allein sei mein Ziel, mein Kleinod, nach dem ich ringe, bis ich dich ganz besitze und ganz in dir erfunden werde! (Johannes Evangelista Gossner)
Ich vergesse, was dahinten ist.
Weitaus die meisten Menschen haben viel Trauriges hinter sich, viel Untreue, Verirrungen, Befleckungen und nicht selten Laster. O, wenn man das Leben im Licht des Wortes und des Angesichtes Gottes anschaut, wie viel Sünde sieht man! Und alle diese Sünde muss vergeben sein, wenn man sie soll vergessen können. Paulus hatte auch viel Sünde hinter sich; zwar ist er immer ein sittlich ernster Mann gewesen, der es mit dem Gesetz genau nahm, soweit er es verstand; aber er war ein unerleuchteter Mensch, und konnte darum zu dem grausamen, schnaubenden Christenverfolger werden, der er war, so dass er sich nach seiner Bekehrung als den vornehmsten unter den Sündern ansah. Er vergaß, er konnte vergessen, was hinter ihm lag, weil er der Vergebung aller seiner Sünden gewiss war; sein Gewissen war durch Gottes Gnade befreit von allem Bann und allem Schuldgefühl. Wohl den Menschen, die Paulus nachsprechen können: ich vergesse, was dahinten ist! Gar Viele bringen es kaum so weit und Andere verlieren sehr viel Zeit, bis sie Alles vergessen können. Wie kommt es? Manchen fehlt es an gründlicher Buße und Anderen am einfältigen Glauben an die freie Gnade Gottes. Da, wo kein zerbrochenes, zerschlagenes Herz ist, wird mit der Sünde nicht gründlich aufgeräumt und gebrochen, es wird auch nicht aller Bann aus dem Herzen geschafft, weil man zu hochmütig ist, seine Sünden zu bekennen. So geht man dahin ohne rechten Frieden, ohne die Vergangenheit vergessen zu können, sie ist nicht abgemacht im Blut Jesu. Wo aber gründliche Buße ist, da glaube man doch, dass Gottes Gnade eine freie Gnade ist, die um Jesu willen Alles vergibt und vergisst, und was dein Gott vergisst, darfst du auch vergessen.
Herr, mein Gott! Habe Dank für Deine unendliche Gnade! Ich vergesse, was hinter mir liegt. Amen. (Elias Schrenk)
Ich vergesse, was dahinten ist, und strecke mich zu dem, das da vorne ist, und jage nach dem vorgesteckten Ziel, nach dem Kleinod, welches vorhält die himmlische Berufung Gottes in Christo Jesu.
Was vergisst Paulus? was ist dahinten für ihn? Zuerst alle irdischen Vorteile. Geburt, Ansehen, Eigenschaften und Gaben, worauf man in der Welt Wert legt. Alles, was nur für diese Welt ist, wirft Paulus in Christi Nachfolge hinter sich. Das ist ein Zeichen, dass man weiter kommt, wenn ein Stück des Alten nach dem andern abfällt und man frei wird von den vielen Eitelkeiten und Gebundenheiten, die das Herz so gefangen hielten. Was Paulus aber auch zweitens vergisst und was ihm nicht mehr genügt, das sind die geistlichen Anfänge im Gnadenleben. Was er bis hierher empfangen hat, so glänzend es unser Einem auch vorkommt, das ist dem Apostel noch so viel als nichts; je näher er Christo kommt, je mehr fühlt er, welch ein unendlicher Abstand noch ist zwischen ihm und seinem Herrn. Er kommt sich immer noch vor als ein armer Stümper und Anfänger; es muss noch so unendlich viel vorgehen in seinem Herzen, dass der Weg hinter ihm nichts ist gegen den Weg, der vor ihm liegt. Solch ein Christentum heißt nun für Viele ein übertriebenes. Wenn sie bis zu einer gewissen Linie gekommen sind, so genügen sie sich selber, und mit dem Jagen nach dem vorgesteckten Ziel hat es nicht mehr so Eile. Sie finden, dass sie seit einiger Zeit doch einige Fortschritte gemacht haben, und zehren dann gleichsam von ihrem eigenen Fett; man kann schon ein wenig ausruhen, wenn man, wie sie, des Tages erste Last und Hitze getragen hat. Was sieht man aber dann für ein Christentum, wenn die treibende Kraft nachlässt und man fußen will auf dem, was man schon errungen hat? Was dann das Leben regiert, ist nicht mehr Christus, sondern das liebe, glatte Einerlei. Man hat ein Dutzend Erfahrungen gemacht und dabei bleibt es; man ist erweckt, hat sein Schäfchen im Trockenen, und meint, man kenne nun den Herrn hinlänglich, und brauche nicht mehr so zu jagen, wie früher. O Jammer, dass sich auch nur Einer zu solch einem erbärmlichen Leben entschließen kann! Was sind unsere Errungenschaften, wenn wir uns damit begnügen wollen? Man lasse sich lieber begraben, als nicht mehr sich zu strecken nach dem, das da vorne ist. An der Macht der Anziehungskraft kann man die Macht des Glaubens erkennen. Wer sein Ziel im Auge behält, der sieht auch ein Kleinod, das Alles, was da hinten ist, überragt an Herrlichkeit. Wir sind nicht berufen stille zu stehen, auch nicht, wie Schildkröten heran zu schleichen, sondern Alles für Schaden zu achten gegen der überschwänglichen Erkenntnis Jesu Christi. Wer den Herrn nicht immer völliger will, der hat ihn noch gar nicht, und ist seiner nicht wert. Sei wacker und stärke das Andere, das sterben will; wer nicht mehr jagt, ist auch kein Christ mehr. (Friedrich Lobstein)
Ich vergesse, was dahinten ist, und strecke mich nach nach dem, das vorne ist.
Es ist herrlich, wenn uns das Sichtbare gleichgültig wird und uns nur noch das Unsichtbare am Herzen liegt. Wir sind wie ein Luftballon, der noch an die Erde gefesselt ist und nicht aufsteigen kann. Unser Aufstieg zum Himmel wird durch tausend Stricke und Bande gehemmt, und wir werden nur frei, wenn eins nach dem andern zerschnitten wird. Wenn wir fühlen, dass wir älter und schwächer werden, so löst Gott offenbar die irdischen Bande. Du hast vielleicht schon mehr Verwandte im Himmel als auf Erden; wenn du deine Freunde auf der Erde aufzählst, ist die Reihe bald zu Ende; aber zähle die Namen der Seligen, mit denen du Gemeinschaft hattest und die dir vorangegangen sind, und du bekommst eine lange Liste. Sei dankbar, dass dich so viele Bande hinaufziehen und so wenige hier unten festhalten. Der Weizen soll sich nur freuen über den Schnitt der Sichel, denn das ist ein Zeichen, dass er bald heim kommt in die Scheune. Was für ein prächtiger Anblick die Haufen geschnittener Garben auf dem Felde, die nur noch auf den Erntewagen warten! Und wie glücklich der Christ, der zwar noch in der Welt lebt, aber nicht mehr an ihr hängt! Er ist eine reife Garbe und hie und da lässt er ein Körnlein in die Erde fallen, denn er freut sich, wenn er noch Gutes tun kann; aber er steht nicht mehr in lebendigem Zusammenhang mit den Dingen hienieden; er sehnt sich nach dem Himmel. Der Erntewagen kommt; das Korn wird aufgeladen und unter Jubelrufen heimgefahren. Bald wird unser himmlischer Vater seinen Wagen senden, und wir, die wir reif und durch des Geistes Sichel von der Erde gelöst sind, werden im Siegeswagen, unter dem Jauchzen der Engel und dem Gesang der seligen Geister, in die ewigen Scheunen fahren. (Charles Haddon Spurgeon)